geboren am 17.01.1932 in Kortsch-Schlanders/I
Zeitliche Gelübde: 08.09.1955
Ewige Gelübde: 02.02.1959
Priesterweihe: 29.06.1959
verstorben am 19.07.2018
beigesetzt in Lima/PE

Pater Jakob Wellenzohn stammte aus Kortsch-Schlanders (Südtirol) und wurde am 17. Januar 1932 geboren. Er studierte im deutschsprachigen Diözesanseminar von Dorf-Tirol nahe Meran, das damals noch zur Diözese Trient gehörte. Da er aber Missionar werden wollte, bat er 1951 nach Abschluss des Gymnasiums um Aufnahme im Missionshaus Milland. Im Knabenseminar der Diözese Brixen schloss er die humanistischen Studien ab.

Am 13. November 1953 begann er in Bamberg das Noviziat und beendete es am 8. September 1955, am Fest Mariä Geburt, mit den ersten zeitlichen Gelübden. Am Priesterseminar von Brixen studierte er Theologie und weihte sich am 2. Februar 1959 für immer mit den ewigen Gelübden Gott und der Mission. Am 29. Juni 1959 wurde er im Dom von Brixen zum Priester geweiht. Nach einem kurzen Einsatz in der Missionarischen Bewusstseinsbildung und der Berufungspastoral in Brixen erhielt er Sendung nach Peru. Am 22. Februar 1962 kam er in Huánuco an. Fünfzig Jahre hat er in Peru segensreich gewirkt und sechs Jahre lang von seinem Krankenzimmer aus, ihm unbewusst, aber deswegen nicht weniger fruchtbringend.

Ohne besondere Vorbereitung wurde er in die Pfarrei Llata geschickt, wo er von 1962 bis 1963 seine erste Missionserfahrung sammeln konnte. Schon ein Jahr später finden wir ihn in Cerro de Pasco, Diözese Tarma, als Mitarbeiter in der Pfarrei San Miguel (1963 bis 1968). Anschließend wurden ihm nacheinander die Pfarreien Ninacaca, Ulcumayo und Carhuamayo anvertraut. Nach einem Jahr Einsatz in der Heilig Geist-Pfarrei von Arequipa, die Weihbischof Lorenz Unfried gegründet hatte, kehrte er 1982 wieder in die Diözese Huánuco zurück und übernahm die Pfarreien Ambo und Huacar. Diese Orte rühmen sich, „das angenehmste Klima der Welt zu haben“. Im Vergleich zu den tiefen Temperaturen von Cerro de Pasco (4.380 Meter), Ninacaca und Carhuamayo kann das Klima von Ambo und Huacar wirklich als ewiger Frühling bezeichnet werden.

In den neunziger Jahren betreute Pater Jakob die Pfarrei Huariaca in der Diözese Tarma. Die Ortschaft liegt auf 3.000 Meter Höhe und erfreut sich eines ziemlich angenehmen Klimas. Seine besondere Aufmerksamkeit galt den Kranken. Zusammen mit Pater Hilmar Gulba und später mit Pater Lino Eccher betreute er die vielen Dörfer, die zur Pfarrei gehören. Die beiden Mitbrüder haben Pater Jakob in bester Erinnerung behalten. Er war nicht nur Charismatiker, sondern auch ein sehr praktisch begabter Mensch. Große Sorge bereitete ihm die Pfarrkirche, deren Fundamente sehr schlecht waren. Er dachte schon an den Bau einer neuen Kirche. Zum Glück fand er eine andere Lösung, so dass die Kirche ohne größere Probleme bis heute in ihrem alten Glanz dasteht.

Von 2000 bis 2012 hat Pater Jakob in der Pfarrei des Guten Hirten in Arequipa gearbeitet. Dort hat er unter der Verständnislosigkeit eines Mitbruders gelitten, der nicht einverstanden war, dass er so viel Zeit den Kranken der Pfarrei widmete. Er war für einen Teil der großen Pfarrei Cristo Rey verantwortlich, bis er nach Lima reiste, um im Januar 2012 seinen 80. Geburtstag zu feiern.

Einen Monat später erlitt er gegen Ende der Eucharistiefeier einen Herzstillstand. Dem Provinzoberen gelang es mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung, sein Leben zu retten. Mehrere Gehirnblutungen verschlechterten jedoch seinen Gesundheitszustand, so dass er vom August 2012 bis zu seinem Tod in tiefem Dauerkoma gelegen hat. Dank der Krankenpflegerinnen, die ihn Tag und Nacht betreut haben, hat er sechs Jahre lang überlebt, bis ihn Gott am 19. Juli 2018 in sein Reich gerufen hat.

