geboren am 25.08.1932 in Tils/I
Zeitliche Gelübde: 29.06.1957
Ewige Gelübde: 29.06.1963
verstorben am 23.03.2013
beigesetzt in Brixen/I

Bruder Vitus Schatzer wurde am 25. August 1932 in Brixen/Südtirol geboren, seine Heimat aber ist das nahe bei Brixen gelegene Dorf Tils, das zur Gemeinde Brixen gehört. Seine Jugendzeit war geprägt vom Faschismus, der sogenannten „Option“, und vom Zweiten Weltkrieg. Zum Glück war er noch zu jung, um selbst in den Krieg ziehen zu müssen.

Im Alter von 22 Jahren entschied sich Vitus, Missionar zu werden. Am 1. Dezember 1954 schloss er sich den Comboni-Missionaren von Milland an, das damals als „Herz-Jesu Missionshaus“ bekannt war. Er verbrachte dort ein Jahr als Postulant, um dann 1955 in Josefstal das Noviziat zu beginnen, das er am 29. Juni 1957 mit den ersten zeitlichen Gelübden beendete.

Seine Mission in der Heimat

Bruder Vitus war für die Mission Südafrikas bestimmt, konnte aber sein ersehntes Ziel nie erreichen, weil ihm aufgrund der Spannungen zwischen der Regierung und der katholischen Kirche das Visum verweigert wurde, wie anderen Mitbrüdern auch. Er fand sich damit ab und diente sein Leben lang der Mission und der Kongregation in der Deutschsprachigen Provinz. Er liebte seinen Missionsberuf und die Kongregation und arbeitete überall mit großem Eifer, viel Fleiß, mit Sachkenntnis und Hingabe. Er war voll und ganz mit seinem Missionsberuf zufrieden und voll identifiziert mit ihm.

Als Sohn einer Bauernfamilie war Vitus von klein auf vertraut mit den Feld- und Stallarbeiten. Er liebte diese Arbeit, wenn sie auch oft hart und schwer war und viele Opfer und Verzichte damit verbunden waren.

Früher gehörte zu den Niederlassungen von Mellatz, Josefstal, Graz, Messendorf, Unterpremstätten und Milland auch eine Landwirtschaft. Sie bedeuteten eine wesentliche Hilfe für den Unterhalt der Missionsseminare und der Hausgemeinschaften. Bruder Vitus widmete sein ganzes Leben diesen Betrieben. Nachdem er seit seinem Eintritt und auch während des Noviziats in Josefstal in der Landwirtschaft mitgearbeitet hatte, wurde er 1958 nach Unterpremstätten/Österreich versetzt. Hier weihte er sich am 29. Juni 1963 endgültig der Kongregation mit den ewigen Gelübden. Nach elf Jahren wurde er 1969 nach Josefstal versetzt und leitete die dortige Landwirtschaft bis 1984. In seine Heimat Milland zurückgekehrt, wurde ihm auch dort die Landwirtschaft anvertraut, die er bis zu deren Aufgabe mit Umsicht geleitet hatte.

Die Arbeit in der Landwirtschaft war ziemlich schwer, obwohl allmählich Maschinen angeschafft wurden, um die Arbeit zu erleichtern. Die Brüder, die für diese Arbeiten verantwortlich waren, mussten früh aufstehen. Nach einer längeren Gebetszeit in der Hauskapelle begaben sie sich in den Stall, um das Vieh zu versorgen (Kühe, Schweine, Hühner). Die Milch musste zu einem gegebenen Zeitpunkt für das Milchauto bereitstehen. Diese Arbeit musste das ganze Jahr hindurch verrichtet werden. Im Frühjahr begann die Arbeit auf dem Feld, die bis zum Herbst andauerte. In Milland war Bruder Vitus auch für die Obstbäume und eine Zeitlang auch für den Gemüsegarten verantwortlich.

