geboren am 06.08.1936 in Tesselberg (BZ)/I
Zeitliche Gelübde: 15.08.1958
Ewige Gelübde: 15.08.1964
verstorben am 02.03.1990
beigesetzt in Ellwangen/D

Als mir am 2. März 1990 morgens der Tod von Bruder Matthias Oberparleiter mitgeteilt wurde, sagte ich spontan: „Er ist befreit, die Zeit des Leidens ist vorüber“. Er starb friedlich um vier Uhr morgens. Er hatte schon lange gewusst, dass seine Krankheit unheilbar war. Es ist ihm nicht leichtgefallen, sich mit seinem baldigen Abschied abzufinden. Wie Jesus auf dem Ölberg hat er gekämpft, um die Worte nachzusprechen „Vater, nicht wie ich will, sondern wie du willst“. Andererseits betrachtete er es als eine Gnade, sich so intensiv auf den Tod vorbereiten zu können. Im Sommer 1989 hatten Ärzte einen Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt. Eine sofortige Operation stellte sich als nutzlos heraus. Mit großer Geduld und Gelassenheit ertrug er die heftigen Schmerzen der Krankheit. Beispielhaft hat er das Kreuz angenommen und bis zum Ende getragen.

Bruder Matthias stammte aus Südtirol und wurde am 6. August 1936 in Tesselberg/Südtirol, Gemeinde Gais, geboren. Seine Eltern besaßen einen schönen Bauernhof, und Matthias war ihr einziges Kind. Seine Sehnsucht war, Priester zu werden. Doch dafür hatte sein Vater kein Gehör. Matthias sollte den Hof übernehmen. 1955 starb sein Vater an Krebs. Einige Wochen später trat Matthias als Bruderkandidat in Milland ein. Seine Mutter hatte das große Opfer gebracht, ihren einzigen Sohn ziehen zu lassen und den Hof zu verpachten. Sie war eine tief religiöse Frau.

Nach einer kurzen Postulatszeit begab sich Matthias nach Josefstal (Deutschland), um dort 1956 das Noviziat zu beginnen, das er am 15. August 1958 mit den ersten zeitlichen Gelübden abschloss. Am 15. August 1964, am Fest Mariä Himmelfahrt, legte er in Palencia (Spanien) die ewigen Gelübde ab. Vor seiner Ausreise nach Spanien hatte er in der Landwirtschaft von Josefstal gearbeitet.

Im Februar 1960 wurde in Palencia eine große Finca (Landwirtschaft) gekauft als materielle Grundlage für die Niederlassungen von Palencia und Saldaña. Dazu brauchte es Brüder, um sie zu bearbeiten. Mit drei Brüdern und zwei Patres verließ Bruder Matthias im Februar Josefstal und begab sich mit der Eisenbahn an seinen neuen Bestimmungsort. Fünfzehn Jahre lang arbeitete er unermüdlich auf der Farm. Durch sein freundliches Wesen war er angesehen und beliebt nicht nur innerhalb der Ordensgemeinschaft, sondern auch bei den Nachbarn.

Jedoch sein Wunsch, in die Mission zu gehen, wurde immer stärker. Schließlich erfüllten die Oberen seinen Wunsch und versetzten ihn 1975 nach Kenia. Zunächst galt es sich mit der englischen Sprache anzufreunden, was ihm mit Hilfe eines achtmonatigen Kurses in England gelang. 1976 reiste er nach Kenia. Nach einigen Monaten unmittelbarer Vorbereitung wurde er nach Moshi in Tansania geschickt, um der von zwei Comboni-Missionaren gegründeten afrikanischen Missionskongregation „Apostles of Jesus“ zur Seite zu stehen. Bruder Matthias war verantwortlich für die große Farm der Kongregation. Vier Jahre lang arbeitete er mit Postulanten und Novizen zusammen, um die Farm auf Vordermann zu bringen. Patres und Brüder des jungen Instituts bewunderten den Bruder und seine Arbeit. Sie spürten seine Liebe und vergalten sie mit ihrer Wertschätzung und Sympathie.

1980 wurde er nach Kenia versetzt, um in der Missionsprokura von Nairobi mitzuarbeiten. Er war verantwortlich für den Einkauf und den Transport von Lebensmitteln, Werkzeugen, Kleidung, Ersatzteilen und allem, was für die Missionen in Kenia, Uganda und Südsudan benötigt wurde. Es war die Zeit, in der in Uganda und Südsudan der ganze Handel und Warenaustausch zusammengebrochen war. Mit Geduld hörte er sich die Nöte der Mitbrüder an und versuchte, ihren Wünschen nachzukommen. Es war ein anspruchsvoller Job, aber er erfüllte seine Aufgaben zur vollen Zufriedenheit der Mitbrüder. Er wurde von den Mitbrüdern geschätzt, die sich mit Dankbarkeit an ihn erinnern.

