geboren am 27.11.1915 in Altlag/A
Zeitliche Gelübde: 09.09.1937
Ewige Gelübde: 09.09.1943
Priesterweihe: 29.06.1944
verstorben am 02.03.2001
beigesetzt in Ellwangen/D

Jugend, Studium, erste Priesterjahre

Pater Fink wurde am 27. November 1915 in Altlag, Gottschee (Diözese Ljubljana, Slowenien) geboren. Am 4. September 1929 trat er ins Seminar „Paulustor“ in Graz ein. Am 9. September 1935 begann er in Milland/Brixen das Noviziat. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie am Priesterseminar von Brixen wurde er am 29. Juni 1944 von Fürstbischof Dr. Johannes Geisler zum Priester geweiht, nachdem er am 9. September 1943 die ewigen Gelübde abgelegt hatte. Von 1944 bis 1950 wurde er in Brixen in der Missionarischen Bewusstseinsbildung und als Aushilfspriester eingesetzt.

Beginn seines Apostolates in Rom

Bis 1950 war Pater Anton Mitglied der Hausgemeinschaft Milland. Am 19. November 1950 wurde er nach Rom versetzt. Dort wurde er 1952 zum Rektor der Hausgemeinschaft im Viale Vaticano 50 ernannt. In diesem Haus waren das römische Scholastikat und die Generalprokura der MFSC untergebracht. Von 1955 an war Pater Fink auch Generalprokurator der Kongregation. Er hat sich mit großherzigem Einsatz nicht nur um den Unterhalt der Hausgemeinschaft gesorgt, sondern auch mit Einfühlungsvermögen die in Rom studierenden Scholastiker auf ihrem Ausbildungsweg begleitet Alle Mitbrüder, die nach Rom kamen, wurden von ihm herzlich aufgenommen und betreut.

In einer ganz eigenen Weise hat Pater Fink auch seine missionarische Berufung verwirklicht. Er war zwar nie in der Mission, doch hat er fast fünfzig Jahre ein echtes apostolisch-missionarisches Wirken als Pilgerführer in Rom entfaltet. Diese missionarische Tätigkeit hat er auch nach dem Umzug von Viale Vaticano in das Generalat der wiedervereinigten Kongregation in Rom weitergeführt. Unzähligen Pilgern – im umfassenden Sinn des Wortes – hat er in Rom durch seinen selbstlosen, aufopfernden Einsatz und mit seinen Geistesgaben einen Weg zu tieferem Geschichts- und Kunstverständnis eröffnet und sie in jeder Hinsicht – vor allem auch, was das Verständnis und die Liebe zur Kirche angeht – bereichert. Die herzliche Begegnung mit ihm blieb den meisten unter ihnen unvergesslich. Mit vielen seiner Rompilger blieb Pater Fink über längere Zeit auch in Briefkontakt. Und wer freute sich nicht, wenn er von ihm einen handgeschriebenen Brief bekam, sorgsam, ja geradezu kunstvoll geschrieben.

Seine Verbundenheit mit dem Reisebüro „Viator Reisen“

Mit der Familie Hegener, die in Dortmund das Reisebüro „Viator Reisen“ betrieb, war Pater Fink über fast 45 Jahre in enger Freundschaft verbunden. Zahllose Gruppen dieses Reisebüros hat er in Rom oder auch in Assisi geführt. Seine Vornehmheit im Umgang mit Menschen kommt in einem Brief zum Weihnachtsfest 1988 an den Chef des Reisebüros, Herrn Reinhold Hegener, zum Ausdruck. Darin schreibt Pater Fink unter anderem: „Lieber Herr Reinhold, wir kennen uns nun schon so lange. (Anmerkung: es waren schon dreißig Jahre). Sollen wir uns als gegenseitiges Weihnachtsgeschenk nicht das Du geben? Sie sind zwar der Chef eines sehr bekannten Reisebüros, ich hingegen nur ein kleiner armer Pater. Aber Sie sind nicht hoch droben und waren es nie. Freilich ist das nur ein Vorschlag.“

Wie Rompilger ihn erlebt haben

Es ist immer interessant, wie andere Menschen uns erleben. Deshalb möchte ich einige Zeugnisse von Menschen anführen, die Pater Fink kennen gelernt und erlebt haben.

