geboren am 24.09.1931 in Nürnberg/D
Zeitliche Gelübde:10.05.1956
Ewige Gelübde: 29.06.1959
Priesterweihe: 13.03.1960
verstorben am 02.11.2018 in Lindenberg/D
beigesetzt in Ellwangen/D

Pater Udo Baumüller war ein außergewöhnlicher Mensch und Seelsorger, eine markante Persönlichkeit, ein unsere Missionsgemeinschaften prägendes Mitglied.

Geboren am 24. September 1931 in Nürnberg, trat er nach der Gymnasialzeit in Ellwangen 1956 in die Gemeinschaft der „Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu“ ein. In Bamberg begann er am 9. Mai 1954 das Noviziat und legte zwei Jahre später am 10. Mai 1956 die ersten zeitlichen Gelübde ab. Gegen Ende des Theologiestudiums in Bamberg weihte er sich am 29. Juni 1960 Gott und der Mission für immer durch die ewigen Gelübde. Am 13. März 1960 weihte ihn Erzbischof Josef Schneider zum Priester.

In den darauffolgenden Jahren konnte er an verschiedenen Orten und Tätigkeitsbereichen der Missionsgemeinschaft seine vielfältigen Talente einbringen. Nach einigen Jahren als Erzieher im Knabenseminar in Ellwangen (Josefinum/Semi) wurde er von den Verantwortlichen gebeten, im Bereich der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit tätig zu werden. Mehrere Jahre stellte er unsere Jahresbroschüre „Werk des Erlösers“ zusammen, von dessen Spendenbeiträgen ein Großteil unserer missionarischen Arbeit finanziert wird. Er war Gründungsmitglied des Missionsmagazins „kontinente“, einem Zusammenschluss von damals zunächst vierzehn Missionsgemeinschaften. Bis 1970 war er in Essen Mitglied der Redaktion.

In den folgenden Jahren folgten Tätigkeiten in unseren Hausgemeinschaften Mellatz (1970-1983), Bamberg (1985-1993, mit Seelsorgstätigkeit in Staffelbach) und wiederum in Mellatz (seit 1994 – als Hausoberer, Leiter des Bildungsbereiches und in der Seelsorge und Begleitung der Weg- und Gottesdienstgemeinde). Wenn das Missionshaus Mellatz heute als Kraftort, als spirituelles Zentrum von Besuchern, Kursteilnehmern und Gottesdienstteilnehmern erfahren und aufgesucht wird, dann ist dies zu einem großen Teil das Verdienst von Pater Udo.

Er war ein temperamentvoller, sympathischer und humorvoller Mensch, vielseitig in seinen Begabungen, Interessen, ein Seelsorger mit Herz und auf dem aktuellen Stand der theologischen Reflexionen und Diskussionen. Er konnte vor den Kopf stoßen, übertreiben in seinen Formulierungen, dadurch zu fruchtbaren Auseinandersetzungen anregen, voller Herzblut und Engagement; er scheute nicht deutliche Worte und klare Positionen, die er auch heftig vertrat; er setzte sich kritisch auseinander mit Entwicklungen in der Kirche, den offiziellen Verlautbarungen von Rom und den Bischofskonferenzen. Bei alledem sprühte aus seinen Augen der Schalk, ein lausbübisches Schmunzeln lag auf seinem Gesicht. Heiter ging es zu, wo er war; schon in der Seminarzeit hat er leidenschaftlich gerne Theater gespielt und später die Seminaristen dazu animiert.

Prägend waren für ihn die Impulse und Neuansätze der Theologie des II. Vatikanischen Konzils, vor allem in den Bereichen Kirchen- und Missionsverständnis, Bibelwissenschaft, Lebendige Liturgie, Ökumene und Dialog mit den nichtchristlichen Religionen. Bei mehreren Reisen nach Afrika, Lateinamerika und Asien lernte er den missionarischen Einsatz der Mitbrüder in der zunehmend wachsenden multikulturellen Weltkirche kennen. Die Eindrücke und Erfahrungen wurden umgesetzt bei der räumlichen künstlerischen Ausgestaltung unserer Missionshäuser durch Fotos, Gegenstände aus fernen Kulturen und Informationstafeln. Eine Vielzahl thematischer Dia-Serien, Ausstellungen und Zeitschriftenartikeln waren hilfreiches Material für die Mitbrüder bei der missionarischen Bewusstseinsbildung in den Gemeinden. „Geben und nehmen“, Begegnung aus dem Herzensgrund wurden Leitlinien missionarischer und pastoraler Praxis. Anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums (2010) sagte er: „Missionar zu sein heißt, die Botschaft Jesu zu verkünden: Menschenwürde, Gerechtigkeit, Frieden – das alles ist Reich Gottes.“

