Unser MaZ-Blog

Aktuelle Berichte und Fotos aus den Einsatzländern

Unsere Missionarinnen und Missionare auf Zeit im Einsatz erleben eine ganze Menge – und darüber bloggen sie auch in unserem MaZ-Blog. Unter der Adresse www.cosamaz.org kannst du alle Erfahrungsberichte unserer MaZ lesen – und schon mal ein wenig Fernweh bekommen. Hier einige ausgewählte Rundbriefe von unseren MaZ:

Reichtum und Armut

Mein Freiwilligendienst in dem kleinen Dorf Alenga in Uganda neigt sich langsam dem Ende zu. Ein Jahr lang habe ich hier an der örtlichen Nähschule die Fächer Computer und Englisch unterrichtet. Zusätzlich konnte ich einen Einblick in die Kultur der „Langi“, wie sich das Volk in diesem Gebiet nennt, erhalten, mich mit den Dorfbewohnern anfreunden und mich mit ihnen austauschen. Ein unglaublich interessanter und prägender Abschnitt meines Lebens geht nun leider zu Ende. Ich möchte als Abschluss, sozusagen als Endspurt, einige meiner Erfahrungen, Gedanken und Erlebnisse mit Ihnen teilen, bis hin zu der Woche, in der ich mein zweites Zuhause schweren Herzens wieder verlassen werde.

In einem kleinen Experiment habe ich einige meiner Schülerinnen gefragt, was sie unter Reichtum verstehen. Ihre Antworten waren immer ein und dieselbe: viel Geld zu haben. Doch es sind nicht nur meine Schüler, sondern der Großteil der Menschheit, der dieses Bild vom Reichtum hat. Vor allem hier in Uganda fällt mir ein Ungleichgewicht auf, was die Verteilung des Geldes anbelangt. In Kampala, der Hauptstadt, reihen sich Luxusvillen an Slums. Das zeigt bildlich, was global vor sich geht. Da sind die Einen, die schon fast im Geld schwimmen, und im Kontrast dazu die Anderen, die noch nicht einmal genug Geld haben, um sich Seife oder anständige Kleidung leisten zu können. Dabei sind wir es, die im Geld schwimmen, und das weiß jeder Ugander, hier im Dorf genauso wie in der Großstadt. In der Hauptstadt Kampala will jeder Boda-Boda-Fahrer (Moped-Fahrer, die Menschen von A nach B bringen) den reichen „Muzungu“ (Swahili für „Weißer“) mitnehmen, um ein wenig mehr Geld zu verdienen, als er von einem Einheimischen bekommen kann. In Alenga und Umgebung wurden wir schon von wildfremden Menschen nach Geld gefragt. Doch je länger ich hier bin, desto mehr verstehe ich, was Reichtum wirklich bedeutet. Es geht nicht darum, möglichst viel Geld zu haben oder viel zu besitzen. Es geht nicht darum, ein tolles Auto zu fahren, ein neues Smartphone zu haben oder viele Designermöbel im Haus stehen zu haben. Natürlich sind in der heutigen Gesellschaft Dinge wie Auto, Smartphone und andere Besitztümer nicht mehr wegzudenken. Aber braucht eine Familie wirklich zwei oder gar mehrere Autos?

Unser Weg steht fest: beende die Schule, studiere oder mache eine Ausbildung, gehe arbeiten und mache Karriere. Doch wozu das Ganze? Um in Geld schwimmen zu können? In meinen Augen sind die Dorfbewohner Alengas die Menschen, die wirklich reich sind, auch wenn sie das selbst nicht wissen. Hier haben die Menschen noch Zeit, auf der Straße anzuhalten, um sich zu grüßen, um eine kurze Unterhaltung zu führen. Meine Abendspaziergänge sind unterbrochen von unzähligen Smalltalks mit Freunden, aber auch mit Unbekannten. Außerdem haben die Menschen ihren Glauben, der ihnen Halt gibt. Glaube bedeutet hier Gemeinschaft und Freude. Father Stan, der Mentor meiner Mitfreiwilligen Patricia und mir, meinte einmal, das Problem der westlichen Welt sei, alles beweisen zu müssen. Aber braucht Gott einen Beweis?

Ich bin unendlich dankbar, dieses Freiwilligenjahr gemacht zu haben, allein schon deshalb, weil die Menschen hier mir gezeigt haben, was der Glaube an Gott wirklich bedeutet. Es geht nicht darum, Gottes Existenz zu beweisen, sondern um die eigene, persönliche Spiritualität jedes Individuums.

Hinzu kommt, dass die Dorfbewohner Kenntnisse über Dinge haben, die wir vergessen haben und die meine Generation kaum mehr kennt. Fast jeder der Dorfbewohner versorgt sich beinahe komplett selbst, indem er seine eigenen Nahrungsmittel anpflanzt. Natürlich, wie ich in einem früheren Bericht erwähnt habe, hat das auch Nachteile, wenn der Klimawandel dann einen Strich durch die Rechnung macht. Aber wieso bauen wir denn kaum mehr etwas an? Das kleine Kräuterbeet zählt nicht. Ist es die Zeit (ein weiterer Aspekt, in dem wir arm sind)? Oder einfach das fehlende Wissen? So traurig es ist, aber ich habe in Alenga gelernt, wie man den Garten umgräbt und musste nach zehn Minuten aufhören, weil ich Blasen an den Händen hatte. In meiner Generation weiß schon kaum jemand mehr, wie man von Hand Gartenarbeit verrichtet. Wie wird das wohl in der nächsten Generation aussehen?

Reichtum liegt also im Auge des Betrachters. Wenn man die Dorfbewohner so ansieht, so sieht man auf jeden Fall auch, was diese haben und uns fehlt. Dennoch sollte man niemals vergessen unsere Heimat wertzuschätzen. Uns geht es sehr gut in Deutschland, und das Meiste habe ich, bevor ich nach Alenga gekommen bin, kaum wahrgenommen. Das reicht vom Gesundheitssystem über das Sozialsystem bis hin zum Schulsystem. Es gibt unendlich viel auszusetzen, doch wo, außer in einigen sehr vereinzelten Ländern, ist Bildung schon gratis? Hier in Uganda besteht jedenfalls der Großteil der Geldausgaben einer Familie aus Schulgeld. Und wer kein Geld hat, dessen Kinder bleiben eben leider zu Hause.

Sie können Kinder in Alenga und Umgebung unterstützen und ihnen eine gute Schulbildung ermöglichen, indem Sie mit einer Patenschaft übernehmen. Für eine gesamte Patenschaft zwischen 26€ und 38€ monatlich je nach Schulart. Ich stelle auch Gruppen zusammen, falls man eine Teilpatenschaft vorzieht. Dann fallen pro Monat zwischen 3,30€ und 4,80€ an. Bei Interesse nehmen Sie mit mir Kontakt auf. E-Mail: tritti02.oko@gmail.com.

Fiona Trittler

Das Leben in Alenga

In diesem Bericht möchte ich nicht darüber erzählen, wie mein Leben in dem kleinen Dorf Alenga in Uganda ist, wo ich für ein Jahr im Rahmen eines Freiwilligendienstes an der örtlichen Nähschule die Fächer Computer und Englisch unterrichte, sondern darüber, wie das Leben der Dorfbewohner ist, wie deren Alltag abläuft und welche Traditionen sie haben.

Vorab muss gesagt werden, dass ich bei dem Bericht lediglich beschreibe, was ich sehe und dass das Leben der Dorfbewohner Alengas keinesfalls in ganz Uganda oder gar ganz Afrika genauso abläuft. Wenn ich eines gelernt habe, dann dass man Afrika nicht pauschalisieren kann. In Kampala, der Hauptstadt Ugandas, sieht der Alltag nochmal völlig anders aus, und ich habe auch schon ähnliche Lebensmodelle wie in Deutschland gesehen.

Hier in Alenga ist das jedoch anders. Die Menschen wohnen in Lehmhütten, in manchen Fällen besitzen sie noch zusätzlich ein kleines Steinhaus, doch der Großteil des Lebens spielt sich draußen ab. Die Hütten dienen lediglich zum Schlafen oder Kochen. Jegliche Arbeit, wie Bohnen oder Erdnüsse sortieren, Süßkartoffeln schälen oder irgendwelche Samen klein stampfen, wird vor den Lehmhütten erledigt. Zubereitet wird das Essen dann in der „Koch“-Hütte oder ebenfalls draußen, über offenem Feuer.

Das wohl am meisten verzehrte Gericht in Alenga ist „Posho and Beans“ – ein fester Maisbrei mit Bohnen. Manchmal gibt es auch Cassava (eine Wurzel), Millet (ein Brei aus Samen) oder, wenn die Saison gut ist, Süßkartoffeln. Zusätzlich kann man das Ganze mit „Greens“ (spinatähnliche Blätter) servieren. Für besondere Anlässe, wie etwa der Besuch einer höher gestellten Person, kann auch mal ein Hühnchen oder für große Feste, wie Hochzeiten, eine Ziege geschlachtet werden, natürlich von dem Hausherren im eigenen Garten.

Gekocht wird selbstverständlich alles von der Frau. Eine Frau, die nicht kochen kann, gilt hier als nutzlos. Außerdem bekommt die Frau in den meisten Fällen sehr früh Kinder. Mit meinen 19 Jahren wird es bei mir somit langsam echt Zeit, schließlich erwarten andere in meinem Alter bereits ihr zweites Kind. Weil, wenn die Frauen nicht früh genug anfangen, wie sollen sie es denn sonst schaffen, sechs bis zwölf Kinder zu gebären?

Geheiratet wird oft erst, wenn bereits eines oder mehrere Kinder da sind. Das liegt daran, dass die Mitgift, die an die Familie der Frau gezahlt werden muss, sehr teuer ist und die Familie des Mannes diese meistens nicht sofort aufbringen kann. Die Mitgift wird gegeben, weil die Frau in die Familie des Mannes gegeben wird. Im Gegenzug bekommt die Familie der Frau dann Kühe (die Anzahl wird anhand ihres Bildungsgrades entschieden), Hühner, Öl, Seife, Töpfe oder Ähnliches. Deshalb ist es hier auch unüblich als Frau einen ärmeren Mann zu heiraten, da dieser die Mitgift niemals aufbringen könnte.

Auch arrangierte Ehen sind noch immer gang und gäbe im Volk der Langi, doch wenn der selbst auserwählte Partner der Familie zusagt, dann ist eine arrangierte Ehe nicht unbedingt nötig.

Geschiedene habe ich hier noch gar keine gesehen. Jedoch habe ich mit mehreren Frauen gesprochen, die sich nicht mehr so gut mit ihrem Mann verstanden haben, sodass sie zwischenzeitlich getrennt von diesem gewohnt haben, später jedoch wieder zusammengezogen sind.

Wohlhabendere Männer arbeiten in der nächsten Stadt (Lira), doch die meisten sind Farmer, die sich mit den eigens angebauten Nahrungsmitteln versorgen. Früh morgens bricht die Familie auf, um den Garten umzugraben, Nahrungsmittel anzupflanzen oder zu ernten, was hier sehr harte Arbeit bedeutet, da lediglich eine einfache Hacke als Werkzeug dient.

Nicht selten trifft man auf sogenannte „Drunkos“, betrunkene ältere Männer, die das letzte Kleingeld der Familie dafür verschwenden, ihren Frust im Alkohol zu ertränken. In solchen Fällen liegt es an der Frau, zusätzlich zum Haushalt auch noch Geld zu verdienen, um das Schulgeld bezahlen zu können. Einnahmemöglichkeiten gibt es zahlreiche: Cassava-Schnaps brennen, Schweine oder andere Tiere groß ziehen und dann verkaufen, Chapati (ein pfannkuchenähnliches Gebäck) braten. Doch nur in wenigen Fällen reicht das Geld aus, um alle Kinder in die Schule schicken zu können.

Sie können die Kinder hier im Rahmen einer Patenschaft unterstützen, und dafür sorgen, dass diese eine gute Schulbildung erhalten. (Kosten: zwischen ca. 24€ und 38€ pro Monat, je nach Schulart / für Schüler und Studenten: Gruppen, die sich den Betrag teilen: 3€, 3,90€ oder 4,90€ pro Monat) Kontakt: tritti02.oko@gmail.com

An dieser Stelle möchte ich mich selbst und im Namen der Dorfbewohner, der Verantwortlichen vor Ort, sowie der Schüler herzlich bedanken für die großzügigen Spenden, die bereits eingetroffen sind, und die noch kommen werden! Durch Ihre Spenden werden große und kleine Projekte möglich gemacht. Die Schülerinnen der Nähschule haben Moskito-Netze zur Malariavorbeugung erhalten, genauso konnten wir ein neues Volleyballnetz und Stühle für die örtlichen Schulen finanzieren, sowie neue Uniformen für die Hebammen der örtlichen Krankenstation bezahlen.

Als nächstes möchten wir außerdem den Schlafsaal der Nähschule renovieren, der in einem sehr schlechten Zustand ist. Nachts wird es unmenschlich heiß aufgrund der fehlenden Fenster, die Decke ist undicht, sodass es manchmal hineinregnet, und allgemein sieht das Gebäude so aus, als würde es bald zusammenfallen. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

Liebe Grüße aus Alenga!

Fiona Trittler

Wie der Klimawandel Existenzen zerstört

Heutzutage ist es ein riesiges Thema, um das man im Grunde überhaupt nicht herum kommt: der Klimawandel. Vor allem durch „Fridays for Future“-Demonstrationen ist er nochmals in den Vordergrund gerückt. Doch was bedeutet der Klimawandel für uns? Natürlich, wir bemerken ihn an dem sich ändernden Wetter. In Deutschland wird rumgemotzt, es gebe keinen Schnee an Weihnachten, sei viel zu kalt im Januar und viel zu heiß im Sommer. Doch haben Sie jemals Angst haben müssen, kein Wasser mehr zu haben? Haben Sie jemals Angst haben müssen, dass das Essen zu knapp wird? Haben Sie jemals Angst haben müssen, dass Ihre Kinder nicht ausreichend versorgt sind? Die Wahrheit ist, dass uns der Klimawandel (noch) wenig betrifft. Wer wirklich darunter leidet, sind Menschen, die nur wenig dafür verantwortlich sind. Die Menschen, die in den Entwicklungsländern leben. Die Menschen, die nicht einmal die Möglichkeit haben, die Umwelt zu verpesten, weil sie sich kein Auto leisten können.

Seit August 2018 bin ich als Freiwillige in dem kleinen Dorf Alenga in Uganda, wo ich an einer Schule unterrichte. Und die Menschen hier sind die wahren Opfer des Klimawandels, den sie selbst nicht einmal verursachen. Hier fehlt, wie bereits erwähnt, den meisten Menschen das nötige Kleingeld, um mit dem Auto zu fahren, oder gar ein Flugzeug zu besteigen. Gereist wird umweltfreundlich mit dem Fahrrad, und falls es dann einmal doch eine weitere Strecke sein sollte, dann fährt man mit dem Matatu (Sammeltaxi). Keiner kauft die Lebensmittel im Supermarkt, wo die Ware von der anderen Seite der Weltkugel hertransportiert wird. Die Dorfbewohner haben nur in Einzelfällen Strom, der Großteil benutzt nachhaltige Solarlampen, die tagsüber von der prallen Sonne aufgeladen werden. Wenn es einen besonderen Anlass gibt, dann werden im Hof ein paar Hühnchen oder eine Ziege geschlachtet; keiner kauft Billigfleisch, das Unmengen an Emissionen verursacht hat.

