geboren am 30.05.1937
Zeitliche Gelübde: 30.10.1960
Ewige Gelübde: 02.04.1965
Priesterweihe: 29.06.1965
verstorben am 20.02.2026


Geboren wurde Pater Alois in Ausserpfitsch/Südtirol am 30. Mai 1937. Als Kind verlor er seine Mutter und wenig später auch seine Stiefmutter, so dass er in die Obhut der Familie des Ralsbauern im Pfitschtal kam und dort seine Kindheit verbrachte. Im Herbst 1951 kam er als Student ins Missionshaus Milland und besuchte, wie alle seine Mitschüler, das bischöfliche Knabenseminar. Mit viel Fleiß schaffte er 1959 die Matura und begann anschließend in Mellatz das Noviziat. Dort legte er am 30. Oktober 1960 die ersten zeitlichen Gelübde ab. Da es in Mellatz keine Möglichkeiten gab, im zweiten Jahr das Philosophiestudium zu beginnen, wurde damals die Noviziatszeit mit Erlaubnis von Rom um ein Jahr verkürzt.

Anschließend begann er in Brixen das Theologiestudium. Am 2. April 1965 legte er die ewigen Gelübde ab und wurde am 29. Juni 1965 im Dom von Brixen durch den Diözesanbischof Dr. Josef Gargitter zum Priester geweiht. Im Jahr darauf, 1966, erhielt er bereits Sendung nach Peru, die er erst im Juni 2023 durch die Versetzung in die Heimatprovinz beendete. 57 Jahre seines langen Lebens hat er der Mission in Peru gewidmet.

Er begann seine Seelsorgetätigkeit in der Tiroler Siedlung Pozuzo (zwei Jahre) unter den Nachkommen der Tiroler Auswanderer im 19. Jahrhundert. Weitere Stationen seines missionarischen Wirkens waren: Cerro/Huariaca (16 Jahre), Cerro/Huayllay (zwei Jahre), Carhuamayo (drei Jahre), Ambo (drei Jahre), El Carmen/Sunampe (zwölf Jahre), Huánuco (15 Jahre). Die letzten Jahre dort verbrachte er als Seelsorger und im Ruhestand. In Peru wurde er von allen „Padresito Lucho“ genannt.

In der San Juan Bautista Pfarrei von Huariaca wirkte Pater Alois 16 Jahre lang. Die Ursprünge der Pfarrei reichen zurück bis ins Jahr 1572. Neben der pastoralen Tätigkeit am Ort und in den umliegenden Dörfern stand Pater Lucho besonders den Kranken bei, die er im Bezirkskrankenhaus während seines langjährigen Einsatzes seelsorglich und spirituell begleitete.

Gegen Ende seiner Tätigkeit in der Pfarrei war die Gewalttätigkeit terroristischer Gruppen (Sendero Luminoso) immer mehr zu spüren, die Panik und Chaos in den Dörfern verbreiteten. „Armut und Elend prägte den Alltag der Leute“, so eine Aussage von Pater Alois.

Ob im rauen und kalten Klima in der Höhe der Anden (Cerro de Pasco 4330 Meter ü.d.M.) oder in Pfarreien an der Küste (75 Meter ü.d.M.): Er war immer wieder bereit, den Einsatzort zu wechseln, wenn er anderswo gebraucht wurde. Dabei war er öfters mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert.

Leid verursachte ihm auch das menschliche Versagen gerade auch in der Kirche, wie ein Mitbruder aus Peru schreibt, dem ein Wort des Padresito unvergesslich geblieben ist: ‚Wie kommt es, dass wir, die wir täglich [das Blut Christi] den Kelch des Heils trinken, so wenig verwandelt sind.“ Der Mitbruder deutete das wohlwollend als Ausdruck seiner Sehnsucht nach einem Leben aus dem Gnadenquell der Eucharistie, die jeden Priester kennzeichnen sollte.

Am 28. Juli 2024 berichtete Pater Alois im Brixner Sonntagsblatt über seine langjährige Missionstätigkeit in Peru: „Von Jänner 1966 bis Juni 2023 war ich als Seelsorger in verschiedenen Pfarreien in der damals neu geschaffenen ‚Prälatur Parma‘ tätig. Diese liegt zwischen 2000 bis 4000 Metern Meereshöhe in den peruanischen Anden. Ich fand überall gute Menschen, die mich aufnahmen und mir Heimat gewährten.

