geboren am 25.02.1908 in Hafling (BZ)/I
Zeitliche Gelübde: 09.09.1929
Ewige Gelübde: 25.12.1932
Priesterweihe: 29.06.1933
Bischofsweihe: 10.05.1956
verstorben am 20.02.2000 in Middelburg/RSA
beigesetzt in Wibank (Dom)/RSA

Am Sonntagmorgen, dem 20. Februar, hat uns Bischof Anton Reiterer für immer verlassen, nur fünf Tage vor seinem 92. Geburtstag, und hat diese Erde mit dem Himmel vertauscht. Er wurde am 25. Februar 1908 in Hafling bei Meran in Südtirol geboren. Südtirol gehörte damals noch zum Kaiserreich Österreich-Ungarn. Als Kind verlor er seine Mutter, und als er zwölf Jahre alt war auch seinen Vater.

Mit dreizehn Jahren wurde er im Missionsseminar der Comboni-Missionare von Milland aufgenommen. Als vier Jahre später das Seminar geschlossen werden musste, zog er nach Graz, um dort sein Studium fortzusetzen (1925-1927). Dann kehrte er nach Milland zurück und begann im September 1927 das Noviziat, das er am 9. September 1929 mit den ersten zeitlichen Gelübden beendete. Gegen Ende des Theologiestudiums am Priesterseminar von Brixen legte er am 25. Dezember 1932 die ewigen Gelübde ab. Am Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus wurde er im Dom von Brixen am 29. Juni 1933 zum Priester geweiht. Nach zwei Jahren Mitarbeit in der Seelsorge der Diözese (1933-1935) erhielt er Sendung in die Mission von Südafrika, die bis zu seinem Tod sein Arbeitsfeld geblieben ist.

Missionar und Diözesanbischof

Pater Anton arbeitete auf verschiedenen Missionen: Glen Cowie (1935-1936), Middelburg (1936-1937), dann wieder in Glen Cowie (1937-1938) und in Lydenburg (1938-1939). In Middelburg leitete er viele Jahre ein Knabeninternat (1939-1950). Von 1949 bis 1955 war er Regionaloberer und gleichzeitig Pfarrer von Witbank.

Am 29. Februar 1956 wurde er zum Bischof der Diözese Lydenburg-Witbank ernannt. Seine Bischofsweihe erfolgte am 10. Mai 1956 in Witbank. Als Bischof kann er als Pionier in den Bereichen Pastoral, Bildung und Gesundheitswesen angesehen werden. Viele Kirchen wurden mit seiner Hilfe gebaut. Ein Missionsbruder erinnert sich, dass er gerne seine Gäste nach Glen Cowie begleitete, um ihnen die verschiedenen Aufgaben, Tätigkeiten und Bauten einer großen Mission zu zeigen: die Kirche, das St. Rita-Krankenhaus, die Katechistenschule, die Mädchenschule, die Krankenschwesternschule, das Fatima- und das Loretokloster, die Residenz der Comboni-Missionare usw.

Zum Unterhalt der Missionsarbeit kaufte er an verschiedenen Orten Landwirtschaften. Er baute und eröffnete Kliniken, Werkstätten, Läden und Mühlen, die von Schwestern oder Missionsbrüdern geleitet wurden.

Während der schwierigen Jahre der Apartheid tat Bischof Anton sein Bestes, die Diözese auf dieser stürmischen See zu orientieren, und versuchte zu retten, was zu retten war. Die Mitbrüder erinnern sich noch daran, wie und wie oft er um Einreisevisa und die Aufenthaltserlaubnis für die Missionare kämpfen musste. Er ging oft selbst zu den Regierungsstellen von Pretoria, verhandelte mit zäher Ausdauer und erreichte oft, was er wollte.

Sein Lebensstil

Bischof Anton pflegte gute Beziehungen zu den Seelsorgern und Priestern der Diözese, zu den Comboni-Mitbrüdern und seinen Mitarbeitern. Er besuchte jede Mission einmal im Monat: Eine Woche nahm er sich Zeit für die Pfarreien von Sekhukhune, die nächste für die Pfarreien des Highveld-Dekanats und die dritte für die Lowveld-Missionen. In der vierten Monatswoche widmete er sich seiner Büroarbeit oder begab sich geschäftlich nach Pretoria. Sein Interesse für die Menschen und seine herzliche und großzügige Gastfreundschaft bleiben unvergesslich.

