MaZ-Blog 2018-04-04T15:40:54+00:00

Unser MaZ-Blog

Aktuelle Berichte und Fotos aus den Einsatzländern

Unsere Missionarinnen und Missionare auf Zeit im Einsatz erleben eine ganze Menge – und darüber bloggen sie auch in unserem MaZ-Blog. Unter der Adresse www.cosamaz.org kannst du alle Erfahrungsberichte unserer MaZ lesen – und schon mal ein wenig Fernweh bekommen. Hier einige ausgewählte Rundbriefe von unseren MaZ:

Marlene Mangold, Peru

Als wäre ich nie weg gewesen … mein Start in die zweite Hälfte

San Genaro, den 06.03.2018

Buenas tardes mis amigos! Mein Leben ist aufregend. Jeder Tag, jede Begegnung ist ein Geschenk. Im Vergleich zu meiner Lebensdauer, ist ein Jahr nicht sehr viel. Jedoch ist es ein ganz besonderes Jahr, was ich jeden Tag spüren darf. Ein Jahr voller aufregender Ereignisse, Erkenntnisse, prägender Momente. Es passiert einfach so viel und ich denke, das wird noch lange nachwirken, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Highlight für Groß und Klein: Ausflug ins Freibad

Vorweg, mir geht es nach wie vor total gut. Nachdem ich nach einem Monat (Trujillo und Zwischenseminar) nun endlich wieder zurück nach Lima kam, war es, als wäre ich nie weg gewesen. Sofort wieder mittendrin im Leben, im Geschehen, bei den Kiddies und meinen Freunden. Gleich am nächsten Tag, den 10.02.2018, fand ein Highlight für Kinder und Eltern statt: Der Ausflug in ein Sportzentrum. Dank euch und eurer Unterstützung war es David und mir möglich, einen Ausflug zu organisieren. Insgesamt waren wir circa 70 Leute und die Stimmung war schon zu Beginn des Tages super. Der Tag war ein voller Erfolg, die Kinder hatten viel Spaß, es gab mehrere Schwimmbecken und eine Rasenfläche, so konnten sich die Kinder nach Lust und Laune austoben. Mein persönliches Highlight an diesem Tag war, dass ich nun endlich etwas von meinem Traum, Schwimmen beizubringen, umsetzen konnte, und so die meiste Zeit mit den Kindern im Wasser verbrachte, Bein- und Armübungen machte, oder die kleine Mary einfach nur durch das Wasser gleiten lies, oder aber auch ein paar Figuren mit Oscar im Becken machte. Man konnte die Kinder mit den einfachsten Kunststücken beeindrucken, was mein Herz sehr glücklich machte. Ich bin dankbar für diesen Tag, und die Möglichkeit, die wir durch die finanzielle Unterstützung hatten. Mit geringen Mitteln konnten wir so einen ganz besonderen Tag gestalten, der für Kinder und Eltern nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.

Bewegende Momente

Am Montag darauf war ich dann mit den Ministranten in einem Schwimmbad, David und Pater Juan waren auch dabei. Mich hat es sehr gefreut, dass Juan wirklich mal einen Tag frei hatte (normalerweise arbeitet er an seinem einzigen freien Tag auch) und ihn mit seinen Ministranten genießen konnte, wir hatten eine super schöne Zeit. Dieser Tag bot mir eine sehr schöne Erfahrung: Ein guter Freund von mir hat richtige Panik vor dem Wasser, verkrampft augenblicklich, wenn er Wasser ins Gesicht bekommt und auch wenn er den Grund unter den Füßen spürt hat er sichtlich Angst. Mit ihm habe ich einige Übungen gemacht, dass er ein besseres Gefühl für das Wasser bekommt. Das heißt, erstmal in Rückenlage legen und versuchen alle Glieder von sich zu strecken. Und tatsächlich nach einiger Zeit und viel Zuspruch, hat es am Schluss richtig gut geklappt und er konnte für eine gewisse Zeit relativ entspannt im Wasser liegen während ich ihn gehalten habe. Auch ein zweites Mal konnte er sich überwinden ins Wasser zu steigen. Es war offensichtlich, dass er unbedingt daran arbeiten wollte, er kämpfte sehr mit sich selbst und seiner Angst. Ich war unglaublich froh über diese kleinen großen Fortschritte, die er an diesem Tag gemacht hat. Es erfüllt mich mit Stolz, da ich weiß, dass es umso schwerer ist seine Angst vor dem Wasser zu überwinden, wenn man kein Kind mehr ist. Außerdem hat mir mein Kumpel an diesem Tag sehr viel Vertrauen entgegengebracht, was ich sehr schätze.

Bevor ich nach Deutschland zurückgehe wünsche ich mir, ihm schwimmen beigebracht zu haben. So wie einigen anderen peruanischen Freunden auch.

WG-Zuwachs

In der Zwischenzeit hat unsere Hauskatze Chilli endlich ihre Babys bekommen. Es sind vier wunderschöne, gesunde Babykätzchen, eines für jeden WG-ler hehe 🙂 Wenn alles klappt, kommen Chilli und ihre Jungen in die Sierra zur Familie einer Freundin, da sind sie dann gut aufgehoben.

Ansonsten wird sich in nächster Zeit etwas ändern an der Wohnsituation, in zwei Wochen werden Katja und Lena leider schon wieder nach Italien fliegen (übrigens haben die zwei einen ganz tollen Blog, da könnt ihr gerne mal vorbeischauen unter: 2gringasenperu.wordpress.com) und auch Andrea befindet sich momentan in Panama und wird nicht mehr lange in Lima verbringen. Auch die Südtiroler gehen bald auf Reisen und werden nun nicht mehr ständig im Casa sein, sodass unterm Strich bald nur noch David und ich übrig bleiben. Wenn ich ehrlich bin, denke ich, dass es angenehm wird, wenn mal etwas weniger los ist, war teilweise auch anstrengend. Jedoch muss ich auch gestehen, dass mir die anderen schon sehr ans Herz gewachsen sind, die Mädels sowie die Jungs. Wir haben dann doch einige Zeit zusammen hier verbracht und einiges erlebt, das verbindet einfach. Zudem sind es total coole und wunderbare Menschen, ich bin froh, sie kennengelernt haben zu dürfen und hoffe, dass man in der Heimat wieder von einander hört 🙂

Mit Katja und Lena verbrachte ich letzte Woche einen schönen Tag in Barranco, wir waren mit zwei von ihren Freundinnen unterwegs und spazierten oberhalb vom Strand entlang. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag und ich habe die Zeit sehr genossen mit den Mädels.

Die ersten Abschiede

Im Keller des Casas gibt es ein Therapiezentrum, das sich lange im Umbau befand und nun eigentlich fertig ist. Es sieht echt toll aus, mit Hilfe von Christian und Samuel wurde ein neuer Boden (Fliesen) gelegt. Alle Zimmer wurden neu gestrichen und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Andrea gibt dort Therapien für Kinder mit Behinderung. Vor zwei Wochen fand ein kleines Abschiedsfest statt, da Andrea nun gegangen ist (nach Panama) und wohl nicht mehr zu ihrer Arbeit zurückkehren wird. Bei diesem Anlass wurde ihr und auch den Jungs nochmal speziell gedankt für ihre Unterstützung. Alle drei haben große Arbeit geleistet und ich bin mir sicher, dass die Therapiestunden mit Andrea für die Kinder sehr besonders waren.

