geboren am 16.10.1909 in Gommersdorf/D
Zeitliche Gelübde: 03.10.1928
Ewige Gelübde: 25.12.1932
Priesterweihe: 29.06.1933
verstorben am 01.02.1998
beigesetzt in Ellwangen/D

Am Sonntag, den 1. Februar 1998, hat Pater Anton Baumgart im Alter von 89 Jahren in Ellwangen sein irdisches Leben beendet und ist zum Vater heimgekehrt. Die Kirche bereitete sich gerade auf das Fest der Darstellung Jesu im Tempel vor. In der Liturgie dieses Festes lesen wir Simeons Lied: „Nunc Dimittis“. Während seiner letzten Lebensjahre konnte Pater Baumgart das Bett nicht mehr verlassen und war völlig auf die Pflege seiner Mitbrüder angewiesen. Durch die Gnade Gottes ist dieses Lied auch für ihn nun Wirklichkeit geworden!

Anfang Februar fand in Mellatz die Provinzialversammlung der DSP statt, an der der Generalobere Pater Manuel Augusto und Generalassistent Pater Rafael Gonzalez Ponce teilnahmen. So konnten viele Mitbrüder Pater Anton zum Ort seiner letzten Ruhe in Ellwangen begleiten.

Pater Baumgart wurde am 16. Oktober 1909 in Gommersdorf in der Erzdiözese Freiburg geboren. Von 1920 bis 1926 studierte er am Gymnasium von Ellwangen. Am 1. November 1926 begann er das Noviziat der Comboni-Missionare in Milland/Brixen (damals Herz-Jesu-Missionare). Seine ersten Gelübde legte er am 3. Oktober 1928 ab und begann anschließend das Studium der Philosophie und der Theologie am Priesterseminar von Brixen, von 1928 bis 1933. Am Weihnachtsfest 1932 weihte er sich für immer mit den ewigen Gelübden Gott und der Mission. Am 29. Juni 1933 erteilte ihm Bischof Dr. Johannes Geisler in Brixen die Priesterweihe. Bereits wenige Monate später reiste er in die Mission von Südafrika aus.

Pater Anton begann gleich mit dem Studium der Zulu-Sprache. Von allem Anfang an widmete er sich mit großem Eifer und unermüdlichem Einsatz der Missionsarbeit. Trotz der vielen Schwierigkeiten war er seinen Leuten immer sehr nahe. Es war die Zeit der Apartheid. Einheimische und Mischlinge wurden überall diskriminiert. Unter solchen Umständen war es sicherlich nicht einfach, als Missionar tätig zu sein. Pater Baumgart hat unter der katholischen Bevölkerung der Diözese Witbank ein dauerhaftes Zeugnis seines großherzigen Missionseinsatzes hinterlassen. Selbst jetzt, nach fünfzig Jahren, erinnern sich viele Christen noch an ihn und sprechen mit Hochachtung und Dankbarkeit von ihm. Er wirkte auf den Missionen von Maria Trost, Ermelo und White Waters. Von 1946 bis 1949 war er Regionaloberer.

1949 nahm er am Generalkapitel in Deutschland teil und wurde zum Generalassistenten gewählt. Der Generalrat wählte ihn anschließend zum Generalvikar. Das zweite Amt hatte er bis 1955 inne und wiederum von 1961 bis 1967. Gleichzeitig wurde er zum Rektor und Verwalter von Josefstal ernannt.

1955 übernahm er das wichtige Amt des Novizenmeisters mit Sitz in Bamberg. 1959 zog er mit den Novizen in das neuerbaute Noviziat von Mellatz. Als Novizenmeister hat er eine große Anzahl junger Mitbrüder in das Ordensleben eingeführt. So mancher nahm ihn als Vorbild für sein asketisches und religiöses Leben. Einer imitierte sogar seinen Haarschnitt. Mit sich selbst war Pater Anton sehr streng, aber sehr menschlich mit den Novizen, Mitbrüdern und Außenstehenden. Von den Novizen und den Mitbrüdern erwartete er die genaue Einhaltung der Regeln und Überlieferungen. Er gehörte zu jener Generation von Mitbrüdern, die eine sehr strenge religiöse Ausbildung erfahren hatten. Er war ein tief religiöser und asketischer Ordensmann. Seine ehemaligen Novizen bezeugen, dass er ein großer Beter war. Noch um Mitternacht konnte man ihn beim Gebet antreffen und schon wieder um fünf Uhr morgens in der Kapelle.

Nach zwölf Jahren wurde das schwere Amt des Novizenmeisters einem jüngeren Mitbruder übertragen, und Pater Anton wurde wieder zum Hausoberen von Josefstal ernannt (1967-1975). 1975 wurde er als Hausoberer nach Bamberg versetzt. Von 1980 bis 1988 war er Krankenhauskaplan von Ellwangen. Er hat diese Aufgabe gewissenhaft und mit großem Eifer erfüllt.

Schließlich erkrankte er selber und wurde in kurzer Zeit ein Pflegefall, der rund um die Uhr Hilfe brauchte. Jahrelang ertrug er mit bewundernswerter Geduld seine Krankheit und vertraute auf die Kraft der Auferstehung Jesu.

Auch wir, seine Mitbrüder, behalten ihn so wie viele andere, denen er als Missionar und Seelsorger gedient hatte, in dankbarer Erinnerung.

Pater Anton hat Jahrzehnte lang als Missionar, als Mitglied der Generalleitung und Hausoberer und als Novizenmeister hervorragende Arbeit geleistet und die Geschichte der MFSC-Kongregation geprägt. Sein Erscheinungsbild wirkte eher reserviert und war nicht anziehend. Aber er konnte große Anteilnahme und viel Verständnis zeigen. Die Brüder schätzten ihn besonders als Seelenführer, als er Hausoberer von Josefstal und Bamberg war.

Im Sommer 1987 besuchte ihn der Provinzobere Pater Anton Maier und brachte dann seine Eindrücke zu Papier. „Als ich sein Zimmer betrat, fand ich ihn aufgeregt und unruhig im Bett liegen. Ich begann laut den Rosenkranz zu beten. Er konnte nicht mehr sprechen, aber langsam beruhigte er sich. Am Schluss bedeckte er mit beiden Händen sein Gesicht, wie einer, der in sich hineinschauen will. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich bitte den Herrn, ihm seinen ewigen Lohn zu schenken, denn er hat während seiner langen Krankheit die DSP mit seinen geistlichen Verdiensten bereichert.“

Pater Baumgart war immer bereit, neue Aufgaben zu übernehmen. Für ihn bedeutete das Gelübde des Gehorsams immer bereit zu sein, die Aufgaben zu übernehmen, die Gott ihm durch die Oberen anvertrauen würde. Als er 1980 gebeten wurde, die Krankenhausseelsorge in Ellwangen zu übernehmen, schrieb ihm der Provinzial unter anderem folgende Zeilen: „Wenn alle Mitbrüder so bereit und verfügbar wären, wie Sie es immer gewesen sind, wäre die Versetzung des Personals eine viel einfachere Aufgabe!“

Auf der Rückseite seines Sterbebildchens lesen wir einen Text aus dem Brief an die Philipper, den Pater Anton sicher oft betrachtet hat: „Ich halte dafür, dass alles Verlust ist, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles überragt. So hoffe ich, auch zur Auferstehung der Toten zu gelangen.“ (vgl. Phil 3, 3-10).

R.I.P.

Pater Georg Klose