geboren am 21.10.1903 in Hohenrot/D
Zeitliche Gelübde: 09.09.1926
Ewige Gelübde: 09.09.1932
verstorben am 19.07.1998
beigesetzt in Glen Cowie/RSA

Bruder Ludwig Brand wurde am 21. Oktober 1903 in Hohenrot (Baden-Württemberg) geboren. Am 20. November 1923 trat er als Postulant in Ellwangen bei den Comboni-Missionaren ein. Am 9. September 1924 wurde er in Milland ins Noviziat aufgenommen und am 9. September 1926 legte er die ersten zeitlichen Gelübde ab. Er erlernte das Schneiderhandwerk und schloss die Lehre mit der Gesellenprüfung ab. In Glen Cowie(Südafrika) weihte er sein Leben am 9. September 1932 mit den ewigen Gelübden für immer Gott und der Mission.

1928 erhielt er Sendung nach Südafrika und kam am 15. Mai auf der Missionsstation Maria Trost/Lydenburg an. Obwohl er ausgebildeter Schneider war, musste er gleich die Verantwortung für die große Farm Maria Trost übernehmen. Er begann seine Arbeit mit großer Begeisterung. Bald wurde er auch LKW-Fahrer. Jahrelang war er der einzige LKW-Fahrer der Präfektur Lydenburg. Er machte sich auch gleich ans Studium der beiden Landessprachen: Afrikaans und Englisch. Afrikaans war die Umgangssprache der Farmer. Bruder Ludwig sprach beide Sprachen fließend. Die Landwirtschaften waren für die Missionen damals äußerst wichtig: sie waren praktisch die einzigen Einnahmequellen zum Unterhalt der Missionare, ihrer Tätigkeit und Werke wie Schulen, Landkliniken und Krankenhäuser. Die Farmen lieferten Mais, Getreide, Kartoffeln Gemüse, Obst (Pfirsiche, Aprikosen, Birnen, Trauben…) und Fleisch von der Vieh-, Schweine- und Hühnerzucht. Alle Missionen wurden mit Produkten aus den Landwirtschaften versorgt.

Im Mai 1930 wurde Bruder Ludwig zum ersten Mal nach Glen Cowie versetzt. Dort legte er am 9. September 1932 die ewigen Gelübde ab. 1939 kam er wieder nach Maria Trost zurück und arbeitete dort während des ganzen Zweiten Weltkrieges. Einige Mitbrüder wurden damals von der Regierung in ein Internierungslager gebracht, da sie als Deutsche einer feindlichen Nation angehörten. Aber bald merkten die Behörden, dass sie von den „Missionaren Söhnen des Heiligsten Herzens Jesu“ nichts zu befürchten hatten. So durften sie zu ihren Missionen zurückkehren und ihre Seelsorgearbeit wieder aufnehmen. Bruder Ludwig leitete die Farm Maria Trost bis 1955. Dann kehrte er nach Glen Cowie zurück. Im folgenden Jahr musste er die volle Verantwortung für die Farm übernehmen, da Bruder Mirbeth gestorben und Bruder Merz erkrankt war. Während der folgenden zwanzig Jahre versah er die Missionare und Schwestern, das „Schutzengel“-Schülerinneninternat und das St. Rita-Krankenhaus mit Wasser, Fleisch, Milch und Gemüse, bis 1966 Bruder Hermann Engelhardt ankam und ihm einen Teil der Arbeit und der Verantwortung abnahm.

Bruder Ludwig hat die letzten 43 Jahre in Glen Cowie verbracht. Er machte regelmäßig seinen Heimaturlaub und besuchte auch einige Brüder, die in die Vereinigten Staaten ausgewandert waren. Er stand in ständigem Briefkontakt mit seinen Verwandten in Deutschland, dachte aber nie daran, in die Heimat zurückzukehren. Er wollte in Glen Cowie begraben werden. Er starb als letzter seiner Geschwister.

Bruder Ludwig arbeitete bis Mitte Juni 1997. Er stand den Leuten sehr nahe, half, wo er konnte, und war ständig mit kleineren Arbeiten auf der Mission beschäftigt. Zweimal wurde er von Dieben überfallen, aber ohne größere Verletzungen davonzutragen. Er nahm seine Arbeiten bald wieder auf und mit noch mehr Energie. Er verrichtete Ausbesserungsarbeiten, läutete die Kirchenglocken, fütterte die Schweine und kümmerte sich um die Hunde. Vor sechzehn Jahren wurde ihm eine Herzklappe eingesetzt, um den Bluthochdruck zu regulieren. Er erholte sich gut, musste aber täglich Medizinen einnehmen und regelmäßig einen Spezialisten in Pretoria aufsuchen und sich einer Kontrolle unterziehen. Jedes Mal wurde er von den Mitbrüdern von Silverton stürmisch begrüßt, aber er dachte gleich wieder an die Rückreise nach Glen Cowie. Der Arzt teilte ihm immer lachend mit: „Bruder, du bist bei bester Gesundheit. Wir werden dich erschießen müssen, wenn wir dich loswerden wollen“. Der Bruder wiederholte diese Worte mit großem Vergnügen. Fragte man ihn, wie es ihm gehe, antwortete er: „Ganz gut, aber ich werde alt!“ Nach dem 90. Geburtstag stellten sich Gesundheitsprobleme ein. Seine Füße schwollen an und sein Gang wurde mühsam, von einem Gehstock aber wollte er nichts wissen. Auch sein Gehör begann nachzulassen, bei den Gemeinschaftstreffen bekam er kaum mehr was mit, so dass er immer öfters wegblieb. Sein Verstand jedoch war hell und lebendig wie immer, er erzählte gerne von den „alten Zeiten“, wenn er jemanden fand, der Zeit hatte, ihm zuzuhören. Er betete für alle und hatte immer den Rosenkranz in der Hand.

