17. August 2026
Sechs Comboni-Missionare aus einer Familie – das gibt es nur einmal. Pater Paul Pezzei schreibt über die Geschichte seiner Onkel und Cousins, die sich der Kongregation angeschlossen haben.
Wir schreiben das Jahr 1912. Auf dem obersten Bauernhof vom Weiler Laguscel, der zu Longiarú (Campill) im Gadertal gehört, wohnte die Familie Pezzei. Sie waren arm und hatten zwölf Kinder, und sie lebten von dem, was im Garten und auf ihren Feldern wuchs. Der Vater war Luigi und die Mutter hieß Marianna Dapoz. Einmal kam ihre Schwester auf Besuch. Marianna begann zu weinen, und die Schwester fragte sie: „Warum weinst du?“ Marianna antwortete: „Weil ich schon wieder schwanger bin und wir arm sind.“ Ihre Schwester sagte ihr: „Brauchst nicht zu weinen, du weißt nicht, ob der nicht ein Priester wird.“
Drei Monate später, am 27. Dezember 1912, wurde Johann geboren. Nun waren sie 13 Kinder. Johannes und sein Bruder Ignaz wurde Comboni-Missionare. Die beiden Söhne von Alois Pezzei (Fidelis und Jakob) wurden auch Comboni-Missionare, ebenso Giovani Valentini, der Sohn von Anna, und Paul, der Sohn von Paul. So gab es sechs Comboni-Missionare aus der Familie Pezzei.

Johann besuchte die Grund- und Mittelschule in Brixen. Er war ein guter Sänger, konnte Gitarre spielen und jodeln, und so zog er neben dem Studium mit zwei Freunden von Gasthaus zu Gasthaus, sang dort und bekam dafür kleine Spenden. Nach seinem Abitur ging er 1935 nach Milland und bat um Aufnahme in die Kongregation der „Missionare, Söhne des heiligsten Herzens Jesu“ (so hieß die Kongregation damals). P. Johann wurde 1948 nach Peru geschickt und wirkte 17 Jahre als Pfarrer im Urwald von Pozuzo. Er baute dort eine neue Kirche, ein Elektrizitätswerk und ein Internat für Mädchen aus den entlegenen Dörfern. Dann rief man ihn als Novizenmeister nach Spanien, und nach zwei Jahren übernahm er in Lima/Peru die Pfarrei Mirones. Mit 75 Jahren wurde er gebeten, in der Erziehung der Postulanten mitzuhelfen, und er war ein guter Beichtvater für viele Leute, die zu ihm kamen, vor allem Ordensleute und Schwestern. Er starb dort am 4. Januar 1990 mit 78 Jahren.
Sein älterer Bruder Ignaz, wurde am 8.1.1906 in Campill geboren, kam mit 29 Jahren nach Milland als Brüderpostulant. Er wurde Gärtner. 1950 kam er nach Südafrika und kam nie in den Heimaturlaub. Er wirkte als Gärtner in Maria Trost bis zu seinem Tod im Mai 1982. Er starb mit 76 Jahren.
Perpetua war eine Schwester von P. Johann und Br. Ignaz. Sie war bekannt als ein sehr lustiges Mädchen. In Brixen trat sie bei den Barmherzigen Schwestern ein, erhielt dort den Namen Maria Josaphat und wurde ins Kloster nach Innsbruck versetzt, wo in ihr eine körperliche und seelische Leidenszeit begann. Sie sagte einmal ihrem Bruder Johann, dass sie ihr Leiden für die Priester aufopferte. Sie starb mit 34 Jahren.
Alois Pezzei, ein Bruder vom P. Johann, war Mesner in Campill und hatte eine kleine Landwirtschaft. Seine zwei Söhne Fidelis und Jakob wurden beide Comboni Missionare.

Fidelis, geboren 1932, wollte auch Bauer werden, aber zuerst noch etwas dazulernen. Er kam ins Gespräch mit P. Johann, und der lotste ihn nach Milland. Da er nur Ladinisch sprach, und in der Volksschule nur Italienisch lernte, war es für ihn schwer, Deutsch zu lernen. Von Milland aus besuchte er die Mittelschule und das Gymnasium und kam nach dem Abitur ins Noviziat nach Bamberg. Das Theologiestudium machte er an der Hochschule Brixen. 1960 wurde er zum Priester geweiht, und drei Jahre darauf kam er nach Peru. Sein erster Einsatz war in Tarma. Dort nannte man ihn bald den „rasenden guten Hirten“, denn er war ein eifriger Seelsorger: Er besuchte Schulen und betreute die Lehrer, sorgte sich um guten Religionsunterricht und um die Ausbildung von Katechisten. Er besuchte die Kranken und half ihnen mit Medikamenten, organisierte mehrere Küchen für arme Kinder, erneuerte alte Kirchen und baute neue. Das war seine Welt.
Von 1982 bis 1993 war er in Huánuco. Nach dem Tod des dortigen Bischofs wurde er zum Administrator der Diözese ernannt. Im Jahr 1993, es war die Zeit des Terrorismus des „Sendero Luminoso“, war er zur Feier der Karwoche in Chavin de Pariarca, (etwa drei Stunden mit dem Auto nördlich von Huánuco). Terroristen überfielen das Dorf, dann kam das Militär. Es kam zu einer Schießerei, bei der sein Auto durch Gewehrkugeln beschädigt wurde. In Huánuco berichtete die Presse und das Fernsehen über diesen Vorfall. Daher wurde er mit dem Tod bedroht. Daraufhin musste er Peru verlassen gleich. Im Ganzen war er 25 Jahre dort. Dann war er acht Jahre in Milland, sechs Jahre in Bamberg und von 2008 bis 2026 Seelsorger in Neumarkt, von wo aus er auch die Gruppe der Lateinamerikaner in Erlangen mit der spanischen Messe betreute. Seit Frühjahr 2026 ist er in Ellwangen und geht heute, mit 94 Jahren, noch ohne Stock.