Sein Lebensstil war einfach. Jeder erlebte ihn als einen großzügigen Menschen, der immer bereit war, denen zu helfen, die ihn um Hilfe baten. Er sagte: „Leiht niemandem Geld, denn keiner wird es zurückgeben. Helft ihm, aber erwartet nichts zurück.“ Sein bescheidenes Bischofshaus in Witbank war immer offen für alle, die ihn besuchen wollten. Er liebte Besuche, besonders von seinen Mitarbeitern in der Seelsorge. Er fühlte sich beleidigt, wenn jemand nach Witbank kam, ohne ihn zu begrüßen.

Die Mitbrüder betraten meistens das Haus durch die Küchentür, ohne anzuklopfen. Man brauchte keinen Termin zu vereinbaren, selbst wenn man übernachten wollte. Die Mitbrüder, die ihn besuchten, wurden immer eingeladen mit ihm zu essen und die heilige Messe zu feiern. Er liebte das „Boggia-Spiel“ und lud seine Gäste zum Mitspielen oder zu einer Kartenrunde ein.

Sein geistliches und pastorales Leben

Bischof Anton war ein tiefgläubiger Priester, der die Mitmenschen schätzte. Besuchte er eine Mission, war sein erster Gang in die Kirche, tief überzeugt, dass Jesus der Herr ist, der Kraft, Licht und Mut schenkt. Das Kreuz war ihm nicht fremd. Öfters erlebte er Feindseligkeit, Opposition, Beleidigungen und Verlassenheit. Er ertrug alles mit Geduld und Ausdauer, er verzieh und trug nichts nach.

Ein weiteres Merkmal seiner Spiritualität war seine evangelische Einfachheit. „Jesus war glücklich, bei seinen Aposteln zu sein“, sagte er einmal in einer Predigt anlässlich des Herz-Jesu-Festes. „Wir Priester sind die Diener Gottes und seine Söhne; Arroganz hat im Leben des Priesters keinen Platz noch das Verlangen, in der Welt ein großer Herr zu werden; die Großen sind nicht geeignet, Boten Gottes zu sein, nur die Demütigen und Einfachen“.

Bischof Anton fühlte sich sein Leben lang als Mitglied der Comboni-Familie. Er nahm mit den Mitbrüdern an den Feiern und den Comboni-Festen teil. Seine Beteiligung am Gemeinschaftsleben basierte auf seiner großen Liebe zum Herzen Jesu. „Wie das Blut zum Herzen zurückkehrt, so unsere Antwort auf seine Liebe …“, sagte er bei der Feier eines anderen Herz-Jesu Festes. Und er fuhr fort: „… unsere Liebe gilt jedem Mitglied der Gemeinschaft, echte Liebe, aufrichtige Sorge, konkrete Großzügigkeit, echtes Interesse am anderen, Bereitschaft, anderen zu dienen. Wir müssen arbeiten und beten, damit die Liebe, mit der uns Gott liebt, in der Familie und in der Gemeinschaft zu gegenseitiger Liebe wird“.

Bischof Reiterer nahm an allen vier Sitzungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) teil. Er tat sich nicht hervor, Änderungen einzuführen, war aber immer bereit, solche zu akzeptieren. Er ermutigte die Seelsorger seiner Diözese, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten bei der Umsetzung der vom Konzil geforderten Reformen gut zu nutzen, und drängte sie oft, in allem ihren gesunden Hausverstand walten zu lassen. Und so wurden in seiner Diözese viele Initiativen ergriffen, die zum Vorbild für andere wurden. Viele erinnern sich noch, dass in einigen großen Pfarreien der Diözese die kleinen Basisgemeinschaften eingeführt wurden.

Seine letzten Jahre

Als er 75 Jahre alt wurde, reichte er den Richtlinien des kanonischen Rechtes folgend in Rom seinen Rücktritt als Bischof von Witbank ein. Er hatte bereits den Boden vorbereitet, damit die Ortskirche die Zügel der Diözese in die Hand nehmen konnte. Mit der Ernennung des Diözesanpriesters Mogale Paul Nkhumishe von der Nachbardiözese Pietersburg begann für die Diözese eine neue Phase.

