2. November 2026

Vielleicht besteht die Mission genau darin: das Leben eines Volkes zu teilen und uns zu denjenigen zu setzen, die weinen.

„Mein Opa ist gestorben“, sagt mir ein kleines Kind aus unserem Kindergarten in einem Beduinendorf in der Wüste des Westjordanlands. Einfache Worte, die mich berühren. Wie erlebt ein Kind die Abwesenheit eines geliebten Menschen? Was bedeutet der Tod für ihn?

Abu Yosef ist gestorben, das Oberhaupt der Gemeinschaft, Vater von dreiundzwanzig Kindern, Vater und Schwiegervater vieler Frauen, die sticken, und Großvater vieler Generationen von Kindern, die den Kindergarten besucht haben, den wir seit Jahren begleiten. Seine Familie ist auch Teil unserer Geschichte, jenes Lebens, das wir Woche für Woche mit den Beduinengemeinschaften teilen.

Als wir im Dorf ankommen, empfängt uns Abu Yosefs Bruder: „Gott weiß es am besten. Er sei gesegnet.“ Es ist bereits der zweite Bruder, den er durch einen Herzinfarkt verliert. In seinen einfachen Worten erkenne ich den Glauben eines Menschen, der bereits den Schmerz eines plötzlichen Todes erfahren hat und sich, obwohl er von diesem Verlust getroffen ist, weiterhin auf Gott verlässt.

Die Trauer dauert drei Tage. Als wir ankommen, finden wir die Frauen versammelt vor, ganz in Schwarz gekleidet und ungeschminkt. Sie bieten uns Kaffee und Datteln an und laden uns ein, uns neben die Familie zu setzen. Eine der Töchter hält den Koran in der Hand und liest schweigend. Zwischen Erinnerungen, Tränen und Schweigen wird ein Gebet wiederholt: Allah yerhamo. Möge Gott ihm gnädig sein.

Ich setze mich neben eine ältere Dame, die Mutter einer der Ehefrauen des Verstorbenen. Ihre Klarheit und ihr Gedächtnis beeindrucken mich. Während ich ihr zuhöre, denke ich daran, wie viel Geschichte und Weisheit das Leben unserer Ältesten in sich birgt. Erst vor zwei Wochen feierte die Familie noch eine Hochzeit. Heute teilt sie die Trauer über den Verlust.

Von dem Ort aus, an dem wir versammelt sind, sehen wir, wie die Männer in großen Töpfen über dem Feuer Mansaf zubereiten. Es ist das Gericht, das der Tradition zufolge am dritten Tag der Trauer mit der Familie und der Gemeinschaft geteilt wird. Das Leben geht weiter, und niemand wird in seiner Trauer allein gelassen. Wir kommen, um beizustehen, doch auch wir werden empfangen und unterrichtet.

Vielleicht besteht die Mission genau darin: das Leben eines Volkes zu teilen und uns neben diejenigen zu setzen, die weinen. Manchmal reicht es schon, einfach da zu sein.

Ruhe in Frieden, Abu Yosef. Allah yerhamo. Möge Gott dich in seiner Barmherzigkeit aufnehmen.

Sr. Cecilia Sierra, CMS