geboren am 26.10.1930 in Schrobenhausen/D
Zeitliche Gelübde: 22.05.1952
Ewige Gelübde: 15.05.1958
verstorben am 20.09.1998
beigesetzt in Ellwangen/D

Mit Bruder Peter Fuchs haben wir einen sehr geschätzten Mitbruder leider viel zu früh verloren. Den Rahmen seines Lebensweges kann man mit wenigen Daten umschreiben. Er wurde am 26. Oktober 1930 in Schrobenhausen in Bayern geboren. Nach zwei Tagen empfing er die heilige Taufe. Er wuchs in einer christlichen Familie in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Er hatte noch drei Geschwister. 1996 starb seine Schwester Theresa. Mit 19 Jahren trat er im Missionshaus Josefstal in die Gemeinschaft der Comboni Missionare ein. Damals nannte sich die Gemeinschaft in Deutschland noch „Missionare Söhne vom Heiligsten Herzen Jesu“ (MFSC). Die Aufnahme ins Noviziat geschah durch die Einkleidung. Die erste Profess legte er am 22. Mai 1952 in Josefstal ab. Mit den ewigen Gelübden am 15. Mai 1958 weihte er sein Leben für immer dem Herrn.

Er hatte vor seinem Eintritt in die Gemeinschaft Wagner gelernt. Die Kenntnisse, die er sich in diesem Beruf erworben hatte, kamen ihm bei seiner langjährigen Tätigkeit als Hausmeister sehr zu gute. Seit seiner Profess 1952 war er ausnahmslos im Josefinum, dem Knabenseminar der Comboni-Missionare, in Ellwangen als Hausmeister und Mädchen für alles tätig. 1991 ernannte ihn die Provinzleitung auf Vorschlag der Hausgemeinschaft zum stellvertretenden Hausobern. Nach einer kurzen Krankheit rief ihn Gott 1998 im Alter von 68 Jahren in die ewigen Wohnungen heim.

In seiner Ansprache beim Abschiedsgottesdienst wandte Pater Josef Schmidpeter das Bild vom guten Hirten auf Bruder Peter an. Bruder Peter war in der Tat wie ein guter Hirt für die Menschen, denen er dienen durfte. „Der gute Hirte gibt sein Leben für die Seinen“. Das hat auch Bruder Peter in bewundernswerter Weise getan. Hunderte von Seminaristen werden sich heute noch an seine Hilfsbereitschaft und freundliche Art erinnern. Bruder Peter war ein tief gläubiger und umsichtiger Mitbruder. Verantwortungsbewusst und zuverlässig verrichtete er im Stillen seine Arbeit. Er stand ganz bewusst und treu in der Nachfolge Christi. Er verstand sie als einen Dienst zum Heil der Menschen. In dieser Haltung ließ er sich auch von unserem Gründer Daniel Comboni inspirieren. Aus dieser missionarischen Haltung heraus wäre er auch allzu gern in die Mission gegangen. Er wurde aber in der Heimat notwendiger gebraucht.

Seine Verfügbarkeit gegenüber Gott und seinen Obern kommt in den kurzen Worten zum Ausdruck, die er noch 1983 an seinen Provinzial schrieb: „Ich habe volles Verständnis, dass ein Missionseinsatz nicht möglich ist, solange das Problem Josefinum nicht gelöst ist. Da es ein Für und Wider gibt, finde ich es auch nicht angebracht, einen Missionseinsatz zu erzwingen. Ich wünsche und hoffe, dass nur das Beste geschieht. Gott möge es lenken und führen, dass die richtige Lösung fürs Josefinum gefunden wird.“

Aus einer tiefen missionarischen Überzeugung heraus hat Bruder Peter ein Leben lang in Ellwangen gelebt und gearbeitet. Er hat uns beispielhaft gezeigt, dass man eine missionarische Berufung auch in der Heimat leben kann. So sinnvoll und notwendig ein Einsatz „ad gentes“ für einen Missionar auch sein mag, kommt es doch in erster Linie auf die innere Einstellung an, mit der ich mein Leben in den Dienst der großen missionarischen Aufgabe der Gemeinschaft und der Kirche stelle.