Die Party geht weiter…

Auch sonst wurde viel gefeiert die letzten Wochen, und damit meine ich nicht nur die letzten Discobesuche als große Gruppe. Samu hatte Geburtstag, welchen wir im Casa mit seinen, auch peruanischen, Freunden feierten. Seit längerer Zeit hatten die Kinder auch wieder einen Auftritt mit den Zancos, zum Abschluss der „Vacaciónes Útiles“ (siehe Bericht über Trujillo), was natürlich ein einziges Fest für die Kiddies war 🙂 Innerlich feierte ich zudem ein kleines Fest, so groß war meine Freude darüber, dass das Weihnachtspaket meiner Patentante nach 2,5 Monaten doch noch ankam, wider Erwarten. Ebenfalls ein Brief meiner Eltern erreichte mich doch tatsächlich unversehrt. Ein Wunder, da hier oft die Post nicht ankommt, da sie geöffnet wird (wenn der Absender auf Europa verweist), in der Hoffnung, Geld darin zu finden. Was für ein Glück, dass dies bei mir nicht der Fall war. Ich habe mich so sehr über das Paket und meine Lieblingsplätzchen gefreut, und am meisten über die lieben Worte meiner Eltern, meiner Tante und Onkel, und meinen zuckersüßen Cousins Hannes und Malte. DANKE! Meine Mutter feierte derweil auch ihren 50er groß. Das war schon schade, nicht live dabei gewesen sein zu können, aber deshalb habe ich ein paar kleine Videos für sie gedreht und ich denke, die Überraschung war gelungen 🙂 Meine Ministranten haben mir dabei geholfen, es wird schwer werden, mich von ihnen zu verabschieden, sind sie doch zu sehr engen Freunden für mich geworden.

Wie gesagt, Schritt für Schritt

Wenn man die kleinen Fortschritte im Casa sieht, ist man ganz zufrieden mit der Entwicklung, ich zumindest. Das Dach ist nun fast komplett gestrichen. Vor zwei Wochen durften David, Katja, Lena und ich dann Inventur in der Abstellkammer machen. Ich muss sagen, es gibt schönere Aufgaben, denn in diesem Raum herrscht absolutes Chaos, meiner Meinung nach mit viel zu viel Schrott bzw. Müll, aber ich habe das Gefühl, hier hebt man wirklich alle Dinge sehr gerne auf. Das kommt ja aber auch nicht von nirgendwo her, wenn man die peruanische Geschichte betrachtet, demnach verständlich. Jedoch war ich schon froh, mal ordentlich ausgemistet zu haben, sodass man sich jetzt gut umdrehen kann ohne, dass einem zehn Dinge entgegenkommen 🙂 Nach drei Abenden war es dann auch endlich geschafft, und wir waren oft sehr überrascht, welche Sachen und Utensilien wir im Casa besitzen, also dafür hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Und das ist erst der Anfang…

Wie ihr seht, ist weiterhin jeder Tag mit vollem Leben gefüllt, als wäre ich nie weg gewesen. Und das soll erst der Anfang sein von der zweiten Hälfte voller Action, Herzblut und Freude. Ihr könnt gespannt sein auf meinen nächsten Blogeintrag, es wird vielfältig und emotional.

Meine Lieben, macht´s gut, ich bin in Gedanken bei euch und sende euch Sonnenstrahlen nach Deutschland, die könnt ihr ja momentan echt gebrauchen 🙂

PS: Bei Fragen oder Anmerkungen meldet euch bitte bei mir, ich freue mich auf euch! (m.mangold-infomaz@gmx.de)

Es grüßt euch herzlichst

Eure Marlene Helena

Termine

MaZ-Logo von den MaZ selbst gemalt

Reflexionsseminar

19. September um 18:00 Uhr - 23. September um 13:30 Uhr

Lena Lochschmidt, Peru

Oktober-Neuigkeiten aus Arequipa!

Hallo,

jetzt bin ich bereits über zwei Monate hier in Arequipa. Ich kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Hier ist in letzter Zeit so viel passiert, dass ich kaum Zeit hatte einen neuen Bericht zu schreiben. Aber hier kommt er nun!

Kindergarten

Geburtstag des Kindergartens

Vor ein paar Wochen wurde der Geburtstag des Kindergartens gefeiert, also der Jahrestag der Gründung. Aber die Feier war nicht nur einen Tag lang, nein, es wurde eine ganze Woche gefeiert. Es wurde zum Beispiel eine „Nacht der Talente“ veranstaltet. Und es gab einen „Fackelzug“, bei dem die Kinder mit selbstgebastelten Laternen gekommen sind und wir durch die Straßen von villa ecológica gelaufen sind. Zudem wurde der Kindergarten mit vielen Kerzen erleuchtet, das war sehr schön. Am 9. Oktober war dann der eigentliche Tag des Geburtstages und es wurde den ganzen Tag gefeiert. Die Kinder führten einstudierte Tänze auf und ebenso die Eltern, die verschiedene traditionelle Tänze Perus zeigten. Dazu gehörte dann natürlich auch die passende Tracht. Die traditionellen bunten Kleider haben mir besonders gut gefallen. Auch wir, die im Kindergarten arbeiten, haben die Wochen zuvor einen Tanz einstudiert und ihn dann aufgeführt. Der Tag war ein lustiges Fest mit viel Musik, Essen und Spaß.

Alltägliche Arbeit im Kindergarten

Vor etwa drei Wochen bin ich sozusagen „befördert“ worden. Nachdem eine auxiliar den Kindergarten verlassen hat, bin ich nachgerückt. Ich bin weiterhin im Salon der 2-Jährigen, die ich auch schon sehr sehr lieb gewonnen habe. Aber wir sind jetzt nur noch zu zweit, profesora (Lehrerin) Marina und ich. Wir haben 18 Kinder in unserer Gruppe. Dadurch habe ich jetzt mehr Arbeit, von der ich euch kurz erzählen möchte:

Morgens um etwa acht Uhr (Pünktlichkeit wird aber ein bisschen anders definiert als in Deutschland) kommen die Kinder nach und nach in den Kindergarten. Jeden Montag wird mit der Hand auf der Brust die Nationalhymne von Peru und die Hymne Arequipas gesungen und die Flagge Perus von den Kindern getragen.

Um 9 Uhr gibt es Frühstück, das in der Küche des Kindergartens zubereitet wird. Bis dann wirklich alle Kinder ihre Milch getrunken haben, dazwischen ständig aufgestanden sind und die Milch von mindestens drei Kindern über den Tisch und ihre Kleidung verteilt ist, ist meist schon mehr als eine halbe Stunde vergangen. Danach gehen alle Gruppen in ihre Salons. Die älteren Kinder lernen bereits Buchstaben und Zahlen schreiben und lesen. Die Kinder bekommen auch Hausaufgaben, die sie gemeinsam mit ihren Eltern bearbeiten. Die 2-Jährigen lernen gerade die Farben und Zahlen von Eins bis Fünf. Neben dem Lernen wird viel gesungen und gespielt. Inzwischen habe ich schon einige spanische Kinderlieder gelernt.

Zum Mittagessen nimmt jedes Kind Essen von zu Hause in einem kleinen Rucksack mit. Da die Kinder unterschiedlich schnell essen, ist es immer eine Herausforderung, das alle am Tisch sitzen bleiben. Die einen muss man füttern, weil sie sonst nicht essen und die anderen sind so schnell fertig, dass ihnen langweilig wird und man die ganze Zeit beschäftigt ist, damit die Kinder sitzen bleiben. Auch hier fallen mindestens zwei Flaschen und drei Joghurts um. Dennoch ist es auch schön, wenn die Kinder ein Ministück von ihrem Brot abreißen, um es dir als Geschenk anzubieten.

