geboren am 23.03.1932
Zeitliche Gelübde: 29.09.1957
Ewige Gelübde: 19.03.1960
Priesterweihe: 29.06.1960
verstorben am 13.09.2026


Pater Fidelis Pezzei (23.03.1932 – 13.09.2026)

Pater Fidelis stammte aus einer Bauernfamilie von Campill im Gadertal (Südtirol). Im Gadertal wird Ladinisch gesprochen, eine rätoromanische Sprache. In der Schule wurde zu seiner Zeit nur in italienischer Sprache unterrichtet. Es war die Zeit des Faschismus unter Mussolini. Fidelis war das älteste von fünf Kindern und sollte und wollte auch Bauer werden und den Hof übernehmen. Vorher wollte er sich aber noch etwas weiterbilden und eventuell eine weiterführende Schule besuchen.

Dabei kam ihm sein Onkel (der auch aus Campill stammte) Pater Johann Pezzei zu Hilfe. Dieser war auch Comboni-Missionar und wirkte später als Missionar in Peru bis zu seinem Tod. Dieser brachte ihn und seinen eineinhalb Jahre jüngeren Bruder Jakob in das 1947 neu eröffnete Seminar Xaverianum nach Milland. Von dort aus besuchten beide das bischöfliche Seminar Vinzentinum in Brixen. Als Ladiner tat sich Fidelis anfangs schwer mit der deutschen Sprache und war nicht selten dem Spott seiner Klassenkameraden ausgesetzt. Er aber nahm das gelassen hin.

Im Xaverianum erwachte sein Wunsch, Missionar zu werden, wie sein Onkel Johann. Auch ein zweiter Onkel und Bruder von Johann, Ignaz Pezzei, war Comboni-Missionar. Er arbeitete als Missionsbruder bis zu seinem Tod in Südafrika. Nach Abschluss seines Studiums im Vinzentinum begann er 1955 in Bamberg das Noviziat. Auch dort fiel er wegen seiner etwas eigenartigen Sprache auf, machte sich aber nichts daraus. Er bekannte sich zu seiner Herkunft. Auf das Noviziat und die ersten Ordensgelübde am 29. September 1957 folgten fünf Jahre Theologiestudium in Brixen und die Priesterweihe am 29. Juni 1960. Bis zu seiner Sendung nach Peru 1963 arbeitete Pater Fidelis in der Missionarischen Bewusstseinsbildung in Südtirol.

Fünf Jahre vor seiner Ankunft in Peru war den deutschsprachigen Comboni-Missionaren die neu errichtete Prälatur und spätere Diözese Tarma anvertraut worden. Pater Fidelis wurde gleich nach seiner Ankunft in der Pfarrei Tarma eingesetzt. Die meisten Leute dort waren wie in ganz Peru und Südamerika katholisch getauft, der Kirche fehlte es aber vor allem an Priestern und Seelsorgern. Es gab viele Orte mit mehreren tausend Einwohnern vor allem in den Bergen, die ohne Priester waren. Es war die Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Neuaufbruch war angesagt. Pater Fidelis war hier in seinem Element. Deshalb und wegen seines etwas ruckartigen Fahrstils wurde er bald „Der rasende gute Hirte“ genannt. Er besuchte die vielen weit entlegenen Berggemeinden, ließ die oft wunderschönen, aber vernachlässigten Kirchen und Kapellen restaurieren, suchte Katechistinnen und Katechisten und schuf Zentren für deren Weiterbildung. Dasselbe galt für seine nächste Seelsorgestelle in der Diözese und Bischofsstadt Huánuco, wohin er 1982 versetzt wurde. Wie angesehen er war und wie seine Tätigkeit dort geschätzt wurde, zeigte sich nach dem Tod des dortigen Bischofs im Januar 1991, als Pater Fidelis zum Administrator der Diözese ernannt wurde, bis ein neuer Bischof bestimmt wurde.