Mitte Februar hätte die Trockenzeit eigentlich aufhören und der Regen kommen sollen. Bis heute kam nur wenig Regen, was nicht normal für diese Zeit des Jahres ist, und den Dorfbewohnern, von denen die meisten Farmer sind, ist es nicht möglich Nahrungsmittel anzupflanzen. Das Regenwasser wird knapp, genauso wie das Essen, und tief in den Dörfern wird aus zwei Mahlzeiten pro Tag nur noch eine.

Aber das ist noch lange nicht alles. Den Farmern ist es nicht möglich Geld einzunehmen. Dadurch hat sich das Problem, das Schulgeld zu bezahlen, nochmals sehr verstärkt. Laut meinem Kollegen an der Schule wird sich die Anzahl der Schüler zum nächsten Schulhalbjahr sehr verringern, da die Saison nicht gut ist und somit kein Geld vorhanden ist. Einige Internate wurden sogar schon geschlossen, da das Essen nicht ausreicht, um die Schüler ausreichend zu versorgen.

Nicht nur das Schulgeld wird zum Problem. Auch die Behandlung von Krankheiten kann nicht mehr bezahlt werden. Die Hälfte meiner Schüler ist momentan krank, hat Malaria, Typhus oder Zahnschmerzen, und viel zu viele können sich die Behandlung nicht leisten. Tag für Tag quälen sie sich in den Unterricht, bis die Eltern das restliche Geld zusammengekratzt hat, um Tabletten zu kaufen. Die Anzahl der Patienten in der Geburtenstation Alengas ist deutlich geschrumpft, da die Frauen entweder auf dem Feld arbeiten helfen müssen, oder da kein Geld für den Transport vorhanden ist.

Wartet man nun einige Jahre, wird es sicher nicht besser, wenn wir so weiter machen. Aus der Trockenzeit kann schnell eine Dürre werden. Der Hunger, der für das Volk der Langi, deren Land fruchtbar ist, nie ein großes Problem gewesen ist, wird zum Problem werden. Schon dieses Jahr wurden die Bohnenpreise höher, die nächsten Jahre werden sie unbezahlbar für die einfachen Farmer hier.

Der Klimawandel mag uns vielleicht jetzt noch nicht betreffen, wie er die Menschen hier betrifft, doch das wird sich ändern, wenn wir so weiter machen. Ich möchte keinesfalls den Belehrenden raushängen, oder gar sagen, dass ich es perfekt mache. Jedoch war mir persönlich dieses Ausmaß nicht bewusst, bis ich es mit eigenen Augen gesehen habe …

Ich möchte mich herzlich bei allen bedanken, die bisher gespendet haben und die noch spenden werden. Durch Ihre Spenden konnten meine Mitfreiwillige Patricia und ich Stühle für die „Alenga Primary School“ (Grundschule), Moskitonetze zur Malariavorbeugung, sowie ein neues Volleyballnetz für meine Schule finanzieren. Weitere Projekte sind noch in Arbeit, und ich werde Sie diesbezüglich auf dem Laufenden halten. Bei Interesse können Sie auch gerne auf Patricias und meinem Blog vorbeischauen: https://fionaundpatricia.wixsite.com/uganda

Falls Sie ein Kind im Rahmen einer Patenschaft unterstützen und dafür sorgen wollen, dass es eine gute Schulbildung erhält (Primary School: 30€ pro Monat; Secondary School: 37€ pro Monat; Blinden-und Taubstummenschule: 26€ pro Monat; für Schüler und Studenten: Gruppen, die sich den Betrag teilen: 3,80€ oder 4,70€ pro Monat), können Sie sich gern bei mir melden. Kontakt: tritti02.oko@gmail.com

Fiona Trittler

Patricias 3. Rundbrief

„Das ist schon eine ganz andere Welt als bei uns, gell?“, schrieb mir meine Tante kürzlich via Whatsapp. Und irgendwie hat mich das zum Nachdenken angeregt. Denn mein erster Reflex wäre gewesen, einfach „ja klar“ zu schreiben. Doch ganz so einfach ist diese Nachricht nicht zu beantworten. Denn, um ehrlich zu sein, kommt mir mein Leben und die Welt hier mittlerweile vor wie das Normalste der Welt. Beweis dafür ist, dass ich beim Essen mit den Händen es mittlerweile schaffe, dass meine Kleidung sauber bleibt und den Rosenkranz auf Lango kann ich im Schlaf aufsagen. So schwer es mir in Deutschland fiel, mir ein Leben in Uganda auszumalen, so schwer fällt es mir jetzt, an ein Leben in Deutschland zu denken. Ehrlich gesagt kann ich mir kaum vorstellen, nicht mehr jeden Tag meine rosa Health Center- Uniform zu tragen, nicht mehr Poscho und Bohnen zu Mittag zu essen und nicht mehr jeden Morgen, wenn ich beim Wasser holen noch verschlafen aus der Wäsche gucke, mit einem wachen „Iburabei!“ von den Schülerinnen begrüßt zu werden.

Damit auch euch in Deutschland meine Welt hier weniger fremd vorkommt, möchte ich euch anhand von einigen Aspekten Einblick in meine letzten Wochen und Monate geben:

Kultur und Tradition

In den letzten Monaten hatte ich einmal mehr die Chance, die Traditionen und Kultur der Lango hier mitzuerleben und mitzufeiern. Mitte Februar heiratete die Schwester meiner Freundin ihren Mann im ganz traditionellen Rahmen. Den anwesenden Radiomoderator (nicht selten werden hier Hochzeiten nämlich im lokalen Radiosender übertragen) kannten Fiona und ich aufgrund der letzten Hochzeit schon, denn er machte sich auch diesmal wieder einen Spaß daraus, im Radio zu verkünden, dass hier gerade zwei Weiße anwesend seien. Spannend mitzuerleben für uns war auch die Tradition des gegenseitigen Vorstellens und Empfangens des jeweiligen Clans der Frau und des Mannes, die tanzten, jubelten und ihre Clanfahne schwangen. Zudem gehört es zur Hochzeit dazu, dass der Ehemann und seine Freunde die Ehefrau „finden“ müssen. Kleingruppen von Frauen tanzen herbei, knien sich hin und die Männer gehen darum herum und entscheiden, ob die Ehefrau dabei ist oder nicht. Einmal haben Fiona und ich uns den Spaß gemacht, auch als Teil einer Frauengruppe mitzutanzen und uns hinzuknien.

Bei den Langi hier besteht eine Hochzeit traditionell aus zwei Teilen, der Hochzeit und der Introduction. Die Introduction ist quasi die Verlobung, nur dass es hier noch zur Kultur gehört, dass die Familie des Mannes der Familie der Frau Kühe, Ziegen und einiges mehr zahlen muss. Die Anzahl der Kühe wird dabei ausgehandelt, wobei besonders die Bildung der Frau entscheidend ist. Hat sie die Primary School zum Beispiel nicht abgeschlossen, ist sie ein bis zwei Kühe wert, hat sie dagegen sogar an einer Universität studiert, so können es gar 11 Kühe sein. Auch bei einer solchen Introduction-Feier waren wir schon einmal dabei, allerdings nicht als Gäste, sondern als Helferinnen, und so haben wir bei den Vorbereitungen und dem Kochen geholfen. Denn das Essen ist bei jenen Feierlichkeiten ein sehr wesentlicher Bestandteil, zur Feier des Tages gibt es Fleisch, (mmh lecker) Innereien, und all jene anderen traditionellen Gerichte.

Gemeinschaft

Als am 23. März dann in Alenga eine große kirchliche Hochzeit anstand, haben wir uns mit dem Chor anderthalb Wochen vorher täglich getroffen, um die Lieder für die Hochzeit zu üben. Ich hätte nie gedacht, dass mir Singen eines Tages so viel Spaß machen könnte, denn die beste Sängerin bin ich beim besten Willen nicht. Doch die Lebensfreude, die gute Laune im Chor und der herzliche Umgang untereinander, der mir das Gefühl von Familie gibt, ist einfach unbeschreiblich.

Zur allgemeinen Erheiterung wagen Fiona und ich uns nicht selten an das Mittanzen zu den Liedern im hier traditionellen Stil, auch wenn es alles andere als einfach und auch ziemlich anstrengend ist. Naja, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister.

Gemeinschaft ist der Chor auch deshalb, weil ich durch ihn viele Frauen (und manche Männer) der Gemeinde besser kennengelernt habe und neue, tolle Freundschaften entstanden sind, wie zum Beispiel zu Magret, mit der wir zusammen Ostern gefeiert haben.

Die Hochzeit selber war dann natürlich auch ein ganz besonderer Tag, denn etwas dieser Dimension hatten wir bislang nicht erlebt. Schon generell sind kirchliche Hochzeiten hier recht selten, doch ein Brautpaar, das vom Bischof höchstpersönlich getraut wird, gab es in Alenga meines Wissens noch nie. Was dazu führte, dass die Hochzeit sehr pompös war, mit sechs Priestern, vier Parlamentsmitgliedern, einem eigenen Kamerateam und einer von Glitzersteinen und Silber nur so schimmernden und glänzenden Braut. Sogar ein bisschen Deutschland fand Platz: Zu unserer aller Begeisterung spielte eine Blaskapelle, und hinter dieser marschierten wir als Chor dann her und geleiteten so das Auto mit dem Brautpaar zu deren Hof, auf dem nun die Feier stattfand. Nach ugandischer Tradition wurde als Dankeschön für diverse Organisatoren und Beteiligte Kuchen verschenkt. Als Chor durften auch wir unseren Kuchen mit viel Jubel und Tanzen in Empfang nehmen.

Lebendigkeit des Glaubens

Die Lebendigkeit des Glaubens durfte ich einmal mehr erfahren, als wir zusammen mit zehn Frauen aus unserer Kirchengemeinde einen Ausflug nach Lira (der nächsten, ungefähr drei Stunden entfernten wirklichen Stadt) unternahmen. Anlass war die Amtseinsetzung des neuen Bischofs unserer Diözese hier. Zusammen mit vielen anderen feierten wir Gottesdienst und brachten am Ende unser gemeinsames Geschenk dem Bischof: Zwei Ziegen. Allein wegen der Autofahrt hat sich der Tag schon gelohnt, denn zusammen laut singend im Krankenwagen über die roten Sandstraßen zu fahren war schon ein unvergessliches Erlebnis.

Zum ersten Mal in meinem Leben nehme ich nun auch die Fastenzeit ganz bewusst war, und zwar nicht wie zum Beispiel früher als die Zeit, in der ich keine Süßigkeiten esse, sondern als die Vorbereitung auf Ostern. Hier gehört es dazu, dass wir jeden Freitag der Fastenzeit den Kreuzweg und anschließend den Rosenkranz beten. Und kaum hatte ich mich versehen, war sie dann auch schon da, die Holy Week. Eine unglaublich bereichernde Zeit, in der sich mir bekannte christliche Traditionen mit neuen Erfahrungen verbanden.

So erlebte ich meinen ersten Palmsonntag mit echten Palmwedeln, und meinen ersten Karfreitag, bei dem der draußen stattfindende Kreuzweg aufgrund der prallen Sonne und der Hitze doch anstrengend war.

Ewig in Erinnerung behalten werde ich aber auch die Osternachtmesse, in der all jene Lebensfreude der Menschen hier, die Lebendigkeit, mit der Glauben hier gelebt wird und die Hoffnung, die die Menschen aus Gott schöpfen, spürbar wurden. Nachdem die ganze Fastenzeit über nicht getanzt werden durfte, feierten wir nun Jesus Auferstehung mit viel klatschen, tanzen und „Halleluja“ singen. Mit genauso viel Begeisterung wurden dann auch um die dreißig Kinder durch die Taufe in unsere Gemeinde aufgenommen. Doch die Osterfreude wurde nicht nur in der Kirche spürbar, sondern auch, als Fiona und ich mit unserer Freundin Magret und ihren Kindern zusammen am Sonntag nach der Messe Ostern feierten und mit viel Lachen, einem Lango-Englisch-Mix und zur Feier des Tages geschlachtetem Hühnchen einen unglaublich schönen Tag verbrachten.

Unbeschreiblichen Momente

„Live for the moments you cannot put into words”, ist ein Motto, dass ich schon in Deutschland sehr mochte, um Tage zu beschreiben, an denen einfach alles zusammen zu passen schien, die auf ihre Weise perfekt waren. Zu diesen Tagen gehört auch ein unvergesslicher Arbeitstag, an dem ich mit meinen Kollegen zum Immunisieren unterwegs war. In unserem Krankenwagen machten wir uns auf den Weg zu Schulen in sehr ländlichen Gegenden nahe des Nils. Allein die Fahrt war für mich schon ein tolles Erlebnis, denn recht selten bekomme ich die Gelegenheit Orte zu sehen, die nicht in Laufweite zum Konvent sind. Bei den Schulen angekommen half ich dann bei der Ausgabe von Entwurmungstabletten, aber auch bei der HPV-Impfung (gegen Gebärmutterhalskrebs) für die 10jährigen Schülerinnen und beim Tetanus-Impfen der älteren Schülerinnen und auch Lehrer. Diese Stunden haben mir besonders viel Freude bereitet, weil eben alles passte: ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und umgeben von meinen Kollegen. Zudem hatte ich das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu tun.

Doch es gibt noch mehr unglaubliche Momente bei meiner Arbeit, die ich so schwer in Worte fassen kann, allen voran auch, wenn ein neuer kleiner Erdenbürger die Welt erblickt. Jetzt kann ich verstehen, warum gesagt wird, eine Geburt sei ein Wunder. Denn plötzlich halte ich da einfach so einen neuen kleinen Menschen im Arm. Die Aufregung bei der Geburt, die Freude, wenn man schließlich das Köpfchen sieht und dann die Erleichterung beim ersten Schrei des Kindes. Für mich ist eine Geburt immer wieder ein einzigartiges Erlebnis, genauso wie ich dabei wohl auch immer ein bisschen aufgeregt bleiben werde.

Neue Perspektiven

Alenga. Dieser Ort hat mir so viel geschenkt, dass es mir schwerfällt, es in Worte zu fassen. Er hat mir gezeigt, dass ein Leben so ganz anders als in Deutschland möglich ist. Er hat mir damit so viel neue Perspektiven geschenkt, auf mich und auf mein Leben, aber auch auf die Welt. Und so habe ich die letzten acht Monate ein Leben ohne Rumgehetze, ohne Zeitdruck und ohne Stress gelebt. Hier in Alenga lebe ich wirklich im hier und jetzt. Während ich mittlerweile genieße, dass immer „nur“ der aktuelle Tag zählt, war genau das am Anfang doch eine Herausforderung für mich, hatte ich in meinem Leben doch vorher immer etwas gehabt, auf das ich hinarbeitete.

Ich bin stolz auf mich, dass ich mich hier in Uganda an Dinge wage, zu denen ich in Deutschland gesagt hätte: „Oh nein, da bin ich nicht gut drin, das mach ich nicht“. Dazu gehört zum einen das Singen, zum anderen aber auch das Nähen. Denn ich bin weder die schnellste noch die talentierteste Näherin (eher das Gegenteil), meist liege ich im Streit mit der Nähmaschine, die einfach nicht das macht, was ich will, sondern scheinbar ihren ganz eigenen Willen hat.

