geboren am 27.12.1912 in Campill (BZ)/I
Zeitliche Gelübde: 08.12.1936
Ewige Gelübde: 25.12.1939
Priesterweihe: 29.06.1940
verstorben am 04.01.1990
beigesetzt in Lima/PE

Völlig überraschend und unerwartet erlag Pater Johann Pezzei am 4. Januar 1990 in Lima einem Herzinfarkt. Er war das jüngste von dreizehn Kindern von Alois und Marianna Dapoz und kam am 27. Dezember 1912 in Campill/Gadertal/Südtirol zur Welt. Die Familie war arm in materieller Hinsicht, aber reich an Glauben. Sein Bruder Ignaz wurde Comboni-Missionsbruder und starb in Südafrika. Eine Schwester wurde Ordensfrau. Johann besuchte die Grund- und Mittelschule in Brixen, wo er Aufnahme und Unterstützung bei wohltätigen Familien fand. Auch sein Bruder Ignaz unterstütze ihn. Johann hatte eine wunderschöne Stimme. Mit zwei Freunden bildete er ein Trio, das durch seine Aufführungen bescheidene Einnahmen erzielte.

Mit 22 Jahren schloss er sich den Comboni-Missionar an und wurde am 7. Oktober 1934 in Bamberg als Postulant aufgenommen. Am 8. Dezember desselben Jahres begann er das Noviziat und legte am 8. Dezember 1936 in Milland die ersten Gelübde ab. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie am Priesterseminar von Brixen weihte er sich am 25. Dezember 1939 Gott und der Mission durch die ewigen Gelübde. Am 29. Juni 1940 wurde er im Dom von Brixen zum Priester geweiht. Da während des zweiten Weltkrieges eine Ausreise in die Mission nicht möglich war, wirkte Pater Johann von 1940 bis 1948 als Aushilfspater in den Diözesen Brixen und Trient.

1948 konnte er endlich mit zwei weiteren Mitbrüdern in die Mission von Peru ausreisen, um die kleine Gruppe der Comboni-Missionare zu verstärken, die seit 1938 dort wirkte. Er wurde gleich für die Pfarrei Pozuzo bestimmt. Pozuzo war eine Kolonie von Auswandern aus dem Rheinland und Tirol, die damals, als Pater Pezzei seine Arbeit begann, noch völlig von der Außenwelt abgeschnitten und praktisch vergessen war: keine Straße führte ins Tal, es gab weder Handel noch Kulturaustausch. Pater Pezzei machte sich mit jugendlichem Elan und voll Begeisterung an die Arbeit. Er verkündete die Frohe Botschaft, gründete einen vierstimmigen Kirchenchor und begann soziale Projekte. Er baute eine Volksschule, ließ die Verbindungswege zu den Außendörfern verbessern und veranlasste den Bau eines Elektrizitätswerkes.

Die deutschsprachigen Siedler, die sich dort im 19. Jahrhundert (1859) niedergelassen hatten, verwandelten ein großes Waldstück in fruchtbares Ackerland und führten die Viehzucht ein. Dank des Priester Josef Egg, der die Auswanderer von allem Anfang begleitet und religiös betreut hatte, konnten diese die Schwierigkeiten einer fast zweijährigen Reise überwinden und das Tal Pozuzo erreichen. Pater Pezzei hat in dieser Tradition siebzehn Jahre lang unter den Siedlern gelebt und gearbeitet, die vom Rest des Landes abgeschnitten waren. Die Straße, die im 19. Jahrhundert von der peruanischen Regierung den Einwanderern aus Europa versprochen worden war, wurde erst in den 1970er Jahren gebaut.

Der Bau der Herz-Jesu-Kirche bedeutete eine große Anstrengung, da das Baumaterial auf dem Rücken von Maultieren herbeigeschafft werden musste. Siebzig Dörfer gehörten zur Pfarrei. Um sie zu erreichen, musste Pater Pezzei zu Fuß oder mit dem Maultier auf oft gefährlichen Wegen bis zu 3.000 Meter Meereshöhe überwinden. Er half den Leuten, ihre deutschen und österreichischen Wurzeln und ihre Kultur zu erhalten und zu festigen. Pater Pezzei erzählte gerne von seinen glücklichen Jahren in Pozuzo, auch wenn es nicht an Schwierigkeiten gefehlt hatte. Im Januar 1965 wurde er nach Spanien versetzt und zum Novizenmeister in Palencia ernannt. Es war nun seine Aufgabe, die ersten Novizen auszubilden, die aus dem Seminar von Saldaña kamen, das Pater Andreas Riedl 1960 gegründet hatte.

