geboren am 03.08.1934 in Ornbau/D
Zeitliche Gelübde: 08.12.1954
Ewige Gelübde: 08.12.1960
verstorben am 01.08.2009
beigesetzt in Ellwangen/D

Bruder Jakob Friedl wurde am 3. August 1934 in Ornbau/Bayern geboren. Im Alter von zehn Jahren trat er als Bruderzögling in die Kongregation der Comboni-Missionare in Josefstal/Ellwangen ein. Nach der Volksschule bildete er sich als Gärtner aus. Am 12. August 1952 begann er das Postulat, und am 8. Dezember des gleichen Jahres wurde er eingekleidet. Zwei Jahre später, am 8. Dezember 1954, legte er in Josefstal die ersten und am 8. Dezember 1960 in Unterpremstätten die ewigen Gelübde ab.

Nach dem Noviziat wurde er in Mellatz eingesetzt (1954-1958) und anschließend in Unterpremstätten, Österreich (1958-1976). An beiden Orten arbeitete er im Garten und in der Landwirtshaft. Nach dieser langen Dienstzeit in der Heimatprovinz erhielt er 1976 Sendung nach Spanien, um gemeinsam mit einer Gruppe von Mitbrüdern im Garten und in der Finca (Landwirtschaft) von Palencia zu arbeiten. Die Erzeugnisse der Finca trugen zum Unterhalt der Seminaristen von Saldaña und Palencia bei.

Im Alter von zweiundfünfzig Jahren erklärte er sich noch bereit, nach Ecuador auszureisen, um in der „Ciudad de los Muchachos“ (Bubenstadt) von Esmeraldas als Mitglied des Brüder-Teams Jugendliche auszubilden (1982-1996). Seine Arbeit und Präsenz wurden sehr geschätzt, einmal wegen seines friedvollen Charakters, seiner Geduld mit den Jugendlichen und dann wegen seines Eifers bei seinem täglichen Einsatz. 1996 wurde die Bubenstadt geschlossen und Bruder Jakob kehrte, gesundheitlich angeschlagen, in die deutschsprachige Provinz zurück. Zunächst wurde er der Hausgemeinschaft Milland zugeteilt, wo er auch den Garten übernahm, um die Mitbrüder mit frischem Gemüse zu versorgen. Von Milland zog er nach Ellwangen in das Pflegeheim der Provinz. Er verließ uns im Alter von 75 Jahren infolge eines bösartigen Gehirntumors.

Bruder Jakob gehört zweifellos zu jener Gruppe von Menschen, die zu Petrus sagen konnten: „Silber und Gold besitze ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir.“ Er hat sich ohne Vorbehalte hingegeben: seine Zeit, seine Freundlichkeit, seine Ehrlichkeit, seine Verfügbarkeit und Geduld. Viele der „schwierigen“ Jugendlichen der Bubenstadt erinnern sich an „Hermano Jaime“ und sprechen immer noch mit Hochachtung von ihm. Auch die Mitbrüder der Hausgemeinschaften, zu denen er gehörte, haben ihn immer geschätzt. Bruder Jakob war bescheiden, witzig und immer zum Helfen bereit. Er hatte kein besonderes Organisationstalent, war aber ein treuer, stiller Mitarbeiter, der immer da war. Er war ein verlässliches Mitglied der Gemeinschaft.

Bruder Jakob hat die Krankheit mit Gelassenheit angenommen, sich von allem langsam losgelöst und auf den Abschied aus diesem Leben vorbereitet. Wir denken in Dankbarkeit an ihn und an sein Beispiel im Angesicht des herannahenden Todes. Während der Beerdigung sagte Bruder Bruno Haspinger: „Zur Botschaft, die uns Bruder Jakob mit seinem Leben hinterlassen hat, müssen wir Vieles hinzufügen. In der Missionsprokura habe ich vergeblich einen File mit dem Namen Jakob Friedl gesucht und auch keine Liste von Wohltätern, Briefen und Projekten gefunden. Er brauchte solche Dinge nicht, schickte keine Bettelbriefe. In seinem Zimmer hatte er nichts Überflüssiges. Er trug immer Kleider aus zweiter Hand.“

Mit den Jugendlichen der Bubenstadt arbeitete er im Garten und auf dem Feld, er plauderte auch gerne mit ihnen, scherzte und genoss die ersten Früchte des Gartens. Er musste oft ein Auge zudrücken, wenn sich die Jungs heimlich an die Früchte heranmachten. Er meinte es immer gut mit ihnen. Er war immer ruhig, geduldig und konnte sich aufrichtig freuen. Der Gemeinschaft gegenüber war er immer durch und durch loyal. In der Bubenstadt gab es auch „Schwierigkeiten“, einige Mitbrüder gerieten in eine Krise und verließen die Kongregation. Er ließ sich aber davon nicht beeinflussen und erfüllte, wie immer, seine Aufgabe. Der Wechsel von einer Hausgemeinschaft zu einer anderen oder von einem Land in ein anderes bereitete ihm nie Schwierigkeiten: ein Koffer und eine Tasche genügten ihm für seine „beweglichen Güter“.

Einige Jahre vor seinem Tod wurde ihm in Innsbruck ein gutartiger Hirntumor entfernt, aber später bildete er sich wieder. Eine nochmalige Operation war nicht mehr möglich. Es begann nun seine Leidenszeit. Gewisse körperliche Funktionen ließen nach, so dass er mit dem Rollstuhl Vorlieb nehmen musste. Die Störungen nahmen von Tag zu Tag so stark zu, dass er gegen Ende auch Erstickungsanfälle hatte. Aber Bruder Jakob nahm das Kreuz gelassen an. Er verließ uns, versöhnt mit Gott und der Welt, gut vorbereitet und reif für die Ewigkeit, für den Einzug ins Vaterhaus. Er war ein einfacher, aufrichtiger, bescheidener und treuer Mitbruder. Wir sind sehr dankbar, ihn als Mitbruder gehabt zu haben.

R.I.P.

Bruder Bruno Haspinger; Pater Georg Klose