Sein Bruder Jakob, geboren 1933, besuchte auch in Campill die Volksschule, wo ein Sattler (ein Handwerker, der Sättel für Pferde zum Reiten machte) Deutsch unterrichtete. Er war gar kein Lehrer, sondern er erzählte nur begeistert vom Krieg. Daher haben die Schüler auch kein Deutsch gelernt. Religionsunterricht war verboten. Lezuo, der Pfarrer von Campill, hat dann in seinem Pfarrhaus eine Schule eingerichtet, wo die Kinder in Italienisch und Religion unterrichtet wurden. Jakobs Onkel, P. Johann Pezzei, brachte ihn dann nach Milland und unterrichtete ihn in Deutsch. Zurück in Campill bat Jakob mit 21 Jahren um Aufnahme in die Kongregation. In Ellwngen lernte er bei Bruder Vinzenz Plan das Schneiderhandwerk, in Bamberg half er Pater Ziegler in der Verwaltung. 1958 kam er das erste Mal nach Peru. Seine Stationen waren Huánuco, Cerro de Pasco, Tarma, und Lima, zwischendurch in Bamberg, Ellwangen und ab 2017 in Milland. 2024 kam er nach Ellwangen.
Giovani (Johannes) Valentini, der Sohn von Angelo Valentini und Anna Pezzei, wurde 1943 in Stern im Gadertal geboren. Er war noch klein, als er seiner Mutter sagte, dass er Priester werden möchte. 1955 begann er in Milland das Studium, 1964 machte er das Abitur. Er wollte ins Noviziat gehen, aber im Sommer bekam er eine Gehirnhautentzündung und blieb auf seiner rechten Seite gelähmt. Ein ganzes Jahr lag er im Krankenhaus Innsbruck, dann war er zwei Jahre daheim. Einmal bekam er Besuch von zwei Comboni-Missionaren, die ihn einluden, in Mellatz im Büro von P. Mohn mitzuhelfen. Er nahm dieses Angebot sehr gerne an und lernte mit der linken Hand schreiben. Er wurde Brudermissionar und half in Mellatz von 1968 bis 2015 im Büro, an der Pforte und beim Telefondienst. Dann kam er nach Ellwangen.
Paul Pezzei aus Mühlbach ist 1944 geboren. Sein Onkel P. Johann kam öfter von Milland nach Mühlbach (13 km) auf einen kurzen Besuch. 1948 kam er mit der Gitarre und sang und jodelte. Er war ganz glücklich, denn er hatte die Sendung nach Peru erhalten. Es war sein Abschiedsbesuch. Als er ging, sagte ich (ich war damals vier Jahre alt) zu meiner Mutter: „Wenn ich groß bin, möchte ich bei meinem Onkel sein.“ Ich denke, das war die Stunde meiner Berufung, obwohl ich noch nicht begreifen konnte, was ein Missionar ist. In der ganzen Volksschulzeit und Mittelschule hatte ich den Gedanken, dass ich einmal Missionar werde, um so zu meinem lustigen Onkel in den Urwald zu kommen und dort Schlangen und Affen sehen. In der Pubertätszeit wollte ich dann Architekt werden, dann aufs Schiff, dann Geologe, aber überall hätte es gute Mathematikkenntnisse gebraucht, und die hatte ich nicht. So entschied ich mich vor dem Abitur, nach einem inneren Durcheinander, doch Missionar zu werden, denn ich wollte weit in die Welt hinaus. Nach dem Abitur 1965 kam ich ins Noviziat nach Mellatz. Das weitere Studium erfolgte in Bamberg, München und Würzburg, und im Januar 1972 fuhr ich mit dem Schiff, in Begleitung von P. Albin Grunser, nach Peru. Ich hatte erst das Theologiestudium abgeschlossen.
In Peru machte ich ein Pastoraljahr und kehrte dann 1973 zur Priesterweihe nach Brixen zurück. 1974 kam ich wieder nach Peru und blieb zuerst zwei Jahre in Cerro de Pasco mit P. Andreas Thorwarth und P. Deflorian Alois, dann zwei Jahre in Huánuco, dann weitere zwei Jahre in Huarón (4550m). In der ersten Versetzung schickte man mich zuerst für zehn Jahre nach Graz, dann sechs Jahre nach Milland, dann kam ich wieder nach Peru, zuerst nach Cerro de Pasco und Chacayán, anschließend drei Jahre nach Lima und drei Jahre nach Chile. Chile wurde aufgelöst, und ich kam wieder nach Milland. Dann kam P. Pellegrini nach Milland, und ich war wieder frei für die Mission. Zur Wahl standen Ecuador, Mittelamerika, Mexiko oder Kolumbien, und ich entschied mich für Mittelamerika. Acht Jahre blieb ich in Nicaragua. Auch Nicaragua wurde geschlossen, und ich kam wieder in die DSP: zuerst Nürnberg, dann Neumarkt und jetzt Ellwangen.
Pater Paul Pezzei