geboren am 06.03.1879 in Darfeld/D
Zeitliche Gelübde: 08.09.1902
Ewige Gelübde: 08.09.1902
verstorben am 21.02.1977
beigesetzt in Ellwangen/D

Bruder Cagol ist am 21. Februar 1977 an den Folgen einer Gehirndurchblutungsstörung im Alter von 98 Jahren gestorben. Er hatte noch zehn Tage im Krankenhaus in Ellwangen gelegen. In bewundernswerter stabiler Gesundheit hat er ein außerordentlich langes Leben durchlaufen. Man müsste fast ein kleiner Geschichtsforscher sein, wollte man seinen reichhaltigen und erlebnisreichen Lebenslauf einigermaßen genau darstellen.

Bruder August wurde am 6. März 1879 in Darfeld/Nordrhein-Westfalen geboren. Sein Vater war Eisenbahningenieur. Wegen der vielen Bauaufträge, die sein Vater auszuführen hatte, kam er zusammen mit seiner Familie viel in deutschen und europäischen Ländern herum. Wie Bruder Cagol manchmal erzählte, habe sein Vater zu ihm gesagt: „Meine Heimat ist die Welt.“ Etwas von dieser Weltweite und Weltoffenheit muss wohl sein Sohn vom Vater geerbt haben. Er verbrachte seine Schulzeit in Hamburg. Mit vierzehn Jahren wurde er Vollwaise. Er wollte zunächst Lehrer werden. Aber da sein Vater Österreicher war, besaß er keine deutsche Staatsbürgerschaft und bekam deswegen kein Stipendium. So erlernte er das Gärtnerhandwerk.

Am 17. Juli 1900 trat er als Postulant im Herz-Jesu-Missionshaus Milland ein. Einen Monat später wurde er bereits eingekleidet. Nach Abschluss der zweijährigen Noviziatszeit legte er im Alter von 23 Jahren nach damaliger Gepflogenheit schon die ewigen Gelübde ab. Es war am 8. September 1902.

Von Beruf war er Gärtner. Aber gleich zu Beginn seines Ordenslebens wird ein Charakteristikum von ihm sichtbar: Seine Bereitschaft, dort einzuspringen, wo man ihn am notwendigsten brauchte. Er war von Haus aus begabt, intelligent und verstand es, in allen möglichen Berufen zu arbeiten. Sei es als Gärtner, Koch oder Schriftsetzer, Verwalter oder Bischofssekretär, oder zeitweise gar als Redakteur unserer damaligen Zeitschrift „Stern der Neger“. Bruder Cagol fand sich in allen diesen Situationen glänzend zurecht. Er brachte mit seiner vielseitigen Begabung und Geschicklichkeit die richtigen Voraussetzungen für einen Missionar mit. Mit Bischof Franz Xaver Geyer war er tief verbunden. Ihm hatte er von 1904–1915 als Sekretär gedient.

Bruder Cagol war lange vor der Trennung unserer Kongregation in die Gemeinschaft der Comboni-Missionare eingetreten. Damals nannte sich die Gemeinschaft noch Herz-Jesu-Missionare. Hätte er den 100. Geburtstag 1979 noch erreicht, hätte er zu der 1923 selbst miterlebten Trennung auch noch die endgültige Wiedervereinigung aller Comboni-Missionare miterleben können. Er ist einer der letzten aus unseren Reihen MFSC, der noch in der Sudanmission tätig gewesen war. Am 7. Dezember 1966 schrieb er an Bruder Alois Hintner nach Milland: „Die Südtiroler sind wohl im Allgemeinen nicht sehr für eine Wiedervereinigung mit Verona. Man kann es ja verstehen, dass sie in ihrer Heimat unter der Fremdherrschaft leiden. Man soll sich aber im Religiösen nicht von politischen Beweggründen leiten lassen. Das war der Fehler bei der Trennung 1923. Wenn man sich nun gegen eine Wiedervereinigung mit Verona sträuben wollte, beginge man wieder den gleichen Fehler. Wir Katholiken müssen doch katholisch denken. Als Ordensleute noch mehr… Als Missionare dürfen wir uns überhaupt nicht von anderen Völkern ausschließen. Das liegt im Beruf begründet…“.

