geboren am 10.08.1932 in Stillau/D
Zeitliche Gelübde: 02.07.1954
Ewige Gelübde: 08.12.1957
Priesterweihe: 27.07.1958
verstorben am 16.07.2019
beigesetzt in Ellwangen/D

Zum 50. Jahrestag seiner Priesterweihe wählte Pater Anton Lipp als Dankspruch das Wort des Hl. Paulus: „Wir wollen nicht Herren eures Glaubens sein, wir sind Helfer eurer Freude.“ (2 Kor 24).
Es war eine Konstante, die sich durch sein ganzes Leben zog: Er wollte Menschen Freude machen, sie aufheitern. Schon als Schüler und im Studium. Als Priester begann er die Predigt oft mit einer passenden, humorvollen Anekdote oder einem Witz. In Zeitungartikeln oder Reden zu einem Jubiläum oder einem runden Geburtstag wurde immer sein geistreicher Humor hervorgehoben. So hat er zum Beispiel in einer Pfarrei, als dort eine größere Renovierung anstand, einen „Scheinwerfer-Sonntag“ eingeführt mit der Bitte, die Leute sollten an diesem Tag nur Scheine in den Klingenbeutel werfen. Er sparte auch nicht an ganz persönlicher Aufmerksamkeit und Anerkennung. Auch im Alter, wenn er etwa nach der einfachen Kommunitätsmesse im Rollstuhl herausgeschoben wurde, rief er dem Zelebranten durch die offene Sakristeitür zu: „Danke für den schönen Gottesdienst.“ Zu Geburtstagen oder Festen hat er den Mitbrüdern oft kleine Kärtchen mit einem Sinnspruch oder humorvollem Bild und einem Gruß an die Zimmertür geheftet.

Pater Anton Lipp wurde am 10. August 1932 in Stillau bei Tannhausen, etwa 25 Kilometer von Ellwangen, geboren. 1943 schickten seine Eltern den elfjährigen begabten Buben in ein Internat im nahen Dinkelsbühl. Als sein zwei Jahre jüngerer Bruder Konrad 1945 ins wieder eröffnete Missionsseminar in Ellwangen ging – damals zunächst in Josefstal – kam ein Jahr später auch Anton nach. Nach Abitur, Noviziat und Studium wurden beide zu Priestern geweiht, Anton 1958 in Bamberg und Konrad 1959 in Brixen. Für Anton wurde nach der Priesterweihe um ein Visum nach Südafrika eingereicht. Das ließ aber auf sich warten. Pater Anton wirkte darum zunächst als Seelsorger in Gemeinden in der Umgebung von Bamberg. Und als das Visum dann endlich kam, war auch sein Bruder Konrad Priester. Bei Anton zeigten sich ernste gesundheitliche Probleme, weshalb die Ärzte von einer Ausreise zunächst abrieten. Das Visum wurde deshalb an seinen Bruder Konrad weitervermittelt, der dann nach Südafrika ausreiste. Die gesundheitlichen Probleme waren tatsächlich ernst und führten dazu, dass Jahre später sein ganzer Magen entfernt werden musste.

Inzwischen hatte sich Pater Anton mit der Seelsorge in überschaubaren, nicht zu großen Gemeinden immer mehr angefreundet, so dass er schließlich auch längere Zeit im Pfarrhaus wohnte, so etwa sechs Jahre in Essingen bei Aalen. Die Provinz kam ihm entgegen und erlangte für ihn von der Diözese Augsburg einen Gestellungsvertrag für die Pfarrstelle in Opfenbach, der Pfarrei, zu der das Missionshaus Mellatz gehört. Dort war er bis 1990 tätig und konnte im Missionshaus wohnen. Von dort kam er für sechs Jahre nach Schrozberg und 1997, nach einer schweren Operation, nach Regglisweiler bei Dietenheim. 2008, mit 75 Jahren, ging er in Ruhestand. Den verbrachte er zunächst zusammen mit seiner langjährigen Hausfrau Emilie Friz im freigewordenen Pfarrhaus in Schrozberg, bis er einen Schlaganfall erlitt, der ihn körperlich und beim Sprechen behinderte. Anfangs konnte er zusammen mit Frau Friz die Situation noch bewältigen. Als Frau Friz dann selber an Krebs erkrankte, kam er 2016 in die Krankenstation im Missionshaus in Ellwangen, demselben Haus, wo er seine Jugendjahre verbracht hatte. Die letzten paar Wochen, als er Tag und Nacht Pflege brauchte, war er in einem Pflegeheim in Tannhausen nur zwei Kilometer von seinem Elternhaus, wo er am 16. Juli 2019 starb.

Pater Lipp tat sich etwas schwer mit dem Leben in einer rein männlichen Ordensgemeinschaft. In einer Pfarrei, besonders einer überschaubaren, gibt es den lebendigen Kontakt zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und zu Familien jeden Alters. Er war ein angenehmer und gern gesehener Gast, wenn er Alte und Kranke besuchte oder Jubilaren Glückwünsche überreichte. Viel bedeutete ihm das gute Verhältnis zu seiner Hausfrau Emilie Friz. Als er schon pflegebedürftig in Ellwangen war und sie auch schon schwer krank, lebte er jedes Mal auf, wenn sie für ein paar Tage auf Besuch kam.

Am Anfang wurde sein Wunsch, Seelsorger in einer konkreten Pfarrei zu sein und außerhalb der Ordensgemeinschaft zu wohnen, von der Ordensleitung eher unter Vorbehalt akzeptiert. Für ihn aber war es wohl der richtige Weg. Und zum Schluss konnte er dankbar den Rückhalt einer Gemeinschaft schätzen, die ihm in den letzten schweren Jahren Geborgenheit schenkte.

R.I.P.

Pater Reinhold Baumann

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