Doch das Leben hier hat mir auch eine weitere, eine neue Perspektive auf die Welt gezeigt. Mir ist klar geworden, wie wenig man eigentlich zum glücklich sein braucht, dass es gar nicht schwer ist, den eigenen Konsum einzuschränken. Denn hier haben wir nun mal weder einen Supermarkt, noch Kleiderläden, und auch keine Kinos, Eisdielen oder Schwimmbäder. Und trotzdem fehlt mir das alles, bis auf einen großen Eisbecher, nicht, es scheint mir nur Luxus, der aber auch nur bedingt glücklich macht. Denn was eigentlich zählt, sind die Menschen, die einen umgeben. Und doch, den ein oder anderen deutschen Luxus könnten wir hier gut gebrauchen. Denn während sich in Deutschland darüber beschwert wird, dass es mal wieder keine weiße Weihnacht gab, sind es die Menschen hier, die jetzt schon wirklich unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden, denn da die meisten von ihnen als Bauern ihren Lebensunterhalt verdienen, sind sie vom Regen abhängig. Und kommt dieser dann wie dieses Jahr anderthalb Monate zu spät und wie jetzt immer noch unregelmäßig, dann wird aus zwei Mahlzeiten pro Tag plötzlich nur noch eine, dann bleiben Einnahmen aus, Schulgeld kann nicht mehr bezahlt und Krankheiten nicht mehr behandelt werden. Und so sind es die Menschen hier in Alenga, aber auch in anderen Entwicklungsländern, die jetzt schon viel mehr als wir Europäer unter dem Klimawandel leiden, obwohl sie nur wenig dafür verantwortlich sind. Schließlich besitzen sie kein Auto, sondern fahren Fahrrad und haben keinen Stromanschluss, sondern nutzen Solarlampen. Fleisch, das es sowieso nur zu besonderen Anlässen gibt, kommt von den eigenen Tieren und Nahrungsmittel aus dem eigenen Garten oder vom Markt.

Zwischenbilanz

„Nach dem Abitur wolltest du wohl erstmal raus die Welt sehen“, ist ein Kommentar, der mir bezüglich meines Auslandsjahres nicht selten begegnet. Nachdem nun zwei Drittel von eben jenem vorbei sind, kann ich nur sagen: Die Welt sehen? Nein sicher nicht. Ganz im Gegenteil, nie wieder wird sich mein Leben wohl auf einer so kleinen räumlichen Fläche abspielen wie hier in Alenga. Denn mein Alltag, der spielt sich auf ungefähr 1- 2 Quadratkilometern ab, äußerst selten mehr. Ich würde nach diesem Jahr weder behaupten, dass ich Afrika, noch Ostafrika, und auch nicht ganz Uganda kenne. Denn die einzelnen Stämme hier in Uganda und auch die einzelnen Regionen unterscheiden sich was Kultur, Sprache, Landschaft und Entwicklungsstandard angeht doch grundlegend. Und doch, doch habe ich irgendwie die Welt gesehen, nur nicht geografisch. Erst jetzt habe ich das Gefühl zu begreifen, was die Welt eigentlich bedeutet. In meinem ersten Rundbrief habe ich geschrieben, die Welt käme mir durch die Erfahrungen hier zum einen größer, zum anderen auch viel näher zusammengerückt vor. Und auch jetzt, ein halbes Jahr später und nochmal einige Erfahrungen reicher, fallen mir keine besseren Worte ein. Größer ist die Welt, weil mir ihre Vielfalt gezeigt wurde und ich dabei bin diese zu begreifen. Aber vor allem ist die Welt näher zusammengerückt. Weil ich hier begriffen habe, was Menschsein bedeutet. Auch in Deutschland war ich schon überzeugt davon, dass alle Menschen gleich sind und gleich viel wert sind, egal woher sie kommen, welche Hautfarbe sie haben und so weiter. Doch als ich nur Deutschland kannte, war es eben genau das: eine Überzeugung, etwas, an das ich geglaubt habe. Doch jetzt, jetzt weiß ich es. Dieses Wissen, dass wir Menschen dieser Erde uns eigentlich alle tief im Inneren sehr ähnlich sind, wird mich ein Leben lang begleiten. Ich habe in diesem Jahr nicht die Welt gesehen, aber ich habe sie erfahren. Ich habe Menschen kennengelernt, die mir nun die Welt bedeuten. Erfahrungen gemacht, die meine Weltsicht und mein Leben wohl mehr prägen, als ich es mir im Moment überhaupt vorstellen kann. Weil es mir Werte und Ansichten vermittelt, die mich ein Leben lang begleiten werden, weil es mich unwiderruflich verändert hat.

Mal schauen, ob mich meine Mama also überhaupt noch wiedererkennt, wenn sie mich nächste Woche zusammen mit Fionas Mutter besuchen kommt. Ich freue mich schon sehr darauf, ihr meine Familie, mein Zuhause und meine Arbeit hier zeigen zu können, und bin gespannt, wie ihr die „andere“ Welt hier gefällt. Die Antwort darauf gibt’s dann in meinem nächsten Rundbrief. Bis dahin wünsche ich uns allen, was eines meiner Lieblingslieder unseres Kirchenchors so schön sagt: „Let’s walk now, walk in the light of God!”

In dem Sinne viele liebe Grüße aus Alenga,

Patricia Blank

P.S.:

Solidarität

In diesem Jahr habe ich auch erfahren, was Solidarität bedeutet: Durch euch, die ihr für uns beziehungsweise die Gemeinde Alenga gespendet habt. Vielen Dank! Durch eure Spenden wurde es uns möglich, einige Projekte zu verwirklichen und hoffentlich noch weitere folgen zu lassen. Zunächst einmal haben wir ein Projekt, das unserem Mentor sehr am Herzen liegt, unterstützt, indem wir neue Stühle für die Nursery School Alengas (Vorschule) finanziert haben. Bei einem morgendlichen Besuch in der Nursery- und Primaryschool letzte Woche haben wir dann nicht nur gesehen, dass die Stühle genutzt werden, sondern hatten auch die Chance für ein paar Stunden mal wieder Erstklässler zu sein. Doch auch in unserem Arbeitsumfeld an der Schneiderschule und im Health Center fällt uns auf, wo Spenden sinnvoll eingesetzt werden können. Dazu gehören Moskitonetze für die Schülerinnen, ein neues Volleyballnetz, die Reparatur der Steckdosenleiste in den Klassenzimmern und neue Uniformen für meine Kolleginnen. Auch das Dach des Schlafsaals der Mädchenschule bedarf einer Reparatur. Es gibt also wie man sieht viele kleine Projekte, die wir mit eurer Unterstützung verwirklichen möchten.

Immer wieder ist mir hier in Uganda auch der Wert von Bildung bewusst geworden, denn den Luxus, 12 Jahre wirklich gute Schulbildung zu erhalten, ohne dafür zahlen zu müssen, gibt es hier nicht. Zwar sind die staatlichen Schulen weitestgehend nur mit geringen Kosten verbunden, jedoch können sie nicht mit den Privatschulen mithalten und zudem gehen sie nur bis zur siebten Klasse. Bei meiner Arbeit im Health Center erfahre ich täglich, dass viele der Schwangeren die Primary School nicht abgeschlossen haben und dann schon in sehr jungem Alter schwanger werden. Eine weiterführende Schule haben die wenigsten besucht, denn diese sind alle kostenpflichtig und damit für viele nicht finanzierbar. Körperlich Benachteiligte, wie Blinde oder Taube, werden von der Gesellschaft keinesfalls ausgeschlossen, jedoch auch nicht zur Schule geschickt. Judith zum Beispiel, die im Konvent der Sisters, bei denen wir wohnen, kocht, ist taubstumm und ist noch nie zur Schule gegangen. Und weil Bildung eben von so großem Wert ist, würden Fiona und ich gerne Patenschaften vermitteln. Hier ein Überblick über die Kosten der verschiedenen Schulen: Primary School (1-7. Klasse): 30€ pro Monat; Secondary School (8-10. bzw. 8-12. Klasse): 37€ pro Monat; Blinden-und Taubstummenschule: 26€ pro Monat. Bei Interesse und Fragen könnt ihr euch gerne jederzeit bei mir via Email melden. (Kontakt: patriciablank9@gmail.com)

Meine Arbeit an der Nähschule

Nach der Eingewöhnungszeit in Alenga waren Mitte September die Ferien vorbei, und die Schule ging wieder los – auch für mich. Doch diesmal musste ich nicht die Schulbank drücken. Nein, ich war die Person, die den Schülern all dieses Leid auch noch zufügen durfte: die Lehrerin.

Als ich also am ersten Schultag das benachbarte Internatsgelände betrat, war ich aufgeregt wie ein Erstklässler. Diese Aufregung war jedoch umsonst, wie ich ernüchternd feststellen musste. Am Montag waren gerademal zehn von 54 Schülern anwesend und Unterricht fand erst am nächsten Tag mit weniger als der halben Klasse statt. Tatsächlich waren erst nach mindestens zwei Wochen wirklich alle da.

Statt auf zahlreiche Schüler traf ich also am ersten Schultag auf meine lieben Kollegen Sir Patrick, Sir Samuel, Sir Emmy und natürlich Sister Anna, die Schulleiterin. Während die Schülerinnen eher zurückhaltend waren, empfingen die Lehrer mich sehr freundlich und zeigten mir das Schulgelände. Wir haben vier Klassenzimmer, von denen zwei etwas weiter weg sind, und das Office, also das Büro der Sister, in dem Stoffe, Stecknadeln und andere Nähutensilien verkauft werden. Der Schlafsaal („Dom“) der Mädchen wurde von unseren Vorfreiwilligen Greta und Francesca gesponsert und hat für diesen Term den alten Schlafsaal ersetzt. Neben dem Schlafsaal gibt es außerdem noch eine kleine Küche, in der die Schulköchin Jane jeden Tag die leckersten Bohnen Alengas zusammen mit Poscho (eine aus Maismehl bestehende Speise) zaubert. Ziemlich abseits liegt noch ein Speisesaal, jedoch wird dieser kaum genutzt, da die Schülerinnen am liebsten draußen essen. Und das Lehrerzimmer? Das ist lediglich ein Tisch, der unter einen Baum gestellt wird.

Zu Beginn hatte ich als Lehrerin etwas Anfangsschwierigkeiten, da ich noch keinerlei Erfahrungen im Unterrichten hatte. Jedoch gewöhnte ich mich mit der Zeit daran. Während anfangs die Atmosphäre ziemlich angespannt war, lockerte sie sich nach und nach. Langsam wurde ich koordinierter und verstand besser, wie ich die Inhalte den Schülern näher bringe.

Zu meinen Unterrichtsfächern gehören nicht nur Computer und Englisch in den beiden Klassen, sondern auch Einzel- und Nachhilfestunden, die nach und nach meinen Stundenplan füllten. Diese Sonderstunden betrafen für diesen Term nur den ersten Jahrgang, da der zweite zu beschäftigt mit den Abschlussprüfungen gewesen ist. Somit hatte ich zwei „Extra Lesson“-Kurse, einen in Englisch und einen in Computer. Hinzu kam samstags eine Einzelstunde mit einer Schülerin, die sehr gut mitarbeitet und motiviert ist.

Zu solchen zusätzlichen Stunden gehört auch die „Debate“, in der die Schülerinnen das Diskutieren lernen sollen. Im Vordergrund stehe, laut Sister Anna, allerdings, dass sie ihr Englisch verbessern. Besonders in dieser Stunde fällt mir auf, wie riesig das Gefälle ist, was die Englischkenntnisse betrifft. Manche stellen schön gegliedert ihre Argumente vor und setzen sogar meine Kritik um, während andere mit piepsender Stimme kaum ein Wort rausbringen. Diesen gebe ich Englisch-Nachhilfe in der Extra-Lesson, und ich hoffe, dass sie im Laufe des Jahres ihr Englisch etwas verbessern können.

Nach ungefähr zwei Monaten, in denen ich die Schülerinnen mit all ihren Eigenschaften kennengelernt habe, war es dann leider schon an der Zeit, Abschied zu nehmen. Der ältere Jahrgang hatte die Abschlussprüfungen erfolgreich absolviert. Anfang Dezember, dann wurden auch sie in die Ferien entlassen.

Jetzt, wo die Schülerinnen nicht mehr da sind, helfe ich bei Patricia im Health-Center.

Mehr über meine Einsatzstelle und das ugandische Schulsystem

Ugandas Schulsystem

Genauso wie in Deutschland gibt es in Uganda eine Grundschule (Primary School) und eine weiterführende Schule (Secondary School). Davor gehen die Kinder in die „Nursery School“, eine Art Kindergarten oder Vorschule.

Die Primary School dauert im Normalfall sieben Jahre, jedoch schließen viel zu viele aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht einmal diese vollends ab. Die Secondary School beinhaltet vier Jahre, was dann dem deutschen Realschulabschluss entspräche, oder sechs Jahre, was mit dem Abitur vergleichbar ist. Nach sechs Jahren Secondary School könnte man an eine Universität gehen, allerdings sind die Wenigsten so wohlhabend, um sich das leisten zu können.

Das Schuljahr ist nicht, wie in Deutschland, in Halbjahre eingeteilt, sondern in drei Terms (Term I (Februar – Mai), Term II (Mai – August), Term III (September – Dezember)).

Meine Einsatzstelle, die Nähschule, an welcher ich unterrichte, ist mit einer deutschen Berufsschule vergleichbar. Die Mädchen, welche ungefähr in meinem Alter sind, machen hier für zwei Jahre eine Ausbildung zur Schneiderin. Wahlweise ist jetzt auch noch ein drittes Schuljahr, welches „Design“ thematisiert, eingeführt worden. Am Ende von Year II (Year II = das zweite Ausbildungsjahr) sind Abschlussprüfungen, zu denen ein Prüfer die praktische und theoretische Näharbeit der Schülerinnen bewertet.

Weil wir alle Menschen sind

Patricia und Fiona: Karibu in Alenga

Nachdem wir Mitte August in Uganda angekommen sind, haben wir nun schon vier sehr schöne und aufregende Wochen in unserem Heimatdorf Alenga verbracht, uns eingelebt und die Menschen, die Kultur und die Lebensweise hier kennengelernt. Von unseren ersten Eindrücken möchten wir nun gerne berichten:

Ziemlich aufgeregt kamen wir am 22. August in Alenga an und wurden traditionell und sehr herzlich begrüßt und gleich durch unser neues Zuhause geführt.

Wir wohnen im House of Sisters, haben aber unsere eigene kleine „WG“, in der wir alles haben, was man eben so braucht: Küche, Dusche, Toilette (sogar europäisch!), Esszimmer und für jeden von uns ein eigenes Zimmer. Dass dies hier jedoch keinesfalls Standard ist und wir wirklich luxuriös leben, wurde uns im Laufe der Zeit immer bewusster. Die drei Sisters, also Sister Anne, Sister Evelyn und Sister Constantine, kochen beispielsweise über offenem Feuer.

Über die Ferien wohnt auch noch ein 12-jähriges Mädchen namens Moureen hier bei den Sisters, mit der wir uns von Anfang an super verstanden haben und eine sehr schöne Zeit gemeinsam verbracht haben. Momentan wird Judith eingelernt, ein sehr fröhliches, junges, taubstummes Mädchen, welches aufgrund mangelnden Geldes jedoch nie zur Schule gegangen ist.

Die Sisters hoffen, dass sie hier bleibt, damit sie die Chance auf einen Beruf hat, indem sie hier das Kochen lernt.

Zu Beginn haben wir immer mit den Fathers, also Fr. Stan und Fr. Justin gegessen, die im Haus neben uns wohnen, haben dann jedoch schnell angefangen meistens für uns selber zu kochen, was auch, bis auf den Abwasch, viel Spaß macht. Die Einkäufe hierfür werden auf dem Wochenmarkt gemacht, der jeden Mittwoch in Alenga ist. Einige Male sind wir samstags auch auf den noch etwas größeren Markt in Ibuje gefahren, wobei gerade die Boda-Boda-Fahrt dorthin immer schon ein Erlebnis war.

