geboren am 21.03.1935 in Katharinaberg/I
Zeitliche Gelübde: 29.09.1957
Ewige Gelübde: 19.03.1960
Priesterweihe: 29.06.1960
verstorben am 26.04.2009
beigesetzt in Ellwangen/D

„Wer glaubt, ist nie allein – im Leben nicht und auch im Sterben nicht“. So hat Papst Benedikt XVI. am Beginn seines Petrusdienstes gesagt. Diese zutiefst christliche Aussage können wir auch über das Leben unseres verstorbenen Mitbruders Pater Herbert Oberhofer stellen. Der Glaube war das tragende Fundament in seinem ganzen Leben. Dass es ein tragbares Fundament war, hat sich nicht nur in seinem missionarischen Wirken in Peru gezeigt, sondern auch in der Zeit seiner Krankheit. Aus diesem Glauben heraus hat er seine längere Krankheit auch angenommen und geduldig ertragen.

Pater Herbert Oberhofer wurde am 21. März 1935 in Katharineberg/Schnalstal/Südtirol als fünftes von acht Kindern in einer gläubigen Familie geboren. Sein Vater versorgte den Dienst eines Schleusenwächters und bearbeitete nebenher ein Stück Feld. Herbert besuchte nach der Volksschule das Gymnasium und die 1. Klasse Lyzeum im „Johanneum“ (Knabenseminar der Diözese Trient für den deutschsprachigen Teil) in Dorf Tirol bei Meran und die weiteren Klassen des Lyzeums im Seminar „St. Josef“ in Obermais, das von den Eucharistinern geleitet wurde. Nach der Matura meldete er sich bei den Comboni-Missionaren in Milland. Im Noviziat in Bamberg (1955-1957) prüfte er seine missionarische Berufung. Nach der ersten Profess am 29. September 1957 kam er nach Brixen zum Philosophie- und Theologiestudium. Am 19. März 1960 schloss er sich durch die ewigen Gelübde endgültig der Gemeinschaft der Comboni-Missionare vom Herzen Jesu an und empfing am 29. Juni 1960 die Priesterweihe im Dom zu Brixen.

Nach einem weiteren Jahr Studium und Mithilfe in der Seelsorge bekam er die Sendung als Präfekt ins Seminar nach Saldaña in Spanien. Sieben Jahre war er dort als Erzieher und Religionslehrer tätig. Die Kenntnis der spanischen Sprache und Kultur bildeten eine gute Vorbereitung für einen späteren Missionseinsatz in Lateinamerika. Er erhielt dann tatsächlich 1968 Sendung nach Peru. Die Pfarrei San Pio X in Mirones/Lima war sein erster Kooperatorposten. Nach zwei Jahren zog es ihn in das Andengebirge nach Huarón auf 4550 m Höhe. Das war eine gewaltige Herausforderung für ihn, die ihm dann doch zu schaffen machte. Vorübergehend war er auch in Ambo bei Huánuco in der Seelsorge tätig.

Gerne nahm er 1973 den Ruf nach Brixen an. Hier leitete er bis 1976 als Rektor die Hausgemeinschaft. Darauf folgte der zweite Missionseinsatz in Peru bis 1980. Dieses Mal wurde ihm die Pfarrei Acobamba bei Tarma auf ca. 3000 m Höhe anvertraut, wo es ihm schon besser ging. Zwei Jahre wirkte er dort mit Hingabe in der Seelsorge. Anschließend wurde er nach Arequipa, im Süden des Landes, versetzt. Zwei Jahre blieb er dort, als er erneut nach Spanien gerufen wurde. In Spanien suchte man einen Verwalter für die Niederlassung in Palencia. Pater Herbert war für die Mitbrüder dort kein Unbekannter wegen seiner früheren Tätigkeit in Saldaña. Er war auch sofort bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Allerdings dauerte dieser Aufenthalt in Spanien auch nur drei Jahre.