Gelebte Ökumene war ihm schon sehr früh vertraut. Die Pfarrkirche St. Konrad in Nürnberg war durch Fliegerangriffe zerstört. Die katholische Gemeinde durfte ihre Gottesdienste in der evangelischen Kirche feiern. Es entwickelte sich ein sehr positives Verhältnis zwischen den evangelischen und katholischen Christen. „Einmal“, so berichtete Pater Udo, „hielt er einen Lichtbildervortrag über seine Tätigkeit als Missionar in Neuguinea. Da funkte es bei mir. Das ist es. Das will ich auch werden. Der Hl. Geist weht und wirkt eben, wo er will.“ Dies war sicherlich ein Grundstein für seine praktizierte Ökumene auch während seiner Mellatzer Zeit. Über viele Jahre war Udo der katholische Part des Ökumenekreises Lindau , der sich bis heute regelmäßig trifft, abwechselnd in Lindau und im Missionshaus Mellatz.

Der bekannte Theologe Karl Rahner schreibt in einem seiner Beiträge: „Christentum ist unendliche Weite, die nichts ausschließt außer der Existenz Gottes“. Diese theologische Weite war auch bei Pater Udo zu spüren, das stete Interesse und Bemühen, theologische Aussagen und Positionen der Tradition neu zu bedenken, zu „verheutigen“ – und dies auf der Basis einer intensiven Beschäftigung mit der Hl. Schrift. Im Jahre 1989 nahm er am Multiplikatorenkurs des Lumko-Pastoralinstitutes in Südafrika teil, bei dem ein neuer Umgang mit dem Wort Gottes in der Form des „Bibel-Teilens in sieben Schritten“ als ein wesentlicher Baustein für die Bildung kleiner christlichen Gemeinschaften vermittelt wurde. Seine profunde Beschäftigung mit theologischen Positionen und Glaubensaussagen fand seinen Niederschlag in einer Vielzahl von Themen, die er im Rahmen des Bildungsangebotes der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Lindau (KEB) vermittelte. Vor allem war es Pater Udo ein Herzensanliegen gewesen, das heilende und befreiende Wirken Jesu den Menschen zu verkünden. Mit seinem Charisma der klaren und prägnanten Sprache hat er in seinen Predigten und Vorträgen vielen Menschen alte und tiefsitzende Ängste genommen – vor einem strafenden Gott und einer bevormundenden Amts-Kirche mit Dogmen und einer Fülle von Gesetzen, die nicht immer dem Leben dienlich sind. Er hat die Menschen ermutigt, die religiösen Kinderschuhe auszuziehen und einen persönlichen Zugang zu Gott zu entdecken und das befreite Leben der Kinder Gottes zu wagen.

Bereichernd und anregend war seine große Offenheit und Wertschätzung spiritueller Erfahrungen und Übungen östlicher Religionen. „Freidenker mit Neugier auf die Spiritualität anderer Kulturen“ bezeichnete ihn ein Zeitungsbericht. Udo beschäftigte sich intensiv mit den Klassikern christlicher Mystik und Spiritualität, mit den theologischen Anregungen und dem Weltbild des Theologen und Paläontologen Teilhard de Chardin, den Anliegen der Schöpfungstheologie und -spiritualität und deren Auswirkungen für die Lebensgestaltung. Ungewöhnlich war in den letzten Jahren seine intensive Beschäftigung mit den Erkenntnissen der Quantenphysik und deren möglicher Bedeutung und Auswirkung für unser Glaubensverständnis und unsere Glaubenspraxis.

Mit Begeisterung hat er den Impuls aufgegriffen, im Garten des Missionshauses ein Labyrinth zu gestalten, ein uraltes Symbol für den Lebensweg eines Menschen, der Ganzheit, des Kosmos, der Welt und der Vollendung. Wie viele Menschen sind in all den Jahren diesen Weg im Labyrinth gegangen, haben dabei mehr zu sich selber, zum Sinn ihres Lebens, zu Gott als der Vollendung und Erfüllung ihres Lebens gefunden. Das Mellatzer Rasenlabyrinth ist ein bleibendes Symbol für den Lebens- und Glaubensweg von Pater Udo und eine Erinnerung an ihn.

Seine persönliche Spiritualität verdichtete sich mit zunehmendem Alter immer mehr in der Übung der Kontemplation, im täglichen Gebet: „Du, Gott, in mir, und ich in dir“. Aus dieser Verbundenheit hat er den fundamentalen christlichen Wert der Liebe nicht nur gepredigt, sondern in der Praxis, in Geduld und Treue selber gelebt. Glück finden im Glück des anderen, das war seine persönliche Devise und Erfahrung.

Pater Udo trug als kleines äußeres Zeichen seiner Spiritualität einen Anhänger mit dem Symbol des „kosmischen Christus“. Es war für ihn ein aussagekräftiges umfassendes urchristliches Zeichen des Glaubens und seiner Hoffnung: Todeskreuz – Auferstehungskreuz, Licht-, Heils-, Lebenskreuz. In dieser Wirklichkeit ist er nun angekommen.

R.I.P.

Pater Werner Nidetzky

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