geboren am 07.06.1919 in Aalen/D
Zeitliche Gelübde: 03.02.1940
Ewige Gelübde: 25.12.1949
Priesterweihe: 30.04.1950
verstorben am 18.12.1995
beigesetzt in Lima/PE

Sein Leben

Pater Karl Nagel kam am 7. Juni 1919 in Aalen (Baden-Württemberg) zur Welt. Nach Abschluss seines Gymnasialstudiums schloss er sich den Comboni-Missionaren an und begann am 29. Mai 1938 in Bamberg das Noviziat. Am 3. Februar 1940 legte er die ersten zeitlichen Gelübde ab. Bald schon wurde er zum Militär eingezogen und an die russische Front geschickt. Dort wurde er zweimal verwundet und geriet in Kriegsgefangenschaft. 1945 konnte er heimkehren und das Theologiestudium in Bamberg wiederaufnehmen. Dort hat er auch am 25. Dezember 1949 die ewigen Gelübde abgelegt. Am 30. April 1950 wurde er zum Priester geweiht.

1950 reiste er mit Pater Lorenz Unfried nach Peru aus. Sein Hauptbetätigungsfeld fand er in Huánuco, und zwar zuerst im Priesterseminar, dann in Llata, Huacaybamba und Panao. Von 1955 bis 1960 war er Krankenhauskaplan von Bravo Chico in Lima. Nach zwei Jahren Aufenthalt in Deutschland kehrte er nach Huánuco zurück und betreute von 1975 bis 1982 die Pfarrei Ambo. Ein schwerer Herzinfarkt zwang ihn, nach Deutschland zu reisen, um sich dort in Behandlung zu begeben. Nach seiner Genesung kehrte er wieder in sein Huánuco zurück, in die Hausgemeinschaft von San Pedro. Er nahm wieder verschiedene Aufgaben an: Kaplan im Regionalkrankenhaus, Betreuung der Häftlinge sowie der Waisenkinder im neuen St. Elisabeth-Kolleg der deutschen Franziskanerinnen von Vierzehnheiligen.

Vereint im Leben und Tod

1995 war für Pater Karl der Heimaturlaub wieder fällig. Er bat Pater Starker, ihn zu begleiten. Aber dieses Mal musste ihm sein Freund die Bitte abschlagen, denn er wollte die zwei Pfarreien Chincha, Sunampe und El Carmen nicht verlassen. Zudem musste er vorübergehend noch drei andere seelsorglich betreuen. Wir hatten den Eindruck, dass er ahnte, dass ihm nur noch wenig Zeit zur Verfügung stand. So musste sich Pater Karl mit meiner Begleitung (Pater Johann Pezzei) begnügen und konnte an der Feier meines Goldenen Priesterjubiläums in meiner Heimatpfarrei Campill teilnehmen. Während unseres Heimaturlaubs erreichte uns die Nachricht vom Tod unseres Mitbruders Pater Alois Starker. Wir kehrten dann wieder gemeinsam nach Peru zurück. Nach einem Monat erkrankte Pater Karl in Huánuco. „Ich muss nach Lima fahren: Pater Luis ruft mich“, war die spontane Reaktion von Pater Karl. Am 29. November wurde er in die Klinik „Pater Luis Tezz“ eingeliefert. Dort war vor achtzig Tagen sein Freund Pater Starker gestorben.

Wir geben das Wort an den Provinzoberen Pater Silvester Engl weiter. „Niemand hatte geahnt, dass es so schlecht um ihn stand. Um 10.00 Uhr nachts wurde ich gerufen, ihm die Krankensalbung zu spenden. Ich sagte zu ihm: ‚Pater Carlos, Du hast vielen Kranken die Krankensalbung gespendet als Kaplan von zwei Krankenhäusern. Jetzt wirst Du gesalbt.‘ Er erwiderte mir: ‚Persönlich gesalbt werden ist ganz was anderes als andere salben. Ich bin bereits dreimal gestorben: zwei Mal im Krieg und das dritte Mal an Herzinfarkt. Aber ich lebe noch! Ja, spende mir die Krankensalbung‘.“ Während drei Wochen wurde er nun intensiv behandelt. Es gab Höhen und Tiefen, Augenblicke der Hoffnung und des Verzagens, innere Kämpfe, Ängste, Ungeduld usw. Er konnte kaum schlafen, aß wenig, die körperlichen und geistigen Kräfte schwanden zusehends. Aber er behielt seinen Humor: „Niemand stirbt abends“, meinte er. Und doch hat ihn der Herr am 18. Dezember 1995 um 10.00 abends zu sich gerufen.