Auch wenn Alenga als Dorf nicht mit touristischem Freizeitprogramm dienen kann, ist uns trotzdem nie langweilig geworden, denn wir haben einfach das getan, was auch die Einheimischen hier tun, und dabei nicht nur viel Spaß gehabt, sondern auch Erfahrungen gemacht, die uns in Deutschland verwehrt geblieben wären. Dadurch haben wir zum Teil schon eine andere Sichtweise auf so viele Dinge in Deutschland, unter anderem was den Konsum angeht, bekommen. So haben wir unser Essen selbst aus dem Garten gesammelt, Feuerholz auf dem Kopf transportiert, selber Erdnussbutter hergestellt mit allen dazu gehörigen Schritten, Fische ausgenommen (was eine ziemliche Überwindung ist) und Flüssigseife hergestellt. Auch haben uns die Sisters in einem kleinen Kochkurs neue lokale Rezepte beigebracht, wie zum Beispiel Chapati. Im Gegenzug haben wir ihnen gezeigt, wie man Pizza backt.

Besonders genossen haben wir es, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen. So haben wir Father Stan öfters geholfen, gespendete Solarlichter an die Dorfgemeinde zu verteilen. Auch beim Rosenkränze machen mit Sr. Evelyn kamen wir ins Gespräch mit den neugierig herkommenden Menschen. Da viele von diesen nur schlecht oder gar kein Englisch sprechen, war es anfangs etwas schwierig, doch seit wir ein bisschen die „local language“, Laŋo, können, klappt es immer besser. Begeistert hat uns dabei von Anfang an die Herzlichkeit und Offenheit der

Menschen hier, die uns super lieb begrüßen und sich bei uns bedanken, dass wir gekommen sind. Bei unseren Nachmittags-Spaziergängen erfreut uns dann nicht nur die grüne, super schöne Landschaft, sondern auch die vielen Kinder, die begeistert angerannt kommen und die lieben Gespräche mit den so aufgeschlossenen Einheimischen hier. Gerade die Lebensfreude der Menschen hier finden wir Tag für Tag überwältigend.

Diese wird auch in den Messen hier in Uganda deutlich, welche sich immens von den Gottesdiensten in Deutschland unterscheiden. Hier wird nicht nur gesungen, sondern auch getanzt, und zusätzlich ist die Kirche gut gefüllt. Obwohl die Messe viel länger dauert und wir nichts verstehen, da sie auf Laŋo gehalten wird, wird es komischerweise nicht langweilig, da es die reinste Party ist. Generell wird der Glaube hier sehr lebendig und in Gemeinschaft gelebt.

Mittlerweile fühlen wir uns in Alenga schon sehr zuhause und so ist offen gesagt auch schwierig, sich an alles zu erinnern, was einen am Anfang überrascht hat, da man sich so schnell daran gewöhnt hat: getting used to it. Was wir aber sagen können: wer Angst vor Insekten hat, wird hier nicht weit kommen.

Kakerlaken, Spinnen, Ameisen … okay, wir hören schon auf. Auch die Dusche war zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, denn diese ist eiskalt. Aber an alles konnten wir uns recht schnell gewöhnen, auch an die Handwäsche.

Seit Montag haben wir zwei nun auch angefangen in der Nähschule (Fiona) bzw. im Health Center (Patricia) zu arbeiten, womit ein neuer aufregender und erfahrungsreicher Teil unseres Freiwilligendienstes anbricht.

Patricia und Fiona

Termine

Wanderfreizeit 2019

7. September - 14. September

Patricia und Fiona: Erstes Lebenszeichen aus Uganda

Herzlich willkommen zu unserem ersten Lebenszeichen aus Uganda!

Am Freitag, dem 17. August, startete für uns sehr früh morgens die lange Reise nach Uganda in München am Flughafen. Mit Unmengen an Gepäck, steigender Aufregung und einem vom Abschied etwas mulmigen Gefühl ging´s mit dem Flugzeug nach Brüssel und von dort dann einmal über Europa und über die scheinbar menschenleere Wüste Nordafrikas hinweg. Nach einem Zwischenstopp in Kigali (Ruanda) betraten wir dann in Dunkelheit endlich ugandischen Boden, was den Nervositätspegel noch einmal ansteigen ließ. Würden alle Koffer ankommen? War mit dem Visum alles glatt gelaufen oder würde man uns das Land erst gar nicht betreten lassen? Und wartete vor dem Flughafen wirklich jemand auf uns, um uns abzuholen?

Zum Glück verlief alles reibungslos, und so konnten wir etwas später im Auto schon die ersten Eindrücke von Kampala sammeln. Überwältigt und todmüde fielen wir schließlich mitten in der Nacht in unsere Betten im Provinzialhaus der Comboni-Missionare, um nur ein paar Stunden später zum Morgengottesdienst wieder auf den Beinen zu sein.

Und so verbrachten wir die folgenden Tage bis Mittwochmorgen in Kampala, lernten Land, Leute und Kultur kennen, ebenso wie die aus vielen verschiedenen Ecken der Welt stammenden Comboni-Fathers. Wir nutzten die Zeit, um Kampala zu entdecken und uns an so vieles Neues etwas zu gewöhnen. Während wir am ersten Tag noch völlig überwältigt von all den Leuten waren, die uns so offensichtlich und lange anstarrten, und panisch eine Lücke im chaotischen Verkehr suchend über die Straße rannten, fielen uns am letzten Tag die Blicke schon gar nicht mehr so auf und auch die Straße überquerten wir in fast normalem Tempo.

Mit dem Boda-Boda fuhren wir ins Zentrum Kampalas, das einfach nur unglaublich voll und laut ist und vor Gegensätzen nur so trotzt. Bettelnde Kinder und reiche Geschäftsmänner, ärmliche Straßenviertel und daraus herausragende Wolkenkratzer von Banken.

Das unangefochtene Highlight in Kampala war unser gemeinsames Abendessen mit unserem Mentor Fr. Stan, sowie Fr. Alberto, der ebenfalls eigentlich in Alenga lebt, jetzt aber für vier Monate nach Italien geht. Beim Abendessen hatten wir unfassbar viel Spaß und kamen aus den Lachen überhaupt nicht mehr heraus, da sich die Beiden als total humorvoll, witzig und unglaublich aufgeschlossen herausgestellt haben.

Am Mittwoch freuten wir uns, uns auf den Weg in das neue Zuhause zu machen: Alenga.

Schon die Fahrt dorthin war unglaublich spannend, teilweise schockierend und lehrreich. Nicht nur, dass die betonierte Straße zu einem roten Sandweg wurde, und wir den Nil auf einer mehr oder weniger stabil aussehenden Fähre überquerten, nein, gerade wie die Menschen hier leben, überraschte uns. Immer wieder tauchten in der endlos grünen, unberührten Landschaft kleine Siedlungen auf, mit runden Häuschen aus Lehm mit Strohdächern und hin und wieder halbfertigen Ziegelsteinhäusern. Abwechselnd rannten zudem Hühner, Ziegen, Kühe und Kinder über die Straße. Schließlich in Alenga angekommen wurden wir begeistert auf traditionelle Weise in unserem neuen Heim begrüßt …

Patricia und Fiona

Termine

Wanderfreizeit 2019

7. September - 14. September

Marlene Mangold, Peru

Vier Gringas auf den Spuren der Inkas – unsere Reise im Süden Perus

San Genaro, den 03.06.2018

Rucksack gepackt, Sonnenhut auf und Kamera um den Hals gewickelt? Meine lieben Freunde und Leser, habt ihr euch auch schon einmal so richtig touristisch gefühlt? Seit meinem Aufenthalt hier in Peru habe ich das Gefühl vom „Tourist sein“ irgendwie fast vergessen, meine Reisen bisher waren eher weniger touristisch und das ist wertvoll. Jedoch, um unter anderem eines der sieben Weltwunder zu sehen, war es notwendig, in den sauren Apfel zu beißen, denn wir vier Gringas (üblicher Ausdruck für Ausländer, wurde ursprünglich für die Bürger der Vereinigten Staaten verwendet, ist nicht als abwertend zu verstehen) machten uns auf den Weg ins touristische Zentrum Perus. So viel sei schon mal zu Beginn gesagt: Peru ist reich beschenkt von einer unglaublich wundervollen Natur!

Erste Station: Cusco, Zentrum des peruanischen Hochlandes

Von Meereshöhe flogen wir in einer Stunde nach Cusco, die Hauptstadt des damaligen Inkareichs (indigene urbane Kultur), welche auf circa 3400 Meter liegt. Ein beachtliche Höhe, an die wir uns alle erst einmal gewöhnen mussten. Höhen- und Kopfschmerztabletten gehörten zur täglichen Nahrungsaufnahme. Angekommen in unserer Unterkunft erlebte ich schon die erste Überraschung: Nach mehr als sieben Monaten durfte ich das erste Mal wieder eine richtig heiße Dusche genießen. Meine Haut schien sich aufzulösen, so weich wie sich das angefühlt hat. Freude machte sich in mir breit, ich fühlte mich wie neu geboren.

Den ersten Tag verbrachten wir in der Stadt selbst und schlenderten auf dem Markt herum, auf dem man die beliebten Perupullis usw., übrigens um einiges billiger, bekommt. Sonst haben wir uns einen gemütlichen Tag gemacht, weitere Touren geplant und uns mit Cocatee gestärkt, von dem man aber leider ziemlich oft auf die Toilette musste… Und nein, Cocatee ist keine Droge, bis zum Kokain fehlen einige chemische Verfahren

Diospi Suyana: Im Vertrauen auf Gott Visionen leben

Am Tag darauf stand für mich ein besonderer, auch persönlicher, Ausflug an. Circa 2,5 Stunden außerhalb Cuscos, in Curahuasi, besuchten wir das Krankenhaus „Diospi Suyana“ (aus dem Quechua: Vertrauen auf Gott), welches von dem deutschen Ärzteehepaar Klaus-Dieter und Martina John gemeinsam mit dem deutschen Trägerverein „Diospi Suyana“ aufgebaut wurde. Mit viel Arbeit, Vertrauen, Privat- und Firmenspenden wurde etwas Wunderbares möglich. Täglich ist das Krankenhaus überbesucht; durch wöchentliche Losungen wird festgelegt, wer einen Termin bekommt. Patienten, die schon länger warten, werden zusätzlich auf eine Liste geschrieben, sodass möglichst alle früher oder später die Möglichkeit haben, untersucht zu werden.

Generell wird versucht, dass die Patienten ihre Kosten selbst übernehmen, jedoch gibt es immer wieder Ausnahmefälle (die von einer Sozialarbeiterin geprüft werden), in denen das Krankenhaus die Kosten übernimmt oder aushilft. Es gibt deutsche, peruanische, chilenische, australische, und international vielfältige Angestellte in Diospi Suyana. Kranke reisen oft von weit weg an (auch teilweise aus dem umgebenden Ausland), um in Curahuasi versorgt zu werden. Um die Wartezeit zu versüßen laufen regelmäßig Filmchen über die Entstehung des Krankenhauses oder biblische Einheiten.

Diospi Suyana besteht aus mehreren Bereichen und ist mit Geräten ausgestattet, die dem deutschen Standard gerecht werden, sogar teils übertreffen. Krankenstation, Notfallaufnahme, OP-Säle, Logopädiezentrum, Zahnarztpraxis, bereitstehende Augenarztpraxis (Augenarzt noch gesucht), EEG (Elektroenzephalografie), Kreissaal, Labore, Bibliothek, eigenes Medienzentrum (es wird viel Öffentlichkeitsarbeit durch Radio, Fernsehen, usw. geleistet), eigene Kapelle (jeden Morgen gibt es eine Messe für Mitarbeiter und Patienten), eigenes Amphitheater für Veranstaltungen: das sind einige der Bereiche die durch jahrelange Arbeit aufgebaut wurden.

Für mich war dieser Tag hochmotivierend und besonders. Mein Wunsch, Medizin zu studieren und selbst mal als Ärztin tätig zu sein, wurde wieder mal bestätigt, auf eine Art und Weise, die mich begeistert und motiviert. Am Schluss konnten wir Martina John noch kurz sehen. Meiner Meinung nach ist sie eine starke Frau, die auch unter Hochstress ihr Lachen, ihre Überzeugung, ihre Motivation und ihren Glauben nicht verliert. Ihr Mann ist die meiste Zeit auf Reisen und hält Vorträge über ihr gemeinsames Projekt.

Machu Picchu: Auf den Spuren der Inkas

Ein Highlight war die alte Inkastätte Machu Picchu, die seit dem 15. Jahrhundert gut erhalten blieb und Anfang des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt wurde. Die Inkas herrschten zwischen dem 13.und 16. Jahrhundert, auch über Peru hinaus, bis die Spanier dann das Land eroberten. Machu Picchu (aus dem Quechua: alter Gipfel) liegt auf 2400 Metern und bedarf mehr als einer Tagesreise, um ihn zu bewundern.

So machten wir uns auf den Weg mit dem Combi (Kleinbus) nach Hidroeléctrica. Dort angekommen nach sieben Stunden holpriger Fahrt ging es dann erst richtig los. Rund zehn Kilometer wanderten wir dann an den Zugschienen entlang. Dieser Weg war wunderbar, eine atemberaubende Natur. Ich hätte ewig so laufen können, entlang am Fluss. Am Abend erreichten wir Aguas Calientes, die letzte Station bevor es hoch auf den Berg ging. Nach einer kurzen Nacht standen wir pünktlich um vier Uhr morgens bereit und der Bus brachte uns hoch.

Machu Picchu selbst war sehr eindrücklich und auch mit dem Wetter hatten wir Glück: Erst sehr neblig, jedoch erzeugte dies eine mysteriöse Stimmung, die besonders war. Und dann kam die Sonne raus und wir konnten nun auch den Huayna Picchu betrachten. Nach einer Führung durch die damaligen Häuser, Klassenräume usw. verbrachten wir noch ein Weilchen und genossen den Ausblick.

Dann liefen wir wieder die ganze Wanderstrecke zurück, fuhren von Hidroeléctrica nach Cusco und fielen erschöpft, aber glücklich in unser Bett.

Zweite Station: Puno am Titicacasee

Nachdem wir am letzten Tag in Cusco noch die Salzterrassen bestaunten verbrachten wir eine Nacht im Bus in Richtung Puno. Am Titicacasee waren wir einen Tag und fuhren auf die Inselgruppe „Uros“. Dieser Ausflug hat mich ein wenig enttäuscht muss ich sagen. Der See ist wunderschön, kein Frage. Die Tour zu den Einheimischen der Inseln (noch heute leben dort Menschen und fahren wöchentlich nach Puno rein, um Lebensmittel zu kaufen) war für mich jedoch ein bisschen abschreckend. Statt einfach zu zeigen, wie sie wirklich leben hat es für mich eher wie ein Zirkus zur Bespaßung der Touristen gewirkt, wir wurden fast gedrängt auf ein kleines Boot für ein bisschen Kleingeld zu steigen, um auf dem See zehn Minuten zu fahren.

Für mich war das eine Welt, in der ich mich nicht wohlgefühlt habe und ich bedauere es, dass richtige Touristen nur diesen Einblick in Peru bekommen. Das ist sehr schade. Aber auch über diese Erfahrung bin ich dankbar, da ich so die Unterschiede zwischen den Touristenorten und San Genaro in Chorrillos noch klarer fassen kann.

Jedoch waren wir nur kurz in Puno und haben nur die erste Inselgruppe besucht, David meinte zum Beispiel, dass es ihm sehr gut gefallen hat. Vielleicht hätte ich dort nochmal einen anderen Eindruck bekommen. Deshalb: jeder macht andere Erfahrungen, meine war dieses Mal zwiegespalten, gelohnt hat es sich allemal.

