geboren am 10.11.1913 in Ehingen-Lauterach/D
Zeitliche Gelübde: 21.06.1932
Ewige Gelübde: 25.12.1936
Priesterweihe: 29.06.1937
verstorben am 16.04.1994
beigesetzt in Ellwangen/D

Mit Pater Mönch hat uns ein herausragender Mitbruder verlassen. Sein Leben und Wirken haben die Geschichte der Kongregation und der Deutschsprachigen Provinz stark geprägt. Einige Monate vor seinem Tod hatte ich die Gelegenheit, mich mit ihm über sein Leben in der Kongregation und über die Kongregation selbst zu unterhalten.

Pater Mönch hatte einen offenen Charakter, auch wenn er Europa und den deutschsprachigen Raum (Süddeutschland, Österreich und Südtirol) nie verlassen hatte. Geboren wurde er in Lauterach am 2. November 1913, in einem kleinen, schwäbischen Dorf, unweit von Ulm. Damals herrschte Armut in jener Gegend. Heute ist sie ein sehr beliebtes Tourismusgebiet.

Es waren nicht die Comboni-Missionare, die ihn „rekrutierten“: Er selbst entdeckte sie! Schon sehr früh, sagte er, wollte er in die Mission gehen. Als er fünfzehn Jahre alt war und in Riedlingen in die Schule ging, besuchte er verschiedene Missionsgesellschaften, um sich zu informieren. Bei seiner Suche kam er bis nach Ellwangen, wo die Comboni-Missionare gerade ein Haus eröffnet hatten. Denn vor dem Ersten Weltkrieg durften keine Religionsgemeinschaften, die eine Verbindung zu den Jesuiten hatten, in Deutschland Niederlassungen errichten! So gelangte er nach Ellwangen, und zusammen mit seinem Freund und Landsmann Franz Koch trat er als Student ins Seminar der Comboni-Missionare ein.

Nach dem Studienabschluss in Ellwangen kam er 1930 nach Milland/Brixen ins Noviziat und legte am 21. Juni 1932 die ersten Gelübde ab. Anschließend studierte er am Priesterseminar von Brixen Philosophie und Theologie. Am 25. Dezember 1936 weihte er sich Gott und der Mission mit den ewigen Gelübden. Dort wurde er am 29. Juni 1937 zusammen mit Pater Koch zum Priester geweiht. Pater Koch erhielt Sendung nach Südafrika, Pater Mönch nach Peru. Während er sich auf die Ausreise vorbereitete, änderten die Vorgesetzten ihre Entscheidung und schickten Pater Mönch nach Graz in das neu eröffnete Seminar. Innerhalb kurzer Zeit war die Zahl der Seminaristen auf hundert angestiegen.

1938 besetzte Hitler Österreich. Noch im gleichen Jahr musste die Kongregation das Seminar schließen und alle Studenten nach Hause schicken. Bis 1948 war es unmöglich, Missionare auszusenden, da die Grenzen geschlossen wurden. Pater Mönch wurde als Hausverwalter nach Bamberg versetzt. Das Haus beherbergte damals die Novizen und einen Teil der Scholastiker. Bamberg war 1933 eröffnet worden, weil befürchtet wurde, dass nicht-italienische Mitglieder der Kongregation in Brixen nicht mehr lange geduldet sein würden. 1938 war das Haus voll besetzt mit Novizen und Scholastikern. Ein Jahr später begann der Weltkrieg, und fast alle Scholastiker, Novizen und jungen Patres mussten in den Krieg ziehen. Das Haus stand nun fast leer da, ein Teil davon wurde sogar beschlagnahmt. Den Patres und Brüdern verblieben nur einige Zimmer.

Pater Mönch wurde nicht einberufen. „Meine Altersgruppe wurde 1937 zur Musterung gerufen, als ich noch in Brixen war. Wir mussten Papiere ausfüllen und sie an das Konsulat von Mailand schicken. Aber der schlaue Pater Raffeiner ‚zerriss die Dokumente und warf sie in den Fluss‘. Auf diese Weise schien ich bis 1942 auf keiner Liste auf und wurde in Ruhe gelassen. 1942 jedoch musste ich mich vorstellen, was ich sofort tat. Aber der Offizier, der ein guter Katholik war, schickte mich zum Ortspfarrer, um ihm bei seiner Arbeit in einem Militärkrankenhaus in der Nähe von Bamberg zu helfen. Sie brauchten scheinbar meine Hilfe nicht. Gegen Kriegsende wurde ich zum dritten Mal gerufen. Diesmal stand ich vor einem antiklerikalen Nazi, der zu mir sagte: ‚Sie sind ein Jesuit; wir wollen keine Leute wie Sie; Sie sind für die Armee nicht geeignet!‘“

