geboren am 20.05.1900 in Kruft bei Andernach/D
Zeitliche Gelübde: 09.09.1919
verstorben am 03.06.1924
beigesetzt in Brixen/I

Bernhard ist am 3. Juni 1924 gestorben. Im Missionshaus herrscht Trauerstimmung. Aus der weitgeöffneten Pforte bewegt sich ein langer Leichenzug. Die sterbliche Hülle eines Scholastikers wird zu Grabe getragen, drei Wochen vor der Priesterweihe. Eine tückische Blutkrankheit, die ihn während des letzten Schuljahres ergriffen hatte, hat seinen Tod herbeigeführt im blühenden Alter von 24 Jahren.

Bernhard wurde in Düsseldorf/Rheinland-Pfalz am 20. Mai 1900 geboren. Schon im Alter von 11 Jahren reiste er am 7. September 1911 nach Milland/Brixen, um sich dort auf den Missionsberuf vorzubereiten. Er besuchte das öffentliche Gymnasium der Augustinerchorherren in der Stadt und legte 1919 mit gutem Erfolg die Reifeprüfung ab.

Am 9. September 1919 begann er das Noviziat und legte am 9. September 1921 die erste zeitliche Profess ab. Im gleichen Jahr begann er das Theologiestudium am bischöflichen Priesterseminar von Brixen.

Bernhard war ein sehr hoffnungsvoller Kandidat. Er hatte einen frohen Charakter. Schon am Tag seines Eintritts erregte der Kleinste – er war es wirklich – die Aufmerksamkeit des Präfekten durch seine frische, fröhliche Teilnahme am gemeinsamen Spiel in der Erholungszeit. Rasch und feurig in seinen Bewegungen, heller Glanz in den Augen, ein frohes Lachen auf den Kinderlippen, gelehrig und lenksam, das war der kleine Bernhard als Kind. Und eine Kinderseele ist er geblieben sein Leben lang. Obwohl ausgestattet mit schönen Geistesgaben und befähigt zu schriftstellerischer Tätigkeit, zierte seinen Charakter eine gewinnende Bescheidenheit.

Was aber den jungen Scholastiker vor allem auszeichnete, war seine glühende Liebe zum Ordens-, Priester- und Missionsberuf. Tief durchdrungen von der religiösen Gedankenwelt, voll heiliger Scheu vor der Höhe des Priestertums und erfüllt von flammender Begeisterung für die Ausbreitung des Gottesreiches, suchte er, je näher das Ziel rückte, desto eifriger und entschlossener sich auf das Apostolat vorzubereiten. Er ging dabei so weit, dass er an die Oberen das Ersuchen stellte, den Empfang der Priesterweihe ein Jahr lang hinausschieben zu dürfen, um durch ein zweites Noviziat jene Stufe der Vollkommenheit zu erreichen, die ihm unerlässlich schien zum Eintritt in das Heiligtum.

Hier folgen einige Sätze aus dem Bittgesuch, das er an seinen früheren Oberen richtete: „Näher zu Gott! Nichts suchen als Gott! Ein Ahnen und Sehnen ziehen durch meine Seele wie in Kindestagen, da ich sooft nach der Schule vor dem ewigen Lichte unserer Heimatkirche kniete und dem göttlichen Kinderfreunde mein ganzes Kinderherz schenkte. Ja, in jenen seligen Tagen schwebte über mein junges Leben mit all seinem freudigen und leidvollen Wechsel eine wunderschöne Einheit und eine liebliche Harmonie hielt mich mit zarten Banden umschlungen. Den Edelstein der Kindheit gehe ich suchen, bis ich ihn ewig mein nennen darf. Wo konnte ich ihn eher finden als am Altar, die leuchtende Hostie in der Hand? Aber noch liegt viel Geröll vor der Schwelle des Heiligtums. Ein Jahr Verzögerung würde, so deucht es mir, geziemenden Zugang zum Altar schaffen und meinem ganzen Leben ein erhöhtes Priestertum geschenkt haben… Die Zauberrute der Heiligkeit möchte ich in meiner Priesterhand tragen und damit Künstlerwerke in den Menschenseelen schaffen unter der Führerhand des Heiligen Geistes. Zum Dichter der Heiligkeit möchte ich mich umbilden, am liebsten in der Einsamkeit des Noviziats als allerletzter Novize …“

O Tiefe der Weisheit und der Erbarmung Gottes! Wer hat den Sinn des Herrn erkannt und wer ist sein Ratgeber gewesen? Was Bernhard ersehnte, hat ihm die göttliche Güte in höherer Weise überreich gewährt. Nicht lange nach der Absendung des erwähnten Briefes begann er wirklich ein zweites Noviziat … auf dem Krankenlager. Wie früher, so auch jetzt ein Musternovize, alle erbauend durch seine Geduld und Ergebung. Ein Priester durch seine Opfergesinnung, ein Missionar durch die bereitwillige Hingabe seines Lebens. Die Liebe wird im Leiden vollkommen. Und diese leiderprobte, vollendete Liebe hat Bernhard reich gemacht, nicht zwar zum Eingehen in das priesterliche Heiligtum auf Erden, sondern zum Eintritt in das Allerheiligste des Himmels, um die Opferschale seiner Gebete, seiner Tugenden, seiner Leiden dem Allerhöchsten darzubringen. Näher zu Gott, nichts suchend als Gott! Glücklicher Mitbruder, wie rasch hast du erreicht, wonach dein Herz verlangte! Seliger Gottfinder, Ewiglebender bei Gott, getränkt mit dem Strome seiner Wonne. Weit von uns und doch uns nahe durch deine Fürbitte für die Missionare und die Heidenvölker Afrikas. In unserem Gedächtnis wirst du fortleben, bis wir uns wiedersehen.R.I.P.

(Aus „Stern der Neger“ – Juli/August 1924)

R.I.P.