Dritte Station: Arequipa, Besuch bei Patricia

Nach einer weiteren Nacht im Bus, kamen wir in Arequipa an, wo Patricia auf uns wartete. Sie ist eine weitere Freiwillige unserer Organisation und ich freute mich sehr, sie wieder zu sehen und endlich ihr Projekt kennenzulernen. Auch mit Pater Conrado konnte ich Bekanntschaft schließen und besuchte am Abend seinen Gottesdienst. Patricia hat uns die Stadt gezeigt, ich muss sagen Arequipa ist eine der schönsten, die ich bis jetzt gesehen habe.

Colca-Canyon: Touristenschock und wundervolle Natur

Eines der vielen Naturwunder Perus, die man gesehen haben sollte, ist definitiv der Colca-Canyon. Mit bis zu 3.200 Metern Tiefe ist er einer der größten Canyons weltweit. Wir waren zwei Tage unterwegs und es war wirklich schön. Ich saß im Bus und konnte nicht aufhören aus dem Fenster zu schauen und zu staunen. Weite Landschaften, Vulkane und schneebedeckte Berge, Tiere, die man selten sieht,… Am Abend genossen wir die wilde Landschaft von den Thermalbädern aus, die sich im Freien direkt am Fluss befanden. Ein Traum. Am zweiten Tag kamen wir dann am Cruz del Condor an, diejenige Stelle, an der man mit ein bisschen Glück und Geduld die Andenkondore zu Gesicht bekommt. Sie zählen zu einen der schwersten Greifvögel und können eine Spannweite von bis zu über 300 Zentimeter erreichen. Diese Vögel waren beeindruckend und gewaltig.

Der Colca-Canyon hat mir sehr gefallen; einzige Krux an der Sache: Wir waren mit einem Bus voller Touristen unterwegs. Das ist normal, für mich war das aber echt ein kleiner Kulturschock. Bei dem Verhalten der Touristen blieb mir manchmal der Mund offen stehen, eine Frau, die ein Babyalpaka fast gewalttätig festhält, nur um ein perfektes Foto zu schießen war dabei nur eine von vielen Situationen in denen ich mich fremd geschämt habe. Auch, dass der Bus alle zehn Minuten an Verkaufsständen auf dem Weg anhielt (dabei gibt es wirklich bei jedem Stand dasselbe zu erwerben) und alle aus dem Bus rausstürmten als wäre nur heute SALE; das war einfach zu viel.

Ich kam mir noch nie so fremd unter Touristen vor, wie an diesen zwei Tagen. Leichtes Heimweh nach San Genaro machte sich breit :).

Kindergarten und Kloster

Am letzten Tag besuchten wir noch den Kindergarten, in dem Patricia ein Jahr lang als Missionarin auf Zeit arbeitet. In einem Viertel prekärer Verhältnisse befindet sich dieser, direkt neben einer Kapelle der Combonis. Sofort haben wir Mädels uns in die Kinder verliebt. Der Kindergarten gefiel mir gut, er war sehr geräumig, bot gute Spielmöglichkeiten und Gruppenräume. Mein Herz ging auf, als ich sah, dass die Kinder (teils erst drei Jahre alt) schon Paartanz lernen. Es war zu süß… vor allem als dann auf einmal zwei Jungs um die Gunst eines Mädels buhlten. Ach Kind sein ist schon etwas Schönes…

Außerdem besuchten wir noch das Kloster Santa Catalina in Arequipa, in dem noch heute circa 20 Nonnen leben. Es war groß und wirklich schön, eine kleine Stadt in der Stadt.

Schon wieder Abschied…

Die Zeit mit meinen Liebsten verflog viel zu schnell, wie erwartet. Wir verbrachten eine wunderbare Zeit, für mich ist es sehr wertvoll, dass sie gesehen haben, wo ich lebe und arbeite. Die Reise war auch wunderschön, wenn auch anstrengend und für mich mit einem kleinen Tourismusschock verbunden. Jedoch waren ja auch einige Punkte auf dem Programm, die alles andere als touristisch waren, deshalb: Ein super gutes Gefühl bleibt.

Oft kann man dem Tourismus nicht entgehen, aber immer kann man sich selbst treu bleiben und seine Prioritäten setzen.

In diesem Sinne, habt eine schöne Woche meine lieben, grüßt mir die Heimat und bis ganz bald

Muchos saludos!

Eure Marlene Helena

Termine

Wanderfreizeit 2019

7. September - 14. September

Marlene Mangold, Peru

Als wäre ich nie weg gewesen … mein Start in die zweite Hälfte

San Genaro, den 06.03.2018

Buenas tardes mis amigos! Mein Leben ist aufregend. Jeder Tag, jede Begegnung ist ein Geschenk. Im Vergleich zu meiner Lebensdauer, ist ein Jahr nicht sehr viel. Jedoch ist es ein ganz besonderes Jahr, was ich jeden Tag spüren darf. Ein Jahr voller aufregender Ereignisse, Erkenntnisse, prägender Momente. Es passiert einfach so viel und ich denke, das wird noch lange nachwirken, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Highlight für Groß und Klein: Ausflug ins Freibad

Vorweg, mir geht es nach wie vor total gut. Nachdem ich nach einem Monat (Trujillo und Zwischenseminar) nun endlich wieder zurück nach Lima kam, war es, als wäre ich nie weg gewesen. Sofort wieder mittendrin im Leben, im Geschehen, bei den Kiddies und meinen Freunden. Gleich am nächsten Tag, den 10.02.2018, fand ein Highlight für Kinder und Eltern statt: Der Ausflug in ein Sportzentrum. Dank euch und eurer Unterstützung war es David und mir möglich, einen Ausflug zu organisieren. Insgesamt waren wir circa 70 Leute und die Stimmung war schon zu Beginn des Tages super. Der Tag war ein voller Erfolg, die Kinder hatten viel Spaß, es gab mehrere Schwimmbecken und eine Rasenfläche, so konnten sich die Kinder nach Lust und Laune austoben. Mein persönliches Highlight an diesem Tag war, dass ich nun endlich etwas von meinem Traum, Schwimmen beizubringen, umsetzen konnte, und so die meiste Zeit mit den Kindern im Wasser verbrachte, Bein- und Armübungen machte, oder die kleine Mary einfach nur durch das Wasser gleiten lies, oder aber auch ein paar Figuren mit Oscar im Becken machte. Man konnte die Kinder mit den einfachsten Kunststücken beeindrucken, was mein Herz sehr glücklich machte. Ich bin dankbar für diesen Tag, und die Möglichkeit, die wir durch die finanzielle Unterstützung hatten. Mit geringen Mitteln konnten wir so einen ganz besonderen Tag gestalten, der für Kinder und Eltern nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.

Bewegende Momente

Am Montag darauf war ich dann mit den Ministranten in einem Schwimmbad, David und Pater Juan waren auch dabei. Mich hat es sehr gefreut, dass Juan wirklich mal einen Tag frei hatte (normalerweise arbeitet er an seinem einzigen freien Tag auch) und ihn mit seinen Ministranten genießen konnte, wir hatten eine super schöne Zeit. Dieser Tag bot mir eine sehr schöne Erfahrung: Ein guter Freund von mir hat richtige Panik vor dem Wasser, verkrampft augenblicklich, wenn er Wasser ins Gesicht bekommt und auch wenn er den Grund unter den Füßen spürt hat er sichtlich Angst. Mit ihm habe ich einige Übungen gemacht, dass er ein besseres Gefühl für das Wasser bekommt. Das heißt, erstmal in Rückenlage legen und versuchen alle Glieder von sich zu strecken. Und tatsächlich nach einiger Zeit und viel Zuspruch, hat es am Schluss richtig gut geklappt und er konnte für eine gewisse Zeit relativ entspannt im Wasser liegen während ich ihn gehalten habe. Auch ein zweites Mal konnte er sich überwinden ins Wasser zu steigen. Es war offensichtlich, dass er unbedingt daran arbeiten wollte, er kämpfte sehr mit sich selbst und seiner Angst. Ich war unglaublich froh über diese kleinen großen Fortschritte, die er an diesem Tag gemacht hat. Es erfüllt mich mit Stolz, da ich weiß, dass es umso schwerer ist seine Angst vor dem Wasser zu überwinden, wenn man kein Kind mehr ist. Außerdem hat mir mein Kumpel an diesem Tag sehr viel Vertrauen entgegengebracht, was ich sehr schätze.

Bevor ich nach Deutschland zurückgehe wünsche ich mir, ihm schwimmen beigebracht zu haben. So wie einigen anderen peruanischen Freunden auch.

WG-Zuwachs

In der Zwischenzeit hat unsere Hauskatze Chilli endlich ihre Babys bekommen. Es sind vier wunderschöne, gesunde Babykätzchen, eines für jeden WG-ler hehe 🙂 Wenn alles klappt, kommen Chilli und ihre Jungen in die Sierra zur Familie einer Freundin, da sind sie dann gut aufgehoben.

Ansonsten wird sich in nächster Zeit etwas ändern an der Wohnsituation, in zwei Wochen werden Katja und Lena leider schon wieder nach Italien fliegen (übrigens haben die zwei einen ganz tollen Blog, da könnt ihr gerne mal vorbeischauen unter: 2gringasenperu.wordpress.com) und auch Andrea befindet sich momentan in Panama und wird nicht mehr lange in Lima verbringen. Auch die Südtiroler gehen bald auf Reisen und werden nun nicht mehr ständig im Casa sein, sodass unterm Strich bald nur noch David und ich übrig bleiben. Wenn ich ehrlich bin, denke ich, dass es angenehm wird, wenn mal etwas weniger los ist, war teilweise auch anstrengend. Jedoch muss ich auch gestehen, dass mir die anderen schon sehr ans Herz gewachsen sind, die Mädels sowie die Jungs. Wir haben dann doch einige Zeit zusammen hier verbracht und einiges erlebt, das verbindet einfach. Zudem sind es total coole und wunderbare Menschen, ich bin froh, sie kennengelernt haben zu dürfen und hoffe, dass man in der Heimat wieder von einander hört 🙂

Mit Katja und Lena verbrachte ich letzte Woche einen schönen Tag in Barranco, wir waren mit zwei von ihren Freundinnen unterwegs und spazierten oberhalb vom Strand entlang. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag und ich habe die Zeit sehr genossen mit den Mädels.

Die ersten Abschiede

Im Keller des Casas gibt es ein Therapiezentrum, das sich lange im Umbau befand und nun eigentlich fertig ist. Es sieht echt toll aus, mit Hilfe von Christian und Samuel wurde ein neuer Boden (Fliesen) gelegt. Alle Zimmer wurden neu gestrichen und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Andrea gibt dort Therapien für Kinder mit Behinderung. Vor zwei Wochen fand ein kleines Abschiedsfest statt, da Andrea nun gegangen ist (nach Panama) und wohl nicht mehr zu ihrer Arbeit zurückkehren wird. Bei diesem Anlass wurde ihr und auch den Jungs nochmal speziell gedankt für ihre Unterstützung. Alle drei haben große Arbeit geleistet und ich bin mir sicher, dass die Therapiestunden mit Andrea für die Kinder sehr besonders waren.

Die Party geht weiter…

Auch sonst wurde viel gefeiert die letzten Wochen, und damit meine ich nicht nur die letzten Discobesuche als große Gruppe. Samu hatte Geburtstag, welchen wir im Casa mit seinen, auch peruanischen, Freunden feierten. Seit längerer Zeit hatten die Kinder auch wieder einen Auftritt mit den Zancos, zum Abschluss der „Vacaciónes Útiles“ (siehe Bericht über Trujillo), was natürlich ein einziges Fest für die Kiddies war 🙂 Innerlich feierte ich zudem ein kleines Fest, so groß war meine Freude darüber, dass das Weihnachtspaket meiner Patentante nach 2,5 Monaten doch noch ankam, wider Erwarten. Ebenfalls ein Brief meiner Eltern erreichte mich doch tatsächlich unversehrt. Ein Wunder, da hier oft die Post nicht ankommt, da sie geöffnet wird (wenn der Absender auf Europa verweist), in der Hoffnung, Geld darin zu finden. Was für ein Glück, dass dies bei mir nicht der Fall war. Ich habe mich so sehr über das Paket und meine Lieblingsplätzchen gefreut, und am meisten über die lieben Worte meiner Eltern, meiner Tante und Onkel, und meinen zuckersüßen Cousins Hannes und Malte. DANKE! Meine Mutter feierte derweil auch ihren 50er groß. Das war schon schade, nicht live dabei gewesen sein zu können, aber deshalb habe ich ein paar kleine Videos für sie gedreht und ich denke, die Überraschung war gelungen 🙂 Meine Ministranten haben mir dabei geholfen, es wird schwer werden, mich von ihnen zu verabschieden, sind sie doch zu sehr engen Freunden für mich geworden.

Wie gesagt, Schritt für Schritt

Wenn man die kleinen Fortschritte im Casa sieht, ist man ganz zufrieden mit der Entwicklung, ich zumindest. Das Dach ist nun fast komplett gestrichen. Vor zwei Wochen durften David, Katja, Lena und ich dann Inventur in der Abstellkammer machen. Ich muss sagen, es gibt schönere Aufgaben, denn in diesem Raum herrscht absolutes Chaos, meiner Meinung nach mit viel zu viel Schrott bzw. Müll, aber ich habe das Gefühl, hier hebt man wirklich alle Dinge sehr gerne auf. Das kommt ja aber auch nicht von nirgendwo her, wenn man die peruanische Geschichte betrachtet, demnach verständlich. Jedoch war ich schon froh, mal ordentlich ausgemistet zu haben, sodass man sich jetzt gut umdrehen kann ohne, dass einem zehn Dinge entgegenkommen 🙂 Nach drei Abenden war es dann auch endlich geschafft, und wir waren oft sehr überrascht, welche Sachen und Utensilien wir im Casa besitzen, also dafür hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Und das ist erst der Anfang…

Wie ihr seht, ist weiterhin jeder Tag mit vollem Leben gefüllt, als wäre ich nie weg gewesen. Und das soll erst der Anfang sein von der zweiten Hälfte voller Action, Herzblut und Freude. Ihr könnt gespannt sein auf meinen nächsten Blogeintrag, es wird vielfältig und emotional.

Meine Lieben, macht´s gut, ich bin in Gedanken bei euch und sende euch Sonnenstrahlen nach Deutschland, die könnt ihr ja momentan echt gebrauchen 🙂

PS: Bei Fragen oder Anmerkungen meldet euch bitte bei mir, ich freue mich auf euch! (m.mangold-infomaz@gmx.de)

Es grüßt euch herzlichst

Eure Marlene Helena

Termine

Wanderfreizeit 2019

7. September - 14. September

Lena Lochschmidt, Peru

Oktober-Neuigkeiten aus Arequipa!

Hallo,

jetzt bin ich bereits über zwei Monate hier in Arequipa. Ich kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Hier ist in letzter Zeit so viel passiert, dass ich kaum Zeit hatte einen neuen Bericht zu schreiben. Aber hier kommt er nun!