Pater Schmidpeter sagte in seiner Ansprache unter anderem: „Viele Jahre durfte ich hier im Josefinum mit ihm zusammen leben und arbeiten. Bruder Peter war arbeitsam, fleißig, hilfsbereit und aufmerksam. Still und unauffällig verrichtete er seinen Dienst. Seine Arbeit verstand er als einen Dienst an den Mitbrüdern und der missionarischen Aufgabe der Gemeinschaft. Er lebte den Geist des guten Hirten unspektakulär, ruhig und still. Er gab Zeugnis von seiner Nachfolge Christi und seiner missionarischen Gesinnung. Dadurch wurde er uns zum Vorbild. So wie er gelebt hat, ist er am Samstag, den 20. September 1998, still, einsam und ruhig zum Herrn heimgekehrt.“

„Ich will ihr Hirte sein und für sie sorgen wie es recht ist“, heißt es bei Ezechiel 34,16. „Dieses Wort“, so sagte Pater Schmidpeter, „dürfen wir auf unseren Bruder Peter anwenden. Um Hirte für andere zu sein, müssen wir uns aber zuerst auf den Weg nach innen machen, um Maß zu nehmen an Christus, sich von ihm führen zu lassen. Hier ist nicht Leistung und Aktion gefragt, sondern die Treue in der Nachfolge des guten Hirten. Bruder Peter hat die Nähe des Guten Hirten mit Eifer gesucht. Wie oft fand ich ihn spät abends in der Kapelle! Er war kein lauter Mensch. Er spürte nur allzu deutlich, dass im Lärm eines Internats und des heutigen modernen Lebens die Stille, die Betrachtung und innere Ruhe nötig sind. So hielt er immer wieder Zwiesprache mit Gott, betete und rang mit Gott im Gebet für die Jugendlichen im Haus. Er betete für die Gemeinschaft der Comboni-Missionare hier und in der weiten Welt. Das Josefinum war für ihn zum Missionsgebiet geworden, nicht Afrika oder Lateinamerika. Hier war er Comboni-Missionar mit Leib und Seele. Mit großer Freude und Hingabe verrichtete er in den letzten Jahren den Dienst als Kommunionhelfer in der Basilika in Ellwangen. Sonntäglich gekleidet ging er in die Basilika, verrichtete seinen heiligen Dienst als Kommunionhelfer, um dann gleich wieder daheim den Tisch für das Mittagessen der Mitbrüder zu bereiten. All diese Dienste verrichtete er aus Liebe zu Gott und den Menschen“.

Sein Hirtendienst galt bis zur Auflösung des Seminars 1981 vor allem den Schülern. In den folgenden Jahren wurde das Josefinum umstrukturiert. Bei diesen Umbauarbeiten leistete er wertvolle Dienste, da er das Haus von oben bis unten gut kannte. 1991 bat ihn der damalige Provinzial, Pater Gerner, das Amt der stellvertretenden Hausoberen zu übernehmen, da ihn seine Mitbrüder dazu vorgeschlagen hatten. Trotz aller Bedenken seinerseits nahm er die Ernennung an. Nun galten seine Sorge und sein Beten ganz besonders den Mitbrüdern. Er wollte helfen, aber es gelang ihm oft nicht recht. Er wollte sich noch mehr einsetzen, sah sich aber überfordert. Dafür betete er umso mehr um Lösungen. Pater Gerner schrieb ihm damals unter anderem: „Lieber Bruder Peter, ich weiß, dass es Dir nicht leicht gefallen ist, diesen Posten anzunehmen. Du hast Dich aber dennoch bereit erklärt, auf Wunsch der Mitbrüder, diesen Dienst an Deiner Gemeinschaft zu übernehmen. Dafür danke ich Dir und wünsche Dir von Herzen Gottes guten Segen, eine gute Hand in diesem Dienst und viel Geduld und Liebe zu Deinen Mitbrüdern“. Bruder Peter war ein einfacher Mensch, dem – wie er selber in einem Brief schreibt – „die Beredsamkeit fehlt“. Deshalb fühlte er sich eher überfordert, den Dienst des stellvertretenden Hausoberen zu übernehmen. Aber aus Liebe zur Gemeinschaft nahm er die Last auf sich.