Bischof Reiterer zog sich nach Middelburg zurück, dreißig Kilometer östlich von Witbank. Hier wohnte er in einem Haus der Diözese, neben einem Seniorenheim, das früher als Internat für katholische Schüler gedient hatte und von ihm erbaut wurde. Er half bis 1997 in der Pfarrei aus, bis ein schwerer Schlaganfall seine Bewegungsfähigkeit drastisch verminderte. Die Franziskanerinnen der Unbefleckten Empfängnis haben ihn dort mit großer Liebe bis zu seinem Tod gepflegt.

Sein Tod

Eine Woche vor einem 92. Geburtstag verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er wurde sehr unruhig und wollte sich am 19. Februar für die Abfahrt fertig machen. Er sagte: „Ich habe es eilig, nach Hause zu gehen. Sie warten auf mich“. Nachdem er Sr. Floriana sehnsüchtig gebeten hatte, ihm alles Notwendige für die Feier der heiligen Messe vorzubereiten, beruhigte er sich. Am Nachmittag erlitt er einen weiteren Schlaganfall, und gleich wurde ihm die Krankensalbung gespendet. Am nächsten Sonntagmorgen, es war der 20. Februar, verschied er friedlich in Gegenwart der Schwestern, die an seinem Bett beteten.

Am 29. Februar, genau 44 Jahre nachdem er zum Bischof ernannt worden war, wurde er in der Kathedrale von Witbank beigesetzt, die er selber vor Jahren erbauen ließ. Viel Volk nahm am Begräbnisgottesdienst in der Gemeindehalle teil: zwölf Bischöfe, darunter die Erzbischöfe von Pretoria, Durban und Bloemfontein, etwa sechzig Priester, viele Ordensleute und mehr als tausend Gläubige aus den verschiedenen Pfarreien der Diözese. Unter den Trauergästen befanden sich auch die Gemahlin des Ministerpräsidenten der Nordprovinz Ngoako Ramatlhodi und der Bürgermeister von Witbank und sein Stellvertreter, die vor Jahren Mitglieder einer Jugendgruppe der Herz-Jesu-Pfarrei in KwaGuqa waren. Der Chor der Herz-Jesu Pfarrei begleitete die Messe im Rathaus und die anschließende Bestattung in der Kathedrale.

Bischof Mogale Paul Nkhumishe von Witbank dankte in seiner Traueransprache Gott für das Geschenk von Bischof Anton an diese Diözese und für dessen großen Beitrag zum Wohl der Bevölkerung. Der emeritierte Erzbischof von Durban, Mons. Dennis Hurley, betonte in seiner bewegenden Ansprache, dass wir alle, also auch Bischof Anton, nach dem Ebenbild Gottes geschaffen worden sind, und deshalb an seinem Leben Anteil haben. Für Erzbischof Dennis war Bischof Anton ein guter und edler Kollege, mit dem er 44 Jahre lang als Bischof und 27 Jahre im Rahmen der Bischofskonferenz des Südlichen Afrikas zusammenarbeiten durfte.

Auch Pater Smangaliso Mkhatshwa, Priester der Diözese Witbank und stellvertretender Minister für das Bildungswesen, hatte ein Beileidschreiben gesandt. Er dankte Gott „für das Geschenk von Bischof Anton, der sehr bekannt war als Priester, Missionar, Seelenhirte und Bischof“, und fügte hinzu: „Als Priester und Theologe hatte ich öfters sehr interessante Gespräche mit ihm. Natürlich hatten wir nicht immer die gleiche Meinung, aber es kam deswegen nie zum Streit. Wir gehörten zwei verschiedenen Priestergenerationen an“.

Wir schließen uns dem Gebet von Erzbischof Hurley an, das er am Ende seiner Predigt sprach: „Möge jetzt Bischof Anton in der Freude und in der ewigen Seligkeit der Heiligen Dreifaltigkeit leben.“ Wir hoffen, dass sich seine Glaubensvision erfüllt, die er in der Osterpredigt 1979 so ausgedrückt hatte: „Wie so ganz anders ist der Tag, den der Herr gemacht hat; es ist ein Tag der Freude, der Hoffnung und des Sieges, ein Tag, der die Welt verändert und unserem Leben einen tiefen Sinn gegeben hat. In der Tat, so wie Christus auferstanden ist, werden auch wir auferstehen.“

R.I.P.

Pater Johann Maneschg