Nach dem Mittagessen spüle ich alle Tassen und Teller ab und reinige die Tische und Stühle der Kinder. Bis die Eltern kommen, zwischen 13 und 14 Uhr, wird gespielt. Meist in ihrem Salon, mit Puzzles, Puppen oder wild durch die Gegend rennend. Vor ein paar Wochen wurde auch ein kleiner Spielplatz eingeweiht, auf dem die Kinder gerne spielen. Das gemeinsame Spielen macht mir immer sehr viel Spaß.

Um 13 Uhr machen wir dann alle Kinder bereit, um abgeholt zu werden. Das bedeutet Gesicht waschen, manchmal neue Zöpfe flechten, Nase putzen und Kleidung wechseln, falls diese dreckig ist.

Um etwa 14 Uhr sind dann alle Kinder mit ihren Eltern gegangen und wir putzen den Salon und machen uns müde und glücklich auf den Heimweg.

Montags jedoch ist es ein bisschen anders. Seit zwei Wochen bringe ich den fünfjährigen Kindern (die Ältesten) auch ein bisschen Englisch bei. Wir lernen die Farben, Tiere, Familienmitglieder,… Letzte Woche haben wir zum Lied „head and shoulders, knees and toes“ getanzt und gesungen, damit die Kinder die Körperteile lernen. Meine erste Englisch-Stunde war jedoch sehr spontan. Die profesora kam zu mir: „Lenita, ich muss mal kurz weg. Kannst du den Kindern in der nächsten Stunde die Farben auf Englisch beibringen?“ Da stand ich dann also vor etwa 25 Kindern, die mich alle erwartungsvoll anblickten. Nach einmal Schlucken hat das „Unterrichten“ richtig Spaß gemacht. Wir haben ein Arbeitsblatt bearbeitet und ich habe alles an einer Tafel gezeigt.

Padre Luis Tezza

An einem Tag kamen alle auxiliares zusammen, um ein kleines Theaterstück einzuüben. Das ist schon ein bisschen länger her und ich verstand noch etwas weniger auf Spanisch. Ich wurde gefragt, ob ich denn nicht die Rolle von Padre Luis Tezza übernehmen wolle. Ich sagte zu, ohne zu ahnen, dass dies die Hauptrolle ist. Wir spielten nämlich das Leben von Padre Luis Tezza. Hatte ich leider nicht so ganz verstanden. Wir haben das Ganze genau zwei Mal geübt und das hat mich dann doch nervös gemacht. Mit viel Improvisation wurde es dann doch ein ganz schönes Stück.

Kirche

Prozessionen

Im Oktober werden sowohl San Daniel Comboni und El Senor de los milagros (Der Herr der Wunder) gefeiert. Und diese Feiern sind mit vielen Prozessionen verbunden.

Für San Daniel Comboni haben wir deshalb eine Prozession von der Kirche neben unserem Haus bis nach villa ecologica gemacht. Wir haben verschiedene Stopps eingelegt, um zu beten und einige Jugendliche haben das Leben San Daniel Combonis nachgespielt. Nach etwa drei Stunden kamen wir in der Kapelle in villa ecologica an und feierten dort eine schöne Messe im Freien.

El Senor de los milagros wird überall in Peru mit Prozessionen gefeiert, besonders in Lima. Hier in Arequipa  haben 12 Träger das Bild des Senor de los milagros getragen, das mit vielen Blumen und einer Lichterkette geschmückt war. Wir waren fünf Stunden unterwegs bis wir in der Kirche ankamen. Es wurden auch Kerzen verkauft und so war alles etwas erleuchtet und sah sehr schön aus. Es gab eine zweite Prozession für den Senor de los milagros diesen Freitag in einem anderen Teil der Pfarrei.

Katechese

Bevor man zur Kommunion oder Konfirmation geht, besucht man zwei Jahre lang die Katechese. Das bedeutet man wird auf diese Sakramente vorbereitet. Das gleicht etwa dem Religionsunterricht in Deutschland. Jeden Sonntag trifft man sich und die „Catequistas“ bearbeiten mit den Kindern und Jugendlichen verschiedene Themen. Mir gefällt, mit welcher Begeisterung die Catequistas von Gott erzählen. Ich helfe in einer Gruppe der Konfirmation jeden Sonntagvormittag. Diesen Sonntag sollte ich etwa einen 30 Minuten-Vortrag über die Taufe halten. Viele der Jugendlichen werden erst nächsten Monat getauft. Im ersten Moment fiel mir das Vorbereiten auf Spanisch etwas schwer, aber ich habe zwei Bücher gelesen und mich dann schnell ins Thema eingefunden. Ich habe verschiedene Bilder zu den verschiedenen Symbolen und zur Bedeutung der Taufe gemalt. Zu meiner Überraschung hat es mir richtig gefallen gemeinsam mit den Jugendlichen dieses Thema zu bearbeiten.

Freizeit

In der Pfarrei gibt es einige Jugendgruppen, die verschiedene Aufgaben übernehmen. Viele Jugendliche engagieren sich in der Pfarrei, besuchen die Messe und treffen sich. In einer dieser Gruppen bin ich nun Mitglied und wir unternehmen regelmäßig etwas. Dies ist auch die Gruppe, mit der ich jeden Samstagmorgen das Frühstück für die älteren Menschen vorbereite. Jeden Sonntag treffen wir uns, um etwas zu unternehmen und einfach zu reden. Wir waren zum Beispiel  auch gemeinsam bei den Prozessionen und einmal haben sich alle Gruppen getroffen und ein Fussballturnier veranstaltet. Beim Elfmeterschießen war ich dann der „deutsche Torhüter“. Oft werden auch Fiestas gefeiert. Dann wird immer viel getanzt, gesungen und geredet. Hier kann fast jeder Salsa und andere Tänze tanzen und diese Tänzen gehören auch ganz normal zu einer Party.

Gran Pollada

Die „Pollada“ ist etwas, was ich sehr schön finde. Wenn zum Beispiel einer Familie das Geld für Dinge, wie Medizin fehlt, dann wird eine sogenannte „Pollada“ veranstaltet. Es wird Hühnchen verkauft und man unterstützt durch den Kauf des Hühnchens diese Familie.

Das wars erst Mal.

Viele liebe Grüße!

Lena.

Nikolai Füchte, Kenia

Zusammenfassung der ersten Monate

Hallo, ihr Lieben,

seit fast drei Monaten bin ich schon in Kacheliba in Kenia.

Kacheliba liegt in einer Hochebene des Rift Valleys, des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Die meisten Menschen hier gehören den Pokot an, einem von über 40 Völkern in Kenia. Die Pokot haben eine eigene Sprache (Pokot), die meisten sprechen aber auch Kiswahili und Englisch. Der Ort liegt zwischen einem Fluss, dem Suam und einem Berg, dem Mount Kacheliba. Den Berg habe ich einmal bestiegen, von dort aus kann man die gesamte Ebene bis nach Uganda hin überblicken. Dank des Flusses ist hier ein relativ fruchtbares Gebiet und trotz der 35-40°C, die tagsüber herrschen, wachsen hier verhältnismäßig viele Bäume. Jetzt hat aber die Trockenzeit angefangen, seit drei Wochen gab es keinen Tropfen Regen mehr und die Temperaturen steigen.

