geboren am 15.06.1912 in Oberbettringen/D
Zeitliche Gelübde: 09.09.1933
Ewige Gelübde: 25.12.1936
Priesterweihe: 29.06.1937
verstorben am 12.01.1998
beigesetzt in Ellwangen/D

Pater Alois Hirner ist 86 Jahre alt geworden. Es ist schwierig gewesen, Einzelheiten aus seinem Leben zu erfahren. Außer einigen Briefen finden sich kaum Dokumente in seiner persönlichen Kartei. Er hat sicher bei seiner Arbeit in verschiedenen Ländern vieles erlebt, aber er hat leider keine Aufzeichnungen hinterlassen. Pater Alois ist am 15. Juni 1912 in Oberbettringen, nahe Schwäbisch Gmünd, in der Diözese Rottenburg-Stuttgart geboren.

Vorbereitung auf das Priestertum

Im Alter von 18 Jahren begann er am 28. Juni 1930 in Milland das Postulat und am 9. September 1931 das Noviziat. Das Leben war damals sehr hart, die Erziehung streng, aber alles verlief ohne größere Probleme. Die Machtübernahme Hitlers 1933 in Deutschland brachte große politische Änderungen mit sich. In Milland/Brixen konnte Alois seine Ausbildung zum Priestertum jedoch ohne größere äußere Störungen fortsetzen. Am 9. September 1933 beendete er das Noviziat mit den ersten zeitlichen Gelübden. Dann besuchte er am Priesterseminar von Brixen die Vorlesungen in Philosophie und Theologie. Am Weihnachtstag 1936 weihte er sich endgültig durch die Ablegung der ewigen Gelübde Gott und der Mission. Bischof Dr. Johannes Geisler weihte ihn im Dom von Brixen am 29. Juni 1937 zum Priester.

Sanitätsdienst im Zweiten Weltkrieg

Nach einem kurzen Einsatz in der Seelsorge in den Pfarreien der Diözese Brixen wurde er nach Josefstal versetzt. 1941 erreichte ihn der Einberufungsbefehl zum Militärdienst als Sanitäter. Pater Alois machte den ganzen Krieg mit und geriet gegen Kriegsende in Gefangenschaft. Ende August 1945 wurde er entlassen und konnte endlich nach Josefstal zurückkehren. Zwei Jahre lang versah er den Dienst als Spiritual in der Hausgemeinschaft Josefstal und zwei weitere Jahre in Mellatz.

Ausreise nach Peru und Rückkehr nach Deutschland

1949 konnte er endlich in die Mission ausreisen und zwar nach Peru. Er arbeitete erfolgreich in Llata, Huánuco, Panao, Callao und Lima bis 1954. Seine durch den Kriegsdienst angeschlagene Gesundheit zwang ihn jedoch, nach Deutschland zurückzukehren. Bald nahm er dort die Seelsorgsarbeit wieder auf. 1955 übernahm er die Pfarrstelle von Löffelstelzen, wohnte aber in der Hausgemeinschaft von Bad Mergentheim.

Einsatz in Spanien und zweite Ausreise nach Peru

1960 wurde er nach Spanien versetzt und zum Hausobern von Palencia ernannt. 1964 wurde ihm die Hausverwaltung der Gemeinschaft anvertraut. Im Alter von 55 Jahren reiste er 1967 wieder in die Mission von Peru aus. Aber schon bald stellte sich wieder das chronische Asthmaleiden ein, das schon seinen ersten Missionseinsatz zu einem abrupten Ende gebracht hatte. Bald sah er ein, dass er auf den Andenhöhen nicht arbeiten konnte.

