Der Comboni-Missionar Pater Juan Goicoichea, der in Mellatz und im Westallgäu kein Unbekannter ist, war vor kurzem zu Gast in Mellatz und informierte über seine Arbeit.
Pater Juan Goicochea, der aus dem Norden von Peru stammt, studierte in Innsbruck Theologie studiert und wirkte ab 2000 in Nürnberg als Obdachlosenseelsorger. Von 2004 bis 2006 studierte er an der Universität Erlangen Nürnberg Internationale Wirtschafts- und Entwicklungspolitik. 2009 kehrte er nach Peru zurück.
Ein kurzer Überblick über die Arbeit von Pater Juan in der Hauptstadt Lima
13 Millionen Einwohner leben in der Metropole an der Pazifikküste – auf einer Fläche, die so groß ist wie das Saarland. Die 80% Katholiken werden in 150 Pfarreien betreut. Die Pfarrei der Combonis am Stadtrand von Lima, in der Pater Juan wirkt, hat 100.000 Mitglieder und ist in13 Gottesdienst-Gemeinden gegliedert. In jeder Teilgemeinde gibt es 15-18 Pastoralbereiche, in denen jeder mitarbeiten kann. Pater Juan hat spezielle seelsorgliche und soziale Projekte aufgebaut und sieht seine besondere Aufgabe darin, die Menschen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und für die eigene Gemeinde zu sorgen. Er ist von der Erzdiözese Lima beauftragt, die vielfältigen Initiativen zu koordinieren und zu begleiten. Dazu muss er viel delegieren und freut sich, wenn die Sachen „ohne ihn“ weitergehen. Die Herausforderungen in Lima sind enorm, denn die politische und soziale Lage ist verheerend: die Armen werden „vergessen“. Die meisten Arbeitnehmer sind nicht vertraglich abgesichert, Korruption und Kriminalität sind an der Tagesordnung, Zwei Drittel der Bewohner Limas leben in Elendsvierteln, die überdies extrem erdbebengefährdet sind
Acht Projekte als Schwerpunkte der Arbeit von Pater Juan
- „Haus der Talente“
Das „Haus der Talente“ fördert unterschiedliche Kulturangebote für bis zu 500 Gruppen: Musik, Tanz, Kunst, Kochen, Kreativgruppen, Computer, Gottesdienst, pastorale Arbeit. - Gemeinschaftsküchen
Die 24 Gemeinschaftsküchen wurden von Müttern für die wirklich Bedürftigen gegründet. Sie kennen die Einheimischen und deren Nöte gut, und ihre eigenen Familien bekommen damit auch ihr sicheres Essen. In den Küchen werden eigene Erzeugnisse; verwertet, oder auch Ware, die von Zoll beschlagnahmt wurde und ihnen zur Verfügung gestellt wird. - Herberge für Migranten
Flüchtlinge werden gut aufgenommen, derzeit vor allem aus Venezuela. Allerdings sind auch Kriminelle gekommen – und kooperieren mit den lokalen Gangstern. - Hausbau für arme Familien
Angefangen hat alles als „Adveniat“-Projekt. Es ist konzipiert für die extrem Bedürftigen wie Familien mit Kindern und alte Menschen. Nachbarn werden durch tätige Mithilfe einbezogen, Strom und Wasser können manchmal von Nachbarn bezogen werden. - Apotheke für Bedürftige
Diese Initiative aus der Corona-Zeit hilft vor allem armen Kindern und alten Menschen (es gibt auch Windeln, die fast nicht zu bekommen sind). Wir erinnern uns an Pater Juans „Sauerstoff-Aktion“ in der Corona-Zeit, an der auch Mellatz mitgewirkt hat. Peru war eines der am schwersten betroffenen Ländern – mit der höchsten Sterblichkeitsrate weltweit. - Baum-Pflanzaktion
Beim Pflanzen von Bäumen werden Kommunionkinder – und Firmbewerber einbezogen und lernen konkret ökologische (christliche) Verantwortung. - Plastik-Recycling-Projekt
Aus Plastikmüll werden bunte Sitzbänke produziert. Zur Beschaffung des Materials werden viele engagiert. So richtete Juan seine Bitte an eine Schule mit 3000 Schülern: Jeder sollte einen Plastikdeckel bringen! Der Effekt: Viele bringen „mit wenig“ trotzdem Vieles, das ist ganz einfache Bewusstseinsbildung! Seit einem halben Jahr läuft auch ein Müllprojekt in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister des Viertels. - Schule/Akademie für „Integrale Ökologie“.
Als Zielsetzung des Projekts – initiiert und geleitet von Pater Juan – soll die Botschaft der Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus in pastorales und gesellschaftliches Handeln übersetzt werden – in Kirchen, Bildung und Alltag. Pater Juan betont: „Mission bedeutet heute mehr als die Verkündigung des Glaubens – sie umfasst auch den Schutz der Schöpfung und die Förderung sozialer Gerechtigkeit.“ Die Bewahrung der Schöpfung wird hier zu einem Akt der Nächstenliebe und Gerechtigkeit gegenüber den Schwächsten.
Der Lehrgang ist für Seelsorger, Ordensleute, Pädagogen und Verantwortliche in Peru vorgesehen. Er soll neben theologischen und spirituellen Grundlagen praxisnahe Ansätze vermitteln, um den Schutz der Umwelt und die soziale Gerechtigkeit in der pastoralen Arbeit zu verankern. So entsteht Schritt für Schritt ein Netzwerk kirchlicher Initiativen, das in den kommenden Jahren alle Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen in ganz Peru erreichen soll.
Die Durchführung geschieht auf zwei Wegen: Alle zwei Wochen können Teilnehmer in je drei Stunden online lernen, wie sie planen und pastorale Arbeit gestalten können. Nach einem Jahr sind es bereits über 150 Teilnehmer. Bei den Präsenz-Workshops handelt es sich um ein ein-jähriges Programm. Am Ende sollen die Teilnehmer konkrete Aktionspläne entwickeln, welche in die Pastoral in den Gemeinden einfließen sollen – etwa Initiativen zur Müllvermeidung, Wiederaufforstung und Umweltbildung in Schulen. Zusätzlich gibt es eintägige Präsenz-Seminare in verschiedenen Regionen Perus, auch in Amazonien. Dem Projekt wurde jetzt vom Bildungsministerium die Hochschul-Anerkennung erteilt, und bei jedem Gottesdienst wird dafür geworben.
Pater Juan hat bereits 2014 ein lesenswertes Buch (nicht nur) für Kinder und Jugendliche zur Umwelt-Verantwortung veröffentlicht, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde. „Kinder! Diese Erde liegt in Euren Händen“ Handbuch für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Es ist sehr zu empfehlen für den Religions-, Kommunion – und Firm-Unterricht.
Vevi und Joe Schlögl
Gottesdienst- und Weggemeinde Mellatz