27. April 2026
Die mexikanische Comboni-Schwester Rosa María del Socorro arbeitet in einer der schwierigsten Regionen der Dominikanischen Republik.
Mehrere Jahre habe ich im Tschad in Afrika, bei den indigenen Mazateken im Süden Mexikos und in Haiti gearbeitet. Derzeit bin ich in Barahona in der Dominikanischen Republik, wo ich Teil der Interkongregationalen Missionsgemeinschaft (CIM) bin, die sich aus Ordensschwestern dreier Kongregationen zusammensetzt: Katholische Schulschwestern vom Herzen Jesu (Maestras Católicas del Sagrado Corazón de Jesús), Barmherzige Missionarinnen von Barcelona( Mercedarias Misioneras de Barcelona) und Comboni-Missionsschwestern.
Barahona ist die Hauptstadt der gleichnamigen dominikanischen Provinz, liegt ganz in der Nähe der Grenze zu Haiti und ist daher durch eine große Präsenz haitianischer Migranten gekennzeichnet. Es ist eine der bedürftigsten Städte und Diözesen, sowohl in religiöser als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Als Missionsgemeinschaft arbeiten wir in Pueblo Nuevo, einem der ärmsten Vororte am Stadtrand, mit einem hohen Anteil an Arbeitslosigkeit, Analphabetismus, Prostitution und Drogenabhängigkeit sowie vielen protestantischen Kirchen, was zu einer großen Gleichgültigkeit gegenüber dem katholischen Glauben führt.
Meine Seelsorgearbeit besteht darin, die von ihren Familien verlassenen älteren Menschen in einem Pflegeheim zu unterstützen und ihnen nahe zu sein. Ich arbeite im Sozialdienst der Pfarrei mit und halte außerdem Seminare über Naturheilkunde sowohl in der Pfarrei als auch in den sogenannten „Bateyes“ in der Gemeinde Barahona und der Provinz San Pedro de Macorís. Die „Bateyes“ sind Familiensiedlungen, die in der Nähe von landwirtschaftlichen Plantagen, vor allem Zuckerrohrplantagen, liegen. Hier leben Dominikaner haitianischer Herkunft, die in den 1980er Jahren hierherkamen, sowie haitianische Migranten, die beim Pflanzen, Schneiden, Abbrennen, Verladen, Wiegen und Transportieren von Zuckerrohr arbeiten. Das ist eine der schwersten, anstrengendsten und gefährlichsten Tätigkeiten in der Dominikanischen Republik. Es gibt Hunderte und Aberhunderte von „Bateyes“, die über das ganze Land verstreut sind.
Ich arbeite als Kräuterkundlerin in diesen beiden Gebieten. Es ist ein einfacher und beliebter Beruf, der Schulungsworkshops und Gesundheitsaufklärung in der Gemeinschaft für ein würdiges und ganzheitliches Leben umfasst. Ich konzentriere mich vor allem auf schutzbedürftige Unternehmerinnen mit begrenzten wirtschaftlichen Mitteln, die ihren Familien und Gemeinschaften helfen und so ihr Selbstwertgefühl stärken wollen. Die meisten dieser „Bateyes“ sind Mütter, die unter prekären Bedingungen leben, marginalisiert und von der Regierung im Stich gelassen, aufgrund ihres Migrantenstatus oder weil sie haitianischer Abstammung sind.
Durch die Kurse versuche ich, sie zu befähigen, sich ihrer Rechte und Pflichten im Bereich der Gesundheitsaufklärung bewusst zu werden. Das hilft ihnen, ihre soziale, menschliche und gemeinschaftliche Sichtweise und ihr Wissen zu fördern und zu erweitern, um Frieden, Gerechtigkeit und neue Organisations- und Handelsmodelle zu schaffen. Vor allem vermeiden sie so, teure Medikamente kaufen zu müssen, die ihr Familienbudget übersteigen. Aus diesem Grund ist eines der Ziele dieser Ausbildung die Entwicklung und Anwendung natürlicher Heilmittel. Wenn ich diese Praktiken unterrichte und dabei auf Haitianisch, ihrer Muttersprache, spreche, sind sie überrascht und fragen mich: „Wie kommt es, dass eine ausländische, nicht-dominikanische Nonne unsere Muttersprache spricht?“ Sie fangen an zu singen und zu applaudieren. Und ich sage mir, dass die sieben Jahre, die ich in Haiti verbracht habe, einem Land, das nach wie vor von Armut und Gewalt heimgesucht wird, nicht umsonst waren.
Die Förderung der Verwendung natürlicher Heilmittel auf der Basis von Heilpflanzen ist sehr wichtig, da die Menschen daran gewöhnt sind, sie zu nutzen, insbesondere ältere Frauen, die sich damit bestens auskennen. Angefangen mit einem Tee oder Aufguss, den sie täglich zubereiten, lernen sie, Salben, Sirup, Seife, Shampoo und vieles mehr herzustellen. Es gibt noch viel zu tun und viel zu vermitteln. Ich versuche, für diese „Bateyes“ ein Gesicht voller Hoffnung und Mitgefühl zu sein, wie das von Gott, dem Vater und der Mutter.
Sr. Rosa María del Socorro, CMS