1983 folgte nun sein dritter und letzter Einsatz in Peru, der diesmal aber fünfzehn Jahre dauerte. Zunächst wirkte er als Pfarrer und Missionar in der Pfarrei Huariaca und später in der Pfarrei Ambo auf ca. 2000 m Höhe. Zu beiden Pfarreien gehörten eine Anzahl Außendörfer, die teils mit Jeep, teils nur zu Fuß oder mit Pferd erreichbar waren.

Von 1981 bis 1992 wütete in Peru der „Sendero Luminoso“ („Leuchtender Pfad“). Er beherrschte weite Teile des Landes und bildete sogenannte freie Zonen. Die Bevölkerung wurde von ihm brutal terrorisiert. Viele Menschen bekamen Morddrohungen, flohen und suchten Zuflucht in den Randgebieten (pueblos jóvenes) der großen Städte. Es gab immer wieder Hinrichtungen auf offenen Plätzen durch Todeskommandos. Junge Menschen wurden entführt und zu Terroristen gemacht. In manchen entlegenen Dörfern blieben nur alte Leute und Kinder zurück. Es war eine schwierige, gefährliche Zeit, die auch Pater Herbert zu spüren bekam auf seinen Fahrten und Wanderungen in die entlegenen Dörfer. Bei Versammlungen erzählte er gerne von seinen Begegnungen mit den Terroristen, die ihn so manchmal erzittern und bangen ließen. In den Briefen aus dieser Zeit berichtet er immer recht ausführlich über die Gräueltaten der Senderistas, die er ja aus nächster Nähe miterlebte.

Diese nervenaufreibenden Erfahrungen und der harte Einsatz zehrten allmählich an seiner Gesundheit. Außerdem belasteten ihn psychisch zwei Autounfälle, bei denen er zwar noch einigermaßen gut davon gekommen ist. Dazu schreibt er im März 1999: „Der Autounfall am 14. Dezember 1996 zwischen Ticlio-Pass und La Oroya liegt mir noch tief in den Knochen, obwohl ich mit heiler Haut davon kam.“ All das bewog ihn, nach insgesamt 24 Jahren Missionseinsatz im Jahre 1999 nach Europa in seine Heimatprovinz zurückzukehren. In einem Brief an den Provinzial aus dem Jahr 1999 schreibt er unter anderem: „Ich merke selber, dass meine Kräfte nachlassen. Ich bin aber froh, dass ich so viele Jahre in Peru arbeiten konnte.“

Aber er wollte hier nicht untätig bleiben und versuchte, in einigen Pfarreien in Deutschland (Sontheim, Opfenbach, Haunkenzell, Neumarkt) in der Seelsorge mitzuhelfen. Dies ging jedoch nur kurze Zeit. Er war in Peru eine andere Seelsorge gewohnt, als sie hier praktiziert wird. Deshalb tat er sich etwas schwer, sich in den hiesigen Verhältnissen zurechtzufinden.

Bald traf ihn der erste Schlaganfall, dem weitere folgen sollten. Seine Gesundheit wurde dadurch geschwächt, so dass er sich endgültig aus der Mitarbeit in der Seelsorge zurückziehen musste. Nun sollte er erfahren, was es bedeutet: „Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.“ (Joh 21,18). Er war inzwischen ein Pflegefall geworden. Da wir in Brixen keine Kranken- und Pflegestation haben, wurde er vor ca. drei Jahren nach Ellwangen in unsere Pflegestation gebracht. Der Umzug fiel ihm schwer. Mit Geduld und Ergebung ertrug er seine Gebrechlichkeit und Hilfsbedürftigkeit bis zu seinem Sterben am 26. April 2009. Pater Herbert war ein gläubiger, frommer Priester, eifriger Seelsorger und treuer Missionar. Der Herr nehme ihn zu sich auf und lasse ihn teilnehmen an seiner Herrlichkeit.

R.I.P.

Pater Georg Klose