Nach seiner Tätigkeit als Bischofssekretär kam er 1916 nach Europa und arbeitete bescheiden als Gärtner in Milland, Verona, Messendorf und Josefstal Von 1925–1939 ist er erneut im Missionseinsatz. Dieses Mal jedoch in der uns neu zugeteilten Diözese Lydenburg/Witbank in Südafrika.

Von 1939–1948 arbeitete er auf verschiedenen Posten in Europa. 1948, im Alter von 69 Jahren, darf er wieder in die Mission zurückkehren. Gleichsam ein Wanderer Gottes, kommt er im Jahre 1960 für vier Jahre wieder nach Europa zurück. Seine Liebe für die Mission und sein Verlangen, sich in Afrika noch nützlich zu machen, gibt ihm den Mut, selbst im Alter von 85 Jahren 1964 wieder nach Südafrika zu reisen. Fünf Jahre weilt er erneut in Lydenburg/Witbank, um dann 1971 endgültig nach Deutschland heimzukehren, wo er seinen verdienten Lebensabend zum Teil in Mellatz und zum anderen in Josefstal verbracht hat.

Bruder Cagol hatte sich im Laufe seines Lebens und seiner erlebnisreichen Missionseinsätze in Afrika viele Sprachkenntnisse angeeignet. Sein Gedächtnis behielt eine bewundernswerte Frische bis ins hohe Alter hinein. Er war ein Mann mit reichen Reiseerfahrungen.

Er war auch ein gläubiger und treuer Ordensmann und Missionar. Er war aber auch weltoffen. Er ging mit der Zeit. Er verstand es, die durch das Vatikanische Konzil begonnene Erneuerung vorurteilslos mitzumachen. Er war geistig flexibel und rege genug, um Verständnis für die Reformen und Erneuerungen aufzubringen.

Bruder Cagol war nie ein Müßiggänger. Er verstand es, sich trotz seines vorgeschrittenen Alters sehr sinnvoll zu beschäftigen. Er machte sich nützlich, wo er konnte. Mit Freuden fertigte er Übersetzungen an, wenn man ihn darum bat. Er übernahm Dolmetscherdienste, wenn Besuche aus Übersee in Deutschland eintrafen. Er schrieb unermüdlich Artikel für die Petrus-Claver Schwestern und früher für die Zeitschrift „Stern der Neger“.

Er liebte den Kontakt zur Jugend. Er fühlte sich unter den Jungen in unseren Gemeinschaften sehr wohl. In seiner Bescheidenheit drängte er sich nie jemand auf, war aber gern bereit aus seinem Leben zu erzählen, wenn er darum gebeten wurde. Er strahlte eine große Reife aus. Seine vornehme und liebenswürdige Art machte ihn liebenswert, Wohl jeder hatte ihn gern.

Bruder Cagol. war kein altmodischer Mensch, im Gegenteil, ein Mitbruder, der sich rege interessierte für die Entwicklung in Kongregation und Kirche. Er war ein sehr aufgeschlossener Mensch und Mitbruder, er erzählte oft von den englischen Gentlemen, die er kennengelernt hatte. Ich glaube, man darf sagen, Bruder Cagol war ein vom christlichen Geist durchdrungener Gentleman. Er hat ein hohes Alter erreicht, ist aber geistig jung geblieben. Die Kirchenzeitung für die Diözese Augsburg schrieb anlässlich seines 95. Geburtstages: „Wer Bruder Cagol in seiner stillen und selbstlosen Art erlebt, dem kommt zum Bewusstsein, wie ein erfülltes und erlebnisreiches Leben im Dienst der Weltmission abklärt und zu menschlicher Reife führen kann“.

Ein erfülltes und erlebnisreiches Leben ist zu Ende gegangen. In seinem Erdenleben hat er auf seinen zahlreichen Reisen viele Grenzen zwischen Ländern und Kontinenten überschritten. Möge er nach dem Überschreiten der Grenze hin zur Ewigkeit die endgültige Vollendung in Gott finden, wo Gott sein ewiger Lohn sein wird.

R.I.P.