In Kacheliba wohne ich in einem 10m2 großen Häuschen mit einer kleinen Terrasse. Das Haus der Comboni-Missionare ist von hier aus 200m entfernt. Eine Stromanbindung habe ich zwar, aber wegen der vielen Stromausfälle in der ganzen Region habe ich oft für ein paar Tage keine Elektrizität. Ein Waschbecken habe ich auch, aber bisher ist es noch nicht mit irgendeiner Wasserleitung verbunden, weswegen ich das Wasser vom Haus der Missionare holen muss. Vor meinem Haus gibt es ein Plumpsklo, eine richtige Dusche und Toilette gibt es nur im Missionshaus. Zu den Combonis gehe ich auch drei Mal täglich zum Essen. Wir haben einen super netten Koch, der uns wunderbar versorgt.

Zurzeit leben in Kacheliba fünf Comboni-Missionare: Pater Dino aus Italien, Pater Bliss aus Ghana, Diakon Jemboy und Pater Tiquio, beide aus den Philippinen. Vor einer Woche ist Bruder Guerino Baldo aus Italien in unsere Gemeinschaft in Kacheliba gekommen. Außerdem gibt es drei Franziskanerinnen, die ebenfalls auf dem Gelände des „Holy Cross Parishs“ leben.

Meine Arbeit in Kacheliba ist  an zwei verschiedenen Grundschulen. Morgens gehe ich von 8:00-12:00 Uhr zu der Mixed Primary School. Dort unterrichte ich in der 7. Klasse 1-2 Stunden Mathe, den Rest der Zeit verbringe ich im Lehrerzimmer. Von 12:00 bis 14:00 habe ich meine Mittagspause, in der ich oft Berichte schreibe und gemeinsam mit den Comboni-Missionaren esse. Um 14:00 Uhr gehe ich zur Comboni Girls Primary School. Dort unterrichte ich die 7. und 8. Klasse in Mathe, Musik und Sport. Besonders der Sport- und Musikunterricht ist ziemlich problematisch, da es pro Klasse 80-150 Schüler gibt. So viele Schüler auf einem Haufen können wirklich anstrengend und sehr laut sein.

In Kenia geht man acht Jahre zur Primary School und vier Jahre zur Secondary School. Die Kosten für die Grundschule liegen monatlich bei ungefähr 600 Kenya Shillings pro Kopf (ca. 6 €). Leider können sich das nicht alle Eltern leisten, denn viele haben mehr als fünf, oft auch mehr als 10 Kinder. Die Comboni-Missionare versuchen ihr bestes, den Familien zu helfen, indem sie das Geld für die Schule und die Ausbildung vieler Kinder und Jugendlicher bezahlen. Die Kinder, die zur Schule gehen, kriegen dort drei Mal täglich Essen und schlafen dort auch. Allerdings zu zweit oder zu dritt in einem Bett! In Deutschland ist das wahrscheinlich undenkbar. Das Problem ist, dass die Schulen nur sehr begrenzte Mittel haben, die wenigsten Schulen haben genug Schulbücher, so dass die Schüler oft zu dritt oder zu viert in ein Buch gucken müssen. Korruption ist ein riesiges Problem in Kenia, weshalb die Schulen gar keine oder nur sehr wenig Unterstützung vom Staat bekommen.

Seit ein paar Wochen sind in Kenia die großen Schulferien. Für mich und die Lehrer bedeutet das zwei Monate ohne Arbeit.

Da ich jetzt in der Schule nichts zu tun habe, versuche ich, meine Zeit anders zu verbringen. Jeden Tag lerne ich ein bisschen Kiswahili und so langsam merke ich, dass es voran geht. Außerdem probe ich drei Mal wöchentlich mit dem Kirchenchor. Deren Repertoire besteht eigentlich nur aus Gospel-Songs in Kiswahili und Pokot. Momentan versuche ich ihnen einige leichte Taizé-Lieder beizubringen. Da aber nur zwei oder drei Chormitglieder Noten lesen können, nimmt das ziemlich viel Zeit in Anspruch. Nachmittags spiele ich oft Fußball mit dem Team aus Kongelai, einem Nachbarort Kachelibas, der auf der anderen Seite des Flusses liegt. Fußball wird hier wahnsinnig schnell gespielt und besteht eigentlich nur aus Konter und Gegenkonter. Weil es mindestens 35°C heiß ist, selten Wind weht und wir auf 1300m Höhe spielen, bin ich in der Halbzeit meistens schon total fertig.

Als Weißer in Kenia fällt man sehr stark auf.  Vor allem die Kinder starren einem oft so lange hinterher, bis man außer Sichtweite ist. Einige der ganz kleinen Kinder haben Angst vor mir. Andere sind total neugierig und winken mir zu. Wenn ich dann zurückwinke freuen sie sich total und rennen sofort zu ihren Freunden, um ihnen das zu berichten. Einige fragen auch: „How are you?“ oder: „Mzungu, habari gani?“ (Weißer, wie geht’s dir?). Wenn ich auf Kiswahili antworten: „Nzuri, habari yako?“ (Gut, wie geht’s dir?) ist die Freude besonders groß. Viele Leute, die ich hier treffe, wollen sofort ein Gespräch mit mir anfangen. Bei einigen fällt nach wenigen Sekunden dann erstmal die Frage nach meiner Handynummer und dann, ob ich ihn- oder sie nicht mit nach Deutschland nehmen könne. Ich wurde sogar schon gefragt, ob jeder Europäer seine eigene Gelddruckmaschine hat und ob es „Geldbäume“ in Europa gibt. Viele stellen sich Europa wie das Paradies vor, alle Leute dort seien reich, hätten Arbeit und es gebe keine Probleme in den Ländern. Ich wurde sogar schon gefragt, ob jeder Europäer seine eigene Gelddruckmaschine habe und ob es „Geldbäume“ in Europa gebe. Diese Vorstellung kommt daher, dass die meisten weißen Leute, die hier nach Kenia kommen, in Malindi am Strand oder auf Safari-Tour im Nationalpark viel Geld ausgeben. Wenige der Touristen kommen aber wirklich mit der Bevölkerung in Kontakt, deswegen kommt es zu keinem Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen. Das ist der Grund, warum es auf beiden Seiten noch so viele Vorurteile gibt, denke ich.

Da ich jetzt seit mehr als zwei Monaten in Kacheliba bin, kennen mich die meisten Leute hier schon. Angesprochen werde ich dort fast nur noch von Freunden und Bekannten. Es ist schön, ein Teil des Lebens dort zu sein und nicht wie ein Tourist behandelt zu werden.

Euch allen wünsche ich eine schöne vorweihnachtliche Zeit.

Euer Niko

Greta Berges, Uganda

„Earning for the future“ – meine Arbeitsstelle

Ihr Lieben,

heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Arbeit als Lehrerin im Father Egidio Vocational Training Center Alenga geben, von dem ihr ja schon einiges im letzten Artikel „Kraft tanken vor wichtigen Prüfungen“ gehört habt.

Die Nähschule ist ein privates Internat, das von Sister Anne geleitet wird, die hier im Konvent lebt und aus Kenia stammt. Neben Sister Anne und mir gibt es noch drei weitere Lehrer, die in Theorie und Praxis Nähen und Stricken lehren. Die Schulgebühren betragen pro Term (ca. drei Monate) 150.000 UGX, das sind umgerechnet ca. 38 Euro und im Vergleich zu anderen Schulen sind diese Gebühren eher gering. Trotzdem haben viele Familien Schwierigkeiten das Geld aufzubringen.

