geboren am 10.12.1929 in Oberschneidheim/D
Zeitliche Gelübde: 28.10.1951
Ewige Gelübde: 28.10.1954
Priesterweihe: 31.07.1955
verstorben am 12.03.1996
beigesetzt in Ellwangen/D

Pater Gebhard Schmid wurde am 10. Dezember 1928 in Oberschneidheim bei Ellwangen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart geboren. Seine gut katholische Familie war ein fruchtbarer Boden für geistliche Berufe: Pater Gebhard und sein um fünfzehn Jahre älterer Bruder Pater Franz Xaver wurden Comboni-Missionare und zwei Schwestern wählten den Ordensberuf.

Zwei Tage nach seiner Geburt wurde Gebhard in der Pfarrkirche von Unterschneidheim getauft. Nach dem Besuch der Volksschule wurde er als Zehnjähriger ins Seminar „Josefinum“ der Comboni-Missionare aufgenommen und besuchte von 1939 bis 1949 das Gymnasium in Ellwangen, während der schwierigen Jahre des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit.

Mehrere Male wurde das Schuljahr unterbrochen: 1940 wurde das Seminar „Josefinum“ beschlagnahmt und als Lazarett eingerichtet; im Mai 1941 wurde es von der SS besetzt; am 22. April 1945 wurde das Haus kurz vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in die Luft gesprengt. Die Studenten mussten deshalb nach alternativen Unterkunftsmöglichkeiten suchen, um das Studium weiterführen zu können. Gebhard wohnte ab 1940 bei einer Familie in Schrezheim. Einige Monate vor Kriegsende wurde Gebhard noch als Sechzehnjähriger vom 13. Januar bis 12. März 1945 in ein Arbeitslager in Adelsdorf (Oberfranken) geschickt.

Nach dem Krieg kam Gebhard nach Josefstal. Die Wohnverhältnisse im Schleifhäusle waren äußerst bescheiden. In den alten Gebäuden lebten bis zu 130 Studenten, Brüderkandidaten, Brüdernovizen und Patres. Dank der großartigen Arbeit der Brüder und Patres überlebten die Studenten nicht nur, sondern fühlten sich im Hause wohl und freundeten sich mit der strengen Disziplin an. 1949 legte Gebhard die Reifeprüfung ab. Nun standen ihm die Tore für jede beliebige Universität offen.

Er entschied sich für die Kongregation der Missionare Söhne des Heiligsten Herzens (MFSC). Der Hausarzt bescheinigte ihm gute Gesundheit, und der Rektor des Seminars befürwortete seine Aufnahme. Am 16. September 1949 trat er ins Postulat von Bamberg ein und begann am 30. Oktober 1949 das Noviziat. Zwei Jahre später, am 28. Oktober 1951, legte er die ersten Gelübde ab und setzte die philosophischen und theologischen Studien in Bamberg fort. Am 28. Oktober 1954 weihte er sich endgültig durch die ewige Profess Gott und der Mission. Am 31. Juli 1955 weihte ihn Erzbischof Dr. Josef Schneider in Bamberg zum Priester.

Nach einigen Monaten Pastoralarbeit in der Umgebung von Bamberg wurde der junge Priester in die Vereinigten Staaten von Amerika gesandt. Bischof William L. Adrian von Nashville, Tennessee, hatte die Kongregation eingeladen, eine Pfarrei von Schwarzen in Memphis zu übernehmen. Am 20. März 1956 flog der Generalobere Pater Richard Lechner mit den Patres Konrad Lohr und Gebhard Schmid von Frankfurt nach Memphis. Pater Lechner blieb sechs Monate dort, um sie in die Pastoralarbeit der St. Antonius von Padua Pfarrei einzuführen.

Am 25. Februar 1957 beschlossen der Bischof von Nashville und Pater Richard Lechner, „den Vertrag um vier Jahre zu verlängern“. Der Bischof war mit der Arbeit der deutschen Missionare zufrieden. Es kamen dann noch zwei weitere Jahre hinzu, so dass sie bis zum 1. Juni 1963 in der Pfarrei arbeiten konnten. Ursprünglich war geplant, eine neue Hausgemeinschaft in den USA zu eröffnen, doch der Personalmangel in Südafrika und die bevorstehende Wiedervereinigung mit den FSCJ machten es ratsam, vorläufig nichts Neues zu unternehmen.

