geboren am 02.02.1912 in Rissmannsdorf/D
Zeitliche Gelübde: 09.09.1933
Ewige Gelübde: 25.12.1936
Priesterweihe: 29.06.1937
verstorben am 24.01.1991
beigesetzt in Bogen/D

„Ich bin Peruaner, Sohn von Manco Capac und von Mama Oello.“ So stellte sich Pater Wagner seinen Besuchern vor. Er war ein großer Missionar und arbeitete 36 Jahre lang in Peru. Er war das vierte von sechs Kindern einer tief religiösen Bauernfamilie aus Rissmannsdorf. Nach dem Abitur in Straubing bat er im Alter von 18 Jahren am 18. März 1930 um Aufnahme als Postulant der Kongregation der Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu, wie die Comboni-Missionare damals noch genannt wurden. Er präsentierte sich mit seiner Geige, die ihn während seines ganzen missionarischen Lebens begleiten sollte.

Am 9. September 1931, dem Fest des hl. Petrus Claver begann er dort das Noviziat. Zwei Jahre später legte er am 9. September 1933 seine ersten Gelübde ab. Am Priesterseminar von Brixen studierte er Philosophie und Theologie. Am Weihnachtstag 1936 weihte er sich durch die ewigen Gelübde endgültig Gott und der Mission. Am Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus 1937 wurde er im Dom von Brixen zum Priester geweiht. Während des Schuljahres 1937/38 vollendete er seine theologischen Studien und machte die ersten pastoralen Erfahrungen in der Diözese Brixen.

1938 nahmen die Oberen der Kongregation mit dem Priester Hugo Ranzer Kontakt auf wegen der Übernahme der Pfarrei Pozuzo in Peru/Südamerika, einem fruchtbaren und schönen Tal im peruanischen Urwald, in der Diözese Huánuco. Das Gebiet liegt 730 m über dem Meeresspiegel und wird von Einwanderern aus Tirol und dem Rheinland bewohnt, die sich dort 1857 angesiedelt hatten. Pfarrer Josef Egg, ebenfalls aus Tirol, war fünfzig Jahre lang ihr Seelsorger. Um die Kontinuität der Seelsorge zu gewährleisten, machte sich Hugo Ranzer auf die Suche nach einer Kongregation für die Pfarrei. Dabei stieß er auch auf die Comboni-Missionare von Brixen. Der Präfekt von der Propaganda Fide begrüßte die Bitte mit folgenden Worten: „… das Institut möge die Bitte der Diözese Huánuco/Peru erfüllen, die Missionare sorgfältig auswählen und einen fähigen Oberen ernennen, da es sich um eine Arbeit handelt, die sich gut entwickeln könnte“. Pater Alois Ipfelkofer (53), Pater Andreas Riedl (34) und Pater Michael Wagner (26) wurden für diese Mission ausgewählt.

Pater Wagner erzählte, dass seinem Vorgesetzten Pater Raffeiner zwei Wochen Heimaturlaub bei seinen Eltern und Geschwistern vor seiner Ausreise zu viel erschienen. Er erinnerte den jungen Mitbruder an das Beispiel des heiligen Franz Xaver, der vor seiner Ausreise nach Indien verzichtet hatte, sich von seinen Verwandten zu verabschieden. Pater Wagner erwiderte, dass er nur Michael Wagner sei und kein Heiliger. Sein Vater freute sich, dass sein Sohn nicht nach Afrika geschickt wurde, sondern nach Peru, da dieses Land, wie er meinte, näher bei Europa lag. Am 19. August 1938 bestiegen die drei Missionare das italienische Schiff Orazio und kamen am 11. September in Peru an. Zehn Tage später erreichten sie die Pfarrei Pozuzo.

Die drei begannen gleich ihre Arbeit unter den „Eingewanderten“ und den „Einheimischen“. Während der Karwoche 1939 wurde Pater Wagner nach Huánuco geschickt, um die „heiligen Öle“ zu holen. Der damalige Bischof Berroa wollte ihn in Huánuco zurückbehalten, um ihm die geistliche Leitung des Priesterseminars und den Moralunterricht anzuvertrauen. Pater Wagner hatte aber keine Lust, diese Aufgaben zu übernehmen. Um sich dem moralischen Druck des Bischofs zu entziehen, reiste er nach Lima, um den Apostolischen Nuntius zu Rate zu ziehen. Dieser antwortete: „Hören Sie, Pater, und antworten Sie mir: Was ist wichtiger, in einem Seminar zukünftige Priester auszubilden oder im Urwald zu arbeiten?“ Wagners Einwände, dass ihm für diese Aufgaben die nötige Vorbereitung fehle, machten keinen Eindruck. Schließlich sagte der Nuntius: „Bleiben Sie im Seminar!“ Unterdessen wartete Pater Ipfelkofer ungeduldig auf die Rückkehr seines Mitbruders und auf die heiligen Öle. Dieser informierte ihn gleich nach seiner Rückkehr über die Absicht des Bischofs von Huánuco. Eine Woche später kam der Ernennungsbrief des Bischofs mit der Einladung, sofort ins Seminar zu kommen.

