geboren am 30.08.1881 in Erdösmecske/HUN
Zeitliche Gelübde: 09.09.1907
Ewige Gelübde: 09.09.1919
verstorben am 31.07.1963
beigesetzt in Brixen/I

Bruder Josef Müller wurde in Erdösmecske/Ungarn am 30. August 1881 geboren. Im Alter von zwölf Jahren kam er in die Schusterlehre. Als Schustergeselle ging er nach Pecs. Dort trat er dem Gesellenverein bei. Nach einigen Monaten ging er auf die große Wanderschaft.

Er besuchte eine Reihe von Städten in Österreich und Deutschland, arbeitete jeweils einige Monate, bis er genug verdient hatte, um die Weiterreise antreten zu können. Auf diese Weise kam er nach Budapest, Wien, Prag, Dresden und Leipzig. Überall fand er sofort Arbeit und lernte die katholischen Gesellenvereine kennen und schätzen, wo er Unterkunft und Verpflegung fand. Nach einem Besuch in Gelsenkirchen kehrte er zu seinen Eltern nach Ungarn zurück. Nach einem Jahr machte er sich wieder auf die Reise. Diesmal besuchte er Zagreb, Kärnten, Linz und Wien. Hier hielt er sich drei Jahre lang auf und vertiefte seine religiösen Kenntnisse.

Schon seit längerer Zeit spürte er in sich den Ruf, Klosterbruder zu werden. Deswegen wandte er sich an den Pfarrer der Nachbargemeinde um Rat. Dieser erzählte ihm vom Missionshaus Milland. Bruder Josef hielt eine Novene und entschied sich dann für den Missionsberuf. Er schrieb an den Rektor von Milland und erhielt gleich eine positive Zusage. Mit einem Empfehlungsschreiben vom Pfarrer begab er sich am 8. September 1905 nach Brixen und wurde im Missionshaus als Brüderkandidat aufgenommen. Aus dem Empfehlungsschreiben: „Was sein Geistesleben anlangt, glaube ich ihn mit gutem Gewissen empfehlen zu können. Er besitzt gereifte Aszese und Feinheit des Gewissens, wie man solche bei Leuten von seinem Stande – wenigstens bei uns – kaum findet. Er liebt Gott und die Seelenreinheit aus innigem Herzen und ist für manche Opfer bereit und fähig“.

Am 19. November 1905 begann er in Milland das Noviziat und legte 9. September 1907 die ersten zeitlichen Gelübde ab. 1910 erhielt er Sendung in die Sudanmission. Am 3. Dezember fuhr er von Triest mit dem Dampfer nach Alexandria in Ägypten. In Kairo begann er sofort mit dem Studium der arabischen Sprache. Im Sprachstudium hatte er schon Erfahrung gesammelt, denn er sprach bereits Deutsch, Ungarisch und etwas Italienisch. Nach einem kurzen Aufenthalt in Khartum erreichte er am 14. Februar 1911 die Missionsstation Wau. Zwei Jahre diente er dieser Mission und zwischendurch auch der Mission Kayango.

Inzwischen war der erste Weltkrieg ausgebrochen. Bruder Josef wurde von den Engländern zuerst in das Internierungslager Ras-el-Tin und dann nach Sidi-Bishri nahe Alexandria gebracht. Dort traf er eine Reihe von deutschsprachigen Mitbrüdern. 1919 wurden sie wieder freigelassen. Bruder Josef wurde in Heluan als „Mädchen für alles“ eingesetzt, bis er 1923 nach Europa zurückgerufen wurde.

Er wurde gleich nach Österreich geschickt, um im Knabenseminar von Graz und nach dem Umzug im Knabenseminar von Premstätten zu arbeiten. Seine Haupttätigkeit in Graz war die Verbreitung der Missionszeitschrift „Stern der Neger“. 1938 wurde das Seminar von den Nazis beschlagnahmt. Dann war er zwei Jahre in Bad Mergentheim und wurde 1940 nach Bamberg versetzt. Dort wurde ihm der Garten anvertraut. Gleichzeitig hielt er Missions- und Lichtbildervorträge. Wegen seines freundlichen Wesens und seines Erzählungstalentes erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit. Er konnte seine Missionserlebnisse sehr anschaulich und lebensnah schildern. Er war er ein sehr frommer und innerlicher Mensch. Die Mitbrüder erlebten und schätzen ihn als einen aufrechten, edlen, stets hilfsbereiten und fröhlichen Bruder.

Am 8. Juli 1963 durfte er seinem Wunsch gemäß nach Milland übersiedeln, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Man hoffte, dass das mildere Klima von Brixen seiner Gesundheit zugutekommen würde. Leider erfüllte sich sein Wunsch nicht, denn er starb bereits am 31. Juli 1963 an Herzversagen. Seine letzten Worte waren: „Wenn ich den Heiland zum ersten Male sehe, werde ich ihm zulächeln“. Er wurde im Friedhof von Milland begraben.

R.I.P.