Meine Hauptaufgabe war es, Patronatsfeste zu feiern. Dazu gehörten oft stundenlange Anreisen, um teils mit dem Auto oder auf einem klapprigen Gaul die weit entlegenen Dörfer zu erreichen. Dort erwartete mich ein volles Programm mit Festmesse und Prozession. Die Menschen nutzten auch gerne die Gelegenheit, um ihre Kinder taufen zu lassen.

Wir ausländischen Missionare mussten uns gewaltig umstellen. Es gab viel Lärm vor der Kirche und oft auch eine Band, die mehr Geräusch als Musik machte. In der Kirche waren meistens nur die Frauen mit den weinenden und schreienden Kindern sowie die Alten. Die Jugend war auf dem Sportplatz. Die schönste Zeit war der Vorabend, die Vesper – Stille. Die Menschen hörten bei der Taufvorbereitung bis tief in die Nacht hinein zu.

Nachhaltig beeindruckte mich ein Ereignis: Ich hatte Weihnachten in einem Bergwerk gefeiert. Die Hütten lagen am Ufer eines Sees, dahinter waren steil aufragende Felsen. Wenige Wochen später gab es einen großen Felssturz in den See. Das verdrängte Wasser schwemmte die ganze Siedlung den Berg hinunter. Es gab Hunderte von Toten, es retteten sich nur die Männer, die im Bergwerk waren und ein paar Hirten. Ich war erschüttert – auch in meinem Glauben.

Die Mission hat mich gelehrt, dass es überall gute Menschen gibt, die nach Gottes Willen zu leben versuchen. Ich kenne Südtirol wenig und habe es auch nie vermisst. In den ersten Jahren hat mir der Einsatz in Pozuzo Südtirol ersetzt. Es war wie in Tirol. Ich möchte die Menschen einladen, die Missionare mit Gebet und Opfer zu begleiten, denn mit bloßen Worten kann man kaum jemand überzeugen, dass Gott ein guter Gott ist“.

Nach 57 Jahren in der Mission kehrte Pater Alois im Juni 2023 ins Missionshaus Milland zurück und fand dort ein Zuhause, wo er sich auch wohlfühlte. Hier konnte er am 25. Juli 2025 (Herz-Jesu-Fest) in Anwesenheit des Diözesanbischofs Dr. Ivo Muser und zusammen mit seinem Mitschüler Pater Hubert Unterberger das diamantene Priesterjubiläum in der Wallfahrtskirche „Maria am Sand“ in Milland feiern. Zugleich feierte Pater Fidelis Pezzei sein 65. Jubiläum. Alle drei Jubilare hatten in Peru gewirkt, aber niemand war so lange dort im Einsatz wie Padresito Lucho.

„Dankbarkeit ist ein spontanes Gefühl, das mich bei dieser Eucharistiefeier in Erinnerung an unseren Mitbruder P. Alois Deflorian bewegt. Als er in der Nacht vom Freitag auf Samstag am 20. Februar unerwartet verschied, konnte man wortwörtlich auf ihn die Worte des ersten Eucharistischen Hochgebetes anwenden: „obdormivit in somno pacis“, er ist im Frieden entschlafen – das war der Eindruck derer, die ihn nach seinem Hinübergang zum Vater tot im Bett liegen sahen. ‚Wie er gelebt hat, so ist er verschieden‘ – kommentierten andere“.

Die ihn kannten, erinnern sich an ihn als einen ruhigen und stillen, als einen bescheidenen und besinnlichen Menschen, dem das laute Geschrei fremd war. „Als solchen habe ich ihn selber erlebt schon als Student in Milland, und dann während seines Studiums am Priesterseminar in Brixen“.

„Diese lange Zeit in der peruanischen Mission möchte ich als Zeichen seines Durchhaltevermögens und seiner Standfestigkeit deuten und gleichzeitig als Zeichen seiner Nähe zum Volk, mit dem er gute Beziehungen pflegte und seinen missionarischen Dienst tat – nicht in der Entwicklung von großartigen Projekten, sondern einfach durch seine pastorale Präsenz, vor allem in der Diözese Tarma.“

Er war immer dankbar für die einfachen guten Menschen, die ihn aufnahmen und ihm Heimat gewährten. Gleichzeitig war er sich dessen bewusst, dass er – wovon ja viele Missionare aufgrund eigener Erfahrungen überzeugt sind – umdenken und immer Neues dazu lernen musste. Alois lag am Herzen, den Menschen das Bild eines liebenden Gottes zu vermitteln – nicht mit bloßen Worten, sondern durch seine Nähe zu den Menschen.

R.I.P.


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