1984 wurde er in seine Heimatprovinz zurückgerufen. Er wurde nach Mellatz versetzt, um die Landwirtschaft der Noviziatsgemeinschaft zu übernehmen und dem Novizenmeister zur Seite zu stehen. Er wurde zum stellvertretenden Oberen ernannt und in den Provinzrat gewählt. Nach seiner afrikanischen Erfahrung tat er sich schwer, einen Sinn für seine Arbeit zu finden, und den Besitz von Farmen in Europa zu rechtfertigen. Also bat er um Rückversetzung nach Afrika. Er entschied sich diesmal für den Südsudan. Im Juli 1989 erhielt er den Brief des Generaloberen mit der offiziellen Versetzung in den Sudan. Er wusste aus Informationen, dass die Situation im Land schwierig und riskant war. Trotzdem wollte er sein Leben in den Dienst gerade dieser Mission stellen.

Sein großer Wunsch, ein zweites Mal nach Afrika zu gehen, hat sich aber leider nicht mehr erfüllt. Er war bereit, sich den Gefahren und Schwierigkeiten der belagerten Stadt Juba zu stellen, jedoch der Herr sandte ihm ein anderes Kreuz, andere Leiden und Kämpfe, die er tapfer auf sich nahm. „Wir haben eine Perle, einen kostbaren Schatz im Haus“, sagten die Mitbrüder von Josefstal, die den Bruder während seiner Krankheit liebevoll begleiteten und betreuten.

Bruder Matthias war eine sehr ausgeglichene, versöhnliche und friedliebende Person. Man fühlte sich wohl in seiner Nähe. Er war ein froher Mensch, der seine Berufung mit Eifer und Überzeugung gelebt hat. Sein spontanes und ermutigendes Lächeln tat allen gut. Er lebte und handelte treu und konsequent nach seinen Prinzipien und war ein Mann weniger Worte. Er erfüllte gewissenhaft und mit großem Verantwortungsbewusstsein seine täglichen Pflichten.

Der Provinzobere Pater Josef Gerner erinnert sich an ein Treffen mit Bruder Matthias in Ostafrika. „Bruder Matthias arbeitete in Moshi/Tansania im Seminar der Apostles of Jesus. Mehrere Mitglieder des DSP arbeiteten im Nachbarland Kenia. Da aber die Grenze zwischen Kenia und Tansania geschlossen worden war, hatten wir vereinbart, uns gelegentlich an der Grenze zwischen beiden Ländern zu treffen. Er konnte nicht nach Kenia kommen und wir nicht nach Tansania gehen. Wenn man jedoch den Reisepass abgab, konnte man zu Fuß die Grenze überqueren. Einige Male konnte er ein paar Stunden in Kenia verbringen, ein anderes Mal wir in Tansania.

Ich erinnere mich noch lebhaft an unsere letzte Begegnung an der Grenze. Ich verfolgte mit traurigem Blick sein Auto und fragte mich: Wann werden wir uns wiedersehen? Nun hat er die Grenze überschritten, die wir noch nicht passieren dürfen. Auch jetzt folgen wir ihm mit traurigem Blick. Wir vermissen ihn. Jetzt muss er die Initiative ergreifen, um uns zu besuchen, an der Schwelle zwischen diesem und dem anderen Leben. „Matthias, komm zurück, bleib bei uns, in neuer Weise, in der Kraft des Auferstandenen“. Bruder Matthias ist am 2. März 1990 in Ellwangen gestorben und wurde im Stadtfriedhof neben seinen verstorbenen Mitbrüdern begraben.

Bruder Matthias liebte seine missionarische Berufung. Sein irdisches Dasein wurde in seinem dreiundfünfzigsten Lebensjahr beendet. Während seiner letzten Wochen durfte er an seinem eigenen Leib „ergänzen – wie Paulus sagt – was an den Bedrängnissen Christi noch fehlt an seinem Leib“, zum Wohl der Welt, des Sudan und seiner Mitbrüder. Sein „consumatum est“ ist ein Aufruf an uns alle, unseren Missionsdienst ernst zu nehmen.

R.I.P.

Pater Georg Klose / Pater Alois Eder