Kindergarten

Geburtstag des Kindergartens

Vor ein paar Wochen wurde der Geburtstag des Kindergartens gefeiert, also der Jahrestag der Gründung. Aber die Feier war nicht nur einen Tag lang, nein, es wurde eine ganze Woche gefeiert. Es wurde zum Beispiel eine „Nacht der Talente“ veranstaltet. Und es gab einen „Fackelzug“, bei dem die Kinder mit selbstgebastelten Laternen gekommen sind und wir durch die Straßen von villa ecológica gelaufen sind. Zudem wurde der Kindergarten mit vielen Kerzen erleuchtet, das war sehr schön. Am 9. Oktober war dann der eigentliche Tag des Geburtstages und es wurde den ganzen Tag gefeiert. Die Kinder führten einstudierte Tänze auf und ebenso die Eltern, die verschiedene traditionelle Tänze Perus zeigten. Dazu gehörte dann natürlich auch die passende Tracht. Die traditionellen bunten Kleider haben mir besonders gut gefallen. Auch wir, die im Kindergarten arbeiten, haben die Wochen zuvor einen Tanz einstudiert und ihn dann aufgeführt. Der Tag war ein lustiges Fest mit viel Musik, Essen und Spaß.

Alltägliche Arbeit im Kindergarten

Vor etwa drei Wochen bin ich sozusagen „befördert“ worden. Nachdem eine auxiliar den Kindergarten verlassen hat, bin ich nachgerückt. Ich bin weiterhin im Salon der 2-Jährigen, die ich auch schon sehr sehr lieb gewonnen habe. Aber wir sind jetzt nur noch zu zweit, profesora (Lehrerin) Marina und ich. Wir haben 18 Kinder in unserer Gruppe. Dadurch habe ich jetzt mehr Arbeit, von der ich euch kurz erzählen möchte:

Morgens um etwa acht Uhr (Pünktlichkeit wird aber ein bisschen anders definiert als in Deutschland) kommen die Kinder nach und nach in den Kindergarten. Jeden Montag wird mit der Hand auf der Brust die Nationalhymne von Peru und die Hymne Arequipas gesungen und die Flagge Perus von den Kindern getragen.

Um 9 Uhr gibt es Frühstück, das in der Küche des Kindergartens zubereitet wird. Bis dann wirklich alle Kinder ihre Milch getrunken haben, dazwischen ständig aufgestanden sind und die Milch von mindestens drei Kindern über den Tisch und ihre Kleidung verteilt ist, ist meist schon mehr als eine halbe Stunde vergangen. Danach gehen alle Gruppen in ihre Salons. Die älteren Kinder lernen bereits Buchstaben und Zahlen schreiben und lesen. Die Kinder bekommen auch Hausaufgaben, die sie gemeinsam mit ihren Eltern bearbeiten. Die 2-Jährigen lernen gerade die Farben und Zahlen von Eins bis Fünf. Neben dem Lernen wird viel gesungen und gespielt. Inzwischen habe ich schon einige spanische Kinderlieder gelernt.

Zum Mittagessen nimmt jedes Kind Essen von zu Hause in einem kleinen Rucksack mit. Da die Kinder unterschiedlich schnell essen, ist es immer eine Herausforderung, das alle am Tisch sitzen bleiben. Die einen muss man füttern, weil sie sonst nicht essen und die anderen sind so schnell fertig, dass ihnen langweilig wird und man die ganze Zeit beschäftigt ist, damit die Kinder sitzen bleiben. Auch hier fallen mindestens zwei Flaschen und drei Joghurts um. Dennoch ist es auch schön, wenn die Kinder ein Ministück von ihrem Brot abreißen, um es dir als Geschenk anzubieten.

Nach dem Mittagessen spüle ich alle Tassen und Teller ab und reinige die Tische und Stühle der Kinder. Bis die Eltern kommen, zwischen 13 und 14 Uhr, wird gespielt. Meist in ihrem Salon, mit Puzzles, Puppen oder wild durch die Gegend rennend. Vor ein paar Wochen wurde auch ein kleiner Spielplatz eingeweiht, auf dem die Kinder gerne spielen. Das gemeinsame Spielen macht mir immer sehr viel Spaß.

Um 13 Uhr machen wir dann alle Kinder bereit, um abgeholt zu werden. Das bedeutet Gesicht waschen, manchmal neue Zöpfe flechten, Nase putzen und Kleidung wechseln, falls diese dreckig ist.

Um etwa 14 Uhr sind dann alle Kinder mit ihren Eltern gegangen und wir putzen den Salon und machen uns müde und glücklich auf den Heimweg.

Montags jedoch ist es ein bisschen anders. Seit zwei Wochen bringe ich den fünfjährigen Kindern (die Ältesten) auch ein bisschen Englisch bei. Wir lernen die Farben, Tiere, Familienmitglieder,… Letzte Woche haben wir zum Lied „head and shoulders, knees and toes“ getanzt und gesungen, damit die Kinder die Körperteile lernen. Meine erste Englisch-Stunde war jedoch sehr spontan. Die profesora kam zu mir: „Lenita, ich muss mal kurz weg. Kannst du den Kindern in der nächsten Stunde die Farben auf Englisch beibringen?“ Da stand ich dann also vor etwa 25 Kindern, die mich alle erwartungsvoll anblickten. Nach einmal Schlucken hat das „Unterrichten“ richtig Spaß gemacht. Wir haben ein Arbeitsblatt bearbeitet und ich habe alles an einer Tafel gezeigt.

Padre Luis Tezza

An einem Tag kamen alle auxiliares zusammen, um ein kleines Theaterstück einzuüben. Das ist schon ein bisschen länger her und ich verstand noch etwas weniger auf Spanisch. Ich wurde gefragt, ob ich denn nicht die Rolle von Padre Luis Tezza übernehmen wolle. Ich sagte zu, ohne zu ahnen, dass dies die Hauptrolle ist. Wir spielten nämlich das Leben von Padre Luis Tezza. Hatte ich leider nicht so ganz verstanden. Wir haben das Ganze genau zwei Mal geübt und das hat mich dann doch nervös gemacht. Mit viel Improvisation wurde es dann doch ein ganz schönes Stück.

Kirche

Prozessionen

Im Oktober werden sowohl San Daniel Comboni und El Senor de los milagros (Der Herr der Wunder) gefeiert. Und diese Feiern sind mit vielen Prozessionen verbunden.

Für San Daniel Comboni haben wir deshalb eine Prozession von der Kirche neben unserem Haus bis nach villa ecologica gemacht. Wir haben verschiedene Stopps eingelegt, um zu beten und einige Jugendliche haben das Leben San Daniel Combonis nachgespielt. Nach etwa drei Stunden kamen wir in der Kapelle in villa ecologica an und feierten dort eine schöne Messe im Freien.

El Senor de los milagros wird überall in Peru mit Prozessionen gefeiert, besonders in Lima. Hier in Arequipa  haben 12 Träger das Bild des Senor de los milagros getragen, das mit vielen Blumen und einer Lichterkette geschmückt war. Wir waren fünf Stunden unterwegs bis wir in der Kirche ankamen. Es wurden auch Kerzen verkauft und so war alles etwas erleuchtet und sah sehr schön aus. Es gab eine zweite Prozession für den Senor de los milagros diesen Freitag in einem anderen Teil der Pfarrei.

Katechese

Bevor man zur Kommunion oder Konfirmation geht, besucht man zwei Jahre lang die Katechese. Das bedeutet man wird auf diese Sakramente vorbereitet. Das gleicht etwa dem Religionsunterricht in Deutschland. Jeden Sonntag trifft man sich und die „Catequistas“ bearbeiten mit den Kindern und Jugendlichen verschiedene Themen. Mir gefällt, mit welcher Begeisterung die Catequistas von Gott erzählen. Ich helfe in einer Gruppe der Konfirmation jeden Sonntagvormittag. Diesen Sonntag sollte ich etwa einen 30 Minuten-Vortrag über die Taufe halten. Viele der Jugendlichen werden erst nächsten Monat getauft. Im ersten Moment fiel mir das Vorbereiten auf Spanisch etwas schwer, aber ich habe zwei Bücher gelesen und mich dann schnell ins Thema eingefunden. Ich habe verschiedene Bilder zu den verschiedenen Symbolen und zur Bedeutung der Taufe gemalt. Zu meiner Überraschung hat es mir richtig gefallen gemeinsam mit den Jugendlichen dieses Thema zu bearbeiten.

Freizeit

In der Pfarrei gibt es einige Jugendgruppen, die verschiedene Aufgaben übernehmen. Viele Jugendliche engagieren sich in der Pfarrei, besuchen die Messe und treffen sich. In einer dieser Gruppen bin ich nun Mitglied und wir unternehmen regelmäßig etwas. Dies ist auch die Gruppe, mit der ich jeden Samstagmorgen das Frühstück für die älteren Menschen vorbereite. Jeden Sonntag treffen wir uns, um etwas zu unternehmen und einfach zu reden. Wir waren zum Beispiel  auch gemeinsam bei den Prozessionen und einmal haben sich alle Gruppen getroffen und ein Fussballturnier veranstaltet. Beim Elfmeterschießen war ich dann der „deutsche Torhüter“. Oft werden auch Fiestas gefeiert. Dann wird immer viel getanzt, gesungen und geredet. Hier kann fast jeder Salsa und andere Tänze tanzen und diese Tänzen gehören auch ganz normal zu einer Party.

Gran Pollada

Die „Pollada“ ist etwas, was ich sehr schön finde. Wenn zum Beispiel einer Familie das Geld für Dinge, wie Medizin fehlt, dann wird eine sogenannte „Pollada“ veranstaltet. Es wird Hühnchen verkauft und man unterstützt durch den Kauf des Hühnchens diese Familie.

Das wars erst Mal.

Viele liebe Grüße!

Lena.

Nikolai Füchte, Kenia

Zusammenfassung der ersten Monate

Hallo, ihr Lieben,

seit fast drei Monaten bin ich schon in Kacheliba in Kenia.

Kacheliba liegt in einer Hochebene des Rift Valleys, des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Die meisten Menschen hier gehören den Pokot an, einem von über 40 Völkern in Kenia. Die Pokot haben eine eigene Sprache (Pokot), die meisten sprechen aber auch Kiswahili und Englisch. Der Ort liegt zwischen einem Fluss, dem Suam und einem Berg, dem Mount Kacheliba. Den Berg habe ich einmal bestiegen, von dort aus kann man die gesamte Ebene bis nach Uganda hin überblicken. Dank des Flusses ist hier ein relativ fruchtbares Gebiet und trotz der 35-40°C, die tagsüber herrschen, wachsen hier verhältnismäßig viele Bäume. Jetzt hat aber die Trockenzeit angefangen, seit drei Wochen gab es keinen Tropfen Regen mehr und die Temperaturen steigen.

In Kacheliba wohne ich in einem 10m2 großen Häuschen mit einer kleinen Terrasse. Das Haus der Comboni-Missionare ist von hier aus 200m entfernt. Eine Stromanbindung habe ich zwar, aber wegen der vielen Stromausfälle in der ganzen Region habe ich oft für ein paar Tage keine Elektrizität. Ein Waschbecken habe ich auch, aber bisher ist es noch nicht mit irgendeiner Wasserleitung verbunden, weswegen ich das Wasser vom Haus der Missionare holen muss. Vor meinem Haus gibt es ein Plumpsklo, eine richtige Dusche und Toilette gibt es nur im Missionshaus. Zu den Combonis gehe ich auch drei Mal täglich zum Essen. Wir haben einen super netten Koch, der uns wunderbar versorgt.

Zurzeit leben in Kacheliba fünf Comboni-Missionare: Pater Dino aus Italien, Pater Bliss aus Ghana, Diakon Jemboy und Pater Tiquio, beide aus den Philippinen. Vor einer Woche ist Bruder Guerino Baldo aus Italien in unsere Gemeinschaft in Kacheliba gekommen. Außerdem gibt es drei Franziskanerinnen, die ebenfalls auf dem Gelände des „Holy Cross Parishs“ leben.

Meine Arbeit in Kacheliba ist  an zwei verschiedenen Grundschulen. Morgens gehe ich von 8:00-12:00 Uhr zu der Mixed Primary School. Dort unterrichte ich in der 7. Klasse 1-2 Stunden Mathe, den Rest der Zeit verbringe ich im Lehrerzimmer. Von 12:00 bis 14:00 habe ich meine Mittagspause, in der ich oft Berichte schreibe und gemeinsam mit den Comboni-Missionaren esse. Um 14:00 Uhr gehe ich zur Comboni Girls Primary School. Dort unterrichte ich die 7. und 8. Klasse in Mathe, Musik und Sport. Besonders der Sport- und Musikunterricht ist ziemlich problematisch, da es pro Klasse 80-150 Schüler gibt. So viele Schüler auf einem Haufen können wirklich anstrengend und sehr laut sein.

In Kenia geht man acht Jahre zur Primary School und vier Jahre zur Secondary School. Die Kosten für die Grundschule liegen monatlich bei ungefähr 600 Kenya Shillings pro Kopf (ca. 6 €). Leider können sich das nicht alle Eltern leisten, denn viele haben mehr als fünf, oft auch mehr als 10 Kinder. Die Comboni-Missionare versuchen ihr bestes, den Familien zu helfen, indem sie das Geld für die Schule und die Ausbildung vieler Kinder und Jugendlicher bezahlen. Die Kinder, die zur Schule gehen, kriegen dort drei Mal täglich Essen und schlafen dort auch. Allerdings zu zweit oder zu dritt in einem Bett! In Deutschland ist das wahrscheinlich undenkbar. Das Problem ist, dass die Schulen nur sehr begrenzte Mittel haben, die wenigsten Schulen haben genug Schulbücher, so dass die Schüler oft zu dritt oder zu viert in ein Buch gucken müssen. Korruption ist ein riesiges Problem in Kenia, weshalb die Schulen gar keine oder nur sehr wenig Unterstützung vom Staat bekommen.

Seit ein paar Wochen sind in Kenia die großen Schulferien. Für mich und die Lehrer bedeutet das zwei Monate ohne Arbeit.

Da ich jetzt in der Schule nichts zu tun habe, versuche ich, meine Zeit anders zu verbringen. Jeden Tag lerne ich ein bisschen Kiswahili und so langsam merke ich, dass es voran geht. Außerdem probe ich drei Mal wöchentlich mit dem Kirchenchor. Deren Repertoire besteht eigentlich nur aus Gospel-Songs in Kiswahili und Pokot. Momentan versuche ich ihnen einige leichte Taizé-Lieder beizubringen. Da aber nur zwei oder drei Chormitglieder Noten lesen können, nimmt das ziemlich viel Zeit in Anspruch. Nachmittags spiele ich oft Fußball mit dem Team aus Kongelai, einem Nachbarort Kachelibas, der auf der anderen Seite des Flusses liegt. Fußball wird hier wahnsinnig schnell gespielt und besteht eigentlich nur aus Konter und Gegenkonter. Weil es mindestens 35°C heiß ist, selten Wind weht und wir auf 1300m Höhe spielen, bin ich in der Halbzeit meistens schon total fertig.

Als Weißer in Kenia fällt man sehr stark auf.  Vor allem die Kinder starren einem oft so lange hinterher, bis man außer Sichtweite ist. Einige der ganz kleinen Kinder haben Angst vor mir. Andere sind total neugierig und winken mir zu. Wenn ich dann zurückwinke freuen sie sich total und rennen sofort zu ihren Freunden, um ihnen das zu berichten. Einige fragen auch: „How are you?“ oder: „Mzungu, habari gani?“ (Weißer, wie geht’s dir?). Wenn ich auf Kiswahili antworten: „Nzuri, habari yako?“ (Gut, wie geht’s dir?) ist die Freude besonders groß. Viele Leute, die ich hier treffe, wollen sofort ein Gespräch mit mir anfangen. Bei einigen fällt nach wenigen Sekunden dann erstmal die Frage nach meiner Handynummer und dann, ob ich ihn- oder sie nicht mit nach Deutschland nehmen könne. Ich wurde sogar schon gefragt, ob jeder Europäer seine eigene Gelddruckmaschine hat und ob es „Geldbäume“ in Europa gibt. Viele stellen sich Europa wie das Paradies vor, alle Leute dort seien reich, hätten Arbeit und es gebe keine Probleme in den Ländern. Ich wurde sogar schon gefragt, ob jeder Europäer seine eigene Gelddruckmaschine habe und ob es „Geldbäume“ in Europa gebe. Diese Vorstellung kommt daher, dass die meisten weißen Leute, die hier nach Kenia kommen, in Malindi am Strand oder auf Safari-Tour im Nationalpark viel Geld ausgeben. Wenige der Touristen kommen aber wirklich mit der Bevölkerung in Kontakt, deswegen kommt es zu keinem Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen. Das ist der Grund, warum es auf beiden Seiten noch so viele Vorurteile gibt, denke ich.