Sein Leidensweg

Von 1968 bis 1973 gehörte er zur Hausgemeinschaft von Mellatz. Anschließend übernahm er die Kaplanstelle in einem Altersheim von Plattenhardt, nahe Stuttgart. Zehn Jahre lang versah er diesen Dienst. Jedoch das Klima setzte ihm immer mehr zu und beeinflusste in negativer Weise seine Beziehungen zu den alten Menschen. 1983 wurde er in die Hausgemeinschaft von Neumarkt versetzt, wo er bis 1990 als „Pensionist“ lebte. Dann luden ihn die Oberen ein, nach Ellwangen umzuziehen und sich der Gruppe der Senioren anzuschließen. 1997 feierte er voll Freude und Dankbarkeit sein sechzigjähriges Priesterjubiläum.

Seine Persönlichkeit

Dreißig Jahre lang war er kränklich, trug aber sein „Schicksal“ mit großer Geduld. Er war als ernsthafter Mensch bekannt, war aber gleichzeitig auch liebenswürdig, gut und humorvoll. Er lebte gewissenhaft nach dem täglichen Stundenplan. Soweit es ihm sein Gesundheitszustand ermöglichte, verrichtete er gerne kleine Dienste im Haus. In Spanien gab es damals sehr viel zu tun. Es war die Zeit der Gründung der Niederlassungen von Saldaña und Palencia. Das Haus von Palencia beherbergte das Noviziat und Scholastikat der MFSC. Es kam zu den ersten Kontakten zwischen den MFSC und FSCJ, die schließlich zur Wiedervereinigung der beiden Kongregationen 1979 führten. Viele erinnern sich an Pater Hirner, wie er in der Arbeitskleidung am frühen Morgen die Baustelle besichtigte. Untertags hielt er sich im alten Haus auf, wo auch die Brüder wohnten, die das dreißig Hektar große Landgut bearbeiteten und zum Unterhalt der beiden Niederlassungen beitrugen.

Pater Hirner war ein waschechter Schwabe und hat seinen starken schwäbischen Akzent immer beibehalten. Er konnte sehr humorvoll von seinen Erlebnissen in Peru und Spanien erzählen. Dabei konnte er auch selber herzlich mitlachen. Auch seine Krankheit war oft Thema seiner Erzählungen. Er habe im seinem langen Leben tausende und abertausende Pillen, Kapseln und Tabletten eingenommen. So war es nicht zu verwundern, dass er sich seine persönlichen Ansichten über die Medizinen zurechtgelegt hatte. Er wusste, welche ihm gut taten und welche nicht. Er suchte sich jene Ärzte aus, die mit ihm einer Meinung waren. Oft musste er ins Krankenhaus eingeliefert werden, und die Erfahrungen während seiner Genesung bereicherten dann seine Kommentare. Mit seiner direkten Art sich auszudrücken konnte er auch anecken und verletzen, aber nur jene, die seinen Sinn für Humor nicht kannten.

Seine Krankheit erlaubte es ihm nicht, sich im Leben der Kongregation einzubringen, wie er es sich gewünscht hätte. Aber er kam mit seiner Krankheit zurecht. Wer ihn in den sechziger Jahren gekannt hatte, wunderte sich, ihn in den neunziger Jahren noch unter den Lebenden zu finden. Oft schien sein Ende gekommen zu sein. Er war sich dessen wohl bewusst, wie aus einem Brief des Provinzoberen Pater Josef Gerner hervorgeht, nachdem Pater Alois von den Ärzten wieder einmal aufgegeben worden war:

„Du hast das Krankenhaus wieder verlassen. Bei unserer letzten Begegnung war der Tod unser Hauptthema. Ich war überrascht, aber auch erbaut von der Gelassenheit, Klarheit und Überzeugung, mit der Du über das Sterben gesprochen hast. Ich finde das großartig, wenn wir uns so offen und gelassen über unseren Tod unterhalten und uns über die Ankunft des Herrn freuen können. Ich bitte den Herrn, dass Du weiterhin mit dieser Gelassenheit und Offenheit die Ankunft des Herrn erwarten kannst.“

Pater Hirner hat seinen Tod am 12. Januar 1998 als frohe Begegnung mit dem Herrn erwartet. Er wird ihm die Fülle des Lebens geschenkt haben.

R.I.P.