Wenn wir diesen großen Missionar beschreiben wollen, müssen wir mit seiner Kindheit in den Tiroler Bergen beginnen. Jakob ist immer eine Frohnatur gewesen. Bis in sein Alter ist er es geblieben, sogar während seiner Krankheit, solange er noch bei Bewusstsein war. Seine Heimatlieder haben ihn auch in Peru begleitet. Diese seine Gabe hat das Gemeinschaftsleben sehr bereichert. Wer ihn gekannt hat, schätzt heute noch seine Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit. Von seinen Eltern hat er einen sechsten Sinn geerbt. Daraus hat sich seine große charismatische Begabung entwickelt. In den Pfarreien Ulcumayo, Carhuamayo und Huariaca hat er charismatische Gruppen gegründet, die seelsorglich sehr aktiv und missionsorientiert waren und zum Teil bis heute weiterbestehen. Der Verfasser dieser Zeilen hat als Wanderseelsorger von 1990 bis 1992 im Gebiet des Sendero Luminoso ihre Hilfe erfahren. Nie haben sie den Padresito allein gelassen, weil ihn die Terroristen mit einem Gringo (Amerikaner, Fremder) oder noch schlimmer, mit einem „pishtaco“ (böses, menschenähnliches Monster) verwechseln könnten. Die Indios der Sierra glauben nämlich, dass die Gringos kommen und Eingeborene töten, um deren Organe mitzunehmen. Es scheint, dass solche Taten bis heute bestätigt werden können.

Pater Jakob war nicht nur ein eifriger Seelsorger, er bemühte sich auch, die Infrastruktur der Pfarreien zu verbessern und die Kirchen zu restaurieren. In Ulcumayo z. B. kaufte er ein Grundstück, um ein Zentrum mit Schlafstätten, Räume für Ausspeisungen, einen Versammlungssaal für Katechisten und charismatische Gruppen zu bauen. Für die Jugend hat er eine Sportanlage errichtet.

Allmählich wurde Pater Jakob wegen seiner Heilungsgabe sehr bekannt, auch dank der charismatischen Gruppen, sogar in Lima. Kaum ist er im Provinzialat von Lima angekommen, läutete schon das Telefon und Leute baten ihn, ihnen die Hände aufzulegen, über sie zu beten, sie zu heilen und sie vom Einfluss des bösen Feindes zu befreien. Man sagt, dass Pater Jakob die Anwesenheit des Teufels fühlte. Gleichzeitig aber betreute er seine christliche Gemeinde wie irgendein anderer Priester. Er lebte sehr einfach und folgte dem Rat des Herrn zu beten und zu fasten, um gewisse üble Geister auszutreiben.

Ich möchte ganz persönlich die sechs Jahre im Komazustand von Pater Jakob noch kurz kommentieren. Manchmal schien er etwas mitbekommen zu haben. Wenn der hl. Paulus sagt, „bringt eure Leiber als lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer dar“, dann können wir den Sinn dieser sechs so mysteriösen Jahre verstehen. Mehr noch, wenn wir den Priester als anderen Christus, als „Priester, Opfer und Altar“ bezeichnen, dann können wir angesichts seines Todes sagen: Pater Jakob ist für unsere Provinz ein „Blitzableiter“ gewesen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass viele Mitbrüder und andere Besucher oft in seinem Krankenzimmer gebetet haben. Manchmal habe ich den Rosenkranz vor ihm laut gebetet, denn das Gehör ist der letzte Sinn, der abstirbt, so dachte ich. Eines Nachts betete ich wieder einmal mit ihm, sang deutsche und spanische Lieder (Pater Jakob war sehr musikalisch begabt; im Seminar war er Chorleiter), wobei er meine Hand hielt. Und als ich gegen 22.30 Uhr zu ihm sagte: „Jakob, lass mich nun zu Bett gehen“, wollte er mich nicht loslassen. Solche Erlebnisse helfen den Sinn dieser Jahre zu verstehen, die manchmal ganz sinnlos erscheinen.

Meine Mitbrüder haben gesagt, dass Pater Jakob ein „heiliger“ Priester gewesen ist, auch wenn niemand daran denkt, den Seligsprechungsprozess einzuleiten.

R.I.P.

Pater Alois Weiß

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