Pater Gebhard arbeitete gerne in Memphis. Den Gemeindemitgliedern teilte er im März 1963 nur so nebenbei mit, dass die deutschen Missionare die Pfarrei verlassen würden, aber sein Herz blutete: „Wir haben es ihnen am vergangenen Sonntag mitgeteilt. Alle waren zutiefst überrascht und beteuerten uns, dass sie unser Weggehen sehr bedauerten. Hoffentlich ist das auch wahr“.

Pater Gebhard erhielt am 23. November 1963 Sendung nach Südafrika. Unmittelbar nach seiner Ankunft wurde er zum Pfarrer von Witbank ernannt. Seine guten Englischkenntnisse waren ein großer Vorteil. Die Leute fragten sich: Wer ist der neue Priester mit einem deutsch-amerikanischen Akzent? Er verliebte sich schnell in die Leute der Dompfarrei, und diese schätzten ihn sehr. Südafrika war damals das Land der Apartheid, und auf die eine oder andere Weise war jeder ein Gefangener des Systems. Die Pfarreiarbeit erforderte viel Zeit und Energie, und so blieb ihm kaum Zeit, die einheimische Sprache zu lernen. Manche kritisierten ihn deswegen. Er hat sein ganzes Leben darunter gelitten, dass ihn manche Mitbrüder als Priester nur für die Weißen betrachteten.

Von 1980 bis Ende 1986 war Pater Gebhard Provinzoberer von Südafrika und musste deswegen nach Maria Trost/Lydenburg übersiedeln, das damals Sitz des Provinzials war. In den sechs Jahren seiner Amtszeit hat er sowohl für die Ortskirche als auch für die Comboni-Missionare wertvolle Arbeit geleistet. Mit seinem ermutigenden Stil hat er in vielerlei Hinsicht Fortschritte in der Provinz erzielt. Die Provinzoberen von Südafrika haben ihm ihre Wertschätzung gezeigt, indem sie ihn für drei Jahre zum Präsidenten wählten. Es waren schwierige Zeiten, und es gab große Spannungen und viele Veränderungen im politischen, sozialen und kirchlichen Bereich.

Pater Gebhard nahm als Delegierter der Mitbrüder von Südafrika am Generalkapitel der MFSC 1973 in Mellatz teil und am Treffen der beiden Generalkapitel in Ellwangen 1975, das die Wiedervereinigung der beiden Kongregationen beschloss. Als Provinzial von Südafrika war er beim Generalkapitel 1985. Der heutige Provinzial von Südafrika erinnert sich gerne an Pater Gebhard: „Ich habe ihn seit vielen Jahren gekannt und erinnere mich mit Freude an die guten alten Zeiten, die ich mit ihm in Maria Trost verbracht habe. Seine Arbeit als Priester in Witbank und als Provinzial der MCCJ hat reichliche Früchte getragen für uns, die Ortskirche und die Menschen in Südafrika… jetzt genießt er mit Daniel Comboni die Gegenwart des Herrn.“

Nach dreißigjähriger Abwesenheit von seiner Heimat wurde er am 1. Januar 1987 in die Deutschsprachige Provinz versetzt. Er hat sich nur schwer zu einer Entscheidung durchgerungen. Er hatte die Möglichkeit, in die USA zurückzukehren und in der Nordamerikanischen Provinz (NAP) zu arbeiten oder in Südafrika zu bleiben oder für seine Heimatprovinz zu optieren. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile entschied er sich für die deutsche Heimatprovinz. Es fiel ihm schwer, von so vielen Freunden und Bekannten Abschied zu nehmen, die seine Arbeit und seine Talente schätzten. Die DSP war ihm unbekannt. Manchmal platzte ihm der Kragen und er sagte: „In Südafrika war ich jemand, hier bin ich niemand“.

Als Hausoberer von Mellatz von 1987-1990 fühlte er sich nicht wohl. Aber als er Pfarrer von Opfenbach wurde, fand er seinen früheren Schwung wieder, den inneren Frieden und die Liebe der Menschen und der Pfarrkinder. Wegen gesundheitlicher Probleme musste er 1993 die Pfarrarbeit aufgeben und dafür die Hausverwaltung von Josefstal übernehmen. Im Dezember 1995 erkrankte er schwer und musste auf die Krankenstation von Ellwangen gebracht werden. Zwei Bilder kommen mir in den Sinn, wenn ich mich an Pater Gebhard erinnere: Ich sehe ihn am Steuer seines Autos sitzen und wie er im Rollstuhl in den Speisesaal von Ellwangen geschoben wird.