So verbrachte Pater Mönch die Kriegszeit und leistete Aushilfsdienste in der Diözese Bamberg. Andere Mitbrüder hatten weniger Glück: eine Reihe von Novizen und Scholastikern ist im Krieg gefallen; andere wandten sich nachher einem anderen Beruf zu. Die Überlebenden kehrten langsam zurück. 1946 konnten Noviziat und Scholastikat in Bamberg wiedereröffnet werden. Das Seminar von Ellwangen wurde vor Kriegsende völlig zerstört und musste nun wiederaufgebaut werden. Auch das Seminar von Unterpremstätten/Graz hatte während des Krieges großen Schaden erlitten und konnte erst 1950 wiedereröffnet werden. Eine kleine Gruppe von Seminaristen wurde während des Krieges in Josefstal untergebracht oder hatte bei bekannten Familien Zuflucht gefunden und konnte auf diese Weise weiterstudieren.

Nach dem Krieg wurde Pater Mönch zum Hausoberen von Bamberg ernannt. „Es war eine äußerst schwierige Zeit“, sagte er, „denn es gab für die Scholastiker, die vom Krieg zurückgekehrt waren, nichts zu essen.“ Zum Glück spendeten Bauern der Umgebung von Bamberg, die Pater Mönch und andere Mitbrüder während des Krieges seelsorglich betreut hatten, Lebensmittel.

Als die erste Gruppe von Missionaren 1948 in die Mission ausreisen konnte, bat auch Pater Mönch, nach Afrika oder Peru geschickt zu werden. Aber die Vorgesetzten glaubten, dass er in dieser Zeit des Wiederaufbaus der Niederlassungen in der Provinz unentbehrlich war.

Sobald das Missionsseminar von Unterpremstätten 1950 wiedereröffnet werden konnte, wurde Pater Mönch als Hausoberer dorthin geschickt. „Das Haus befand sich in einem desolaten Zustand“, sagte er. „Ich war fünf Jahre in Unterpremstätten als Hausoberer und Erzieher. Wir hatten gute Schüler, wie Pater Alfred Putz und Pater Adolf Kampl und andere, die während dieser Zeit eingetreten waren.“

Als das Seminar wieder gut funktionierte, wurde Pater Mönch 1955 erneut nach Bamberg gerufen und blieb dort bis 1963. Von 1949 bis 1970 war er Mitglied des Generalrats und zwölf Jahre Generalvikar der Kongregation. Mehrere Male wollte er zurücktreten oder seinen Namen von der Wählerliste streichen. 1970, als die „Krise“ in den Orden und der Rückgang der Berufe ihren Höhepunkt erreicht hatten, trat er als Mitglied des Generalrates zurück. Dies bedeutete jedoch nicht, dass er das Vatikanische Konzil oder die sich ändernden Zeiten nicht akzeptiert hätte. Im Gegenteil, er war einer von jenen, die sich den Herausforderungen des neuen Zeitalters mit großer Offenheit und ohne Angst stellten.

Pater Mönch war immer ein kritischer Geist und hatte eine weite Sicht der Dinge. Bis einige Tage vor seinem Tod las er regelmäßig die Tageszeitung. Was ihn im Fernsehen am meisten interessierte, waren Nachrichten und Debatten über politische und religiöse Fragen. Er las gern kritische theologische Schriften und bereitete seine Sonntagspredigten mit großem Fleiß vor. Sie wurden deswegen auch sehr geschätzt.

Dreißig Jahre lang war er Missionsprokurator. Diese Aufgabe fand er ideal. „Ich fühlte mich in dieser Aufgabe glücklich. Ich konnte mit vielen Missionaren in Verbindung treten und ihnen helfen – nicht nur finanziell. Da ich selbst nicht in die Mission gehen konnte, betrachtete ich diese Arbeit als meine Mission. Ich hatte das Gefühl, der Fürsprecher der Missionare zu sein. Ich danke Gott, dass er mir diese Möglichkeit gegeben hat. Ich glaube, dass ich viel Gutes tun konnte. Mitbrüder aus anderen Provinzen schrieben mir, dass sie sich eine Missionsprokura wie die unsere wünschten. Außerdem kann sich ein Missionar in einer internationalen Kongregation oft einsam fühlen, und so ist es wichtig, die Unterstützung seiner Heimatprovinz zu spüren. Ich denke, diese Tatsache sollte nicht unterschätzt werden. Auch wenn es stimmt, dass wir in einer internationalen Kongregation alle gleich sind, so hat jedoch jeder seine eigenen Wurzeln. Das zu erkennen und zu respektieren bedeutet nicht, die Internationalität abzulehnen.“