Die Mädchen sind normalerweise zwischen 15 und 18 Jahre alt und haben Schulabschlüsse, familiäre Hintergründe und Erfahrungen ganz unterschiedlicher Art. So kommt es, dass das Leistungsniveau von einem großen Gefälle bestimmt wird (einige haben lediglich sechs oder sieben Jahre an der Primary School teilgenommen, während andere für einige Jahre die Secondary School besuchen konnten). Nach der zweijährigen Ausbildung hier planen viele noch weiter zur Schule oder sogar Universität zu gehen, um beispielsweise eine Berufsschullehrerin zu werden. Ich hoffe sehr, dass ihnen das gelingt, um Türen heraus aus der Armut und dem oft einfachen Leben im Dorf zu schaffen. Diejenigen, die nicht mit der Schulausbildung fortfahren, arbeiten beispielsweise als Schneiderinnen in ihrem Heimatort und helfen der Familie oder heiraten, ziehen um und bauen eine eigene Familie auf.

Kurzer Einblick in den Tagesablauf der Mädchen

Der Tag der Schülerinnen beginnt täglich um sechs Uhr. Sie waschen sich und machen sich fertig, um um sieben Uhr gemeinsam mit den Schwestern und Priestern eine halbstündige Messe zu feiern. Danach arbeiten sie entweder im Garten oder auf dem Gelände, bevor pünktlich um halb neun der Unterricht beginnt. Frühstück gibt es erst um halb elf und gegessen wird dabei Porridge (Maismehl mit Wasser). Mittags und abends gibt es diesen Maisbrei in fester Form mit Bohnen. Gelegentlich gibt es dazu auch anderes Gemüse oder Cassava, bzw. Süßkartoffeln. Der Unterricht geht täglich bis 16 oder 17 Uhr, danach arbeiten sie auf dem Gelände, haben Freizeit und duschen. Um 18 Uhr versammeln sich alle Schülerinnen zum Rosenkranzbeten in der Kirche. Unter der Woche machen sie abends Schularbeiten. Sister Annes Devise, dass die Mädchen rund um die Uhr beschäftigt sein sollen, um nicht zu viel an zu Hause zu denken oder Zeit haben, sich mit den Jungen in Alenga zu treffen, ist also deutlich spürbar.

Computerkurs – mit den Basics beginnen

Mehrere Stunden die Woche habe ich die Möglichkeit, mit den Mädchen an acht Laptops zu arbeiten, was nicht nur ihren Horizont in Richtung der technisierten Welt erweitert, sondern ihnen insbesondere helfen soll, wenn sie für eine Arbeitsstelle auf Computerkenntnisse angewiesen sind. Im ersten Jahrgang habe ich ganz von vorne angefangen. Zwar hatten sie durch meine Vorgängerin Paulina schon einige Vorkenntnisse, dennoch war es sinnvoll, ihnen noch einmal zu zeigen, wie der Laptop aufgebaut ist, wo er an und aus geht, was man mit der Maus alles machen kann und wie man die Tastatur überhaupt benutzt. Da Paulina schon mehr Zeit mit dem zweiten Jahrgang an den Notebooks verbracht hat, kann ich mit ihnen das Zehn- Finger-Schreiben üben und richtige Texte auf Word verfassen, ich habe sie beispielsweise mit den verschiedenen Schriftarten, -größen, Listen etc. vertraut gemacht und diktiere jetzt oft Texte, die sie dann in bestimmten Formen oder Farben tippen sollen, so dass ich gleichzeitig Tippen, Englisch und Allgemeinwissen trainiere. Für diese Stunden brauche ich viel Geduld und erkläre oft drei- oder viermal, bevor etwas funktioniert. Langsam verstehe ich, wie meine Lehrer sich manchmal gefühlt haben müssen.

Englischunterricht – wer braucht schon Satzzeichen und Grammatik?

Wie ich bereits berichtet habe ist das Level der Schülerinnen sehr unterschiedlich. Das Schriftenglisch variiert von einem geheimnisvollen Mix aus Lango und ausgedachter Sprache bis zu gut lesbaren Texten. Meine Herausforderung hier ist also irgendwie alle Mädels zu erreichen und zu fördern und nicht einige auf der Strecke zu lassen oder andere zu sehr zu langweilen. Dennoch ist besonders auffällig, dass alle Mädchen sich mit den englischen Satzzeichen wie Komma, Apostroph und insbesondere dem Punkt am Ende des Satzes schwer tun, obwohl dieser auch in Lango gemacht wird.

Im ersten Jahrgang habe ich momentan sechs Schülerinnen, die kaum bzw. gar kein Englisch beherrschen. Für sie habe ich eine Nachhilfestunde ein- oder zweimal die Woche eingerichtet. In dieser Stunde übe ich die Grundlagen. Zum Beispiel: Wie sage und schreibe ich, wer ich bin, wie alt ich bin, woher ich komme etc.. Da viele der Mädchen nur die Chance hatten, eine staatliche Primary School zu besuchen, in der oft weniger Wert auf das Erlernen von Englisch gelegt wird, das immerhin Amtssprache Ugandas ist, schämen sie sich oft oder haben Angst, wenn man sie zum Englisch sprechen auffordert. Wenn man bedenkt, dass sie sich in der Lokalsprache Lango nur mit weniger als sechs Prozent der Bevölkerung Ugandas unterhalten können, ist das aus deutscher Sicht eigentlich unvorstellbar. Diese Beobachtung konnte ich während der Debatte machen, die einmal wöchentlich stattfindet und die sich so von meinen deutschen Erfahrungen unterscheidet, dass sie einen eigenen Artikel wert ist.

Sportunterricht – unsere Lieblingsstunde

Der Sportunterricht findet zweimal wöchentlich für eine Stunde statt und besteht aus 50 Minuten Netball (ähnlich wie Basketball, nur ohne prellen und mit ständigem Ballwechsel zwischen den Spielern) oder Volleyball. Es gibt leider keine richtigen Felder, sodass wir des Öfteren an einem Stein umknicken oder nicht ganz klar ist, ob der Ball nun im Aus ist oder nicht. Danach machen wir noch kurz Muskelübungen und zum Abschluss dehnen wir uns. Francesca und mir macht die Sportstunde besonders Spaß, wir spielen jedes Mal mit und sind dabei nicht wirklich als Lehrkräfte gebraucht, sondern eher als weitere Spielerinnen, die einfach für die Gruppe verantwortlich sind. Man merkt, dass einige Mädchen beim Sport richtig aufblühen und dass allen diese lockere Stunden des „Auspowerns“ gut tut.

Und sonst so?

Außer diesen Stunden verbringen wir Zeit mit den Mädchen in einer „Musik, Spiel und Spaß“- Stunde, aus der wir im nächsten Jahr gerne eine Theaterstunde machen möchten- ich werde dann berichten- sowie im Nähunterricht, in dem wir ab und an unser Glück versuchen und sogar schon eine Tasche und Vorhänge für unsere Regale fertig gebracht haben, und in unserer Freizeit. Wir versuchen den Tagesablauf der Mädchen kennenzulernen und mitzuerleben, so dass wir auch mit ihnen Feuerholz sammeln gehen, Süßkartoffeln ernten, kochen, sticken, singen, tanzen oder einen Film schauen, also immer das, was gerade so ansteht oder worauf sie Lust haben.

