geboren am 14.02.1936
Zeitliche Gelübde: 29.09.1959
Ewige Gelübde: 06.01.1963
Priesterweihe: 29.06.1963
verstorben am 26.01.2026
Pater Josef Schmidpeter wurde am 14. Februar 1936 in Laibstadt etwas südlich von Nürnberg geboren und ist in einer Familie mit vier Kindern aufgewachsen. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft.
Wie wurde er zu dem, der er war? Im Sommer 1949, Josef war 13 Jahre alt, kam Pater Alfred Stadtmüller aus Josefstal zu einem Missionssonntag nach Laibstadt. Am Nachmittag zeigte er Lichtbilder von der Mission in Südafrika und Peru. Josef konnte da nicht kommen, denn es stand ein Fußballspiel gegen eine Mannschaft aus einem Nachbardorf an. Als er gegen Abend zurückkam und seiner Mutter begeistert erzählte, dass sie mit 8:1 gewonnen hatten, hörte ihm die Mutter schweigend zu und sagte dann: Du hast aber auch was versäumt. Der Vortrag hätte Dich auch interessiert. Und sie erzählte ihm, dass zwei von seinen Mitschülern ins Josefinum nach Ellwangen gehen wollten. Am nächsten Tag traf er noch einmal Pater Stadtmüller und meldete sich auch an.
Es folgten neun Jahre Gymnasium in Ellwangen, Abitur 1958, Noviziat und erste Gelübde in Mellatz, fünf Jahre Studium der Theologie und Priesterweihe am 29. Juni 1963 in Brixen. Nach einem weiteren Jahr Studium blieb er drei Jahre als Erzieher im dortigen Seminar. Dort zeigte er sein pädagogisches Talent und wurde 1968 als Nachfolger von Pater Hermann Bauer bis 1980 Leiter des Josefinums und Religionslehrer am Peutinger Gymnasium.
In diese Zeit fällt noch eine andere Episode, typisch für ihn. Als er im Sommer 1968 in seiner Heimat war, traf er auch einen Herrn Eigner in dessen Werkstatt. Dabei erfuhr er, dass sein Bub Hans bei den Benediktinern in Plankstetten angemeldet war. „Was? Der Bub gehört aufs Gymnasium.“ Eine Stunde später waren sie schon auf der Fahrt nach Neumarkt und meldeten ihn im Seminar und fürs Gymnasium an. Es ist Bruder Hans Eigner.
Zurück zu P. Schmidpeter: Die Seminare erfüllten in den 1970er-Jahren immer weniger den Zweck, zu dem sie gegründet wurden. Als erstes Seminar der Kongregation wurde das Josefinum 1981 geschlossen. P. Schmidpeter wurde nun frei und zu einem ersten Einsatz in Peru berufen. Er kam nach Arequipa, der zweitgrößten Stadt Perus, in die neugegründete Pfarrei El Buen Pastor (Der Gute Hirte) mit ungefähr 50.000 Bewohnern. Hier lernte er die ganz andere Realität des Lebens in einem Großstadt-Slum kennen. Diese Erfahrung hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Er selber schrieb öfter von einer neuen, besonderen Berufung, die er dort erfahren hat, einer Berufung zu den Armen und in besonderer Weise zu den Kranken. Er zitierte oft den Satz Jesu im Evangelium, den wir vorher gehört haben, wo Jesus von seiner eigenen Berufung spricht, wenn er sagt: „Der Herr hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen …“ Er sah es auch als seine Berufung, und es wurde sein Leitspruch.
Konkret begann er mit der Einrichtung von Suppenküchen, Kinderhorten und Gesundheitszentren. Dabei halfen ihm viele Freunde in Deutschland und speziell die Kolpingsfamilien von Ellwangen und Abtsgmünd. Sie schickten für die „Postas Medicas“ Arzneimitteln und später ganze Container voll mit Medizingeräten, Medikamenten usw. Diese Postas Medicas waren gewissermaßen Vorläufer der heutigen Polikliniken.
1992, nach etwas mehr als zehn Jahren, wurde Pater Josef Schmidpeter wieder zurückgerufen. Man brauchte auch in der Heimat Mitbrüder mit einer guten Missionserfahrung. Als erstes kam er nach Neumarkt in der Oberpfalz. Dort wurde bald der Bischof von Eichstätt auf ihn aufmerksam und ernannte ihn zum Missionsreferenten der Diözese. Dies gab ihm die Möglichkeit, fast alle Pfarreien der Diözese zu besuchen und kennenzulernen.
2001 wurde er Rektor der Hausgemeinschaft in Ellwangen. Hier vertiefte er den Kontakt mit der lebendigen Kolping-Gemeinde der Stadt, die ihm so viel in Peru geholfen hatte. Und er hielt auch immer noch Kontakt zu seinen Freunden und damaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Arequipa. Acht Jahre später, 2009, konnte er selber wieder nach Peru und wieder nach Arequipa. Jetzt – mit der Erfahrung seines ersten Aufenthalts dort und dem Rückhalt von zahlreichen Freunden – zeigte sich sein Talent im Organisieren. In den folgenden 13 Jahren gründete er drei Polikliniken, zwei in Arequipa und eine in Lima. Dazu ein Altenheim in Arequipa. Polikliniken sind solche, die nur ambulant behandeln, nicht stationär. Zwei- bis zweieinhalb tausend Menschen werden täglich dort behandelt, wenn es nicht anders geht auch umsonst. Der reguläre Betrieb trägt sich selbst. Nur für die umsonst oder mit stark reduziertem Preis Behandelten braucht es Geld von außen, eben durch Spenden. Aber auch medizinische Geräte, die man dringend braucht, werden durch die Spenden finanziert.
Es gab auch Schwierigkeiten und Widerstand, auch von der Kirche und ja, auch von der Kongregationsleitung. Ich denke, es war nicht aus Missgunst oder Neid. Zu groß ist eben die Gefahr, dass Werke aufgebaut werden, die nach dem Tod oder dem Weggang des Erbauers in sich zusammenfallen. Pater Schmidpeter war sich dessen jedoch bewusst und hat sein Werk auf solide Fundamente gebaut. Da sind das Kolpingwerk und der Freundes- und Förderkreis Pro Espíritu Santo. Dazu gehören auch die kirchlichen Werke wie MISEREOR. Sie geben nicht nur Geld, sondern beraten und kontrollieren auch. Da ist auch die deutsche Botschaft in Lima mit kompetenten Leuten, zu denen er immer einen guten Kontakt hatte. Diese hat sicher auch dazu beigetragen, dass Pater José 2016 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.
2022 kehrte P. Schmidpeter krank nach Deutschland zurück in der Hoffnung, noch einmal nach Peru zu kommen. Das ging dann aber doch nicht mehr. In relativ guter Verfassung feierte er am 29. Juni 2023 in der Heimat und mit den Mitbrüdern sein Diamantenes Priesterjubiläum. Etwa zwanzig Priester, Mitbrüder und Diözesanpriester, feierten mit vielen Freunden aus nah und fern in Ellwangen den Gottesdienst bei seiner Beerdigung. P. Conrado Franco, sein Nachfolger als Pfarrer in Buen Pastor, schrieb nach seinem Tod: „P. José verkörpert für mich den Barmherzigen Samariter“, und schließt: „José, vom Himmel aus hilf uns, die solidarische Liebe des Guten Hirten zu leben.“
Pater Reinhold Baumann, mccj
R.I.P.
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