6. Juli 2026
Sieben Jahre – vom Zuschlag bis zur Fertigstellung – dauerte es, bis die Landesgartenschau in Ellwangen ihre Tore öffnen konnte. Es waren Jahre des Planens, des Entwickelns und vieler Arbeit, bis alles fertig war. Gartenschau bedeutet in erster Linie viele Blumen und Gewächse aber auch viel Kreativität. Schließlich waren 60.000 meist heimische Gewächse, Sträucher und Bäume gepflanzt.
Wer es nicht weiß: Die Jagst ist das Flüsschen, das viele Jahre verschiedene Stadtteile von der Kernstadt Ellwangens getrennt hatte. Nach der Begradigung des Gewässers vor einigen Jahrzehnten entstand der „Schießwasen“ westlich der Altstadt. Es war eine große Fläche, die kostenloses Parken ermöglichte. Ansonsten war das riesige Grundstück größtenteils geteert und damit nicht wirklich attraktiv! Mit Blick auf diese Situation dürfte wohl der Leitspruch „Ellwangen an die Jagst“ in Anlehnung an den Stadtnamen „Ellwangen an der Jagst“ entstanden sein. Die Trennung zwischen Stadtteilen und der Kernstadt soll in Verbindendes umgewandelt werden.
Zunächst wurde die Jagst renaturiert. Sie erhielt wiederum viele Flussschleifen und verhalf zu drei „Parks“ in der Nähe zum Wasser. Ein solcher Park wird jetzt von Wasserbüffeln, Ponys und Rindern bewohnt. Der Brückenpark und Stadtpark sind die zwei weiteren Parks. Sie laden mit neugeschaffenen Plätzen für Konzerte, Orten zur Entspannung und zur Begegnung, Spielplätzen sowie Veranstaltungen am Abend vor allem für Jugendliche ein. Tatsächlich gibt es 2.000 verschiedene Programmpunkte mit vielen verschiedenen Highlights für Groß und Klein. Besonders sei hier noch die Blumenhalle im Kreuzgang der Basilika erwähnt. Hier werden Blumen und florale Kunstwerke gezeigt, welche jede Woche neugestaltet werden und die Besucher und Besucherinnen mit ihrer Schönheit begeistern.
Die Jagst trennt nicht mehr, sondern verbindet ab jetzt. „Wandel ist möglich“ ist ein durchaus treffendes Schlagwort! Damit alles gut klappt, hatten bzw. haben mehr als 1.000 Ehrenamtliche wichtige Dienste übernommen. An den ersten drei Tagen dürften etwa 23.000 Personen die LGS besucht haben! Das ist fast so viel, wie die Stadt Einwohner hat. Die Jagst wurde in ihrer Biodiversität aufgewertet, aber auch die Kommune mit neuen Angeboten durch das Flüsschen.
Zu Beginn am 24. April ließen sich viele Ellwanger und Übernachtungsgäste durch Böllerschüsse wecken. Und wer rechtzeitig zum weithin sichtbaren riesigen Zelt gekommen war, durfte sich zunächst an Liedern verschiedener Chöre erfreuen. Dennoch mussten viele während der Eröffnungsveranstaltung stehen. Aber es herrschte ja Kaiserwetter ohne Wölkchen am Himmel. Der Eröffnungsakt wurde auch im Zelt und darüber hinaus eine heitere Angelegenheit zwischen Berichten, Grußworten und Musik. Winfried Kretschmann, der scheidende Ministerpräsident von Baden-Württemberg, war natürlich auch um einen Redebeitrag gebeten worden. Immer wieder brandete anhaltender Applaus auf. Gewiss war Letzteres ein Zeichen dafür, dass die Redner die frohe Befindlichkeit der Anwesenden getroffen hatten. Am Schluss wurde die inoffizielle Hymne von Württemberg angestimmt. Ein bisschen Lokalpatriotismus gehörte schließlich auch dazu. Und es ist einfach ein schönes Lied.
Auffallend war in der jüngsten Zeit die gute Stimmung in der Stadt: Man kam mit Menschen sehr leicht in ein schönes Gespräch oder wurde angesprochen. Die überwiegende Mehrheit der Ellwanger und Ellwangerinnen freute sich auf ihre Landesgartenschau.
Doch da ist noch etwas Interessantes: Die LGS in Ellwangen hat einen ökumenisch geführten „Kirchengarten“. Auch hier gibt es entsprechend schöne und passende Veranstaltungen das Leben, den Glauben und die Kirche betreffend. Und das alles unter dem Schlagwort „Sei willkommen!“ Es beeindruckt, wie evangelische, katholische, neuapostolische und evangelisch-methodistische Christinnen und Christen Hand in Hand zusammenarbeiten.
Konfessionszugehörigkeit war und ist bei der Ellwanger LGS keine Frage. Dieses wurde verdeutlicht durch die Anwesenheit von Diözesanbischof Klaus Krämer (Rottenburg-Stuttgart) und seinem protestantischen Gegenpart, Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die beiden leiteten am ersten Sonntag der Gartenschau einen ökumenischen Gottesdienst. Dazu waren rund 10.000 Mitfeiernde gekommen! Fast wie beim Papst in Rom.
Wir Comboni-Missionare wohnen direkt am LGS-Gelände. Deshalb stellen wir die alte Seminarkapelle zum Ausruhen bzw. zur Stille zur Verfügung. Außerdem machen vier Mitbrüder als Gesprächspartner beim „Zuhör-Bänkle“ im Kirchengarten mit. Menschen, die ein Gespräch suchen, können sich mittwochs zwischen 10.00 Uhr und 12.00 Uhr an einen „Zuhörer“ wenden. Wir vier decken mit unseren jeweils fünf bis sechs Einsätzen im Kirchengarten während der LGS knapp die Hälfte der Präsenz am Zuhör-Bänkle ab.
Ellwangen an die Jagst – den Mitmenschen und der Schöpfung nahe! Es gibt einfache, hinweisende und kleine Zeichen! Auch zum Bänkle kommen Menschen, die beim Austausch zum Geschenk für einander werden – Katholiken wie Mitchristen anderer Kirchen. Ihre Anliegen – darunter auch die Frage nach einer glaubwürdigen Kirche und deren ewiges und enttäuschendes Zögern – wirken ermutigend.
Was aber wird über den 4. Oktober 2026 hinaus bleiben, wenn die LGS zu Ende geht? So oder so ist in Ellwangen und den umliegenden Gemeinden die LGS in diesem Sommer erstmal das wichtigste und prägendste Thema.
Bei so viel (Lebens-) Freude und Teilnahme seitens der Bevölkerung müssten wir Missionare die Ohren spitzen und hinschauen – begreifend, was da wirklich abgeht und worauf es ankommt. Dann werden auch wir die Beschenkten und Ermutigten sein – und dürfen uns genauso freuen.
Pater Anton Schneider, mccj