geboren am 06.03.1856 in Lana BZ/I
Priesterweihe: 08.12.1880
verstorben am 06.08.1913
beigesetzt in Omdurman/SD

Er war Freund und Kurskollege von Pater Dichtl und lernte die Mission durch den Marienverein von Wien und vor allem durch Mitterrutzner kennen. Auch Comboni nennt die beiden meist zusammen „i due tedeschi“ (die beiden Deutschen) und sie sind für ihn unter den am meisten geschätzten jungen Mitarbeitern. Dichtl konnte wohl besser schreiben, war begeisterungsfähiger, zumindest eloquenter. Ohrwalder war pragmatischer, zäher und mit weniger Worten, „più arditello“ (etwas trockener). Er stammte aus Lana bei Meran in Südtirol und wurde am 6. März 1856 geboren. 1875 trat er in Verona ein und wurde von Comboni in der Hauskapelle der Niederlassung in Kairo am 8. Dezember 1880 zum Priester geweiht, drei Tage nach Johann Dichtl.

Wie geschätzt er war, zeigt, dass man nach dem Tod Combonis an ihn sogar als Nachfolger dachte, obwohl er damals gerade 25 Jahre alt war. In diesem Sinn schreibt Pater Sembianti aus Verona an die Propaganda Fide in Rom. Dichtl und Ohrwalder fuhren nach der Priesterweihe zusammen mit Comboni nach Khartum. Ohrwalder wurde in die Mission nach Delen geschickt. Damit trennten sich die Wege der beiden, denn als Ohrwalder 1891 aus der Gefangenschaft des Mahdi fliehen konnte, war Dichtl bereits gestorben.

Doch der Reihe nach. Die Mission in Delen war kein Zuckerschlecken. Ein Brief an seinen Freund Dichtl drückt sehr schön die Situation und auch den Charakter Ohrwalders aus: „Hier meine ersten Zeilen aus Gebel Nuba. … Bis jetzt hatte ich noch keinen einzigen guten Tag. Die meiste Zeit habe ich im ‚angareb‘ (Bett) verbracht… Kaum dass ich hier war, bekam ich einen Ausschlag am ganzen Körper, der es mir tagelang unmöglich machte, meine Position zu ändern. Ich hatte auch Schmerzen im Bauch wie nie zuvor. Dazu einen Durchfall. Es scheint, dass es jetzt langsam besser wird. Ansonsten bin ich zufrieden.“ Dann schreibt er weiter (Comboni war drei Monate zuvor gestorben): „Mir kommt es vor, als sei ich in einem fremden Land. Mir scheint, ich sei nicht mehr in der Mission meines Bischofs. Alles ist mir fremd. Im Übrigen ist das Land sehr schön. Ich habe bisher allerdings kaum etwas gesehen, denn vom Bett aus kann man keine Studien machen.“

Ohrwalder ist damit auch später nicht weit gekommen, denn bereits im Sommer des Jahres 1882 brach über seine Mission das Unglück herein: Seit Monaten war die Gegend um Delen von den Anhängern des Mahdi kontrolliert. Die Atmosphäre vergiftete sich immer mehr, auch gegen die christlichen Missionare. Darum dachten die Missionare zu retten, was zu retten war und bereiteten eine Flucht vor. Die „Früchte ihrer Arbeit“, ein paar Handvoll getaufte oder sich auf die Taufe vorbereitende Kinder, wollten sie mitnehmen und auch in Sicherheit bringen. „Alles war bereit“, schrieb Ohrwalder in einem aus dem Lager des Mahdi geschmuggelten Brief an Dichtl, „wir und unsere Buben und Mädchen mit dem, was wir mitnehmen konnten, gingen gegen Mitternacht an den vereinbarten Ort, von wo aus wir zusammen aufbrechen wollten.“ Aber sie wurden an die Mahdisten verraten und zurückgeholt. „Wir kehrten zurück in unsere Behausungen und fanden alles verwüstet. Während unserer Abwesenheit hatten die Nuba alles geraubt, was ihnen nützlich erschien, und das übrige zerstört.“ Weiter schreibt er, anschließend seien sie zum Abgesandten des Mahdi gebracht worden. Sie fragten ihn, was nun weiter mit ihnen geschehen würde. Die Antwort: „Wenn ihr Muslime werdet, wird alles gut.“

Für ihn und die übrigen Mitglieder der Mission, darunter vier Schwestern, folgte eine fast zehnjährige Gefangenschaft im Heerlager des Mahdi. Ohrwalder hat sie in seinem bereits erwähnten Buch beschrieben.

