Zum Tod von Pater Udo Baumüller

Am 2. November verstarb Pater Udo Baumüller. Er war ein außergewöhnlicher Mensch und Seelsorger, eine markante Persönlichkeit, ein unsere Comboni-Missionsgemeinschaften prägendes Mitglied.

Geboren 1931 in Nürnberg trat er nach Gymnasialzeit in Ellwangen 1956 in die Gemeinschaft der „Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu“ ein; nach dem Theologiestudium in Bamberg wurde er am 13. März 1960 in Bamberg durch Erzbischof Josef Schneider zum Priester geweiht. In den darauf folgenden Jahren konnte er an verschiedenen Orten und Tätigkeitsbereichen der Missionsgemeinschaft seine vielfältigen Talente einbringen. Nach einigen Jahren als Erzieher im Knabenseminar in Ellwangen wurde er von den Verantwortlichen gebeten, im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit tätig zu werden. Er war Gründungsmitglied des Missionsmagazins „kontinente“, einem Zusammenschluss von damals zunächst 14 Missionsgemeinschaften. Bis 1970 war er in Essen Mitglied der Redaktion. Darauf folgten Tätigkeiten in unseren Hausgemeinschaften Mellatz (1970-1983), Bamberg (1985-1993) und wiederum in Mellatz (seit 1994 als Hausoberer, Leiter des Bildungsbereiches und in der Seelsorge und Begleitung der Weg- und Gottesdienstgemeinde).

Wenn das Missionshaus Mellatz heute als Kraftort, als spirituelles Zentrum von Besuchern, Kursteilnehmern und Gottesdienstteilnehmern erfahren und aufgesucht wird, dann ist dies zu einem großen Teil das Verdienst von Pater Udo. Er war ein temperamentvoller, sympathischer und humorvoller Mensch, vielseitig in seinen Begabungen, Interessen, ein Seelsorger mit Herz und auf dem aktuellen Stand der theologischen Reflexionen und Diskussionen. Prägend waren für ihn die Impulse und Neuansätze der Theologie des II. Vatikanischen Konzils, vor allem in den Bereichen Kirchen-und Missionsverständnis, Bibelwissenschaft, Lebendige Liturgie, Ökumene und Dialog mit den nichtchristlichen Religionen. Er sammelte Erfahrungen dazu bei der „Integrierten Gemeinde“, beim „Lumko“-Pastoralinstitut in Südafrika, die er dann auch auf diözesaner Ebene als Impulse weitergab bei der Fortbildung in Pfarrgemeinden.

Bei mehreren Reisen nach Afrika, Lateinamerika und Asien lernte er den missionarischen Einsatz der Mitbrüder in der zunehmend wachsenden multikulturellen Weltkirche kennen. Bereichernd und anregend war seine große Offenheit und Wertschätzung spiritueller Erfahrungen und Übungen östlicher Religionen. Ebenso beschäftigte er sich intensiv mit den Klassikern christlicher Mystik und Spiritualität, mit den theologischen Anregungen und dem Weltbild des Theologen und Paläontologen Teilhard de Chardin, den Anliegen der Schöpfungstheologie und deren Auswirkungen für die Lebensgestaltung. Ungewöhnlich war in den letzten Jahren seine intensive Beschäftigung mit den Erkenntnissen der Quantenphysik und deren möglicher Bedeutung für das Gottesverständnis und die Glaubenspraxis.

Seine persönliche Spiritualität verdichtete sich mit zunehmendem Alter immer mehr in der Übung der Kontemplation, im täglichen Gebet: „Du, Gott, in mir und ich in dir“. Aus dieser Verbundenheit hat er den fundamentalen christlichen Wert der Liebe nicht nur gepredigt sondern in der Praxis selber gelebt. Pater Udo trug als kleines äußeres Zeichen seiner Spiritualität einen Anhänger mit dem Symbol des „kosmischen Christus“. Es war für ihn ein aussagekräftiges urchristliches Zeichen des Glaubens und seiner Hoffnung: Todeskreuz – Auferstehungskreuz, Licht-, Heils-, Lebenskreuz. In dieser Wirklichkeit ist er nun angekommen.

Pater Dr. Werner Nidetzky

 

2018-11-13T11:12:46+00:00