geboren am 07.10.1924 in Waldenburg (Schlesien)
Zeitliche Gelübde: 13.07.1949
Ewige Gelübde: 28.10.1951
Priesterweihe: 16.03.1952
verstorben am 16.05.2006 in Pietersburg/Polokwane/RSA
beigesetzt in Glen Cowie/RSA

Pater Günter Brosig wurde am 7. Oktober 1924 in Waldenburg-Altwasser/Schlesien geboren. Damals gehörte Waldenburg zur Erzdiözese Breslau. Sein Vater war Grubensteiger (Bergmann). Seine Familie war tief religiös. Er hatte noch eine Schwester und einen Bruder. Von 1931 bis 1935 besuchte Günter die katholische Schule in Waldenburg. Dann ging er bis 1942 in die städtische Oberschule für Jungen in Waldenburg. 1942 wurde er noch in die 8. Klasse versetzt. Kurz darauf aber musste er zum Arbeitsdienst und anschließenden Militärdienst zur Wehrmacht einrücken.

Während seiner Zeit als Soldat ist er in Frankreich, Italien, Russland und Dänemark gewesen. In Frankreich kam er sogar einmal nach Lisieux. Am Grab der Hl. Theresia beten zu dürfen, empfand er als ein Geschenk des Himmels, und das mitten im Krieg. Im Mai 1945 geriet er in englische Gefangenschaft, wurde aber bereits im August entlassen. Er wusste aber nicht, wohin er gehen könnte, denn seine Familie wurde gegen Kriegsende von Schlesien vertrieben. Günter hatte keine Ahnung, wo sie sich aufhielt oder ob sie überhaupt noch am Leben war. So ging er zu Verwandten nach Hamburg. Dort erreichte sie ein Brief. Günter erkannte sofort die Handschrift seiner Mutter. Jetzt wusste er, dass seine Eltern noch am Leben waren und wo sie wohnten.

Schon länger spürte er den Wunsch, Priester und Missionar zu werden. Deshalb begann er 1945 an der Universität von Bonn das Philosophiestudium. Dort lernte er auch seinen späteren Mitbruder Adalbert Mohn kennen. Wenn er von jener Zeit erzählte, betonte er stets, wie arm und hungrig er damals war. Es waren die schwierigen Jahre der Nachkriegszeit.

Am 21. April 1947 schloss er sich der Kongregation der „Söhne des Heiligsten Herzens Jesu“ an. Er begab sich nach Bamberg, und nach einer kurzen Postulatszeit begann er das zweijährige Noviziat, das er mit den ersten zeitlichen Gelübden am 13. Juli 1949 beendete. Nach Abschluss des Theologiestudiums legte er am 28. Oktober 1951 die ewigen Gelübde ab. Am 16. März 1952 wurde er zum Priester geweiht. Schon bald erhielt er Sendung nach Südafrika.

Seine Missionstätigkeit wurde von 1967 bis 1973 unterbrochen, da er zum Generaloberen der Kongregation mit Sitz in Ellwangen gewählt wurde. Nach seiner sechsjährigen Amtszeit kehrte er wieder nach Südafrika zurück, wo er den Rest seines Lebens als eifriger und vorbildlicher Missionar und Mitbruder verbracht hat. Er hat an verschiedenen Orten gewirkt. Er begann seine Missionstätigkeit in Glen Cowie, wo er auch die Sepedi-Sprache lernte. 1958 gründete er zusammen mit Bruder August Cagol die Mission Probeeren-Mashabela. 1961 wurde er zum Regionaloberen von Südafrika ernannt. Damals war diese Aufgabe nur eine Teilzeitbeschäftigung. Er hatte vor, sich in Burgersfort niederzulassen, jedoch der tragische Tod von Pater Andreas Nagler am Mount Anderson zwang ihn, nach Maria Trost umzuziehen. 1966 wurde High Over als Sitz für den Regionaloberen erworben. Das ermöglichte es ihm, in seinen Entscheidungen vom Diözesanbischof unabhängiger zu sein. Nach seiner Rückkehr 1973 nach Südafrika wirkte er bis 1995 in Luckau, Glen Cowie, Silverton/Mamelodi, Mashabela, Burgersfort und schließlich ab 1995 wieder in Glen Cowie, bis zu seinem Tod.

Pater Konrad Nefzger schätzte sich glücklich, jahrelang Pater Günter gekannt zu haben. Er war immer bereit, dorthin zu gehen, wohin ihn die Oberen schickten. Auch wenn ihm ein Wechsel schwer fiel, die Entscheidung des Oberen nahm er aber immer als Willen Gottes an. Er konnte stets auf seine persönlichen Wünsche verzichten.

Er stand immer loyal zum Diözesanbischof. Er hatte vier Bischöfen gedient: Mons. Johann Riegler, Mons. Anton Reiterer, Mons. Mogale Paul Nkhumishe und Mons. Paul Mandla Khumalo. Auch wenn er deren Entscheidungen nicht immer teilte, so hat er doch immer loyal mit ihnen zusammengearbeitet und sie nie öffentlich kritisiert. Er pflegte zu sagen, dass Leute, die die Bischöfe kritisieren und mit ihnen streiten, früher oder später ihren Dienst aufgeben. Was wir an ihm besonders schätzten, war sein Interesse für die Mitbrüder. Wenn er vom schlechten Betragen von Mitbrüdern erfuhr, wurde er sehr traurig, aber er würde nie jemand verurteilen. Sein einziger Kommentar war: Beten wir für ihn!

Pater Brosig kam seinen Aufgaben mit großer Treue nach und hielt sich genau an die Tagesordnung. Er kam pünktlich zu den Gottesdiensten, den Gebetszeiten und den gemeinsamen Mahlzeiten, nahm an den Beschäftigungen der Hausgemeinschaft teil, erfüllte mit großer Regelmäßigkeit seine Pastoralarbeit und den Glockendienst im Haus, fast bis zum Ende seines Lebens. Pater Brosig liebte das Gemeinschaftsleben und hieß jedermann willkommen. Er war immer da. Während seines Aufenthaltes im Krankenhaus von Polokwane dankte er den Besuchern immer wieder, auch wenn er sie nicht erkannte. Sein geistliches Leben war die Quelle seiner Treue und Anhänglichkeit an die Kongregation und die Menschen. Er hatte ein großes Gottvertrauen und verehrte das Herz Jesu und lernte von ihm, gütig und barmherzig zu sein. Während unserer letzten Unterhaltung vertraute er mir an, dass ihn zwei Dinge betrübten: Erstens, dass so viele Gläubige die heilige Kommunion empfangen, aber so wenige zur heiligen Beichte gehen; zweitens, dass sich so wenige kirchlich trauen lassen. Es war die Trauer des Guten Hirten.

Wir danken Pater Brosig für das gute Beispiel, das er uns gegeben hat. Er würde sicher sagen: „Ich habe nur meine Pflicht getan“. Möge er im Frieden des Guten Hirten ruhen! Er verschied am 16. Mai 2006 im Krankenhaus von Polokwane/Pietersburg und wurde auf dem Missionsfriedhof von Glen Cowie begaben.

R.I.P.

Pater Konrad Nefzger