Außerdem planen wir eine Art „Aufklärungsarbeit“ für das nächste Jahr. Dort möchte ich einmal wöchentlich mit den Mädchen über Themen wie HIV und AIDS, Familienplanung und Allgemeinwissen wie Geografie, Geschichte etc. sprechen. Während meiner Stunden ist mir häufiger aufgefallen, dass für uns selbstverständliches Allgemeinwissen bei dem Großteil der Schülerinnen nicht gefestigt ist. Sie konnten mir beispielsweise nicht sagen, wie viele Kontinente es auf der Erde gibt oder was deren Namen sind.
Ich lerne eigentlich jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die ungleichen Chancen für Kinder und Jugendliche auf der Welt. Es ist unfassbar spannend, Genaueres über die familiären Hintergründe der Mädchen, ihre Träume, Wünsche, Interessen und Ansichten zu erfahren. Auch mit den Lehrern verbringe ich gerne Zeit, sie sind aufgeschlossen, freundlich, lustig und jederzeit bereit, mir meine Fragen zu beantworten. Die Lehrer und Sister Anne können aus erzieherischen Gründen sehr streng zu den Mädchen sein und mir werden einige Lehrmethoden einfach fremd bleiben. Im Vergleich zu meiner Schule merke ich, dass die Schülerinnen deutlich disziplinierter sind und auf angemessenes, der Hierarchie einer Schule angepasstes Verhalten mehr Wert gelegt wird. Es kommt zum Beispiel nicht selten vor, dass ein Mädchen nur fünf Minuten ihrer Pause nutzen kann, weil sie dann für die Lehrer etwas erledigen muss. Die Atmosphäre in der Schule empfinde ich bis jetzt dennoch die meiste Zeit über als ausgesprochen angenehm.

Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Greta

Francesca Cyris, Uganda

Mein Alltag in der Krankenstation: Babygeschrei und jede Menge Neues

Hallo ihr Lieben,

Nun bin ich schon seit drei Monaten in Uganda und arbeite schon neun Wochen in Alenga. Heute möchte ich euch etwas über meine Arbeit, was ich da so mache und was mir alles sofort aufgefallen ist, erzählen.

Die Struktur des Gesundheitssystems in Uganda

In diesem Teil möchte ich euch das Gesundheitssystem von Uganda etwas erläutern.
Uganda ist unterteilt in vier große Regionen: Norden, Osten, Süden, Westen. Diese Regionen sind wiederrum in 112 Districts (Bezirke) und diese in Counties (Landkreise) unterteilt. Die nächste Abstufung sind Sub-Counties, danach Parishes (Gemeinden) und als letztes die Villages (Dörfer).

In Uganda gibt es ca. 4500 Gesundheitseinrichtungen. 155 davon sind Krankenhäuser.
In den 65 Krankenhäusern im öffentlichen Sektor, von der Regierung finanziert, wurden die Gebühren abgeschafft, wodurch die Zahl der Patienten in den ambulanten Einrichtungen dramatisch angestiegen ist.
Private, nicht gewinnorientierte Anbieter besitzen 63 der Krankenhäuser. 75% der Anbieter sind religiöse Einrichtungen, die größten Anbieter sind das Uganda Catholic Medical Bureau (katholisch), das Uganda Protestant Medical Bureau (evangelisch), das Uganda Muslim Medical Bureau (muslimisch) und das Uganda orthodox medical bureau (orthodox).
Private gewinnorientierte Anbieter besitzen 27 der 155 Krankenhäuser.

Das Gesundheitssystem ist in ein nationales und ein in Distrikten orientiertes System unterteilt.
Der unterste Rang des in Distrikten organisierten Bereichs sind die Village Health Teams. Das sind freiwillige Gesundheitsarbeiter, die vor allem dafür sorgen sollen, dass die Gemeinschaft Wissen und Aufklärung über Krankheiten wie Durchfall, Malaria, Lungenentzündung und andere tropische Erkrankungen erhält. Sie verweisen die Kranken zum nächsten Health Center. Jedes Dorf sollte so ein Team haben, dieses ist somit für 1000 Leute zuständig.
Das nächste Level ist das Health Center II. Hier sollten eine Krankenschwester/-pfleger, eine Hebamme und mehrere Gesundheitsassistenten arbeiten. Diese ambulante Klinik behandelt übliche Krankheiten wie Malaria und bietet Schwangerschaftsvorsorge an. Sie ist zuständig für die Versorgung von ca. 5000 Einwohnern und jedes Parish sollte eines haben.
Das Health Center III sollte in jedem Sub-Countie vorhanden sein und bietet zu den Leistungen des HC II noch eine stationäre Aufnahme, ein Labor und eine gesundheitliche Versorgung speziell für Mütter. Ein HC III sollte 18 Mitarbeiter haben, geleitet von einem Clinical Officer. Clinical Officers haben eine Ausbildung zwischen einer Krankenschwester/Krankenpfleger und einem Arzt/ einer Ärztin.
Auf dem vorletzten Level sind die Health Center IV. Jedes County sollte eines haben und damit 100.000 Einwohner medizinisch versorgen. Zusätzlich zum HC III ist es hier möglich chirurgische Eingriffe, Notfalloperationen und eine umfassende Notfall-Geburtshilfe durchzuführen, sowie Bluttransfusionen zu geben.
Die letzte Stufe sind die Krankenhäuser. Hier werden zusätzlich zu den Leistungen des HC IV Gesundheitsprobleme erforscht, besprochen und Fortbildungen angeboten.

Auf nationaler Ebene gibt es zwei Arten von Krankenhäusern mit verschieden Stationen und Abteilungen. Zum Ersten die Regional Referral Hospitals, davon gibt es 14 im ganzen Land, und zum Zweiten die National Referral Hospitals, wovon es nur zwei gibt, die sich beide in der Hauptstadt Kampala befinden. Eins davon ist eine psychiatrische Klinik und das andere das beste und größte Krankenhaus von Uganda mit den besten Ärzten des Landes.

Das ist die Theorie. Die Realität sieht in Uganda ganz anders aus.

Meine persönliche Erfahrung

Ich arbeite in der Krankenstation des Dorfes Alenga. Es gehört dem Uganda Catholic Medical Bureau, ist ein Health Center III und damit eine sehr wichtige und schon etwas größere Einrichtung.

Das Health Center
An meinem ersten Tag zeigte mir Jasper, Krankenpfleger und Chef des Health Centers, das Gelände. Auf der einen Seite steht ein Gebäude mit der Dispensary (Arzneiausgabe), dem Untersuchungsraum, dem Büro des Chefs, dem Labor und einem Besprechungszimmer. Hier werden ankommende Patienten von Godfrey in ein Buch aufgenommen und müssen dann im Gang auf einer Bank warten bis sie aufgerufen werden. Im Besprechungszimmer fragt dann Jasper, der Medical Officer Richard oder eine der Hebammen, Sharon oder Gloria,  nach den Beschwerden. Anschließend werden sie oft zu u. A. Blut- oder Urinuntersuchung ins Labor geschickt. Danach kommen sie wieder ins Untersuchungszimmer und es wird die Diagnose gestellt und die Medikation aufgeschrieben. Zuletzt werden die Medikamente in der Dispensary ausgegeben und am Empfang bezahlt.

Auf der anderen Seite befindet sich die Maternity („Mutterschaft“). In diesem Gebäude werden schwangere Frauen untersucht, stationär vor und nach der Geburt behandelt und viele Babys geboren. Ungefähr 12 Betten stehen in dem großen Raum, die die meiste Zeit belegt sind. Nochmal drei Betten gibt es im Raum vor dem Geburtsraum für Frauen, die kurz vor oder nach der Geburt stehen. Außerdem gibt es einen Raum mit Inkubator für ein Frühgeborenes.