Im folgenden Jahr wurde Pater Riedl zum Rektor des Priesterseminars ernannt. Das Seminar beherbergte damals vierzig Seminaristen und fünfzehn Theologiestudenten. 1943 erkrankte Pater Ipfelkofer und musste als Pfarrer zurücktreten. An seiner Stelle wurde Pater Wagner Pfarrer von Pozuzo, die er fünfzehn Jahre lang leitete. Pater Ipfelkofer starb 1948. Noch im selben Jahr kamen neue Missionare aus Deutschland hinzu. Einer von ihnen, Pater Johann Pezzei, wurde nach Pozuzo versetzt und später zum Pfarrer ernannt.

Pater Pezzei beschrieb Pater Wagner mit folgenden Worten: „Er ist ein wahrer Missionar, der nicht nach Peru gekommen ist, um Gold und Silber, sondern unsterbliche Seelen zu suchen. Er nahm sich besonders der Kranken an. Wenn er gerufen wurde, sattelte er sofort das Pferd oder den Maulesel und machte sich gleich auf den Weg. Nichts konnte ihn davon abhalten. Manchmal wurde er mitten in der Nacht gerufen oder bei heftigen Regenfällen. Seine Antwort lautete immer: „Ich komme gleich“.

Als der Regionalobere Pater Anton Kühner 1958 zum Prälaten von Tarma ernannt worden war, wurde Pater Wagner an dessen Stelle zum Regionaloberen gewählt, und zum Pfarrer von San Pedro de Huánuco ernannt. Nach Ablauf seiner Amtszeit 1964 wurde er Pfarrer von Huariaca, auf 3000 Meter Höhe. Pater Wagner sagte oft: „Die schönste Zeit meiner 36 Jahre in Peru sind die zehn Jahren in Huariaca gewesen. Ich liebte die Indios, ich hatte mich an sie gewöhnt, weil sie gute Sitten haben und ich sie verstehen konnte. Ich bin Peruaner geworden.“

Bevor Pater Wagner Peru endgültig verließ, besuchte er noch einmal seine erste Pfarrei Pozuzo. Leider musste er wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nach Europa zurückkehren. Er klagte oft über starke Kopfschmerzen. Später durchgeführte ärztliche Untersuchungen zeigten einen Kopftumor. Er musste sich zwei Operationen unterziehen. Während der zweiten erlitt er einen Gehirnschlag, der eine teilweise Lähmung seines Gesichtes verursachte. Trotzdem übernahm er die kleine Pfarrei Haukenzell, die er bis wenige Monate vor seinem Tod betreute. Er pflegte regelmäßigen Kontakt mit der Hausgemeinschaft von Neumarkt und nahm an den Provinzversammlungen teil.

Er nahm die Verschlechterung seines Gesundheitszustandes gelassen an. Sein typischer Humor hat ihn bis zu seinem Ende nicht verlassen. Als göttliches Zeichen und als Beglaubigung seiner „Peruanität“ können wir den Tag seiner Bestattung, den 19. Oktober, betrachten, denn an diesem Tag wird in Lima und in vielen Regionen des Landes in feierlicher Weise das Bild des „Señor de los Milagros“ verehrt. Sein großartiges Beispiel missionarischen Einsatzes, unermüdlicher Hilfsbereitschaft, großer Güte und herzlicher Freundschaft wird in der Erinnerung des Volkes bleiben. Sein Leben, sowohl in Europa als auch in Amerika, war geprägt von den typischen Eigenschaften der Indios: Armut, Sanftmut, Demut.

Sein großer Freund und Mitarbeiter in Peru, Dr. Virgilio López Calderón, sagte: „Pater Michael Wagner war ein außerordentlicher Priester. Er war ein großartiger Geigenspieler. Er kochte gut und aß gerne chifa (chinesisches Gericht). Er konnte köstliche Tiroler Knödel zubereiten. Mit seiner ausgeprägten Fantasie konnte er Geschichten erzählen, so dass man oft nicht mehr zwischen Wirklichkeit und Phantasie unterscheiden konnte. Er war fröhlich, gutmütig und bereit, jedem zu jeder Zeit zu helfen. Mit seinem untrennbaren roten Käfer (Volkswagen) „kletterte“ er die steilen Maultierwege der Anden empor. Pater Wagner verließ dieses Land mit großem Bedauern. Er war Peruaner geworden und hatte Land und Leute ins Herz geschlossen. Ich bin Peruaner, pflegte er mit Stolz zu sagen“.

Sein Tod ereilte ihn eher unerwartet. Er starb nach längerer Krankheit im Krankenhaus von Bogen an Lebertumor am 24. Oktober 1991 und wurde auch in Bogen begraben.

R.I.P.

Pater Andreas Thorwarth / Pater Alois Eder