Während des Interviews fragte ich ihn auch, wie er die Trennung der Kongregation und dann die Wiedervereinigung erlebt hatte. Die Trennung war bereits eine Tatsache, als Pater Mönch eintrat. „Man konnte dieses Thema kaum berühren, denn die alten Mitbrüder wollten nicht darüber reden. Ich weiß nicht warum, sie hatten keine Schuldgefühle. Es gab keinen Kontakt mit Verona. Auch wenn Mitbrüder aus Verona nach Brixen kamen, ließen sie sich nie im Missionshaus blicken. Ich erinnere mich an Pater Heymanns, einen Holländer, der uns als Erster besuchte und dann in unsere Kongregation zurückkehrte. Er wurde Novizenmeister der Brüder und war in jeder Hinsicht ein aufrichtiger und ehrenhafter Mann. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Spannung ab. Pater Artur Nebel, der bei der italienischen Kongregation verblieben war, besuchte uns als Erster in Bamberg. Es scheint, dass es auch in Italien bis dahin eine Art Tabu gegeben hatte, über die Trennung zu sprechen. Aber nach dem Krieg haben wir alle erkannt, dass die Missionsarbeit auf nationaler Ebene am meisten leidet. Von diesem Moment an hat der Dialog langsam an Dynamik gewonnen.“

Ich wollte mehr über die Geschichte der Provinz wissen (also über die MFSC). Pater Mönch sagte, leider seien viele Dokumente verloren gegangen. „Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde ein Teil des Archivs bei Nacht von Ellwangen nach Unterpremstätten gebracht, wo der Generalobere Pater Josef Musar residierte. Dem Naziregime war es ein Dorn im Auge, dass der Generalobere der Kongregation ein Slowene war. Um Probleme zu vermeiden, wurde das Generalat nach Österreich verlegt, aber die Nazis besetzten bald auch Österreich. Eines nachts kam die Gestapo und holte Pater Musar ab. Unser Haus wurde gründlich durchstöbert. Ich erinnere mich, dass der Hausobere Pater Watzinger sagte: ‚Was sollen wir tun?‘ Kurze Zeit danach machte er den Ofen an und verbrannte das gesamte Archiv.“

Pater Mönchs Tod stand ganz im Einklang mit seinem Leben. Seit sechs Monaten wusste er, dass er an Krebs erkrankt war. Er wurde viermal operiert. Jedes Mal begann der Tumor wieder zu wachsen. Die Zeitspanne zwischen den Operationen wurde immer kürzer, bis schließlich die Ärzte sagten, dass weitere Operationen keinen Sinn mehr hätten. Nach jeder Operation kehrte er zu seiner Arbeit in der Prokura zurück. Er nahm weiterhin am Gemeinschaftsleben teil und bereitete seine Sonntagspredigt vor. Er war sich seines Gesundheitszustandes voll bewusst. Die letzten Wochen konnte er sein Zimmer nicht mehr verlassen. Als er die Zeitung nicht mehr aufmachte, wurde uns klar, dass er nicht mehr lange durchhalten würde. Zu einem Mitbruder, der aus der Mission zurückgekehrt war, sagte er: „Mach dir keine Sorgen. Ich weiß, wie es um mich steht. Es ist bereits alles gesagt worden.“ Dann gab er ihm mit fester Stimme seinen Segen.

Kurz vor seinem Tod hatte er die Genugtuung, den Bischof von Nakuru (Kenia), Mons. Ndingi, und zwei weitere afrikanische Bischöfe zu begrüßen. Er drückte seine Freude aus, dass er der afrikanischen Kirche helfen konnte, und bat um ihren Segen. Pater Karl Mönch verschied in Ellwangen am 16. April 1994. Die große Menschenmenge bei seinem Trauergottesdienst war ein weiterer Beweis für die Wertschätzung, die ihm die Menschen entgegengebracht hatten.

R.I.P.

Pater Reinhold Baumann