Pfarrer in Mirones/Lima

Nicht einmal drei Jahre später, im Dezember 1967, konnte Pater Pezzei nach Peru zurückkehren. Er hoffte, wieder in Pozuzo weitermachen zu können, aber seine Vorgesetzten ernannten ihn zum Pfarrer der Pfarrei St. Pius X. in Lima. Es war für ihn kein kleines Opfer, auf Pozuzo zu verzichten und den Willen der Vorgesetzten anzunehmen. Laut seinen Aussagen hatte er in den ersten zwei Jahren nichts Zufriedenstellendes erreichen können. Aber er machte weiter, denn er war ein Mann des Glaubens und des Gebetes. Seine Mitarbeiter sagten, dass er nie zu Bett ging, ohne vorher den Rosenkranz gebetet zu haben.

Er hatte sicher keinen konkreten Pastoralplan im Sinn, als er die Pfarrei übernahm; aber er verstand es, mit den Laien zusammenzuarbeiten und ihnen Vertrauen zu schenken. Als er die neue Pastoralmethode „Nueva Imagen de Parroquia“ (Neues Bild der Pfarrei), kennen zu lernen begann, die von der Bewegung „Eine bessere Welt“ entwickelt worden war, machte er sich mit Begeisterung an die Arbeit trotz seiner siebzig Jahre und der vielen Anstrengungen, die damit verbunden waren. Mit seiner Aufgeschlossenheit und Dialogbereitschaft knüpfte er alsbald wichtige Kontakte, vertraute Laien wichtige Aufgaben in der Pfarrei an, und schon bald wurde seine Pfarrei als „Musterpfarrei“ hingestellt mit einer Vielzahl von Gruppen, die sich am religiösen Leben aktiv beteiligten.

Er berief Fachleute in Pastoral und Katechese zur Mitarbeit, die Pfarrei wurde in Sektoren eingeteilt und überallhin Gruppen von Katecheten gesandt. So konnte er schöne Erfolge miterleben und erzielen.1987 übergab die Provinzleitung gemäß der Praxis der Kongregation, sich von gut funktionierenden Pfarreien zurückzuziehen, die Pfarrei der Ortskirche, um anderswo unter ganz armen Bedingungen wieder ganz neu zu beginnen. Das geschah nun mit der Pfarrei von Mirones. Pater Johann war zu diesem Schritt trotz seines hohen Alters bereit und versuchte in seinen letzten Jahren als Miterzieher der Postulanten seine reichen pastoralen Erfahrungen einzubringen.

Ein Beispiel von Demut

Pater Johann war ein aufgeschlossener, froher und lebenslustiger Mitbruder. Seine Pfarrkinder schätzten ihn hoch wegen seiner Freundlichkeit und Güte. Den Notleidenden war er ein mitfühlender Bruder, den Kranken ein lieber Wegbegleiter. Großes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, tiefe Frömmigkeit und nimmermüder Seeleneifer begleiteten ihn bis ins hohe Alter hinein.

Mit 75 Jahren wurde er gebeten, noch einmal von vorne anzufangen und bei der Ausbildung der jungen Postulanten in Lima mitzuarbeiten. Er war noch flexibel genug, nach einem neuen Stundenplan zu leben, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und einige religiöse Gemeinschaften spirituell zu begleiten. Er verbrachte viele Stunden im Beichtstuhl. Er wunderte sich, dass er es trotz Diabetes schaffte, stundenlang wach zu bleiben und den Schwestern zuzuhören. Wenn schon sein Leben einfach war, so war sein Tod noch einfacher. Am 4. Januar stand er wie gewöhnlich auf, um mit der Gemeinschaft die heilige Messe zu feiern. Dann nahm er wie immer das Frühstück ein. Nachdem er einen Telefonanruf entgegengenommen hatte, setzte er sich in den Aufenthaltsraum und schlief ein. Erst um 9.15 Uhr merkten die Mitbrüder, dass er in aller Stille gestorben war. Am Begräbnisgottesdienst in der St. Pius X. Kirche nahmen viele Gläubige teil.

R.I.P.

Pater Alois Weiß / Pater Alois Eder