geboren am 14.04.1940 in Ornbau /D
Zeitliche Gelübde: 02.05.1961
Ewige Gelübde: 11.12.1965
Priesterweihe: 29.06.1966
verstorben am 12.06.2000 in Sekhukhune/RSA
beigesetzt in Glen Cowie/RSA

Pater Rudolf Friedl ist am Morgen des 12. Juni 2000 plötzlich und unerwartet gestorben. Erst vor zwei Monaten hatte er den 60. Geburtstag gefeiert. Am Morgen hatte er mit den Priestern des Dekanats Glen Cowie in Schoonord die heilige Messe gefeiert. Die Versammlung hatte gerade begonnen, als Rudolf ohne Anzeichen von Unwohlsein uns friedlich verlassen hat. Pater Günther Brosig spendete ihm sofort das Sakrament der Krankensalbung. Sein Tod ist wirklich wie „der Dieb in der Nacht“ gekommen. Alle anwesenden Mitbrüder und die Leute der Pfarrei Glen Cowie waren bestürzt. Für die Diözese ist sein Tod ein großer Verlust.

Pater Friedl wurde am 14. April 1940 in Ornbau, einer Kleinstadt von Bayern, als drittes von sechs Kindern geboren. Er absolvierte als Student des Internats der Comboni-Missionare die Oberschule in Ellwangen. 1960 begann er in Mellatz das Noviziat. Am 21. Mai 1961 legte er dort die ersten zeitlichen Gelübde ab. Dann zog er nach Bamberg, um an der Theologischen Fakultät der Stadt Philosophie und Theologie zu studieren. Am 11. Dezember 1965 weihte er sich durch die ewigen Gelübde Gott und dem Missionsdienst. Am 29. Juni 1966 wurde er in Bamberg zum Priester geweiht.

Anfang Januar 1967 landete er bereits in Südafrika. In Middelburg vervollständigte er seine Englischkenntnisse. In Luckau lernte er anschließend die Sepedi-Sprache, in der er es zu großer Fertigkeit brachte, und zwar nicht nur mit Hilfe des Studiums, sondern besonders durch die Kontakte mit den Leuten. In Burgersfort begann er seine Missionstätigkeit (1968-1972). Rudolf brachte den Leuten große Achtung entgegen. Nach dem II. Vatikanischen Konzil förderte er die Mitarbeit der Laien in der Kirche. Er baute nicht nur Kirchen, sondern führte die Pfarrgemeinderäte ein und nahm sie auch ernst.

1972 wurde er nach Luckau versetzt und zum Leiter des Knabenseminars der Diözese ernannt. Nach seinem Heimaturlaub wurde er 1974 Pfarrer von Luckau. 1981 übernahm er als Hausoberer und Pfarrer die Missionsstation Glen Cowie, die größte Pfarrei der Diözese Witbank.

Die Versetzung von der Diözese Witbank in die Erzdiözese Pretoria, von einem ländlichen in ein städtisches Umfeld, verlangte von Pater Rudolf eine radikale Umstellung. Gleich zwei Pfarreien wurden ihm anvertraut: die St. Augustin-Pfarrei von Silverton und die St. Peter Claver-Pfarrei von Mamelodi. Er stand vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Die Bevölkerung von Silverton war europäisch, jene von Mamelodi afrikanisch. Vor dem Fall der Apartheid und der Einführung der Demokratie nach der Befreiung von Nelson Mandela gab es innerhalb der Katholischen Kirche große Spannungen. Pater Rudolf litt sehr darunter. Nach vier Jahren wurde die Pfarrei Silverton anderen Mitbrüdern übertragen, und er übersiedelte in die Pfarrei Mamelodi East. Die Stadt dehnte sich gewaltig aus, und die Bevölkerung nahm ständig zu. Pater Rudolf hatte die Hände voll zu tun und bemühte sich auch um die Menschen, die sich dort ohne Erlaubnis niederließen.