Da ich jetzt seit mehr als zwei Monaten in Kacheliba bin, kennen mich die meisten Leute hier schon. Angesprochen werde ich dort fast nur noch von Freunden und Bekannten. Es ist schön, ein Teil des Lebens dort zu sein und nicht wie ein Tourist behandelt zu werden.

Euch allen wünsche ich eine schöne vorweihnachtliche Zeit.

Euer Niko

Greta Berges, Uganda

„Earning for the future“ – meine Arbeitsstelle

Ihr Lieben,

heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Arbeit als Lehrerin im Father Egidio Vocational Training Center Alenga geben, von dem ihr ja schon einiges im letzten Artikel „Kraft tanken vor wichtigen Prüfungen“ gehört habt.

Die Nähschule ist ein privates Internat, das von Sister Anne geleitet wird, die hier im Konvent lebt und aus Kenia stammt. Neben Sister Anne und mir gibt es noch drei weitere Lehrer, die in Theorie und Praxis Nähen und Stricken lehren. Die Schulgebühren betragen pro Term (ca. drei Monate) 150.000 UGX, das sind umgerechnet ca. 38 Euro und im Vergleich zu anderen Schulen sind diese Gebühren eher gering. Trotzdem haben viele Familien Schwierigkeiten das Geld aufzubringen.

Die Mädchen sind normalerweise zwischen 15 und 18 Jahre alt und haben Schulabschlüsse, familiäre Hintergründe und Erfahrungen ganz unterschiedlicher Art. So kommt es, dass das Leistungsniveau von einem großen Gefälle bestimmt wird (einige haben lediglich sechs oder sieben Jahre an der Primary School teilgenommen, während andere für einige Jahre die Secondary School besuchen konnten). Nach der zweijährigen Ausbildung hier planen viele noch weiter zur Schule oder sogar Universität zu gehen, um beispielsweise eine Berufsschullehrerin zu werden. Ich hoffe sehr, dass ihnen das gelingt, um Türen heraus aus der Armut und dem oft einfachen Leben im Dorf zu schaffen. Diejenigen, die nicht mit der Schulausbildung fortfahren, arbeiten beispielsweise als Schneiderinnen in ihrem Heimatort und helfen der Familie oder heiraten, ziehen um und bauen eine eigene Familie auf.

Kurzer Einblick in den Tagesablauf der Mädchen

Der Tag der Schülerinnen beginnt täglich um sechs Uhr. Sie waschen sich und machen sich fertig, um um sieben Uhr gemeinsam mit den Schwestern und Priestern eine halbstündige Messe zu feiern. Danach arbeiten sie entweder im Garten oder auf dem Gelände, bevor pünktlich um halb neun der Unterricht beginnt. Frühstück gibt es erst um halb elf und gegessen wird dabei Porridge (Maismehl mit Wasser). Mittags und abends gibt es diesen Maisbrei in fester Form mit Bohnen. Gelegentlich gibt es dazu auch anderes Gemüse oder Cassava, bzw. Süßkartoffeln. Der Unterricht geht täglich bis 16 oder 17 Uhr, danach arbeiten sie auf dem Gelände, haben Freizeit und duschen. Um 18 Uhr versammeln sich alle Schülerinnen zum Rosenkranzbeten in der Kirche. Unter der Woche machen sie abends Schularbeiten. Sister Annes Devise, dass die Mädchen rund um die Uhr beschäftigt sein sollen, um nicht zu viel an zu Hause zu denken oder Zeit haben, sich mit den Jungen in Alenga zu treffen, ist also deutlich spürbar.

Computerkurs – mit den Basics beginnen

Mehrere Stunden die Woche habe ich die Möglichkeit, mit den Mädchen an acht Laptops zu arbeiten, was nicht nur ihren Horizont in Richtung der technisierten Welt erweitert, sondern ihnen insbesondere helfen soll, wenn sie für eine Arbeitsstelle auf Computerkenntnisse angewiesen sind. Im ersten Jahrgang habe ich ganz von vorne angefangen. Zwar hatten sie durch meine Vorgängerin Paulina schon einige Vorkenntnisse, dennoch war es sinnvoll, ihnen noch einmal zu zeigen, wie der Laptop aufgebaut ist, wo er an und aus geht, was man mit der Maus alles machen kann und wie man die Tastatur überhaupt benutzt. Da Paulina schon mehr Zeit mit dem zweiten Jahrgang an den Notebooks verbracht hat, kann ich mit ihnen das Zehn- Finger-Schreiben üben und richtige Texte auf Word verfassen, ich habe sie beispielsweise mit den verschiedenen Schriftarten, -größen, Listen etc. vertraut gemacht und diktiere jetzt oft Texte, die sie dann in bestimmten Formen oder Farben tippen sollen, so dass ich gleichzeitig Tippen, Englisch und Allgemeinwissen trainiere. Für diese Stunden brauche ich viel Geduld und erkläre oft drei- oder viermal, bevor etwas funktioniert. Langsam verstehe ich, wie meine Lehrer sich manchmal gefühlt haben müssen.

Englischunterricht – wer braucht schon Satzzeichen und Grammatik?

Wie ich bereits berichtet habe ist das Level der Schülerinnen sehr unterschiedlich. Das Schriftenglisch variiert von einem geheimnisvollen Mix aus Lango und ausgedachter Sprache bis zu gut lesbaren Texten. Meine Herausforderung hier ist also irgendwie alle Mädels zu erreichen und zu fördern und nicht einige auf der Strecke zu lassen oder andere zu sehr zu langweilen. Dennoch ist besonders auffällig, dass alle Mädchen sich mit den englischen Satzzeichen wie Komma, Apostroph und insbesondere dem Punkt am Ende des Satzes schwer tun, obwohl dieser auch in Lango gemacht wird.

Im ersten Jahrgang habe ich momentan sechs Schülerinnen, die kaum bzw. gar kein Englisch beherrschen. Für sie habe ich eine Nachhilfestunde ein- oder zweimal die Woche eingerichtet. In dieser Stunde übe ich die Grundlagen. Zum Beispiel: Wie sage und schreibe ich, wer ich bin, wie alt ich bin, woher ich komme etc.. Da viele der Mädchen nur die Chance hatten, eine staatliche Primary School zu besuchen, in der oft weniger Wert auf das Erlernen von Englisch gelegt wird, das immerhin Amtssprache Ugandas ist, schämen sie sich oft oder haben Angst, wenn man sie zum Englisch sprechen auffordert. Wenn man bedenkt, dass sie sich in der Lokalsprache Lango nur mit weniger als sechs Prozent der Bevölkerung Ugandas unterhalten können, ist das aus deutscher Sicht eigentlich unvorstellbar. Diese Beobachtung konnte ich während der Debatte machen, die einmal wöchentlich stattfindet und die sich so von meinen deutschen Erfahrungen unterscheidet, dass sie einen eigenen Artikel wert ist.

Sportunterricht – unsere Lieblingsstunde

Der Sportunterricht findet zweimal wöchentlich für eine Stunde statt und besteht aus 50 Minuten Netball (ähnlich wie Basketball, nur ohne prellen und mit ständigem Ballwechsel zwischen den Spielern) oder Volleyball. Es gibt leider keine richtigen Felder, sodass wir des Öfteren an einem Stein umknicken oder nicht ganz klar ist, ob der Ball nun im Aus ist oder nicht. Danach machen wir noch kurz Muskelübungen und zum Abschluss dehnen wir uns. Francesca und mir macht die Sportstunde besonders Spaß, wir spielen jedes Mal mit und sind dabei nicht wirklich als Lehrkräfte gebraucht, sondern eher als weitere Spielerinnen, die einfach für die Gruppe verantwortlich sind. Man merkt, dass einige Mädchen beim Sport richtig aufblühen und dass allen diese lockere Stunden des „Auspowerns“ gut tut.

Und sonst so?

Außer diesen Stunden verbringen wir Zeit mit den Mädchen in einer „Musik, Spiel und Spaß“- Stunde, aus der wir im nächsten Jahr gerne eine Theaterstunde machen möchten- ich werde dann berichten- sowie im Nähunterricht, in dem wir ab und an unser Glück versuchen und sogar schon eine Tasche und Vorhänge für unsere Regale fertig gebracht haben, und in unserer Freizeit. Wir versuchen den Tagesablauf der Mädchen kennenzulernen und mitzuerleben, so dass wir auch mit ihnen Feuerholz sammeln gehen, Süßkartoffeln ernten, kochen, sticken, singen, tanzen oder einen Film schauen, also immer das, was gerade so ansteht oder worauf sie Lust haben.

Außerdem planen wir eine Art „Aufklärungsarbeit“ für das nächste Jahr. Dort möchte ich einmal wöchentlich mit den Mädchen über Themen wie HIV und AIDS, Familienplanung und Allgemeinwissen wie Geografie, Geschichte etc. sprechen. Während meiner Stunden ist mir häufiger aufgefallen, dass für uns selbstverständliches Allgemeinwissen bei dem Großteil der Schülerinnen nicht gefestigt ist. Sie konnten mir beispielsweise nicht sagen, wie viele Kontinente es auf der Erde gibt oder was deren Namen sind.
Ich lerne eigentlich jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die ungleichen Chancen für Kinder und Jugendliche auf der Welt. Es ist unfassbar spannend, Genaueres über die familiären Hintergründe der Mädchen, ihre Träume, Wünsche, Interessen und Ansichten zu erfahren. Auch mit den Lehrern verbringe ich gerne Zeit, sie sind aufgeschlossen, freundlich, lustig und jederzeit bereit, mir meine Fragen zu beantworten. Die Lehrer und Sister Anne können aus erzieherischen Gründen sehr streng zu den Mädchen sein und mir werden einige Lehrmethoden einfach fremd bleiben. Im Vergleich zu meiner Schule merke ich, dass die Schülerinnen deutlich disziplinierter sind und auf angemessenes, der Hierarchie einer Schule angepasstes Verhalten mehr Wert gelegt wird. Es kommt zum Beispiel nicht selten vor, dass ein Mädchen nur fünf Minuten ihrer Pause nutzen kann, weil sie dann für die Lehrer etwas erledigen muss. Die Atmosphäre in der Schule empfinde ich bis jetzt dennoch die meiste Zeit über als ausgesprochen angenehm.

Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Greta

Francesca Cyris, Uganda

Mein Alltag in der Krankenstation: Babygeschrei und jede Menge Neues

Hallo ihr Lieben,

Nun bin ich schon seit drei Monaten in Uganda und arbeite schon neun Wochen in Alenga. Heute möchte ich euch etwas über meine Arbeit, was ich da so mache und was mir alles sofort aufgefallen ist, erzählen.

Die Struktur des Gesundheitssystems in Uganda

In diesem Teil möchte ich euch das Gesundheitssystem von Uganda etwas erläutern.
Uganda ist unterteilt in vier große Regionen: Norden, Osten, Süden, Westen. Diese Regionen sind wiederrum in 112 Districts (Bezirke) und diese in Counties (Landkreise) unterteilt. Die nächste Abstufung sind Sub-Counties, danach Parishes (Gemeinden) und als letztes die Villages (Dörfer).

In Uganda gibt es ca. 4500 Gesundheitseinrichtungen. 155 davon sind Krankenhäuser.
In den 65 Krankenhäusern im öffentlichen Sektor, von der Regierung finanziert, wurden die Gebühren abgeschafft, wodurch die Zahl der Patienten in den ambulanten Einrichtungen dramatisch angestiegen ist.
Private, nicht gewinnorientierte Anbieter besitzen 63 der Krankenhäuser. 75% der Anbieter sind religiöse Einrichtungen, die größten Anbieter sind das Uganda Catholic Medical Bureau (katholisch), das Uganda Protestant Medical Bureau (evangelisch), das Uganda Muslim Medical Bureau (muslimisch) und das Uganda orthodox medical bureau (orthodox).
Private gewinnorientierte Anbieter besitzen 27 der 155 Krankenhäuser.

Das Gesundheitssystem ist in ein nationales und ein in Distrikten orientiertes System unterteilt.
Der unterste Rang des in Distrikten organisierten Bereichs sind die Village Health Teams. Das sind freiwillige Gesundheitsarbeiter, die vor allem dafür sorgen sollen, dass die Gemeinschaft Wissen und Aufklärung über Krankheiten wie Durchfall, Malaria, Lungenentzündung und andere tropische Erkrankungen erhält. Sie verweisen die Kranken zum nächsten Health Center. Jedes Dorf sollte so ein Team haben, dieses ist somit für 1000 Leute zuständig.
Das nächste Level ist das Health Center II. Hier sollten eine Krankenschwester/-pfleger, eine Hebamme und mehrere Gesundheitsassistenten arbeiten. Diese ambulante Klinik behandelt übliche Krankheiten wie Malaria und bietet Schwangerschaftsvorsorge an. Sie ist zuständig für die Versorgung von ca. 5000 Einwohnern und jedes Parish sollte eines haben.
Das Health Center III sollte in jedem Sub-Countie vorhanden sein und bietet zu den Leistungen des HC II noch eine stationäre Aufnahme, ein Labor und eine gesundheitliche Versorgung speziell für Mütter. Ein HC III sollte 18 Mitarbeiter haben, geleitet von einem Clinical Officer. Clinical Officers haben eine Ausbildung zwischen einer Krankenschwester/Krankenpfleger und einem Arzt/ einer Ärztin.
Auf dem vorletzten Level sind die Health Center IV. Jedes County sollte eines haben und damit 100.000 Einwohner medizinisch versorgen. Zusätzlich zum HC III ist es hier möglich chirurgische Eingriffe, Notfalloperationen und eine umfassende Notfall-Geburtshilfe durchzuführen, sowie Bluttransfusionen zu geben.
Die letzte Stufe sind die Krankenhäuser. Hier werden zusätzlich zu den Leistungen des HC IV Gesundheitsprobleme erforscht, besprochen und Fortbildungen angeboten.

Auf nationaler Ebene gibt es zwei Arten von Krankenhäusern mit verschieden Stationen und Abteilungen. Zum Ersten die Regional Referral Hospitals, davon gibt es 14 im ganzen Land, und zum Zweiten die National Referral Hospitals, wovon es nur zwei gibt, die sich beide in der Hauptstadt Kampala befinden. Eins davon ist eine psychiatrische Klinik und das andere das beste und größte Krankenhaus von Uganda mit den besten Ärzten des Landes.

Das ist die Theorie. Die Realität sieht in Uganda ganz anders aus.

Meine persönliche Erfahrung

Ich arbeite in der Krankenstation des Dorfes Alenga. Es gehört dem Uganda Catholic Medical Bureau, ist ein Health Center III und damit eine sehr wichtige und schon etwas größere Einrichtung.

