18. September 2026
„Wenn ich sehe, wie sie ihre spirituellen Wege miteinander teilen, ihre Zweifel und Hoffnungen zum Ausdruck bringen oder Gottes Wirken in ihrem Leben erkennen, fühle ich mich privilegiert, Zeuge des diskreten und doch kraftvollen Wirkens der Gnade zu sein.“ Pater Augustin Fene-Fene Santime berichtet über seiner Tätigkeit als Ausbilder.
Es ist nun über ein Jahr her, seit ich ins Noviziat der Comboni-Missionare in Lusaka ( Sambia) versetzt wurde. Ich bin glücklich, Teil einer lebendigen Gemeinschaft von zwanzig Novizen zu sein. Sieben kommen aus Uganda, vier aus Mosambik, zwei aus Sambia, zwei aus Malawi, zwei aus Äthiopien und je einer aus dem Südsudan, Kenia und Südafrika. Pater Aquiles, der Novizenmeister, ist Ugander, und ich bin Kongolese. Diese Gemeinschaft ist ein Mosaik kultureller, sprachlicher und kirchlicher Vielfalt.
Statt dass es ein Problem für das Gemeinschaftsleben darstellen würde, bietet uns diese Vielfalt einen außergewöhnlichen Reichtum. Das lässt uns jeden Tag eine sehr angenehme Atmosphäre der Brüderlichkeit und des Zusammenhalts erleben. Die Novizen zeichnen sich durch eine freudige Bescheidenheit und Anpassungsfähigkeit aus. Ich spüre in ihnen eine tiefe Gelassenheit und den aufrichtigen Wunsch, sich dem geweihten Leben und der Mission zu widmen.
Im Herzen der Gemeinschaft übe ich meinen missionarischen Dienst aus – geduldig und diskret, doch zutiefst fruchtbar und zugleich anspruchsvoll, denn er erfordert die Fähigkeit, zu inspirieren, aufzuklären und manchmal auch zu korrigieren, jedoch stets mit Sanftmut und Vertrauen. Es berührt mich oft zu erfahren, wie der Herr in der Berufungsgeschichte dieser jungen Menschen gegenwärtig ist. Jeder kommt mit einem anderen Hintergrund, mal zerbrechlich, mal strahlend, aber immer geprägt von einer inneren Berufung, die sie zu verstehen suchen. Wenn ich sehe, wie sie ihre spirituellen Wege teilen, ihre Zweifel und Hoffnungen zum Ausdruck bringen oder Gottes Wirken in ihrem Leben erkennen, fühle ich mich als privilegierter Zeuge des stillen und doch kraftvollen Wirkens der Gnade.
Das Leben im Noviziat bietet mir eine Zeit der persönlichen Weiterbildung. Fünfzehn Jahre nach Abschluss meines Noviziats ist es eine wahre Gnade, mich wieder in einer Atmosphäre des Gebets, der gelebten Einsamkeit und der Berufungsfindung wiederzufinden. In einem Moment der Vertrautheit sagte ich zu Pater Aquiles: „Der Generalobere muss wohl gedacht haben, ich hätte mein Noviziat nicht gut absolviert, und hat mich hierher geschickt, um es noch einmal zu machen.“ Wir lachten herzlich. Es lässt sich nicht vermeiden, dass ich dabei auch auf einige Schwierigkeiten stoße. Am schwierigsten ist es vielleicht, den Novizen verständlich zu machen, dass das Ordensleben im Widerspruch zu bestimmten Werten steht, die von der modernen Gesellschaft gefördert werden, wie zum Beispiel ein bequemes Leben oder das Streben nach Komfort. Viele möchten diesen Berufungsweg bei den Comboni-Missionaren einschlagen, ohne auf irgendetwas zu verzichten, als ob es möglich wäre, Christus nachzufolgen und gleichzeitig an allem festzuhalten, was die Welt zu bieten hat.
Ich begegne dieser Herausforderung mit Geduld und Einfühlungsvermögen. Wie für alle Ausbilder besteht die große persönliche Herausforderung darin, diese jungen Menschen auf einem Weg der Berufungsfindung zu begleiten – in einem Umfeld, das von Globalisierung, vielfältigen Einflüssen und der Komplexität ihrer Lebensgeschichten geprägt ist. Sie zu begleiten erfordert große Sensibilität, eine weite Sichtweise und ein Herz, das tief im Evangelium verwurzelt ist.
Pater Augustin Fene-Fene Santime, mccj