geboren am 10.06.1876 in Hockenheim/D
Zeitliche Gelübde: 15.08.1902
Ewige Gelübde: 15.08.1902
Priesterweihe: 29.10.1902
verstorben am 22.02.1966
beigesetzt in Ellwangen/D

Pater Lehr erblickte am 10. Juni 1876 in Hockenheim/Baden-Württemberg das Licht der Welt. Sein Vater war Postinspektor. Nach Abschluss seiner Gymnasialstudien in Freiburg im Breisgau studierte er sechs Semester Mathematik und Naturwissenschaften in Freiburg und Heidelberg. Dann folgten vier Semester Theologie in Freiburg und weitere vier in Brixen. Am 2. August 1900 trat er als Postulant in das Missionshaus Milland ein. Am 15. August 1900 begann er in Milland das Noviziat, das er in Verona beendete. Dort hat er am 15. August 1902 die ewigen Gelübde abgelegt. Am 10. Oktober 1902 weihte ihn der Bischof von Mantua zum Priester.

Nach einigen Monaten Sprachstudium in Kairo wurde er 1903 nach Omdurman versetzt. Dort lernte er noch den Missionsveteranen Pater Josef Ohrwalder kennen und schrieb ein kleines Buch über ihn. 1904 schickten ihn die Oberen nach England, um zusammen mit anderen Mitbrüdern in Sidcup bei London eine Niederlassung zum Sprachstudium zu gründen. 1909 wurde er wieder abberufen und zum Generalsekretär der Kongregation ernannt.

Von 1910 bis 1915 wirkte er als Missionsoberer in Assuan. Von 1915 bis 1919 wurde er mit zahlreichen anderen deutschen und österreichischen Missionaren verschiedener Kongregationen von den Engländern in der Nähe von Alexandria/Ägypten interniert und anschließend nach Deutschland ausgewiesen. 1919 wurde er als Vertreter der deutschen Sprachgruppe in den Generalrat gewählt. In den Auseinandersetzungen und Gesprächen vor der Teilung der Kongregation war er der Sprecher der deutschsprachigen Gruppe und damit Gegenspieler des Generaloberen in Verona, Pater Paolo Meroni.

Von 1920 bis 1923 war er Oberer der Gemeinschaft von Messendorf und gleichzeitig Generalassistent. 1923 wurde er zum ersten Generaloberen der neuen Kongregation der Missionare Söhne des Heiligsten Herzens Jesu (MFS) gewählt mit Sitz zuerst in Milland und dann in Josefstal/Ellwangen. Unter seinem Generalat wurde in der Stadt Ellwangen das Seminar Josefinum erbaut und in Josefstal ein Neubau erstellt. Mit den letzten sechs Jahren seiner Amtszeit als Generaloberer scheinen die Mitbrüder nicht recht zufrieden gewesen zu sein. Man hatte den Eindruck, dass sich Pater Lehr zu sehr seinen naturwissenschaftlichen und historischen Hobbys gewidmet hat und zu wenig den Belangen der Kongregation.

Nach Ablauf seiner Amtszeit als Generaloberer war Pater Lehr bis 1940 Rektor des Missionsseminars von Bad Mergentheim. Ab 1940 bis zu seinem Tod am 22. Februar 1966 gehörte er zur Hausgemeinschaft von Josefstal. Er starb kurz vor der Vollendung seines 90. Lebensjahres. Zwei Tage später wurde er im Ortsfriedhof von Ellwangen beigesetzt.

Pater Lehr war ein gesuchter Prediger und Beichtvater. Gerne wurde er als Festprediger bei verschiedenen Anlässen gerufen. In Ellwangen und Bad Mergentheim hielt er auch Fastenpredigten. Pater Lehr hat wesentlich die ersten Jahre der jungen Kongregation mitgestaltet. Darüber hinaus hat er sich auch mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt.

Während des zweiten Weltkrieges wurde in der internationalen Zeitschrift „Anthropos“ seine Studie über die „Inschriften der Stele von Lemnos“ veröffentlicht. Überdurchschnittlich war sein Sprachentalent. Mit großer Liebe widmete er sich bis ins hohe Alter der Mathematik und Physik, und gerne erteilte er den jungen Mitbrüdern wie Auswärtigen darin Unterricht, besonderes in der Nachkriegszeit. Für den Gottesdienst schrieb er Messen und Lieder. Doch über seiner Begabung stand sein priesterliches Leben und Wirken. Noch an seinem Sterbetag schickte er sich an zur Feier der heiligen Messe.

R.I.P.