1. April 2026

Um die Verwendung von Kunst im Gebet wiederzubeleben, untersucht der Autor, der Comboni-Missionar Pater Raul Tabaranza aus den Philippinen, die Methode der Visio Divina. „Gemälde können unsere Gebete in einen persönlichen Dialog mit dem Herrn verwandeln.“

Lectio Divina, allgemein bekannt als „göttliche Lesung“, „heilige Lesung“ oder „spirituelle Lesung“, war in den ersten Jahrhunderten eine der bekanntesten Formen des Gebets. Im frühen 6. Jahrhundert formalisierte Benedikt von Nursia die Praxis der Lectio Divina. Es handelt sich um eine kontemplative Art des Betens mit der Heiligen Schrift, um die Nähe und Gemeinschaft mit Gott zu fördern. Lectio Divina ist auch eine spirituelle Übung, die darauf abzielt, Einblicke in einen heiligen Text oder in einen Satz oder ein Wort darin zu gewinnen, das die Seele des Betenden berührt. Vor allem aber laden wir durch Lectio Divina den Heiligen Geist ein, uns zu einem tieferen Verständnis des Wortes Gottes in unserem persönlichen Leben zu führen.

Aus der Lectio Divina geht die Visio Divina hervor, oft auch als „göttliches Sehen” oder „heiliges Sehen” bezeichnet, die parallel zur Lectio Divina verläuft. Bei dieser Form des Gebets nutzen wir ein Kunstwerk, eine Ikone oder ein anderes spirituell-visuelles Werk als Hilfsmittel zur Kontemplation und zur Vertiefung unseres Gebets und unserer Wertschätzung der Gegenwart Gottes in unserem Leben. Wir nutzen Kunst als Brücke, um unsere Verbindung zu Gott zu stärken. Wir schaffen auch Kunst als Ausdruck des Gebets; Gemälde können unsere Gebete in einen persönlichen Dialog mit dem Herrn verwandeln.

Kreativität ist eine Gabe Gottes, und Malerei oder jede andere Form von Kunst ist ein heiliger Raum, in dem stille Gebete visuelle Gestalt annehmen. Malerei geht über Worte hinaus; sie hat die Kraft, uns zu ermöglichen, uns über kulturelle, persönliche und emotionale Grenzen hinweg auszudrücken. Das Beten und Malen in Stille macht uns empfänglicher für die feineren Aspekte des Lebens. Es ist ein Weg, Gott durch die Kunst zu finden. Indem wir unsere Gebete in Kunst verwandeln, ermöglicht es dem Heiligen Geist, durch unsere Kunstwerke Wunder zu wirken, als würde er unsere Hand führen oder uns während der Arbeit ins Ohr flüstern. Es liegt ein Gefühl von Geheimnis und mystischer Erfahrung darin, wie Farben sich vermischen, wie Pinselstriche Schönheit schaffen und wie Formen entstehen.

Wenn wir uns der Kraft der Kunst bewusst sind, erkennen wir, dass Gott – als transzendentale Realität – während des gesamten Schaffensprozesses bei uns bleibt. Wenn das Gebet vollständig auf die Leinwand übertragen wird, entdeckt man neue Kraft, und mit jedem fertigen Werk wächst das Selbstvertrauen. In Visio Divina entwickeln wir durch die Integration von Kunst in das Gebet eine größere Wertschätzung für das Sehen und die Vorstellungskraft, insbesondere in unserer Beziehung zu Gott.

Durch sakrale Kunst bietet Visio Divina auch unseren jüngeren Generationen eine großartige Möglichkeit, Gott im Gebet zu begegnen. Da unsere Kultur zunehmend visuell orientiert ist, wird das Beten mit den Fingerspitzen und Bildern unerlässlich und bietet jungen Menschen einen kontemplativen Raum. Visio Divina als Form des kontemplativen Gebets ist für jeden geeignet. Diese Verbindung von Kunst und Spiritualität verstärkt die meditative und kraftvolle Erfahrung des Gebets. Sie stärkt unsere Verbindung zu Gott und ermöglicht es uns, das Göttliche auf mystische Weise zu erfahren.

Indem wir Visio Divina zu einer regelmäßigen Gewohnheit machen, können wir die Schönheit der sakralen Kunst vollständiger erleben und Gott näherkommen. Ohne es zu merken, werden wir selbst zu seinem Meisterwerk.

Pater Raul Tabaranza, mccj