In diese Zeit fällt ein Ereignis, das auch typisch für ihn war. Es war die Zeit des Terrors des „Sendero Luminoso“ (Leuchtender Pfad). Die Guerilla überfiel vor allem die schutzlosen Orte und Menschen in den Bergen. Nach der Guerilla kamen meist bald die Polizei und das Militär, die oft nicht weniger brutal auch gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Schon allein die oft weiten und beschwerlichen Fahrten in diese Orte waren damals lebensgefährlich. Pater Fidelis ließ sich weder einschränken noch einschüchtern. So geschah es in der Karwoche 1993. Der Ort, in dem sich Pater Fidelis gerade aufhielt, wurde von der Guerilla überfallen. Wieder rückte auch das Militär an. Es gab zahlreiche Tote. Auch das Auto von Pater Fidelis hatte Einschusslöcher. Das fiel den Leuten nach seiner Rückkehr in Huánuco auf und wurde zum Stadtgespräch. Pater Fidelis musste berichten und schilderte der Presse und dem Fernsehen, was geschehen war, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Das war strategisch wohl nicht ganz klug, aber so war eben Pater Fidelis. Nach einiger Zeit kam den Comboni-Missionaren zu Ohren, dass Polizei und Militär ihn zum Schweigen bringen wollten, indem sie einen tödlichen Unfall provozierten, was bei den gefährlichen und unbefestigten Bergstraßen nicht allzu schwierig gewesen wäre. Die Generalleitung beschloss daraufhin, Pater Fidelis in die Deutschsprachige Provinz zu versetzen. So endete für ihn 1994 seine Missionstätigkeit in Peru.

Von da an bis zu seinem Tod 2026 wirkte er in der Deutschsprachigen Provinz: Zuerst als Hausoberer der Gemeinschaft in Milland von 1994 bis 1998 und anschließend besonders in der Missionarischen Bewusstseinsbildung. Später wurde er nach Bamberg für die gleiche Tätigkeit versetzt. Die letzten 18 Jahre verbrachte er in Neumarkt in der Oberpfalz, wo er ebenso eifrig in der Missionarischen Bewusstseinsbildung und als Aushilfspriester in den Pfarreien arbeitete. Er nahm jede Aufgabe, die ihm anvertraut wurde, und jede Situation an, ohne viel zu fragen.

Wo immer Pater Fidelis eingesetzt wurde, trat er in Verbindung mit den vielen Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus Peru und Lateinamerika, deren spirituelles und menschliches Wohl ihm sehr am Herzen lag. Viel mehr als Gottesdienste anbieten, konnte er nicht für sie tun. Als er aus Altersgründen nicht mehr selbst Auto fahren durfte, ließ er sich abholen.

Man sah ihn fast immer mit einem lächelnden Gesicht. Und lachen konnte er vor allem auch über sich selbst. Auch die Beschwerden des Alters nahm er ohne zu jammern an, lachte über sie und machte lustige Bemerkungen dazu. Er war ein tief religiöser Mensch, auch auf seine Art. Einem befreundeten Mitbruder vertraute er einmal an, dass er jeden Tag drei Rosenkränze bete.

Als er immer mehr Hilfe brauchte, begab er sich im April 2026 bereitwillig von Neumarkt in die Seniorengemeinschaft von Ellwangen. Seine Krankheit trug er mit viel Geduld. Trotz manchmal heftigen Schmerzen nahm er bis wenige Tage vor seinem Tod am gemeinschaftlichen Leben teil, bis zu seiner Einlieferung ins nahegelegene Hospiz bei den St. Anna Schwestern.  Dort verschied er zwei Tage später am 13. September 2026 im Alter von 94 Jahren.

Seinem leiblichen Bruder Jakob, der Missionsbruder ist, und seinen zwei Cousins Pater Paul Pezzei und Bruder Johannes Valentini, die auch zur Hausgemeinschaft von Ellwangen gehören, gilt unsere besondere Anteilnahme. Pater Fidelis ruht nun im Ellwanger Stadtfriedhof inmitten seiner Mitbrüder.

R.I.P.

Pater Reinhold Baumann und Mitbrüder


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