Der Pallotinerpater Wolfgang Weiss schrieb in einem Beileidschreiben an unseren Provinzial unter anderem: „Ich kannte Pater Anton fast 25 Jahre. Je länger ich ihn kannte, umso mehr habe ich ihn geschätzt: seine Freude am Leben, seine Hilfsbereitschaft, seine Frömmigkeit, seine Bereitschaft und seine Ruhe, mit der er dem Sterben entgegensah.“

Die Schönstätter Marienschwestern fuhren mit ihren Schülerinnen auch öfter nach Rom und wurden von Pater Fink geführt. Eine Schwester schrieb am 7. März an unseren Pater Provinzial in einem Brief unter anderem: „Sie haben einen sehr wertvollen Mitbruder verloren und somit einen Fürsprecher mehr in der Ewigkeit. Pater Anton Fink sind wir zu großem Dank verpflichtet. Er hat uns bei unseren Romaufenthalten seit 1987 viel geschenkt. Was er sagte, war für unsere Schülerinnen aus der Fachschule für Sozialpädagogik und Altenpflege wie ein Evangelium. Er konnte auf jede Frage eine Antwort geben, war es Geschichte, Kunst, Literatur, Politik, vor allem aber Religion. Mit großer Selbstverständlichkeit und Sicherheit konnte er über alle noch so schwierigen Themen sprechen. Was er sagte, wurde abgenommen, mehr noch, was er lebte! Viele überaus kritische junge Frauen kamen mit einem anderen Blickwinkel und einem positiven Verhältnis zum Hl. Vater und der Kirche aus Rom zurück. Wie staunten unsere heutigen verweichlichten jungen Menschen über seine Energie, seine Spannkraft und seinen jugendlichen Schwung. Er machte uns allen etwas vor, auch in seiner Bescheidenheit in allen Bereichen. Oft sagten die Schülerinnen: ‚Was er sagt, lebt er auch, das spürt man‘. Immer hilfsbereit zeigte er uns, wo man gut einkauft, Geld wechselt, wo die Bilder der Audienz ausgestellt sind. Ganz selbstverständlich ging er bei jedem Romaufenthalt mit mir zur Vatikanbank, um günstig Geld umzutauschen, zeigte uns Wege und Kostbarkeiten, die sonst niemand kannte. Ja, man könnte noch viel aufzählen. Was aber am meisten beeindruckte, war seine so echte Religiosität, seine Nähe zum lieben Gott ohne viel Aufhebens zu machen. Alles, was er tat, tat er mit echt österreichischem Charme. Wie konnte er sich über einen schön gestalteten Gottesdienst freuen in Maria Maggiore. Man spürte ihm die Freude an, als er uns erzählte, dass dies ein Geburtstagswunsch an die Gottesmutter gewesen sei, an diesem Tag dort die hl. Messe zu feiern. Er konnte sich über kleine Dinge freuen, wie ein Kind.“

Seine große Kontaktfreudigkeit

Gott hatte Pater Fink eine große Liebe zu den Menschen geschenkt. Diese Liebe wusste er zu pflegen. Sie half ihm, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu pflegen. Dazu gaben ihm die Führungen in Rom reichlich Gelegenheit. Er war nicht nur Ordensmann und Priester, sondern auch ein Gentleman und ein Kavalier. Von daher rühren auch seine vielen weltweiten Beziehungen und Freundschaften. Mit vielen Pilgern hatte er einen regen Briefverkehr, und mit manchen stand er telefonisch in Verbindung. So konnte er sich viele Jahre an die Menschen verschenken, ihnen bei den Führungen die Schönheit der Kunst und die Wahrheiten der christlichen Religion erschließen und nahe bringen.

Auch das Leid blieb ihm nicht erspart

Gott schenkte ihm auch das Leid; zunächst in kleineren Prüfungen und dann als schwere Krankheit. Die Ärzte, die ihn Ende August 1999 operierten, gaben ihm auf Grund des fortgeschrittenen Krebsleidens nur noch eine kurze Lebensdauer. Pater Anton vertraute fest auf die Fürsprache des seligen Daniel Comboni. Gott schenkte ihm tatsächlich eine Extra-Zeit, die sich auf 18 Monate hin erstreckte. Es war eine harte Zeit für ihn, aber er bewältige sie mit einem Lebenswillen, den er bis zum Schluss bewahrte; außerdem holte er sich viel Kraft aus dem Gebet und dem tiefen Gottvertrauen.