1990 wurden die Landwirtschaftsgebäude von Milland durch einen Brand zerstört, vermutlich wurde das Feuer böswillig gelegt, was aber nicht bewiesen werden konnte. So beschloss die Provinzleitung, die Landwirtschaft aufzugeben und die Felder an Bauern der Umgebung zu verpachten. Die abgebrannten Gebäude wurden nicht wieder aufgebaut. Der sich einsetzende Brüdermangel war ein zusätzlicher Grund, die Landwirtschaft aufzugeben, nicht nur die von Milland. Zudem waren die Seminare geschlossen worden, so dass auch die Zahl der Mitbrüder der Hausgemeinschaften geringer wurde, und der Grund des Unterhalts der Studenten und der Provinz wegfiel.

Bruder Vitus wurde deswegen aber nicht arbeitslos. Ohne Arbeit konnte er nicht leben. So kümmerte er sich fortan um den Gemüsegarten, die Obstbäume und den Wald. Er begann Apfelsaft zu produzieren, der viele Abnehmer fand.

Nicht nur arbeiten

Bruder Vitus interessierte aber nicht nur die Handarbeit. Er war ein eifriger Jünger Jesu, der die Kongregation, die Mitbrüder und das Gebet liebte, gerne die Liturgie mitgestaltete als Vorbeter, Lektor und Vorsänger. Sonntag für Sonntag begab er sich ins nahe Altersheim, half bei der Messgestaltung mit und bot seinen ehrenamtlichen Dienst an.

Bruder Vitus war ein froher, geselliger und großzügiger Mensch. Überall war er eine Bereicherung für die Hausgemeinschaft. Er pflegte gute Kontakte mit seinen Verwandten und Freunden; er besuchte gerne kranke und alte Leute; er war ein passionierter Schwimmer; er nahm an religiösen und bürgerlichen Festen und an Treffen von Ortsvereinen teil. Er war geschätzt und beliebt bei den Nachbarn und sehr bekannt in der Umgebung, die er bestens kannte, war sie doch seine engere Heimat.

Er hatte großes Vertrauen in die göttliche Vorsehung, die ihm einmal augenscheinlich das Leben gerettet hatte, als er drauf und dran war, von einem Lastwagen zerdrückt zu werden, der aber im letzten Augenblick ganz nahe an seinem Kopf zum Stillstand kam. Als Folge eines Sturzes von einem Baum erlitt er schwere Sehschäden und musste deswegen auf das Auto und auch auf das Fahrrad verzichten. Seine Arbeiten im Garten konnte er aber weiterhin tun.

Seine letzten Lebensjahre

Im August 2012 feierte er mit viel Freude und Dankbarkeit seinen 80. Geburtstag. Aber von diesem Augenblick an begann seine Gesundheit nachzulassen. Er musste allmählich die vielen Arbeiten und Dienste im Haus und außerhalb aufgeben und immer mehr die Hilfe und den Beistand der Mitbrüder in Anspruch nehmen. Nach einer Gehirnblutung wurde er im Januar ins Krankenhaus gebracht. Mit der Hilfe einer Betreuerin und dank der häufigen Besuche von Seiten des ambulanten Krankendienstes konnte er weiterhin im Haus gepflegt werden und bei seinen Mitbrüdern bleiben, denen er mit viel Liebe und Aufmerksamkeit, mit viel Opferbereitschaft und wahrer Nächstenliebe viele Jahre lang gedient hatte.

Bruder Vitus war in der Brixner Gegend sehr bekannt. Die zahlreichen Verwandten und die vielen Freunde wollten ihm ihre Dankbarkeit und Wertschätzung ausdrücken beim Gebet im Missionshaus und beim Gottesdienst in der Pfarrkirche von Milland. Jetzt ruht er im Friedhof neben der alten Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria am Sand inmitten von 35 Mitbrüdern. Viele Jahre hatte er selbst die Grabanlage betreut und gepflegt. Jetzt ist es auch seine Ruhestätte geworden. Er ruhe in Gottes Frieden!

R.I.P.