Ziemlich am Anfang der Gefangenschaft wurden sie vor die Wahl gestellt, sich entweder zum Islam zu bekennen oder hingerichtet zu werden. Sie waren entschlossen, ihrem Glauben treu zu bleiben und bereiteten sich auf den baldigen Tod vor. Es kam aber anders. Der Mahdi selbst scheint beeindruckt gewesen zu sein und ließ sie am Leben, zumal vermutlich muslimische Berater dem Mahdi sagten, dass es nicht im Sinn des Propheten sei, religiöse Führer – auch anderer Religionen – zu töten. Was folgte, waren Jahre zermürbender Schikanen und der Versuch, in einer ausweglosen Situation glaubwürdig zu leben und zu überleben. Und da, so darf man sagen, bewährte sich der Pragmatismus Ohrwalders, der bald zum Haupt und Sprecher der Gruppe wurde, nachdem Don Giovanni Losi, sein Oberer in Delen, den Strapazen erlegen war, und einem anderen Mitbruder die Flucht gelungen war. Ohrwalder suchte Verbündete in dem fast hunderttausend Menschen umfassenden Camp und fand sie vor allem unter griechischen und anderen Kaufleuten sowie gefangenen Europäern, unter ihnen einem österreichischen Haudegen namens Rudolf Slatin. Ohne sich je zum Islam zu bekennen, ließ Ohrwalder sich gelegentlich beim Freitagsgebet sehen. Deswegen sah er sich nach seiner Befreiung Vorwürfen ausgesetzt. Die größeren Vorwürfe kamen aber wegen seiner Haltung den Schwestern gegenüber.

Unter diesen war Teresa Grigolini, die von Comboni besonders geschätzt war und die er als spätere Generaloberin der „Pie Madri della Nigrizia“ („Fromme Mütter des Negerlandes“, heute: „Comboni-Missionsschwestern“) gedacht hatte. Angesichts der Drohung, in Harems verteilt zu werden, riet Pater Ohrwalder den Schwestern, Scheinehen mit vertrauenswürdigen Männern einzugehen. Teresa Grigolini schloss eine solche mit dem griechischen Kaufmann Kokorempas. Da die Schwestern aber keine Kinder bekamen, wurde der Druck stärker und die Gefahr, vergewaltigt und anderen Männern zugeteilt zu werden, immer größer. In dieser Situation riet Ohrwalder Schwester Grigolini, nun doch eine richtige Ehe einzugehen. Er traute sie kirchlich im Geheimen. Sie bekam mehrere Kinder, von denen zwei überlebten. Nach der Flucht Ohrwalders blieb sie die Seele der winzigen geheimen Gruppe von Christen in Omdurman. Als Ohrwalder nach dem Ende der Mahdiherrschaft 1899 wieder nach Omdurman kam, fand er im Haus von Teresa Grigolini-Kokorempas seine erste Unterkunft und richtete die erste Glaubensschule ein.

1891 gelang Ohrwalder und zwei Schwestern im Dezember die Flucht durch von Bischof Sogaro bezahlte Fluchthelfer. Sie legten in acht Tagen auf Kamelen 700 Kilometer zurück. Die einzige Mitwisserin der Flucht, Teresa Grigolini-Kokorempas, und ihr Mann wurden für mehrere Tage in Ketten gelegt.

Das Buch, das Ohrwalder über seine Gefangenschaft und Flucht schrieb, fand viel Interesse und wurde ins Englische und Italienische übersetzt. Er selber wollte dem Interesse – und auch den ständigen Fragen und Verdächtigungen – so bald als möglich entfliehen und ging, kaum wieder bei Kräften, nach Ägypten zurück. Kairo, Suakin und Assuan waren Stationen seines Wirkens. 1900, als es wieder möglich war, ließ er sich in Omdurman nieder, schon eine Art Legende. Er starb am 6. August 1913 während des Mittagessens im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt, als er sich gerade hinabbeugte, um dem Kater etwas zu fressen zu geben. Mit den Mitbrüdern der neuen Kongregation stand er in freundschaftlicher Verbindung, zumal einer, mit dem er sich gut verstand, Franz Xaver Geyer, inzwischen zu ihr gehörte und seit 1903 sein Bischof war.

R.I.P.

Pater Alois Eder