Im Verlauf der letzten Monate ließen seine Kräfte immer mehr nach, und er konnte das Zimmer nicht mehr verlassen. Die Mitbrüder und Sr. Remigius von den Töchtern des Unbefleckten Herzens Mariä (allgemein Daughters genannt – Bischof Riegler hatte diese Kongregation gegründet) pflegten ihn und in seinen letzten Lebenswochen auch Frau Johanna Mkhabela. Er verließ kaum mehr das Bett, stand aber nachts oft auf. Da er noch immer keinen Stock benützen wollte, stürzte er immer wieder und rief dann laut um Hilfe. Sofort eilten Mitbrüder herbei, um ihn aufzurichten und ins Bett zu legen. Er hat sich aber nie gröber verletzt, die blauen Flecken und Kratzer heilten schnell. Auch das Essen wurde ihm ins Zimmer gebracht. Am 15. Juli 1998 ist er erneut gefallen und war von da an verwirrt. Sofort wurde er ins Krankenhaus von Glen Cowie gebracht, wo er sich etwas erholte. Ein Mitbruder blieb immer an seiner Seite. Von Pretoria eilten der Provinzobere und vier Schwestern von den Daughters, die in Glen Cowie gearbeitet hatten, herbei. Aber Bruder Ludwig erkannte niemanden mehr, sprach nur noch Deutsch und einige Wörter Afrikaans. Am Sonntag, den 19. Juli, nachmittags ist er friedlich verstorben.

Bruder Ludwig glich einem Bären, hatte aber ein zartes Herz. In seinen Antworten war er oft recht kurz angebunden, bemühte sich aber immer, den Wünschen der Bittsteller zu entsprechen. Er hat beim Bau vieler Kirchen und Schulen mitgeholfen. Wegen seiner starken Stimme und seines roten Bartes nannten ihn die Leute Tedukhulwana (Barbarossa – Rotbart). Bei der Beerdigung haben ihm viele ihre Achtung und Dankbarkeit bekundet. Am 27. Juli wurde er im Friedhof von Glen Cowie beigesetzt. Der Bischof stand der Eucharistiefeier vor, und der Provinzobere hielt die Traueransprache. Der Generalobere, der Pfarrer Pater Rojas Zevallos, der gerade Heimaturlaub weilte, und der frühere Pfarrer Pater Mendes Rebelo sandten Beileidstelegramme. Fast alle Mitbrüder und Priester der Diözese nahmen am Begräbnis teil und viele Ordensleute und Gläubige. Die Mädchen und die Lehrpersonen der Oberschule hatten die Gesänge in der Kirche und auf dem Gang zum Friedhof vorbereitet.

Bruder Ludwig zeigte keine besondere Frömmigkeit nach außen und war eher ungeduldig. Aber großes Gottvertrauen und Berufstreue zeichneten ihn aus. Obwohl er mitansehen musste, dass die Farmen, auf denen er so schwer gearbeitet hatte, abgegeben oder aufgegeben wurden, hat er trotzdem seinen Frohsinn und seinen Optimismus nicht verloren. Er lebte in Gottes Gegenwart. Er nahm stets an den Gebetszeiten der Gemeinschaft teil und passte sich ohne Schwierigkeiten den Veränderungen an. Er war sicher ein tugendhafter Ordensmann. Auf seine Art speiste er die Hungernden, gab den Durstigen zu trinken, bekleidete die Nackten, nahm die Fremden freundlich auf, besuchte die Kranken und Gefangenen. Obwohl ein Fremder in Südafrika, nahmen ihn die Leute von Maria Trost und Glen Cowie gut auf. Glen Cowie wurde seine Heimat. Bruder Ludwig war ein Pionier der „plantatio“ des Reiches Gottes in der Diözese von Witbank und wurde dadurch zum „Vater im Glauben“. 1928 kam er in die Präfektur von Lydenburg, zu der damals auch das Gebiet Mpumalanga, jetzt Diözese Dundee, gehörte mit den großen Missionen von Standerton, Ermelo, Volksrust und Piet Retief. Es gab damals erst drei Pfarreien: Lydenburg, Glen Cowie und Witbank. In den vergangenen siebzig Jahren ist die Saat des Evangeliums aufgegangen und gewachsen: es gibt heute vierzig Pfarreien, viele katholische Gemeinden, eine stets wachsende Zahl von Leadern und Pastoralkräften. Wir danken Bruder Ludwig und allen Arbeitern im Weinberg des Herrn. Wir erbitten vom Herrn die gleichen Gnaden, das heißt, Arbeitseifer und Ausdauer, um Missionare wie sie zu sein und uns gewissenhaft und großherzig wie sie einzusetzen. Möge Bruder Ludwig Tedukhulwana Brand im Frieden Gottes ruhen!

R.I.P.

Pater Giuseppe Sandri