Die Schwierigkeiten und die viele Arbeit zehrten an seinen Kräften, so dass er 1995 um ein Sabbatjahr bat, das er im Heiligen Land und in Irland verbrachte. Nach dieser Pause wurde er in die DSP versetzt, um in Neumarkt in der Missionarischen Bewusstseinsbildung zu arbeiten. Diese Arbeit jedoch lag ihm gar nicht. Nach 28 Jahren Missionsarbeit in Südafrika hatte er dort tiefe Wurzeln geschlagen. Er bat, wieder nach Südafrika zurückkehren zu dürfen und dort zu sterben. Im August 1999 war er bereits wieder Pfarrer von Glen Cowie. Inzwischen aber hatte sich in Südafrika vieles verändert, auch in der Pfarrei Glen Cowie. Die Gruppe der Comboni-Missionare war international geworden. Pater Rudolf machte auf viele oft einen müden Eindruck.

Am 17. Juni fand der Sterbegottesdienst in der Pfarrkirche von Glen Cowie statt. Die Kirche konnte die Gläubigen kaum fassen. Aus allen Pfarreien, in denen Pater Rudolf gewirkt hatte (Burgersfort, Luckau, Mamelodi und Silverton), waren Abordnungen gekommen. Auch eine seiner Nichten mit ihrem Mann und einem Sohn waren als Vertreter der Familie von Deutschland angereist. Bischof M. Pater Nkhumishe, der sich erst vor drei Monaten von der Diözese verabschiedet hatte, war von seiner neuen Diözese Pietersburg gekommen, um dem Gottesdienst vorzustehen. Der Provinzobere Pater Bernhard Riegel sprach in seiner Predigt von den Seligpreisungen und zeigte auf, wie Pater Rudolf die Werte und die Haltung der Söhne des Reiches in seinem Missionsdienst und seiner Hingabe verwirklicht hatte.

Die Redner der einzelnen Pfarreien unterstrichen die Liebe von Pater Rudolf zu den Menschen, besonders zu den Armen, den Kranken und Einsamen. Äußerst bewegend war das Zeugnis der Frau des Präsidenten Ramatlhodi von der Nordprovinz. Sie erzählte, dass Pater Friedl ihre Familie während der dunklen Tage der Apartheid unterstützt und sie im Exil besucht hatte. Pater Rudolf wurde im Friedhof von Glen Cowie neben den verstorbenen Mitbrüdern jener Mission beigesetzt. Sein Wunsch, seine Missionstätigkeit in Afrika zu beenden, hatte sich erfüllt.

Pater Rudolf hat die Leute geliebt und ein offenes Herz für ihre Bedürfnisse und Leiden gehabt. Seine Worte und Handlungsweisen erweckten manchmal den Eindruck von Rauheit und Naivität, aber sein Herz strömte Ehrlichkeit und Großzügigkeit aus. Mehrere Jahre war er Mitglied des Comboni-Fonds und des Komitees für Entwicklung der Erzdiözese Pretoria. In Luckau und besonders in Glen Cowie förderte er Entwicklungsprojekte wie den Bau von Mühlen und Silos für die Bevölkerung von Sekhukhune. Die Brüder unterstützten seine Initiativen und betonten die gute Zusammenarbeit mit ihm. Ein Bruder erwähnte, dass er ihm gerne seine Mitarbeiter vorstellte. Alle, Brüder und Arbeiter, Weiße und Schwarze waren gleicherweise am Mittagstisch willkommen. Das war in der Zeit der Rassentrennung nicht selbstverständlich, auch nicht in den Comboni-Gemeinschaften. Brüder und Arbeiter staunten über seine Offenheit.

Pater Rudolf liebte das Gemeinschaftsleben. In Pretoria traf er sich jeden Montag mit Priestern und Laien, um etwas Sport zu betreiben. Er spielte gern Fußball und Tennis. Er schätzte dieses Beisammensein, denn es gab ihm Kraft und Mut, besonders wenn er sich bei seiner Arbeit allein gelassen fühlte. Pater Rudolf war ein treuer Ordensmann, der das Gebet und die tägliche Betrachtung pflegte und das Stundengebet liebte.

R.I.P.

Pater Johann Maneschg