14. August 2026
Es begann als ein ganz gewöhnlicher Abend, an dem man gemeinsam mit Freunden auf der Straße ißt und sich unterhält. Doch in ihrer Mitte stand still eine Frau, deren Anwesenheit ein eindrucksvolles Zeugnis der Freundschaft war. Dies ist die Geschichte einer Begegnung zwischen Comboni-Missionaren und Obdachlosen.
Kurz nachdem wir mit unserer regelmäßigen abendlichen Straßenarbeit begonnen hatten -bei der wir Essen verteilen und uns mit den Menschen unterhalten, die auf der Straße leben -, einigten wir uns als Gemeinschaft darauf, sie als „unsere Freunde“ zu bezeichnen – ein einfacher, allgemeiner Begriff, der jedoch vielfältige Bedeutungen hat. Erstens wollten wir jede Formulierung vermeiden, die mit ihren Lebensumständen in Verbindung gebracht werden könnte, und versuchen, uns auf ihre Ebene zu begeben. Zweitens war und ist es unsere Absicht, eine Art Beziehung aufzubauen, die uns einander näherbringen könnte.
Eines Abends, als wir uns mit drei Männern unterhielten, die sich gerne „Brüder“ nennen und sich gemeinsam an einem festen Platz auf dem Bürgersteig niedergelassen haben, trafen wir eine Frau. Sie war Anfang vierzig, elegant gekleidet, sah gut aus und trug einen Arbeitsausweis um den Hals. Sie näherte sich uns leise, während wir uns unterhielten, und dankte uns mit einem sanften Lächeln für das, was wir taten.
Aufgrund ihrer ungezwungenen Art, sie zu begrüßen, war uns sofort klar, dass sie diese Männer kannte und mit ihnen vertraut war. Einer von ihnen sagte uns sofort: „Sie ist unsere Freundin!“ Während der wenigen Minuten, die wir dort blieben, stand sie schweigend neben uns und hörte unserem Gespräch zu. Was uns jedoch am meisten beeindruckte, war die Tatsache, dass wir sie, als wir etwa eine halbe Stunde später auf dem Heimweg dort vorbeikamen, immer noch dort bei diesen Männern auf dem Bürgersteig sitzen sahen. Als sie uns sah, winkte sie uns mit demselben sanften Lächeln zu. Während wir uns unterwegs unterhielten, wurde uns klar, dass diese Dame etwas Bemerkenswertes an sich hatte. Einer der beiden Novizen, die bei mir waren, fügte hinzu, dass er sie eines Abends auf dem Heimweg an derselben Stelle gesehen hatte, aber nichts über sie wusste.
All diese Eindrücke machten die Begegnung mit ihr ziemlich faszinierend. An einem der folgenden Abende, als wir dieselbe Stelle erreichten, beschloss ich, meiner Neugier nachzugeben. Ich bat einen der drei Männer, sich ein wenig von den anderen zu entfernen, und fragte ihn unter vier Augen nach dieser Frau. Folgendes kam in unserem Gespräch zur Sprache: „Oh, Janet, sie ist unsere Freundin; sie arbeitet in einer Firma in Caloocan, ist verheiratet und hat vier Kinder.“ „Wie habt ihr sie kennengelernt?“ Dannys Gesicht wurde plötzlich ernst, und er fuhr fort: „Sie ist Muslimin aus Mindanao, mit einem Christen verheiratet, aber der Mann ist Trinker und drogenabhängig. Er wird oft gewalttätig und schlägt sie. Sie wohnt nur ein paar hundert Meter von hier entfernt, an der Straße dort links.“ Dann holte er tief Luft und sagte: „Eines Tages, spät am Abend, als sie auf der anderen Straßenseite aus dem Bus stieg, überquerte sie die Straße und kam zu uns. Sie sah traurig und verzweifelt aus, und mit Tränen in den Augen begann sie, von einigen ihrer schmerzhaften Erlebnisse mit ihrem Mann zu erzählen. Am Ende, als sie etwas Erleichterung verspürte, fragte sie uns: ‚Kann ich heute Nacht bei euch bleiben?‘ So haben wir sie aufgenommen!“ Als Danny meine Reaktion bemerkte, antwortete er offen: „Wir haben getrennt geschlafen!“
Natürlich war ich von der ganzen Geschichte gefesselt und zutiefst beeindruckt. Er erzählte mir dann, dass sie regelmäßig vorbeikommt, um mit ihnen zureden ; hin und wieder bringt sie auch etwas zu essen mit und übernachtet gelegentlich bei ihnen. Dann fügte er hinzu: „Wenn sie für ein paar Monate nach Dubai geht, um dort als Haushaltshilfe zu arbeiten, ruft sie uns per Videoanruf an, um uns zu grüßen, und wir unterhalten uns ein bisschen! Wenn sie weg ist, vermissen wir sie wirklich sehr!“ Ich konnte dazu nur sagen: „Sie ist tatsächlich eure Freundin geworden! Jetzt verstehe ich, was du neulich gesagt hast.“
Er berichtete dann von einem bedeutenden Vorfall. „Eines Abends, als sie hier bei uns war, kam der Ehemann mit einem der Kinder an. Als er uns alle zusammen vorfand, fing er an, uns alle wütend anzuschreien. Steve ließ sich nicht einschüchtern, trat auf ihn zu, um ihm die Stirn zu bieten, und sagte: ‚Anstatt wie ein Verrückter herumzuschreien, frag dich lieber, warum deine Frau nicht nach Hause gehen will und lieber bei uns bleibt! Schäm dich!‘“
Wir dachten, dass die Verwendung des Wortes „Freunde“ für Menschen, die auf der Straße leben, uns motivieren würde, uns auf ihr Niveau „herabzulassen“; was wir jedoch nicht erwartet hatten, war, dass wir durch ein Zeugnis wie dieses selbst auf ihr Niveau „erhöht“ werden! Hier zeigt sich die tiefe Wahrheit der Worte von Papst Leo XIV., der uns einlädt, „die Ausgegrenzten als neue geistliche Lehrer“ zu sehen (Dilexi Te, 63).
Pater Pierpaolo Monella, mccj