1. Juli 2026

„Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.“ (3. Mose 19,34). Mit diesem Bibelzitat beginnt Pater José Aldo Sierra Moreno, ein in Südafrika tätiger Comboni-Missionar, seine Betrachtung über die tieferen Ursachen der aktuellen Welle der Fremdenfeindlichkeit gegenüber Ausländern in Südafrika.

Ich schreibe euch aus der Stadt Pietermaritzburg im Südosten Südafrikas. Wie ihr vielleicht wisst, herrscht in diesem Land derzeit eine Welle des Hasses gegen Ausländer. Vor allem die Bürgerbewegung „March and March, till we win“ (Weiter marschieren, bis wir gewinnen) hat sich sehr aktiv dafür eingesetzt, dass alle Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung das Land bis zum 30. Juni dieses Jahres verlassen sollten. Die Proteste haben zu Spannungen geführt: Viele Ausländer, insbesondere aus anderen afrikanischen Ländern, die der Armut entflohen sind und hier ein neues Leben beginnen wollten, werden schikaniert und gezwungen, das Land zu verlassen. Vor allem KwaZulu-Natal, die Provinz, in der sich unser Studentenwohnheim befindet, ist zu einem Schlachtfeld geworden. Es kam zu einigen Zusammenstößen, bei denen sich sowohl Einheimische als auch Ausländer gegenseitig angegriffen oder sogar getötet haben.

Die Ursprünge

„March and March“ ist nicht die erste Bewegung dieser Art in diesem Land; schon zuvor gab es einige andere, die fast dieselbe Sichtweise vertraten, nämlich dass „illegale Ausländer die Ursache für Armut und den Zusammenbruch der öffentlichen Dienste in Südafrika sind“. Bewegungen wie die „Dudula“-Operation (Vertreibung) und sogar offizielle Maßnahmen wie „Shanela“ (Razzia) wurden genutzt, um arme Ausländer ins Visier zu nehmen und sie zu Opfern und Sündenböcken für die allgemeine Situation des sozialen und wirtschaftlichen Zusammenbruchs dieses Landes zu machen.

Die Ursprünge der Fremdenfeindlichkeit, oder besser gesagt, der Afrophobie

Es ist allgemein bekannt, dass das Apartheid-System, das dieses Land zwischen 1948 und 1994 de facto beherrschte und regierte, eine Strategie verfolgte, schwarze Südafrikaner von anderen afrikanischen Ländern zu isolieren, insbesondere was Befreiungsbewegungen und die Erlangung der Unabhängigkeit betraf. Diese Isolation war so erfolgreich, dass schwarze Südafrikaner selbst heute, über dreißig Jahre nach dem Ende der Apartheid, nur sehr wenig über die Situation und Kultur anderer afrikanischer Länder wissen. Dies hat dazu geführt, dass alles, was aus dem übrigen Afrika kommt, als fremd oder verdächtig angesehen wird, wodurch der Grundstein für Fremdenfeindlichkeit – oder besser gesagt: Afrophobie – gelegt wurde. Diese wird übrigens von einigen wenigen, extremistischen Personen mit politischen Interessen geschürt, die die erschöpfte Bevölkerung des Landes ausnutzen, die größtenteils arbeitslos ist und unter wirtschaftlichen Zwängen leidet.

Eine Frist

Der 30. Juni war die von den Anführern der Bewegung „March and March“ festgelegte Frist, bis zu der Menschen ohne Papiere das Land endgültig verlassen sollten. „March and March“, angeführt von äußerst populären Führern wie Jacinta Ngobese, hat eine Art Versprechen und Erwartung geweckt, dass Erfolg und Entwicklung eintreten werden, sobald das Land die Ausländer ohne Papiere losgeworden ist. Die Wirklichkeit sieht jedoch so aus, dass die Probleme Südafrikas weitaus komplexer sind als die Herausforderung, die von Ausländern ohne Papiere ausgeht. Seit der Machtübernahme durch die ANC-Freiheitskämpfer im Jahr 1994, als Mandela den Wandel anführte, ist das Versprechen einer prosperierenden „Rainbow Nation“ nur ein Traum geblieben. Die traurige Tatsache ist, dass dieses Versprechen in all den über dreißig Jahren in einem Meer aus administrativem Chaos, wirtschaftlicher Misswirtschaft und Korruption versunken ist, was Südafrika im internationalen wirtschaftlichen Zusammenhang in eine sehr schlechte Lage gebracht hat. Als Folge sind viele Unternehmen und Investitionen abgewandert, und die interne Krise der Arbeitslosigkeit (die zu den höchsten der Welt zählt und derzeit bei 32 % liegt) hat sich weiter verschärft.

