Warum nicht ich?

Fasziniert von einem Priester und seinem Lebensstil beschloss ich, so zu werden wie er. Dann traf ich die Comboni-Missionare. Plötzlich verstand ich, dass das mein Leben sein würde. Pater Anane Joseph Nhyirana erzählt seine Geschichte.

Der Wunsch Priester zu werden begann in mir zu wachsen, als ich in Kete Krachi, einer Stadt im Krachi West District der Volta-Region Ghanas, auf der Oberschule war in. Ich wurde positiv beeinflusst vom Leben und Beispiel unseres Schulkaplans, eines Diözesanpriesters. Einfach gesagt, es gefiel mir, wie er mit Menschen umging, und ich beschloss wie er zu werden. Das sagte ich ihm eines Tages. Er freute sich über meine Entscheidung, ermutigte mich bei der Entwicklung dieses Wunsches und betete für die Erfüllung meines Traums.

Zu diesem Zeitpunkt kannte ich die Comboni-Missionare nicht. Sie waren weder in meiner Gegend noch in der Diözese Jasikan vertreten. Einer meiner Cousins, der ihnen begegnet war, stellte sie mir vor. Ich mochte sie, und sie wurden Teil meines Traums. Nachdem ich die Oberschule beendet hatte, schloss ich mich ihnen an.

Die Comboni-Provinz Westafrika umfasst die drei Länder Ghana, Togo und Benin. Durch meinen Beitritt wurde ich bald „multinational“. Zu Beginn meiner Ausbildung musste ich nach Togo umziehen, wo ich ein Jahr lang Französisch lernte und drei Jahre zum Philosophiestudium im Comboni-Postulat verbrachte. Dann ging ich für zwei Jahre ins Noviziat nach Catanou (Benin), wo ich schließlich meine Zeitlichen Gelübde ablegte. Es war am 8. Mai 2010. Ich erinnere mich noch an diesen Tag, als ich „Ja“ zu Gott sagte und mich feierlich verpflichtete, ihm zu folgen, egal was kam.

Zum Theologiestudium schickten die Ordensoberen mich zurück nach Hause, an das St. Peter-Seminar in Cape Coast, Ghana. Diese fünf Jahre erwiesen sich als besondere Zeit, in der ich mich immer mehr mit dem Comboni-Charisma identifizierte. Meine Gemeinschaft war erstaunlich international: meine Weggefährten kamen aus ganz Afrika und darüber hinaus. So kam ich in Kontakt mit anderen Kulturen, und das weitete meinen Verstand und mein Herz.

Das Scholastikat stellte sich als eine Zeitspanne heraus, in der mein Leben ein Geschichtenbuch wurde, und in der ich von denjenigen angeleitet wurde, die die göttliche Vorsehung an meinen Ausbildungsweg gestellt hatte. Einige Kapitel, Seiten und Abschnitte dieses Buches wurden geschätzt und bestärkt, andere wurden in Frage gestellt, und ich wurde aufgefordert, sie neu zu schreiben. Es gab Augenblicke des Kampfes mit meiner eigenen Schwäche, aber die Gnade Gottes war nicht vergeblich in mir.

Nach Ende des Theologiestudiums verbrachte ich anderthalb Jahre im missionarischen Dienst in einer unserer Gemeinden, wo ich im Juni 2015 die Ewigen Gelübde ablegte. Sechs Monate später, am 19. Dezember 2015, wurde ich in Lomé (Togo) zum Priester geweiht. Bald nach der Priesterweihe teilten mir die Ordensoberen mit, dass ich in Äthiopien eingesetzt werden sollte. Das war ein unerwartetes Geschenk: ich hatte dieses Land nie als Option in Betracht gezogen. Aber Mission wird empfangen, nicht genommen.

Im März 2016 begann ich in Addis Abeba den Kurs in Amharic, der Landessprache in Äthiopien. Ich kämpfte, um diese schwierige und einzigartige afrikanische Sprach zu lernen, die eine über dreitausendjährige Geschichte hat. Ich verbrachte Stunden um Stunden, nur um mir das immense Alphabet (über zweihundert Buchstaben) zu merken. Nach sieben Monaten, während ich immer noch mit Amharic unsicher war, wurde ich in die Mission Dongora im Vikariat Awassa in Zentraläthiopien versetzt, 330 Kilometer südlich von Addis Abeba.

Liturgisch folgt das Katholische Vikariat Awassa dem Lateinischen Ritus, im Gegensatz zum Ge‘ez-Ritus, der in den anderen Diözesen angewandt wird. Die Katholische Kirche als Minderheit im Land dient als Treibmittel im Mehl oder gleicht einem Senfkorn, das auf dem Acker gesät wird. Es besteht die Hoffnung, dass sie das ganze Land dazu bringt, zu einem aromatischen Brot aufzugehen, oder zu einem starken Busch heranzuwachsen, groß genug, um das Leben um ihn herum zu erhalten. An diesem Traum mitzuwirken begeistert mich.

Die Katholiken nehmen ihren Glauben ernst, und einige sind sehr engagiert. Eine Sache, die mich fasziniert, ist, wie sie das Sakrament der Versöhnung betrachten, mit Entschlossenheit, ihre oft gestörte Beziehung zu Gott zu erneuern. Eltern und Großeltern sorgen immer dafür, dass ihre Kinder und Nachfahren ihnen im Blick auf die Religion nachfolgen. Ihre Hingabe an das Evangelium und seine Werte sind ganz bestimmt die Frucht der Arbeit der Missionare, die Ihr Leben hingaben – und immer noch hingeben-, um ihnen zu dienen, oft inmitten von Gefahren. Dieses Zeugnis inspiriert mich und gibt mir Hoffnung, damit ich mich in den Dienst des Himmelreichs stelle.

Ich kann mich nicht rühmen ein großartiger Missionar zu sein. Ich erlebe dieses Abenteuer erst ein Jahr lang. Doch zwischen Auf und Ab war Gottes Gnade im Überfluss in mir und hat mich aufrechterhalten. Es gab Schwierigkeiten. Doch meine persönliche Beziehung zu Jesus, durch das Gebet und die Betrachtung seines Wortes war mein Fundament. Ein Missionar, der den Kontakt zu Gott verliert, verliert den Kontakt zu seiner Berufung und seiner Sendung.

Pater Anane Joseph Nhyirana
Quelle: comboni.uk

2018-08-27T09:21:56+00:00