Nun  sind’s schon viele Jahr,
dass ich mal ein Kleinkind war.
Ja, das Herz geht mir über, wenn ich daran denke,
dass ich in jenem Jahr für meine Eltern ein Christkind war.

Ich wurde liebevoll umsorgt,
denn meine Schwester Maria musste vom Bauernhof fort,
um den kleinen Eduard zu hegen und zu pflegen.
Und das war für mich ein großer Segen.

Als ich dann zur Schule ging,
fand ich heraus, dass ich kurzsichtig bin.
So war’s Mutters Wille,
dass ich bald bekam eine neue Brille.
So konnte ich sehen viel besser und die Mitschüler hänselten mich,
indem sie sagten, der sieht aus wie ein Professor.

Unsere Familie war arm und wir spürten auch die Not,
und so musste ich auch schon mit neun Jahren
beim Bauern arbeiten für mein eigenes Brot.
Bei der Bauernfamilie ging’s mir gut,
doch habe ich erfahren,
– weil noch so jung – wies Heimweh tut.

Nach drei Jahren war ich in der Nachbargemeinde bei einem Bauern.
Doch der Aufenthalt konnte dort nicht zulange dauern,
denn nur die Kost war mein  Lohn,
und so lief ich nach einem halben Jahr,
nach dem Mittagsessen heimlich und still davon.

Einige Tage zuhause hat mir gefalln,
doch da kam schon ein Bauer und fragte mich,
ob ich nicht sein Jungvieh hüten möchte auf der Alm.
Als ein Wechsel tat mir das gut,
denn ich bekam wieder neuen Mut.

So ging das Jahr zu Ende
und brachte halt wieder eine Wende.
Der Bauer, bei dem ich drei Jahre war, fragte mich recht,
ob ich wieder bei ihm arbeiten möchte als Knecht.

So vergingen drei weitere Jahre, und langsam wurde mir klar,
ich gehe nach Milland und werde ein Brudermissionar.
Bei den Comboni-Missionaren war wirklich was los,
und für mich die Erfahrung groß.
Während  der zwei Jahre Postulat
der liebe Gott noch drei andere dazu gerufen hat.

1955 gingen wir zu viert ins Noviziat
und ich habe dort erfahren,
für was mich der liebe Gott berufen hat.
Am Ende der zwei Jahre war es klar,
denn ich machte Profess für ein Jahr.
Auch konnte ich lernen den Beruf der Anstreicher,
und durch die vielen Einsatzorte
fühlte ich mich ja auch oft wie ein Landstreicher.

Den Beruf weiterzugeben in Josefstal, Kenia und Halle,
war für mich keine Falle,
denn es machte Sinn,
dass ich für etwas zu brauchen bin.

2001 kam ich nach Graz zu meinen Mitbrüdern und Bekannten
und war dann verantwortlich für die im Afrika-Haus lebenden Asylanten.
17 Jahre lang habe ich die Asylwerber aus Afrika betreut,
und das habe ich noch nicht bereut.
Dann kam es wie es sein soll,
das sogenannte Afrika-Haus wurde umgebaut,
und ich wohne hier und fühle mich wohl.

Über Corona kann man wohl schimpfen,
aber wirklich helfen tut nur das Impfen.
Arbeit gibt es hier genug, dazu auch noch LIMA,
das hält mich jung und durch unser Klima
finde ich das prima.

Hier in der Gemeinschaft geht´s mir gut,
und so bekomme jeden Tag frischen Mut.
Mit meinen 85 Jahr,
ich schon öfters beim Doktor war.
Die Erfahrung ist, ich darf noch länger leben
und dazu wird der liebe Gott seinen Segen geben.

Bruder Eduard Nagler