geboren am 15.04.1936 in Hüttenhof-Glöckelberg/CZ
Zeitliche Gelübde: 15.05.1958
Ewige Gelübde: 13.10.1960
Priesterweihe: 19.03.1962
verstorben am 07.03.2006
beigesetzt in Ellwangen/D


Pater Rudolf Wimmer wurde am 15. April 1936 in Hüttendorf, Diözese Budweis, Böhmen, ehemals Sudetenland, nahe der österreichischen Grenze, geboren. Nach der Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland 1946 kam Rudolf mit seiner Mutter und seiner Schwester Hermine nach Geislingen am Ries und fand dort eine neue Heimat. Sein Vater war im 2. Weltkrieg in Russland gefallen.

Mit zwölf Jahren kam Rudolf 1948 ins Josefinum der MFSCJ in Ellwangen. Da er als Kind daheim die Gänse hüten musste, sagte er oft scherzhaft: „Von den Gänsen weg hat mich der Herr gerufen“. 1956 machte er das Abitur und trat noch im selben Jahr in das Noviziat in Bamberg ein, das er mit den ersten zeitlichen Gelübden am 15. Mai 1958 abschloss. Theologie studierte er in Bamberg. Am 13. Oktober 1960 weihte er sich durch die ewigen Gelübde endgültig Gott und der Mission. Am 19. März 1962 wurde er im Dom zu Bamberg zum Priester geweiht.

Wegen seiner vielfältigen Talente – er war ein guter Musiker, Theaterspieler und Maler – wurde er zunächst als Erzieher in den ordenseignen Seminaren eingesetzt. Zunächst war er sechs Jahre in Unterpremstätten bei Graz als Erzieher tätig (1962–1968), dann zwei Jahre in Ellwangen (1968–1970) und anschließend erneut in Unterpremstätten (1970–1980). In dieser zweiten Periode in Unterpremstätten war er nicht nur der Präfekt für die Alumnen, sondern auch der Hausobere der Hausgemeinschaft. In Ellwangen engagierte er sich auch als Religionslehrer am Peutinger-Gymnasium. Ebenso unterrichtete er in Unterpremstätten neben seiner Tätigkeit als Erzieher auch Religion.

Nach seiner 16-jährigen Tätigkeit als erfolgreicher Erzieher erhielt er noch die Chance, in die Mission auszureisen. 1981 zog er als 45-jähriger Comboni-Missionar nach Peru. Seine ersten Missionserfahrungen sammelte er in der Diözese Tarma. Zwei Jahre arbeitete er in Cerro de Pasco auf einer Höhe von 4.300 Metern. Weil er mit Menschen so gut umgehen konnte, riefen ihn die Oberen nach Lima zur Betreuung der Postulanten (1985- 1991). Nach dieser nicht ganz leichten Aufgabe durfte er dann wieder in die Seelsorge gehen, dieses Mal nach Arequipa. Allerdings dauerte diese Zeit nicht all zu lange.

1992 wurde er von einem schweren Schlaganfall getroffen, der ihn zur Rückkehr in die DSP zwang. Seit seinem 2. Schlaganfall 1993 lebte er in der Krankenabteilung der Comboni-Missionare in Ellwangen. Sein Zustand verschlechterte sich langsam, aber fortschreitend, so dass er immer pflegebedürftiger wurde. Etwa ein Jahr vor seinem Tod verlor er auch noch sein Augenlicht. Pater Rudolf kehrte heim zum Vater im Himmel als Priester, Missionar, als Comboni-Missionar, als guter Hirt.

Pater Josef Schmidpeter erwähnte in seiner Ansprache beim Begräbnisgottesdienst seine vielseitigen Talente. Er war musikalisch und künstlerisch begabt. Er war ein kreativer Bastler. Mit den Alumnen baute er Flugzeugmodelle. Pater Schmidpeter sagte: „Ich durfte ihm das Trompetenspielen beibringen, aber nach vier Wochen war er schon der bessere Trompeter. Das Trompetenspielen sollte ihm und mir noch viel Freude in Peru bereiten.“ Pater Schmidpeter hatte drei Jahre mit ihm im Josefinum zusammen als Erzieher gearbeitet. Später trafen sich beide wieder in Peru. Dort haben sie so manches Trompetenduett zusammen gespielt und vielen Menschen Freude damit bereitet.

Pater Rudolf, war – so meine ich – ein Naturtalent als Erzieher. Er verstand es großartig, mit den jungen Menschen umzugehen, sie als Freund und Erzieher liebevoll zu begleiten. Er war ihnen nicht nur erzieherischer Begleiter, sondern auch ein geistlicher Führer, ein wirklicher guter Hirt. Bei den jungen Leuten war er geschätzt und beliebt.

Für Pater Rudolf war die Ausreise in die Mission eine echte Gnadenstunde. Er war unendlich dankbar, dass er in Peru eine vielfältige Missionserfahrung machen durfte in der Großstadt Lima, in Cerro de Pasco, als Begleiter der Postulanten und in der Seelsorge bei den Indios in Arequipa. Pater Schmidpeter hatte ihn in Peru erlebt und sagt: „Ich konnte ihn aus der Nähe beobachten: seine Arbeit mit der Jugend, seine feine, vornehme Zurückhaltung, vor allem seine Liebe zu den Menschen. Und das überzeugte. Behutsam führte er die Menschen und begleitete sie. Ja er wurde einer von ihnen. Er war ein Segen für die Menschen dort.“ Leider musste er wegen seines Schlaganfalles die Menschen dort all zu früh verlassen und nach Deutschland zurückkehren.

Pater Rudolf war ein fröhlicher Mensch. Er konnte unangenehme Dinge mit Gelassenheit und Humor nehmen. Sein Humor war ansteckend. Wie vielen Menschen mag er in seiner humorvollen Weise geholfen haben! Sein Humor war verwurzelt in einem tiefen Gottvertrauen. Selbst auf dem Krankenbett konnte er von Herzen lachen und Spaß machen.

Mit einer bewundernswerten Geduld nahm er das Kreuz auf sich. Er klagte nie und war immer frohen Mutes. Als sich seine Behinderung noch in Schranken hielt, hat er viel gelesen und sich mit aktuellen Themen beschäftigt. Die Entwicklung in der DSP hat er mit kritischem Blick vom Krankenbett aus verfolgt.

Während der Jahre seiner Krankheit ist er zusehends gereift. Die zunehmende Behinderung hat er in gläubiger Haltung angenommen, ohne zu klagen. Sie hat ihn geprägt. Es war einfach zu staunen, wie er mit dieser Situation fertig wurde. Die durch den Schlaganfall verursachte Einschränkung seiner Bewegungsfähigkeit war zunächst noch nicht so schwerwiegend, aber sie wurde immer beschwerlicher. Er aber ertrug sie in Geduld. Oft sagte er: „Ich bin dankbar für alles“. Damit meinte er natürlich auch das Kreuz, das er zu tragen hatte.

So endeten am 7. März 2006 sein Priesterleben und auch seine Leidenszeit. In unserer Erinnerung wird er fortleben als ein lebensfroher, gutmütiger, eifriger Priester und begeisterter Comboni-Missionar. Pater Rudolf hat in seinem Leben viel Liebe und Freude schenken dürfen. Gott, der Geber aller guten Gaben, wird ihm das reichlich entlohnt haben.

R.I.P.

Pater Georg Klose