Auf die Frage, wie es ihm gehe, kam in den letzten Monaten meistens die Antwort: „Würde ich sagen, es geht mir gut, wäre es nicht die ganze Wahrheit; und wenn ich sagen würde, es geht mir schlecht, hätte ich fast gelogen. So sage ich einfach: ich lebe noch gern und freue mich am Leben“.

Barmherzigkeit war für ihn ein ganz wichtiger Aspekt. Die ihn betreuten, berichteten, dass er in den Stunden, in denen er Ängste und Schmerzen durchlebte, ständig betete: „Mein Jesus, Barmherzigkeit“. In den letzten Wochen, als der körperliche und geistige Abbau ziemlich rasch voranging und er zum Essen und Trinken eher gedrängt werden musste, faltete er öfters die Hände und flehte: „Seid barmherzig!“

Pater Anton Fink war auch ein großer Marienverehrer. Er betete oft den Rosenkranz. Als es ihm manchmal recht schwer zu Mute war und er zu stöhnen begann, sagte die Krankenpflegerin: „Pater Anton, beten wir ein bisschen zusammen, dann wird es sicher leichter“. Lachend über das ganze Gesicht gab er zur Antwort: „Ach, immer nur beten kann wohl auch nicht das Richtige sein“.

Als Letztes gab ihm Gott nicht nur das Leid, sondern auch die Erfahrung der Einsamkeit. Er wurde zwar nie allein gelassen, aber er fühlte sich immer einsamer, als er nicht mehr schreiben und später auch nicht mehr telefonieren konnte. So wurden seine Kontakte nach außen immer seltener. Schließlich konnte er sie gar nicht mehr pflegen. Das war für ihn die härteste Zeit und Probe. Da wurde er immer stiller, schweigsamer und nach innen gekehrt. Aber dieser Zustand dauerte nicht lange, denn Gott rief ihn zu sich.

Abschied von Rom – der letzte Abschnitt seines Lebens

Am 22. September 1999 musste Pater Fink krankheitshalber von seiner Heimat, seinem „geliebten Rom“ – wie er es bis zuletzt nannte und fühlte – Abschied nehmen. Es bedeutete für ihn einen tiefen Einschnitt. Seitdem war er Mitglied der Hausgemeinschaft des Missionshauses in Ellwangen. Die Hoffnung, wieder nach Rom zurückkehren zu können, blieb lange Zeit sein Herzenswunsch. Wer ihn in den Monaten seiner Krankheit besuchte, ging beschenkt mit „römischen Erinnerungen“, mit Lebensweisheit und Glaubenstiefe von ihm. Geschwächt von der langen Krankheit verstarb er am Morgen des 2. März 2001, einem Herz-Jesu-Freitag.

Einer seiner Mitbrüder sagte am Totenbett unter Tränen: „Er war einfach ganz anders; er war etwas Besonderes und trotzdem hat er gut in unsere Gemeinschaft hierher gepasst. Er war für alle eine Bereicherung. Er war ein ausgesprochen liebenswerter Mensch. Er war ein großes Vorbild. Er hat es verstanden zu leben und andere leben zu lassen. Man musste ihn einfach mögen“.

Einer vom Pflegepersonal sagte: „Wir sind sehr dankbar für die Zeit, die wir mit ihm verbringen durften. Er war ein ausgesprochen angenehmer Patient. Wir sind uns bewusst, dass wir durch ihn mehr beschenkt und bereichert wurden, als wir durch unsere kleinen Dienste und Hilfestellungen ihm zu geben im Stande waren.“

Lieber Pater Anton Fink, wir sind dankbar, dass es Dich gegeben hat. Wir vertrauen darauf, dass dein erfülltes Leben in der Liebe Gottes nun seine Vollendung gefunden hat. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Ellwangen, weit ab von seinem geliebten Rom, der Stadt, in der er fast fünfzig Jahre segensreich gewirkt hatte.

R.I.P.

Pater Georg Klose