Bruder Peter klagte nie. Ihm war auch keine Arbeit zu viel. „Ich höre ihn heute noch“, sagte Pater Schmidpeter, „als er schon morgens um 4.00 Uhr begann, in der Heizung Kohlen zu schippen, damit wir Schüler von damals ein warmes Haus hatten“. Bedrückte die Schüler irgendein Anliegen oder ein Schmerz, Bruder Peter war immer bereit, Abhilfe zu schaffen. Als gelernter Handwerker und Wagner sorgte er sich mit großer Umsicht um die Belange im Haus und im Garten, und das im Sommer wie im Winter. Nur „Insider“ wissen, was er still und unbemerkt, treu und selbstlos getan hat.

Der gute Hirte ist jederzeit bereit, sein Leben für seine Schafe zu geben. So sollte sich auch in seinem Leben bewahrheiten, „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Stirbt es aber dann bringt es reiche Frucht“. Im Sinne dieses Bildes hat sich Bruder Peter einladen lassen, hinabzusteigen, sich auflösen lassen für die Gemeinschaft, für Wandel und Wechsel im Missionshaus Ellwangen. Die Provinzleitung wurde 1983 immer dringender vor die Entscheidung gestellt, das Josefinum, das inzwischen als Internat geschlossen worden war, zu veräußern oder es einem anderen Zweck zuzuführen. Für Bruder Peter begann ein Prozess der inneren Loslösung. Wie so oft musste er zurücklassen, was er mit viel Liebe geplant, erarbeitet und fertiggestellt hatte. Manches konnte er leichter verkraften, anderes begleitete ihn bis zum Tod. Bei ihm war keine Resignation zu bemerken, kein Aufbäumen und Aufschreien, nein, er stellte sich selbstlos in den Dienst der Gemeinschaft in der Nachfolge des guten Hirten. Damals war er sogar mit 53 Jahren noch zu einem Missionseinsatz bereit. Das Haus wurde nicht verkauft. Bruder Peter leistete weiterhin wertvollste Dienste im Josefinum, in das inzwischen das Provinzialat, die Prokura und die Provinzverwaltung eingezogen waren.

In seinem Dienst bewies er eine Belastbarkeit und Leidensfähigkeit, die ans Heroische grenzte. In körperlichen Krankheiten wie bei psychischen Belastungen bewies er, wie tief er in das Geheimnis des Kreuzes hinein gewachsen war. Wie Jesus rang er im Gebet mit Gott, um mit ihm sagen zu können: „Ja, Vater, Dein Wille geschehe, nicht der meine“.

Bruder Peter war ein liebenswerter Mensch, den alle schätzten wegen seiner Einfachheit, seiner Zuverlässigkeit in der Arbeit, seiner Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit allen Menschen gegenüber. Mit ihm zusammen zu arbeiten, war immer wohltuend. Das haben vor allem die Angestellten des Hauses erfahren.

Pater Schmidpeter schloss seine Ansprache mit den folgenden Worten: „Uns aber bleibt in der Betroffenheit dieser Stunde nur eines: still zu werden und nachzudenken. Was sagt uns sein Leben und sein Sterben? Gilt auch für uns alle die Gesinnung und Liebe des guten Hirten, der sein Leben hingibt, der sich einsetzen lässt und selbstlos und zufrieden seinen Weg der Nachfolge Christi geht? Bruder Peter hat sein Sterben eingeübt im Loslassen, im Verzichten, in der Hingabe an Christus in der Gemeinschaft der Comboni-Missionare. Das machte ihn liebenswürdig, großmütig und selbstlos. Der ewige gute Hirte hat ihn jetzt zu den endgültigen Weideplätzen im Reiche Gottes gerufen. Wir aber wollen weiterhin mit dem guten Hirten Jesus Christus unterwegs bleiben, ihm nachfolgen und Frucht bringen.“

R.I.P.

Pater Georg Klose