Gebhard machte das Autofahren viel Spaß; er war ein schneller Fahrer. Mit den Worten: „am Steuer“ beschrieb er seine Arbeit als Pfarrer in Memphis, als Pfarrer der Dompfarrei Witbank, als Dekan des Dekanats „Highveld“, als Provinzial von Südafrika, als Hausoberer von Mellatz, als Pfarrer von Opfenbach und als Verwalter von Josefstal.

Er war ein initiativfreudiger Mensch, ließ aber seinen Mitarbeitern genügend Spielraum. Er nahm die Menschen ernst und pflegte die Freundschaften. Bis zu seinem Tod unterhielt er Kontakte zu vielen Freunden in Unterschneidheim, Memphis, Witbank, Lydenburg-Maria Trost, Opfenbach, Ellwangen und Umgebung. Seinen Freunden vertraute er seine Ängste an, sein Leid und das Gefühl des Versagens in der Zeit der Apartheid, den Mangel an Alternativen wegen der Unkenntnis der einheimischen Sprache und seine nachlassende Gesundheit. Ich kann mir gut vorstellen, wie viel es ihn gekostet haben mag, das Auto mit dem Rollstuhl zu vertauschen, sein Lenkrad anderen zu überlassen. Die Zeit der endgültigen Reife war angebrochen, die Zeit des Loslassens, des Wartens, des Leidens und des Kreuztragens.

Mit Interesse verfolgte er aus der Ferne die Veränderungen in Südafrika. Er freute sich, dass das schreckliche Apartheidsystem endlich zusammengebrochen war. Er las mit Interesse die Autobiographie von Nelson Mandela und unterhielt sich mit seinen Freunden über die Entwicklungen in Südafrika. In dieser Zeit entdeckte er immer mehr unseren Gründer Daniel Comboni. Ein paar Tage vor seinem Tod sagte er zu mir: „Ich weiß, dass ich sehr krank bin, ich nehme das als mein Kreuz an. Das ist jetzt meine Aufgabe, und ich weiß, dass dort, wo das Kreuz steht, auch der Geist Gottes weht“.

Das Leben von Pater Gebhard könnte mit folgenden Worten der Lebensform (LF 2.2) zusammengefasst werden: „Nach dem Beispiel des Gründers bemüht sich der Missionar, initiativfreudig und beharrlich bei jeder Arbeit zu sein. Den Schwierigkeiten begegnet er mit Ausdauer; Einsamkeit, Erschöpfung und scheinbare Erfolglosigkeit erträgt er geduldig und mutig“.

Am Abend vor seinem Tod schrieb er noch einen Brief an einen Mitbruder in Südafrika: „Mein Beitrag muss jetzt das Gebet und das Opfer sein. Die Liste derjenigen, für die ich zu beten versprochen habe, wird jeden Tag länger. Jeden Morgen trage ich diese Liste zum guten Gott und bitte ihn, euch alle zu segnen. Alles Übrige überlasse ich ihm, denn er weiß, was gut ist. Mein Gesundheitszustand verschlechtert sich immer mehr. Ich bin jetzt in Ellwangen und befinde mich im Rollstuhl. Mit meinen Lungen steht es schlecht, ansonsten geht es mir gut. Ich bitte den Herrn um Geduld, bis zum Ende weiterzumachen. Ich grüße dich und wünsche dir alles Gute im Herrn. Gebhard.“

Am frühen Morgen des 12. März 1996 ist er wohl früh aufgestanden, dann aber hat er sich noch einmal hingelegt, um bald darauf zu sterben. Er hat als eifriger und frommer Comboni-Missionar gelebt. Als sich am 4. März fünfhundert Pilger anschickten, zur Seligsprechung von Comboni nach Rom zu reisen, wurde Gebhard in Ellwangen beigesetzt, um mit Daniel Comboni und seinen Freunden im Himmel zu feiern. Viele Freunde und Mitbrüder dankten Gott für das wertvolle Geschenk von Pater Gebhard Schmid und gaben ihm das letzte Geleit.

R.I.P.

Pater Anton Maier