Des Weiteren befinden sich auf dem Gelände noch Dusche, Plumpsklo und ein Küchenhaus für die Patienten. Im Gegensatz zu Deutschland sind hier die Familienmitglieder des/der Kranken die meiste Zeit vor Ort. Sie kochen selber und waschen die Wäsche des Patienten. Ich finde es sehr schön, dass die Klienten hier die meiste Zeit nicht allein sein müssen, sondern von ihrer Familie umgeben sind. In Deutschland habe ich bei meiner Arbeit im Krankenhaus oft mitbekommen, dass gerade alte Menschen oft einsam waren und darüber sehr traurig waren.

Zwei Welten treffen aufeinander
Was mir sofort beim Betreten der Gebäude auffiel, war der riesige Unterschied zu den medizinischen Einrichtungen in Deutschland. Dort war ich es gewohnt überall im Krankenhaus Desinfektionsmittelspender und Waschbecken zu finden. Hier jedoch gibt es nur eine Stelle zum Händewaschen und Desinfektionsmittel nur zum Reinigen von Verletzungen und nicht für die Hände.
Als Jasper mir das Maßband zum Messen der Größe in der Maternity zeigte und mich daneben stellte, sagte er mir, dass ich 1,52m groß bin. Ich teilte ihm mit, dass das nicht stimmen kann, da ich 1,66m groß bin. Später an einem anderen Maßband stellte er dann fest, dass ich tatsächlich 1,66m groß bin. Er meinte nur „Oh okey, dann hat das jemand falsch aufgehängt“. Bis heute hängt das Maßband immer noch 14 cm in der Luft und die Frauen sind alle höchstens 1,60m groß. Das ist ein perfektes Beispiel dafür, wie hier oft dokumentiert wird. Alles wird sehr sorgfältig aufgeschrieben, jeder bekommt eine Patientennummer und jeder Besuch wird in einem der unzähligen Bücher registriert. Zudem werden viele Blätter für Studien und Umfragen ausgefüllt und weggeschickt. Das Problem ist dabei nur, dass es kaum jemanden interessiert, wenn die Maße falsch genommen werden. Zudem herrscht oft Zeitdruck, sodass einige Male schon der Blutdruck nur geraten und aufgeschrieben wurde. Ich ärgere mich oft, denn in meinen Augen sind solche Daten schon wichtig für die Krankengeschichte und genau in solchen Situationen merke ich auch, wie deutsch ich eigentlich bin. Ordnung, Sauberkeit und pünktlich sein – gute deutsche Klischeeeigenschaften, die ich vorher nie so bei mir wahrgenommen habe, da ich durchaus jemand bin, dessen Zimmer mal unaufgeräumt ist und die gerne mal zehn Minuten zu spät ist. Mir fiel es sehr schnell auf, wie anders es hier ist. In der Krankenstation stehen sehr viele Kisten mit alten Heften, losen Blättern oder kaputten Dingen. An der bröckelnden Wand hängt ein Dienstplan von Januar 2016. An der anderen ein zerrissenes Plakat einer Kampagne aus dem Jahr 2004. Jedes Mal frage ich mich, ob das sein muss und warum das niemanden außer mir stört.
Was mir außerdem sofort auffiel, war, dass jeder Klient sein eigenes Heft mitbringen muss, denn dort werden die Untersuchungs- und Testergebnisse, Diagnose und die Medikamente aufgeschrieben. Das ersetzt die bei uns in Deutschland übliche Patientenakte. Auf der einen Seite ist das in meinen  Augen eine gute Idee, da viele Leute unterschiedliche Krankenstationen besuchen und dann immer alle Informationen im Heft sind. Außerdem hätte das Health Center niemals genug Platz und vor allem Ordnung, um Akten systematisch aufzubewahren. HIV- Infizierte und AIDS-Kranke sind die Einzigen mit einer Akte im Health Center. Auf der anderen Seite kann man sich leicht vorstellen, dass es alles andere als ordentlich ist mit diesen Heften, denn viele sind zerknittert, gefaltet oder mit Öl befleckt. Außerdem fehlen oft Informationen oder die Hefte gehen verloren und es wird ein neues angefangen.

„Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit.“ – afrikanisches Sprichwort
Meine Arbeitszeit ist von 8.00-13.00 Uhr. Die ersten drei Wochen war ich vorbildlich pünktlich um 8.00 Uhr vor Ort und allein. Ich war stets die Erste, die im Health Center erschien, und sogar die Nachtschwester war schon nach Hause gegangen. Natürlich fühlte ich mich nicht sonderlich wohl, wenn ich über eine Stunde allein war, ich hatte Angst, dass auf einmal eine Mutter ihr Kind bekommt oder jemand mit Schmerzen ankommt. Dementsprechend passte ich mein Verhalten an und integrierte mich ganz gut, indem ich mittlerweile auch immer erst um 9.00 Uhr dort bin. In dem Buch, in dem man sich als Mitarbeiter einträgt, wenn man kommt, steht trotzdem die erste Person immer ca. um 8.10 Uhr drin. Soviel zur Dokumentation.

Lango – eine tägliche Herausforderung
Trotz der, in meinen Augen, großen Unordnung, Umständlichkeit, Unpünktlichkeit und mangelhaften Hygiene kommen die anderen Mitarbeiter immer mit einem Lächeln an ihren Arbeitsplatz und begrüßen mich immer fröhlich auf Lango. Mit meinen Sprachkenntnissen in Lango komme ich hier leider noch nicht sehr weit, begrüßen und ein paar einfache Sätze sagen funktioniert schon gut. Deswegen bin  ich sehr froh, dass meine Kollegen alle Englisch können. Das Problem ist, dass die meisten Patienten kein Englisch können. Oft versuchen sie, mit mir zu reden, doch leider verstehe ich es dann meistens nicht. Auch wenn Sharon mit den Patienten spricht und ihnen etwas erklärt, verstehe ich leider oft nur ein paar Wortfetzen. Ich versuche natürlich weiterhin, mein Lango zu verbessern und habe einmal die Woche mit Greta Unterricht bei einem der Lehrer aus der Näherinnenschule, wobei der Unterricht leider nicht so strukturiert und übersichtlich ist wie wir es von Deutschland gewohnt sind – wieder eine typisch deutsche Feststellung.

Mein Arbeitsbereich

Ich arbeite meistens mit Sharon oder Gloria zusammen in der Maternity. Dienstags und Freitag kommen die schwangeren Frauen. Wir messen den Blutdruck, wiegen sie und die Hebamme untersucht den Bauch und die Lage des Kindes mit ihren Händen. Je nachdem, wie weit das Kind vom Nabel der Mutter entfernt ist, kann sie ertasten in welcher Schwangerschaftswoche sie ist. Mit dem Pinard’schen Hörrohr erfasst sie dann noch den Herzschlag des Babys. Samstags wird seit ca. einem Jahr sogar eine Ultraschalluntersuchung für Frauen angeboten, bei denen das Baby schwer zu ertasten ist.

Malaria: eine weit verbreitete Krankheit in Uganda
Außerdem bekommen die Mütter hier ab der 16. Schwangerschaftswoche bei den Vorsorgeuntersuchungen Tabletten zur Malariaprophylaxe. Malaria ist eine durch den Stich der Anophelesmücke übertragene, fieberhafte und tropische Erkrankung. Sie kommt hier sehr häufig vor, kann aber meistens ohne Probleme mit Medikamenten behandelt werden. Laut dem ugandischen Gesundheitsministerium ist Uganda das Land mit dem größten Malariavorkommen weltweit: 478 von 1000 Personen bekommen pro Jahr Malaria. Malaria ist für werdende Mütter besonders gefährlich, da der Verlauf der Erkrankung schwerer ist als bei nicht-Schwangeren. Auch das Ungeborene kann geschädigt werden. Je nach Immunitätslage der Mutter kann der Fötus sich über die Plazenta der Mutter anstecken. Fehlgeburt, Wachstumsverzögerung und Frühgeburt können die Folge sein. Deswegen bekommen alle Schwangeren beim ersten Besuch ein Moskitonetz, um sich vor allem nachts schützen zu können.

