Alt werden im Orden

Im Juni fand für alle Mitbrüder über 70 Jahre ein zweitägiger Fortbildungskurs zum Thema „Alt werden im Orden“ unter der Leitung von Pater Ludwig Dehez SJ statt. Siebzehn Mitglieder unserer Gemeinschaft hatten die Einladung ins Missionshaus Ellwangen angenommen. In kurzen Stellungnahmen äußerten sie sich dazu, was sie von den Referaten und den Gesprächen besonders beeindruckt und angesprochen hat.

Die Teilnehmer stellten fest, dass Alter auch mit Freude zu tun hat. Man muss nicht mehr berufliche Leistung erbringen und kann aufatmen. Neue Gestaltungsmöglichkeiten und neue Horizonte tun sich auf. Dabei ergeben sich die Fragen: Was kann ich erst jetzt? Wer bin ich erst jetzt? Was kann ich noch, was will ich noch? Älter werden wird auch als Befreiung verstanden, als Frei-Werden von unheiligem Zwang. Indem man sich von Zwängen befreit, erschließen sich neue Lebensräume der inneren Freiheit. Das Leben darf auch Stückwerk bleiben(1 Kor 13). Man muss nicht alles vollenden, denn Gott vollendet. Er ist ein Gott des Lebens, aber auch der Brüche. Er heilt.

Im Alter bekommt man ein besonderes Gespür für Achtsamkeit, man wird aufmerksam für Mitmenschen, für das, was das Lebendig sein erhält und sogar noch fördert. Es gilt sich auf die Herausforderungen des Alters einzustellen. Man muss sich damit zurechtfinden, dass man an Einfluss verliert und für manche Aufgaben nicht mehr gebraucht wird. Und auch wenn man noch gefragt ist, fällt manches schwerer, sei es aufgrund von Krankheit oder einfach durch Nachlassen der Kräfte.

Von entscheidender Bedeutung ist es, sich zu versöhnen und zu verzeihen. Kränkungen, Unrecht, Verleumdungen brauchen zwar nicht vergessen werden, doch gilt es, sich anders zu erinnern – nicht mit Groll, sondern mit dem Auge Gottes, mit dem Herzen Jesu. Mit dem Verzeihen des Unverzeihlichen ist der Mensch der göttlichen Liebe am nächsten!

2018-06-25T12:03:06+00:00