Einige Zeugnisse

  1. Bischof Strotmann sagte beim Sterbegottesdienst in unserer Hauskapelle: „Maria sagte: Ich bin die Magd des Herrn. So hat auch Pater Carlos in seiner Einfachheit gesprochen und sie nachgeahmt. Er hat keine großen Dinge angestrebt, er hat das Einfache und das Alltägliche vorgezogen“.
  2. Gerade deswegen schätzte Bischof Anton Kühner (und seine Schwester Martha) Pater Carlos. Der Bischof pflegte zu sagen: „Ich erwarte nicht, dass meine Priester Außerordentliches leisten, wohl aber, dass sie ihre Aufgaben mit außerordentlicher Treue erfüllen“.
  3. Ein Novize von Huánuco meinte: „Für mich ist Pater Carlos immer ein vorbildlicher Ordensmann gewesen, ein geradliniger Mitbruder“.
  4. Pater Carlos war seiner Natur nach ein friedlicher Mensch, auch während seiner Krankheit strahlte er ewigen Frieden aus. Er war eher wortkarg, beim Essen redete er nie. Er rechtfertigte sich mit den Worten: „Beim Fressen singt der Vogel nicht!“
  5. Er redete aber gern und mit viel Witz, wenn er sich in guter Gesellschaft befand. Viele erinnern sich an ihn als einen humorvollen Menschen. Ein Beispiel: „Auf Distanz vom Chef und vom Esel! Dann ersparst du dir viele Unannehmlichkeiten.“
  6. Viele fanden ihn zu kritisch. Er tat sich schwer, Neues anzunehmen: in der Kirche, in der Kongregation, im Noviziat, die Internationalität und die Option. Die Novizen hätten „ein lustiges Leben“, die Scholastiker unternehmen „lustige Reisen“. Als geradliniger Mann litt er darunter. Diese Haltung ließ er sich aber für gewöhnlich nicht anmerken und hat seinem guten Beispiel keinen Abbruch getan.
  7. Auch mit der Internationalität tat er sich schwer. Er hätte eine Hausgemeinschaft von nur deutschen Mitbrüdern vorgezogen. Er war in Deutschland aufgewachsen und verstand kein Italienisch. „Und trotzdem bin ich mehr als meine anderen deutschen Mitbrüdern privilegiert (verurteilt), seit dreizehn Jahren mit italienischen und spanischen Mitbrüdern in Gemeinschaft zu leben und zudem mit jungen Mitbrüdern“.
  8. Pater Terry, Rektor des Priesterseminars von Huánuco, (wo Pater Carlos gleich nach seiner Ankunft in Peru eine Zeitlang gearbeitet hatte) sagte: „Ich komme von Huánuco, wo Pater Carlos als Kaplan im Krankenhaus, im Gefängnis und im Waisenhaus gearbeitet hat. Jetzt überreicht ihm der Herr den Lohn, getreu seinen Worten: ‚Ich war krank und im Gefängnis und du hast mich besucht.‘ Nimm das Reich deines Herrn in Besitz“.
  9. Der Provinzobere sagte bei der Beerdigung im Friedhof von Callao, wo bereits fünf Mitbrüder begraben sind (weitere sechs sind anderswo beerdigt): „46 Jahre Einsatz als Priester! Nimmt man an, dass Pater Carlos jeden Tag eine heilige Messe gefeiert hat, dann hat er 16.790-mal Eucharistie gefeiert. Wie viele Beichten hat er gehört und Krankensalbungen gespendet? Wir haben allen Grund, Gott für das Geschenk von Pater Carlos zu danken, für seinen Priester- und Missionsberuf und für seinen Dienst. Ich schließe mit einem Satz des Hl. Augustinus: Wir leben nicht so lange wir wollen; wir sterben, auch wenn wir nicht wollen; wir werden aber immer dort leben, wo wir bleiben wollen“.
  10. Der Schreiber: „Jetzt ruhst du bei deinem großen Freund, einer über dem anderen im selben Grab, beide Namen auf demselben Grabstein: ‚Pater Luis Starker und Pater Carlos Nagel‘. Du wolltest mit ihm Ferien machen. Jetzt hast du mit ihm die ewigen Ferien in der himmlischen Heimat begonnen.“

R.I.P.

Pater Peter Taschler