Wie der bekannte Journalist Allister Sparks in seinen Memoiren erläutert, hat diese gesamte Situation zu einem derart ungleichen System geführt – mit einer großen armen Bevölkerung und einer kleinen privilegierten reichen Klasse –, dass das Land mit „einem Doppeldeckerbus verglichen werden kann, in dem zwei Klassen sitzen, ohne dass es eine Treppe zwischen ihnen gibt“.

Die Eskalation der „March and March“-Proteste

Zwar haben die Proteste berechtigte Forderungen, wie etwa die Untätigkeit der Regierung bei der Bekämpfung der illegalen Einwanderung und die Kritik an der Korruption der Grenzbeamten, doch wurde „ March and March“ wurde, wie andere ähnliche Initiativen zuvor, leider politisch manipuliert und dazu missbraucht, durch Hassreden die ablehnende Haltung gegenüber Ausländern (insbesondere aus anderen afrikanischen Ländern) zu verschärfen – bis zu einem Punkt, an dem der verbreitete Hass (ganz zu schweigen von gewalttätigen Selbstjustizaktionen) in einigen Teilen des Landes mittlerweile fast unerträglich und unverantwortlich emotional geworden ist. Dies führt zu einer solchen Eskalation, dass selbst eine legale Aufenthaltsgenehmigung für das Land keine Rolle mehr spielt: „Du als Ausländer musst gehen, weil du den Südafrikanern Chancen wegnimmst“.

Viele Ausländer fühlen sich nicht mehr sicher. Sie betrachten Südafrika zudem als ein Land, das nicht gastfreundlich ist und jegliches Einfühlungsvermögen und jegliche Menschlichkeit (übrigens ein wichtiger afrikanischer Wert namens „Ubuntu“) gegenüber Menschen verloren hat, nur weil diese aus einem anderen Land stammen und eine andere Sprache sprechen. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie beispielsweise Menschen aus Malawi, die gezwungen sind, das Land zu verlassen, in Lagern zusammengepfercht sind, während sie in der Kälte dieser Monate auf eine Transportmöglichkeit warten, um in ihr Heimatland zurückzukehren, wo es für sie nichts mehr gibt, um neu anzufangen. Zu diesen Gruppen gehören auch kleine Babys und schwangere Frauen, die unter den Lebensbedingungen in einem Flüchtlingslager leiden.

Der Sündenbock

Ausländer werden gehen und das Land verlassen – ja; doch eine ernsthafte Analyse wird zeigen, dass das Problem der Ungleichheit und Armut bestehen bleiben wird.

Kurz gesagt: Ausländer sind nun zum Sündenbock geworden (was auch von der Südafrikanischen Katholischen Bischofskonferenz angeprangert wurde) und müssen für die Situation büßen, die durch jahrelangen Diebstahl und Korruption in der öffentlichen Verwaltung geschaffen wurde. Viele Gemeinden in Südafrika werden auch künftig nicht funktionsfähig sein, die Arbeitslosigkeit wird hoch bleiben, Investitionen werden kaum getätigt, und die allgemeine soziale und wirtschaftliche Lage im Land wird sich laut Analysten zumindest in naher Zukunft nicht verbessern.

Fazit

Die Spannung ist gestiegen, je näher der 30. Juni rückte. Die Regierung befürchtet eine weitere Welle der Gewalt und sogar Plünderungen in den großen Städten des Landes. Eine verstärkte Polizeipräsenz, unterstützt durch das Militär, hat die Lage im Auge behalten.

Hier im Studentenwohnheim (Scholastikat), in dem wir wohnen, sind wir alle Ausländer. Zudem leben wir inmitten armer Wohnsiedlungen, in denen in diesen Tagen bereits Gewalt gegen Ausländer zu verzeichnen war. Einer unserer Studenten, der aus dem Südsudan stammt, wurde kürzlich schikaniert und gewaltsam angegriffen, und auch wenn alles eher auf einen einfachen Raubüberfall hindeutet, ist es doch eine Tatsache, dass viele die Proteste und die Unruhen dieser Tage als Vorwand nutzen, um Verbrechen zu begehen.

Möge der Herr alle schutzbedürftigen Ausländer segnen und beschützen und den Einheimischen sowie den Führern dieses großartigen Landes – in dem es übrigens auch so viele Menschen guten Willens gibt, die in dieser Angelegenheit eine ganz andere Haltung einnehmen – ein Herz voller Mitgefühl und Geduld schenken.

Pater Aldo Sierra Moreno, mccj