Das Health Center
An meinem ersten Tag zeigte mir Jasper, Krankenpfleger und Chef des Health Centers, das Gelände. Auf der einen Seite steht ein Gebäude mit der Dispensary (Arzneiausgabe), dem Untersuchungsraum, dem Büro des Chefs, dem Labor und einem Besprechungszimmer. Hier werden ankommende Patienten von Godfrey in ein Buch aufgenommen und müssen dann im Gang auf einer Bank warten bis sie aufgerufen werden. Im Besprechungszimmer fragt dann Jasper, der Medical Officer Richard oder eine der Hebammen, Sharon oder Gloria,  nach den Beschwerden. Anschließend werden sie oft zu u. A. Blut- oder Urinuntersuchung ins Labor geschickt. Danach kommen sie wieder ins Untersuchungszimmer und es wird die Diagnose gestellt und die Medikation aufgeschrieben. Zuletzt werden die Medikamente in der Dispensary ausgegeben und am Empfang bezahlt.

Auf der anderen Seite befindet sich die Maternity („Mutterschaft“). In diesem Gebäude werden schwangere Frauen untersucht, stationär vor und nach der Geburt behandelt und viele Babys geboren. Ungefähr 12 Betten stehen in dem großen Raum, die die meiste Zeit belegt sind. Nochmal drei Betten gibt es im Raum vor dem Geburtsraum für Frauen, die kurz vor oder nach der Geburt stehen. Außerdem gibt es einen Raum mit Inkubator für ein Frühgeborenes.

Des Weiteren befinden sich auf dem Gelände noch Dusche, Plumpsklo und ein Küchenhaus für die Patienten. Im Gegensatz zu Deutschland sind hier die Familienmitglieder des/der Kranken die meiste Zeit vor Ort. Sie kochen selber und waschen die Wäsche des Patienten. Ich finde es sehr schön, dass die Klienten hier die meiste Zeit nicht allein sein müssen, sondern von ihrer Familie umgeben sind. In Deutschland habe ich bei meiner Arbeit im Krankenhaus oft mitbekommen, dass gerade alte Menschen oft einsam waren und darüber sehr traurig waren.

Zwei Welten treffen aufeinander
Was mir sofort beim Betreten der Gebäude auffiel, war der riesige Unterschied zu den medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Dort war ich es gewohnt überall im Krankenhaus Desinfektionsmittelspender und Waschbecken zu finden. Hier jedoch gibt es nur eine Stelle zum Händewaschen und Desinfektionsmittel nur zum Reinigen von Verletzungen und nicht für die Hände.
Als Jasper mir das Maßband zum Messen der Größe in der Maternity zeigte und mich daneben stellte, sagte er mir, dass ich 1,52m groß bin. Ich teilte ihm mit, dass das nicht stimmen kann, da ich 1,66m groß bin. Später an einem anderen Maßband stellte er dann fest, dass ich tatsächlich 1,66m groß bin. Er meinte nur „Oh okey, dann hat das jemand falsch aufgehängt“. Bis heute hängt das Maßband immer noch 14 cm in der Luft und die Frauen sind alle höchstens 1,60m groß. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie hier oft dokumentiert wird. Alles wird sehr sorgfältig aufgeschrieben, jeder bekommt eine Patientennummer und jeder Besuch wird in einem der unzähligen Bücher registriert. Zudem werden viele Blätter für Studien und Umfragen ausgefüllt und weggeschickt. Das Problem ist dabei nur, dass es kaum jemanden interessiert, wenn die Maße falsch genommen werden. Zudem herrscht oft Zeitdruck, sodass einige Male schon der Blutdruck nur geraten und aufgeschrieben wurde. Ich ärgere mich oft, denn in meinen Augen sind solche Daten schon wichtig für die Krankengeschichte und genau in solchen Situationen merke ich auch, wie deutsch ich eigentlich bin. Ordnung, Sauberkeit und pünktlich sein – gute deutsche Klischeeeigenschaften, die ich vorher nie so bei mir wahrgenommen habe, da ich durchaus jemand bin, dessen Zimmer mal unaufgeräumt ist und die gerne mal zehn Minuten zu spät ist. Mir fiel es sehr schnell auf, wie anders es hier ist. In der Krankenstation stehen sehr viele Kisten mit alten Heften, losen Blättern oder kaputten Dingen. An der bröckelnden Wand hängt ein Dienstplan von Januar 2016. An der anderen ein zerrissenes Plakat einer Kampagne aus dem Jahr 2004. Jedes Mal frage ich mich, ob das sein muss und warum das niemanden außer mir stört.
Was mir außerdem sofort auffiel, war, dass jeder Klient sein eigenes Heft mitbringen muss, denn dort werden die Untersuchungs- und Testergebnisse, Diagnose und die Medikamente aufgeschrieben. Das ersetzt die bei uns in Deutschland übliche Patientenakte. Auf der einen Seite ist das in meinen  Augen eine gute Idee, da viele Leute unterschiedliche Krankenstationen besuchen und dann immer alle Informationen im Heft sind. Außerdem hätte das Health Center niemals genug Platz und vor allem Ordnung, um Akten systematisch aufzubewahren. HIV- Infizierte und AIDS-Kranke sind die Einzigen mit einer Akte im Health Center. Auf der anderen Seite kann man sich leicht vorstellen, dass es alles andere als ordentlich ist mit diesen Heften, denn viele sind zerknittert, gefaltet oder mit Öl befleckt. Außerdem fehlen oft Informationen oder die Hefte gehen verloren und es wird ein neues angefangen.

„Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit.“ – afrikanisches Sprichwort
Meine Arbeitszeit ist von 8.00-13.00 Uhr. Die ersten drei Wochen war ich vorbildlich pünktlich um 8.00 Uhr vor Ort und allein. Ich war stets die Erste, die im Health Center erschien, und sogar die Nachtschwester war schon nach Hause gegangen. Natürlich fühlte ich mich nicht sonderlich wohl, wenn ich über eine Stunde allein war, ich hatte Angst, dass auf einmal eine Mutter ihr Kind bekommt oder jemand mit Schmerzen ankommt. Dementsprechend passte ich mein Verhalten an und integrierte mich ganz gut, indem ich mittlerweile auch immer erst um 9.00 Uhr dort bin. In dem Buch, in dem man sich als Mitarbeiter einträgt, wenn man kommt, steht trotzdem die erste Person immer ca. um 8.10 Uhr drin. Soviel zur Dokumentation.

Lango – eine tägliche Herausforderung
Trotz der, in meinen Augen, großen Unordnung, Umständlichkeit, Unpünktlichkeit und mangelhaften Hygiene kommen die anderen Mitarbeiter immer mit einem Lächeln an ihren Arbeitsplatz und begrüßen mich immer fröhlich auf Lango. Mit meinen Sprachkenntnissen in Lango komme ich hier leider noch nicht sehr weit, begrüßen und ein paar einfache Sätze sagen funktioniert schon gut. Deswegen bin  ich sehr froh, dass meine Kollegen alle Englisch können. Das Problem ist, dass die meisten Patienten kein Englisch können. Oft versuchen sie, mit mir zu reden, doch leider verstehe ich es dann meistens nicht. Auch wenn Sharon mit den Patienten spricht und ihnen etwas erklärt, verstehe ich leider oft nur ein paar Wortfetzen. Ich versuche natürlich weiterhin, mein Lango zu verbessern und habe einmal die Woche mit Greta Unterricht bei einem der Lehrer aus der Näherinnenschule, wobei der Unterricht leider nicht so strukturiert und übersichtlich ist wie wir es von Deutschland gewohnt sind – wieder eine typisch deutsche Feststellung.

Mein Arbeitsbereich

Ich arbeite meistens mit Sharon oder Gloria zusammen in der Maternity. Dienstags und Freitag kommen die schwangeren Frauen. Wir messen den Blutdruck, wiegen sie und die Hebamme untersucht den Bauch und die Lage des Kindes mit ihren Händen. Je nachdem, wie weit das Kind vom Nabel der Mutter entfernt ist, kann sie ertasten in welcher Schwangerschaftswoche sie ist. Mit dem Pinard’schen Hörrohr erfasst sie dann noch den Herzschlag des Babys. Samstags wird seit ca. einem Jahr sogar eine Ultraschalluntersuchung für Frauen angeboten, bei denen das Baby schwer zu ertasten ist.

Malaria: eine weit verbreitete Krankheit in Uganda
Außerdem bekommen die Mütter hier ab der 16. Schwangerschaftswoche bei den Vorsorgeuntersuchungen Tabletten zur Malariaprophylaxe. Malaria ist eine durch den Stich der Anophelesmücke übertragene, fieberhafte und tropische Erkrankung. Sie kommt hier sehr häufig vor, kann aber meistens ohne Probleme mit Medikamenten behandelt werden. Laut dem ugandischen Gesundheitsministerium ist Uganda das Land mit dem größten Malariavorkommen weltweit: 478 von 1000 Personen bekommen pro Jahr Malaria. Malaria ist für werdende Mütter besonders gefährlich, da der Verlauf der Erkrankung schwerer ist als bei nicht-Schwangeren. Auch das Ungeborene kann geschädigt werden. Je nach Immunitätslage der Mutter kann der Fötus sich über die Plazenta der Mutter anstecken. Fehlgeburt, Wachstumsverzögerung und Frühgeburt können die Folge sein. Deswegen bekommen alle Schwangeren beim ersten Besuch ein Moskitonetz, um sich vor allem nachts schützen zu können.

HIV, AIDS und das Problem des Stillens
Im Labor werden die Frauen natürlich auch auf Infektionen und HIV getestet. Die Anzahl der Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) ist in der Vergangenheit in Alenga immer mehr angestiegen. Das hat mich sehr verwundert, da man eigentlich davon ausgehen müsste, dass durch die bessere Aufklärung heutzutage die Menschen darüber Bescheid wissen wie sich HIV überträgt. HIV lässt sich neben Blut und anderen Körperflüssigkeiten auch über die Muttermilch übertragen, deswegen war ich zuerst sehr schockiert, als ich erfuhr, dass HIV positive Mütter ihr Baby stillen. Die Mutter, aber auch das Baby, um das Risiko einer Übertragung möglichst gering zu halten, müssen in dieser Situation Medikamente nehmen. Was mir schnell klar wurde ist, dass es natürlich für die Menschen hier keine andere Möglichkeit gibt, außer normal weiterzustillen. Babynahrung ist viel zu teuer und auch nicht erhältlich, außerdem hätten die Leute gar nicht das Wissen und die Möglichkeiten die Babynahrung herzustellen und zu lagern.
Zudem sollen die Schwangeren regelmäßig Tabletten zur gesunden Entwicklung des Babys nehmen wie z.B Folsäure und Eisen. Diese erhalten sie bei der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung. Jedoch gibt es nicht genügend von diesen Tabletten, deswegen werden oft viel zu wenige bzw. gar keine verteilt. Des Weiteren erhalten die werdenden Mütter regelmäßig eine Impfung gegen Tetanus.

Kinder bekommen Kinder
Erschreckend für mich ist das Alter der Schwangeren Frauen, denn viele von ihnen sind gerade 17 Jahre alt. Die Mädchen haben zum Teil nicht einmal die Primary School (1.-7. Klasse) beendet und sollen dann heiraten und Kinder bekommen, denn oft fehlt das Geld und das Interesse der Eltern um das Kind weiter in die Schule zu schicken. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Uganda 6,7 Kinder und nur 25% aller Frauen nutzen Verhütungsmittel (laut des Gesundheitsministeriums Ministry of Health). Gerade in einem Dorf wie Alenga bekommen die Frauen sehr viele Kinder und nicht selten steht in ihrem Heft, dass sie in der neunten Schwangerschaft sind aber zwei Kinder schon vor oder nach der Geburt verstorben sind.

Hilfe aus aller Welt
Finanziell unterstützt wird das ugandische Gesundheitssystem durch sehr viele Geldgeber aus dem Ausland. So wird das fünfjährige staatliche Uganda Health Systems Strengthening Project (UHSSP) finanziell von der Weltbank unterstützt. Das Ziel ist es, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten zu senken und jedem Einwohner eine minimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
Ein Projekt von USAID ist das Voucher Plus System. Für 4000 Uganda Schilling, ca. einen Euro, können sich die Schwangeren Aufkleber kaufen, mit denen sie vier Vorsorgetermine, sowie Geburt und Nachsorge bezahlt bekommen. Das ist viel günstiger als ohne den Voucher und macht es vielen Frauen erst möglich, sicher in einem Health Center ihr Kind auf die Welt zu bringen. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich eine Mutter letzte Woche gefreut hat als sie erfuhr, dass sie für die Geburt kein Geld mitbringen muss, sondern alles durch den Voucher bezahlt wird.
Auch in den anderen Bereichen der Krankenstation entdecke ich überall Aufkleber und Kartons mit Moskitonetzen der Hilfsorganisationen UK- und USAID.
Diese Unterstützung ist hier dringend nötig, da der Staat nur sehr wenig in  den Gesundheitssektor investiert. Da das Health Center in Alenga eine private Einrichtung ist, müssen die Kranken für ihre Medikamente und Laboruntersuchungen Geld bezahlen. Ein paar Medikamente, wie die der HIV-Infizierten, gibt es kostenlos, sie werden allerdings nicht vom Staat sondern von Hilfsorganisationen finanziert. Die Frage ist natürlich was passiert, wenn nach ein paar Jahren die finanziellen Hilfen aus dem Ausland eingestellt werden?

Große Herausforderungen
Wie ihr sicher aus meinem Artikel entnehmen könnt, ist das Gesundheitssystem alles andere als gut strukturiert und ausreichend. Viele Einwohner nehmen weite Entfernungen, oft zu Fuß, auf sich, um die Krankenstationen zu erreichen und müssen lange Zeit auf die Behandlung warten.
Häufig fehlt den Gesundheitseinrichtungen das Geld, um die nötige Medizin einzukaufen, und gerade in den staatlichen Einrichtungen fehlt es aufgrund der kostenlosen Behandlung und der kostenlosen Medikamente an allen Ecken. Natürlich fehlt auch den Bewohnern der Dörfer das Geld und viele begeben sich nicht einmal in ein Health Center, da sie sich die Behandlung sowieso nicht leisten können.
Zudem hat Uganda viel zu wenig ausgebildete Arbeiter im Gesundheitssektor und aufgrund der schlechten Bezahlung fehlt vielen die Motivation. Deshalb versuchen einige im Ausland zu arbeiten, um einen Arbeitsplatz mit besseren Bedingungen zu finden – ein Problem, das auch Deutschland hat.

Wertvolle Momente und Erfahrungen
Ich bin unglaublich froh, dass ich hier in Alenga einen so guten und interessanten Einblick in die medizinische Versorgung des Landes bekommen kann. Die Arbeit macht mir richtig viel Spaß und mit  Sharon und Gloria habe ich nicht nur supernette Kolleginnen sondern auch erste Freundinnen gefunden.
Ich lerne hier jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die Ungerechtigkeit auf der Welt.
Natürlich fällt es mir manchmal schwer, die Situation vor Ort zu begreifen und die Armut und den Mangel an fast allem so hautnah mitzubekommen. Trotzdem sehe ich viel Wunderbares, Schönes und Spannendes bei meiner Arbeit, wie zum Beispiel die Geburt eines Babys und die glücklichen Gesichter der Frauen, wenn ihnen gesagt wird, dass es ihrem ungeborenen Baby gut geht.

Jetzt ist erst einmal Schluss mit diesem Artikel. In naher Zukunft werde ich noch über weitere aufregende  Themen und unser Projekt in der Schule berichten.
Meine Mitfreiwillige Greta hat in ihrem Beitrag „Earning for the future“ einen sehr interessanten Beitrag über ihre Arbeit in der Näherinnenschule veröffentlicht, den ihr unbedingt lesen solltet!

Vielen Dank an alle fleißigen Leser.
Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Francesca