Die Region Karamoja im Nordosten Ugandas sieht sich erneut mit einer schweren humanitären Notlage konfrontiert. Nach Monaten anhaltender Dürre und unzureichender Regenfälle haben Tausende von Familien ihre Ernten verloren und kämpfen darum, genügend Nahrung zum Überleben zu finden. Was eigentlich eine Zeit der Hoffnung und der Ernte hätte sein sollen, hat sich in eine Zeit der Angst, des Hungers und der Verzweiflung verwandelt.
Karamoja war schon immer eine der am stärksten gefährdeten Regionen Ugandas. Der Großteil der Bevölkerung ist für sein Überleben auf Subsistenzlandwirtschaft und Viehzucht angewiesen. Doch zunehmend unvorhersehbare Wetterbedingungen, lange Dürreperioden, Umweltzerstörung und weit verbreitete Armut haben die traditionellen Lebensgrundlagen extrem anfällig gemacht.
Die Dürre in diesem Jahr war besonders verheerend: Viele Gegenden verzeichneten während der Hauptsaatzeit nur geringe oder gar keine nennenswerten Niederschläge. Infolgedessen gingen Sorghum, Mais, Bohnen und andere Grundnahrungsmittel in weiten Teilen der Region verloren. Laut der neuesten Integrierten Klassifizierung der Phasen der Ernährungssicherheit (Integrated Food Security Phase Classification, IPC) befinden sich etwa 473.000 Menschen – fast ein Drittel der Bevölkerung von Karamoja – in einer Situation schwerer Ernährungsunsicherheit (IPC-Phase 3 oder höher). Über 41.000 Menschen befinden sich bereits in Phase 4 der IPC (Notfall) und benötigen dringend humanitäre Hilfe, um Leben und Lebensgrundlagen zu retten.
Die Folgen der Dürre sind überall sichtbar. Die Familien überleben mit nur einer Mahlzeit am Tag oder sogar weniger. Mütter legen weite Strecken zurück, um nach Wildfrüchten und essbaren Wurzeln zu suchen, um ihre Kinder zu ernähren. Das Vieh, oft der einzige Besitz der Familien, ist durch den Mangel an Weideland und Wasser geschwächt. Die Gesundheitszentren melden einen Anstieg der Fälle akuter Unterernährung, insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren, schwangeren Frauen und älteren Menschen. Das Missionskrankenhaus St. Kizito in Matany verfügt über ein aktives Ernährungszentrum für Kinder, das eine stetig wachsende Zahl kleiner Patienten verzeichnet, die gemeinsam mit ihren Müttern versorgt werden müssen.
Auch die Schulen leiden unter der Krise: Hungrige Kinder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, oder sind gezwungen, zu Hause zu bleiben, um ihren Familien bei der Nahrungssuche zu helfen – auch weil das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen die Verteilung von Mahlzeiten in den Schulen seit Beginn dieses Schuljahres, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ausgesetzt hat. Obwohl die ugandische Regierung eine Notfallverteilung von Lebensmitteln in ganz Karamoja eingeleitet und beträchtliche Mittel bereitgestellt hat, um die bedürftigsten Familien mit Maismehl und Bohnen zu versorgen, ist bisher nur sehr wenig an den Bestimmungsort gelangt.
Auch wenn diese Maßnahmen willkommen und unverzichtbar sind, ist der humanitäre Bedarf aufgrund des Ausmaßes der Krise nach wie vor enorm und erfordert die kontinuierliche Unterstützung durch Entwicklungspartner, kirchliche Organisationen und Wohltätigkeitsinstitutionen. Die katholische Kirche steht der Bevölkerung über die Diözese Moroto und ihr Netzwerk von Pfarreien weiterhin solidarisch zur Seite. Priester, Ordensschwestern, Katecheten und ehrenamtliche Helfer in den Pfarreien werden täglich Zeugen des Leids von Familien, deren Lebensmittelvorräte aufgebraucht sind. Neben dem spirituellen Trost reagiert die Kirche auf die Notlage durch Ernährungshilfe, Notfall-Lebensmittelhilfe, wo dies möglich ist, gemeinschaftliches Engagement vor Ort und Sensibilisierungsarbeit zugunsten der am stärksten gefährdeten Menschen. Die verfügbaren Ressourcen reichen jedoch bei weitem nicht aus, um den wachsenden Bedarf zu decken.
Diese Notlage ist nicht einfach das Ergebnis einer ausgebliebenen Regenzeit. Sie spiegelt die kumulativen Auswirkungen des Klimawandels, wiederkehrender Dürren, der Umweltzerstörung, des eingeschränkten Zugangs zu Wasser für die Bewässerung, der geringen landwirtschaftlichen Produktivität und der chronischen Armut wider. Ohne langfristige Investitionen in die Regenwassersammlung, Bewässerungssysteme, klimaresiliente Landwirtschaft, dürreresistente Kulturpflanzen, Bildung und die Diversifizierung der Lebensgrundlagen wird Karamoja weiterhin mit wiederkehrenden Nahrungsmittelkrisen konfrontiert sein.
Die Bevölkerung von Karamoja hat über Jahrzehnte hinweg in schwierigen Zeiten eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit bewiesen. Doch Widerstandsfähigkeit allein reicht nicht aus, um wiederholte klimatische Schocks zu bewältigen. Sofortige humanitäre Hilfe ist dringend erforderlich, um weitere Todesopfer zu vermeiden, während nachhaltige Investitionen in die Entwicklung unerlässlich sind, um den Teufelskreis aus Hunger und Abhängigkeit zu durchbrechen. Als Mitglieder einer einzigen Menschheitsfamilie dürfen wir nicht gleichgültig bleiben. Jeder Beitrag – sei es Nahrungsmittelhilfe, Ernährungsprogramme, Trinkwasserprojekte, landwirtschaftliche Unterstützung oder Gebete – kann einen tiefgreifenden Unterschied bewirken. In dieser kritischen Zeit bittet die Bevölkerung von Karamoja nicht nur um Almosen, sondern um Solidarität, Hoffnung und Zusammenarbeit, um eine Zukunft aufzubauen, in der jede Familie in Würde und mit Ernährungssicherheit leben kann.
Die aktuelle Krise erinnert uns daran, dass Hunger nicht nur ein humanitäres Problem ist: Er ist ein Aufruf zur Gerechtigkeit. Gemeinsam können Regierungen, humanitäre Organisationen, Glaubensgemeinschaften, Spender und Menschen guten Willens dazu beitragen, dass die Bevölkerung von Karamoja diese Dürre nicht nur überlebt, sondern auch eine widerstandsfähigere Zukunft aufbaut.
+ Damiano Guzzetti, mccj
Bischof von Moroto