Wenn der Same fällt

Er träumt davon, Botaniker zu werden. Er liest gerne Kurzromane. Eines Tages bekommt er ein Büchlein mit dem Titel „Wenn der Same fällt…“ in die Hand und kauft es. Er fühlt sich getäuscht. Er liest es trotzdem, und sein Leben verändert sich grundlegend. Pater Brighton Multiply Zimba aus Sambia erzählt von seiner Geschichte.

Schon als Kind hatte ich eine starke Zuneigung zur Kirche. Wahrscheinlich, weil meine Familie in der örtlichen katholischen Gemeinde engagiert war. Mein Vater war Katechist, und meine Mutter leitete die katholische Frauengruppe.

Meine Teenagerjahre bewirkten jedoch eine Änderung der Einstellung. Die Ortskirche war für mich viel mehr als eine Institution. Ich begann ihre Bedeutung zu erkennen. Es war nicht das Gebäude, die Ziegel, der Mörtel, die Bänke, die Programme oder auch die Priester. Es war Gottes Volk, das sich zu einem bestimmten Zweck versammelt hatte. Der Wendepunkt war ganz nahe.

1998, als ich die Chama Boarding High School in der Provinz Muchinga in Sambia, dem abgelegensten östlichen Teil des Landes, besuchte, stieß ich auf ein kleines Buch mit dem Titel „mbeu ikagwa…“ („Wenn der Same fällt…“ ). Es war in meiner Muttersprache, Chichewa, geschrieben. Der Umschlag war auffällig, und der Titel ziemlich faszinierend. Damals war Agrarwissenschaft mein Lieblingsthema in der Schule. Alles, was mit Pflanzen und Samen zu tun hatte, weckte meine Aufmerksamkeit. Ich entschied mich, es zu kaufen. Ich dachte: „Es wird eine hervorragende Ergänzung zu meiner Leidenschaft für Botanik sein“.

Schon auf den ersten Seiten stellte ich fest, dass das Buch nichts mit Samen und Pflanzen zu tun hatte. Es war die Kurzbiografie eines Italieners namens Daniel Comboni. Ich fühlte ich mich irgendwie getäuscht und dachte zuerst daran, das Buch wegzuwerfen. Aber etwas in mir drängte mich immer wieder dazu, wenigstens ein paar Seiten zu lesen. Etwa auf halbem Weg durch das Buch wurde Daniel, der Mann, dessen Leben das Büchlein vorstellte, mit den Worten zitiert: „Der glücklichste Tag meines Lebens wird der sein, an dem ich mein Leben für Euch hingeben kann.“ Es gab einen Lichtblitz in meinem Kopf. Ich erkannte sofort, dass der im Titel genannte Same nicht „Fortpflanzungskörper einer blühenden Pflanze“ war, sondern das Leben von Daniel Comboni, dem Gründer der Comboni-Missionare. Diese Worte verzauberten mich. Alles ergab jetzt einen Sinn. Auch den Titel des Buches verstand ich, als wäre ein Schalter umgelegt worden: Combonis Leben war für die andern hingegeben worden, verloren und dabei gewonnen!

Etwas in mir drängte mich, Comboni und seine Entscheidung nachzumachen: anderen nicht nur einen Teil dessen anzubieten, was ich hatte, sondern mein ganzes Leben für die Evangelisierung Afrikas einzusetzen. Sein Motto „ Afrika durch Afrika erneuern“ wurde in meinem Kopf zum Refrain. Mein Interesse an der Mission und dem missionarischem Leben wuchs immer mehr, und ich schloss mich der Berufungsgruppe der Pfarrei an, die von einem Comboni-Missionar betreut wurde.

Anfangs wagte ich nicht, meinen Eltern von meinem Wunsch zu erzählen, aus Angst, dass sie dem nicht zustimmen würden, da ich der Erstgeborene der Familie war. Schließlich nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und eröffnete Mama und Papa mein Geheimnis. Zu meiner Überraschung begrüßten sie es: „Wir respektieren deine Entscheidung und werden für dich beten.“

Im Oktober 2004 trat ich in das Comboni Postulat in Balaka (Malawi) ein. Ich genoss die philosophischen Kurse, die ich besuchte. Sie erwiesen sich als wesentlich, um mich selbst und die anderen besser zu verstehen. 2007 ging ich in das Noviziat in Lusaka, wo ich bis zu meiner ersten Profess im Mai 2009 blieb. Zwei schöne Jahre, in denen mir geholfen wurde, meinen Glauben zu vertiefen und meine Identität als Comboni-Missionar zu entwickeln. Zum Theologiestudium wurde ich nach Neapel (Italien) geschickt. Drei Jahre später ging ich nach Kairo, wo ich am Comboni-Institut Arabisch und Islamwissenschaften studierte. Am 10. Oktober 2013 legte ich meine Ewigen Gelübde ab. Im darauffolgenden Monat wurde ich in der St. Joseph-Kirche in Zamalek (Ägypten) zum Diakon geweiht.

Im Juli 2014 kehrte ich für meine Priesterweihe nach Sambia zurück, und am 2. August 2014 war „der Tag, den der Herr für mich gemacht hatte“. Es war ein großartiger Tag mit meiner ganzen Familie und allen meinen Freunden. Nach ein paar Wochen entsandte mich der Superior nach Kosti, in die Diözese Khartum (Sudan). Die Arbeit in Kosti ist schön und hart. Zu dienen ist immer so. Aber ich bin glücklich, wirklich glücklich. Ich habe keinen Zweifel daran, dass ich dort bin, wo Gott mich haben will. Und das Büchlein „mbeu ikagwa“? Ich habe es immer noch, es liegt geöffnet auf einem kleinen Lesepult auf der rechten Ecke meines Schreibtischs.

Quelle: comboni.uk

2018-10-17T11:15:48+00:00