HIV, AIDS und das Problem des Stillens
Im Labor werden die Frauen natürlich auch auf Infektionen und HIV getestet. Die Anzahl der Menschen mit HIV (Humanes Immundefizienz-Virus) ist in der Vergangenheit in Alenga immer mehr angestiegen. Das hat mich sehr verwundert, da man eigentlich davon ausgehen müsste, dass durch die bessere Aufklärung heutzutage die Menschen darüber Bescheid wissen wie sich HIV überträgt. HIV lässt sich neben Blut und anderen Körperflüssigkeiten auch über die Muttermilch übertragen, deswegen war ich zuerst sehr schockiert, als ich erfuhr, dass HIV positive Mütter ihr Baby stillen. Die Mutter, aber auch das Baby, um das Risiko einer Übertragung möglichst gering zu halten, müssen in dieser Situation Medikamente nehmen. Was mir schnell klar wurde ist, dass es natürlich für die Menschen hier keine andere Möglichkeit gibt, außer normal weiterzustillen. Babynahrung ist viel zu teuer und auch nicht erhältlich, außerdem hätten die Leute gar nicht das Wissen und die Möglichkeiten die Babynahrung herzustellen und zu lagern.
Zudem sollen die Schwangeren regelmäßig Tabletten zur gesunden Entwicklung des Babys nehmen wie z.B Folsäure und Eisen. Diese erhalten sie bei der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung. Jedoch gibt es nicht genügend von diesen Tabletten, deswegen werden oft viel zu wenige bzw. gar keine verteilt. Des Weiteren erhalten die werdenden Mütter regelmäßig eine Impfung gegen Tetanus.

Kinder bekommen Kinder
Erschreckend für mich ist das Alter der Schwangeren Frauen, denn viele von ihnen sind gerade 17 Jahre alt. Die Mädchen haben zum Teil nicht einmal die Primary School (1.-7. Klasse) beendet und sollen dann heiraten und Kinder bekommen, denn oft fehlt das Geld und das Interesse der Eltern um das Kind weiter in die Schule zu schicken. Im Durchschnitt bekommt eine Frau in Uganda 6,7 Kinder und nur 25% aller Frauen nutzen Verhütungsmittel (laut des Gesundheitsministeriums Ministry of Health). Gerade in einem Dorf wie Alenga bekommen die Frauen sehr viele Kinder und nicht selten steht in ihrem Heft, dass sie in der neunten Schwangerschaft sind aber zwei Kinder schon vor oder nach der Geburt verstorben sind.

Hilfe aus aller Welt
Finanziell unterstützt wird das ugandische Gesundheitssystem durch sehr viele Geldgeber aus dem Ausland. So wird das fünfjährige staatliche Uganda Health Systems Strengthening Project (UHSSP) finanziell von der Weltbank unterstützt. Das Ziel ist es, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten zu senken und jedem Einwohner eine minimale Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.
Ein Projekt von USAID ist das Voucher Plus System. Für 4000 Uganda Schilling, ca. einen Euro, können sich die Schwangeren Aufkleber kaufen, mit denen sie vier Vorsorgetermine, sowie Geburt und Nachsorge bezahlt bekommen. Das ist viel günstiger als ohne den Voucher und macht es vielen Frauen erst möglich, sicher in einem Health Center ihr Kind auf die Welt zu bringen. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich eine Mutter letzte Woche gefreut hat als sie erfuhr, dass sie für die Geburt kein Geld mitbringen muss, sondern alles durch den Voucher bezahlt wird.
Auch in den anderen Bereichen der Krankenstation entdecke ich überall Aufkleber und Kartons mit Moskitonetzen der Hilfsorganisationen UK- und USAID.
Diese Unterstützung ist hier dringend nötig, da der Staat nur sehr wenig in  den Gesundheitssektor investiert. Da das Health Center in Alenga eine private Einrichtung ist, müssen die Kranken für ihre Medikamente und Laboruntersuchungen Geld bezahlen. Ein paar Medikamente, wie die der HIV-Infizierten, gibt es kostenlos, sie werden allerdings nicht vom Staat sondern von Hilfsorganisationen finanziert. Die Frage ist natürlich was passiert, wenn nach ein paar Jahren die finanziellen Hilfen aus dem Ausland eingestellt werden?

Große Herausforderungen
Wie ihr sicher aus meinem Artikel entnehmen könnt, ist das Gesundheitssystem alles andere als gut strukturiert und ausreichend. Viele Einwohner nehmen weite Entfernungen, oft zu Fuß, auf sich, um die Krankenstationen zu erreichen und müssen lange Zeit auf die Behandlung warten.
Häufig fehlt den Gesundheitseinrichtungen das Geld, um die nötige Medizin einzukaufen, und gerade in den staatlichen Einrichtungen fehlt es aufgrund der kostenlosen Behandlung und der kostenlosen Medikamente an allen Ecken. Natürlich fehlt auch den Bewohnern der Dörfer das Geld und viele begeben sich nicht einmal in ein Health Center, da sie sich die Behandlung sowieso nicht leisten können.
Zudem hat Uganda viel zu wenig ausgebildete Arbeiter im Gesundheitssektor und aufgrund der schlechten Bezahlung fehlt vielen die Motivation. Deshalb versuchen einige im Ausland zu arbeiten, um einen Arbeitsplatz mit besseren Bedingungen zu finden – ein Problem, das auch Deutschland hat.

Wertvolle Momente und Erfahrungen
Ich bin unglaublich froh, dass ich hier in Alenga einen so guten und interessanten Einblick in die medizinische Versorgung des Landes bekommen kann. Die Arbeit macht mir richtig viel Spaß und mit  Sharon und Gloria habe ich nicht nur supernette Kolleginnen sondern auch erste Freundinnen gefunden.
Ich lerne hier jeden Tag während meiner Arbeit etwas Neues kennen, das ich mir so nie vorgestellt hätte. Das gibt mir viel Stoff zum Nachdenken und macht mich oft wütend oder traurig über die Ungerechtigkeit auf der Welt.
Natürlich fällt es mir manchmal schwer, die Situation vor Ort zu begreifen und die Armut und den Mangel an fast allem so hautnah mitzubekommen. Trotzdem sehe ich viel Wunderbares, Schönes und Spannendes bei meiner Arbeit, wie zum Beispiel die Geburt eines Babys und die glücklichen Gesichter der Frauen, wenn ihnen gesagt wird, dass es ihrem ungeborenen Baby gut geht.

Jetzt ist erst einmal Schluss mit diesem Artikel. In naher Zukunft werde ich noch über weitere aufregende  Themen und unser Projekt in der Schule berichten.
Meine Mitfreiwillige Greta hat in ihrem Beitrag „Earning for the future“ einen sehr interessanten Beitrag über ihre Arbeit in der Näherinnenschule veröffentlicht, den ihr unbedingt lesen solltet!

Vielen Dank an alle fleißigen Leser.
Ich sende allerliebste Grüße in die Heimat und freue mich von euch zu hören,

eure Francesca