geboren am 10.10.1909 in Walting/D
Zeitliche Gelübde: 29.06.1930
Ewige Gelübde: 25.12.1933
Priesterweihe: 29.06.1934
verstorben am 24.05.1996
beigesetzt in Ellwangen/D

Pater Alois Rädlinger wies gerne darauf hin, dass er wie Daniel Comboni an einem 10. Oktober geboren wurde. Er stammte aus dem Dorf Walting, das heute Weiding heißt, und zur Diözese Regensburg gehört. Zwei Schwestern wurden Klarissen in Regensburg, eine Kusine Benediktinerin und ein Onkel war Pfarrer.

Alois war siebzehn Jahre alt als er sich den Comboni-Missionaren anschloss. Wir geben nun das Wort an ihn weiter: „Mein Vater hatte den sehnlichsten Wunsch, dass ich Priester werde. Ich war noch sehr jung, als ich ganz offen sagte, ich wolle ein kleiner Priester werden. Auch vor meinem Priesteronkel, der öfters unsere Familie besuchte, wiederholte und bestätigte ich meinen Entschluss. Mein Onkel unterstützte meinen Wunsch und veranlasste, dass ich mit dem Studium beginnen konnte. Als Jüngster war ich immer der Liebling der Familie. Aber bereits als Kind bereitete ich meinen Eltern große Sorgen. Ich wurde schwer krank. Jeder glaubte, meine letzte Stunde sei gekommen. An meinem Bett gelobte meine Mutter vor einer brennenden Kerze, eine Wallfahrt zur Muttergottes von Haidstein zu machen und eine Spende zu geben. Die himmlische Mutter nahm das Angebot an, und der kleine Alois blieb am Leben. Meine Mutter erfüllte ihr Versprechen und begab sich mit ihrem Sohn auf die Wallfahrt nach Haidstein.

Im Mai 1921 begann ich am bischöflichen Studienseminar von Obermünster das Studium. Nach fünf Jahren aber schloss ich mich den Herz-Jesu Missionaren von Milland/Brixen an. In Ellwangen führte ich mein Studium weiter. Dann kehrte ich im September 1927 wieder nach Milland zurück. Im März 1928 begann ich dort das Noviziat und schloss es mit großer Freude am 29. Juni 1930 mit den ersten zeitlichen Gelübden ab. Jedoch wegen großer körperlicher Schwäche schickten mich meine Oberen vom 31. März bis 4. Juni zur Erholung nach Hause. Meine Nerven und mein Magen verursachten mir Probleme. Während meines Aufenthalts zuhause wurde mir eine besondere Gnade zuteil. Denn dadurch hatte ich das Glück, eine meiner lieben Tanten vor ihrem Tod am 10. April 1930 zu treffen. Sie war eine Heilige. Sie starb und betete für mich. Von da an besserte sich meine Gesundheit ständig. Ich begann dann in Brixen das Studium der Theologie. Am 25. Dezember 1933 legte ich die ewigen Gelübde ab, und am 29. Juni 1934 wurde ich zum Priester geweiht. Es war ein unvergesslicher Tag. Ich habe Gefühle erlebt wie nie zuvor. Die Weihehandlungen haben mich zutiefst bewegt: Die Handauflegung, die Salbung, das Anziehen des Messgewandes. Tränen flossen aus meinen Augen. Am Schluss des Magnifikats kam ich fast ins Schluchzen. Ich spürte ein tiefes Glück. Ich hätte es gerne eine Zeitlang allein genossen. Aber der Priester ist für die anderen da, vom Tag seiner Weihe an. Mit tiefer Freude erteilte ich den Anwesenden meinen Segen.

In Milland haben die Mitbrüder uns fünf Neupriester mit Freude empfangen. Ich wurde von meinem Vater, meinem Bruder Xaver und von meinem Cousin Pfarrer Georg Pfeilschifter begrüßt. Dann haben wir das Festmahl eingenommen. Der Chor sang die Lieder „Meine Seele preist die Größe des Herrn“ und „Lobet Gott“. Andere haben Violine gespielt oder Ansprachen gehalten. Auch der Generalobere war zugegen.

Am nächsten Tag reisten wir von Brixen ab und fuhren nach Bayern. Mein Bruder Xaver begab sich direkt nach Hause. Mein Vater und Georg gingen nach Oberammergau zu den Passionsspielen. Ich besuchte meine Cousine, eine Benediktinerin in Wessobrunn. Es war eine große Überraschung für sie, denn sie erwartete mich erst vor meiner Rückkehr nach Brixen. Sie lag krank im Bett und konnte kaum reden. Ich habe ihr die heilige Kommunion gereicht. Dann reiste ich weiter zum Klarissenkloster von Regensburg, wo mich die Nonnen froh aufgenommen haben.

Am 4. Juli kam ich endlich nach Hause. Meine Eltern kamen mir bis Cham entgegen. In Kothmaissling erwarteten mich der Heimatpfarrer, Pfarrer Ludwig Zeitler, meine Schwestern Resl und Moni, der Bruder Xaver, die Schwägerin und zwei Schwäger, weitere Verwandte und einige Freunde. Sechs Kutschen und sechs berittene Männer erwarteten mich am Bahnhof. Der Bürgermeister Herr Klein hat uns bis Walting begleitet. In Raindorf hatte sich die Bevölkerung versammelt; zwei Kinder haben ein Gedicht aufgesagt; dann bewegte sich die Prozession nach Walting. Zwei Kinder gingen mit Fahnen dem Zug voraus. In Walting war die ganze Bevölkerung auf der Straße, um mich zu begrüßen. Unter dem Klang der Glocken betraten wir die Pfarrkirche, wo mich der Heimatpfarrer begrüßte. Dabei erwähnte er meinen Vater, der beim Bau der Kirche sehr aktiv mitgewirkt hatte.

Nach einigen Dankesworten habe ich allen meinen Segen erteilt. Anschließend begaben wir uns in den Friedhof, um für unsere verstorbenen Verwandten und Freunde zu beten. Dann ging es in Prozession zum Elternhaus. Wieder wurden Gedichte aufgesagt. Die Priester und Verwandten hielten sich noch eine Zeitlang bei uns auf. So hat der erste Tag des neugeweihten Priesters ausgeschaut.

In den folgenden Tagen habe ich die Familien des Dorfes besucht. Endlich, am 10. Juli 1934, konnte ich die erste heilige Messe feiern. Mit Salutschüssen in der Früh wurde das Fest eingeleitet. Ich hatte mich gut vorbereitet: um 9.00 habe ich das Haus verlassen. Ein Mädchen hat ein Gedicht aufgesagt und mir Blumen überreicht. In einer Kutsche sind wir zum Geburtshaus gefahren. Dort zog ich die Priestergewänder an, und in Prozession begaben wir uns in die Kirche, um meine erste heilige Messe zu feiern. Die Predigt hielt der Priester Max Koppl.“

Pater Alois hat sich den Comboni-Missionaren angeschlossen, um Priester zu werden. Er war zutiefst überzeugt, dass er zum Priester- und Missionsleben berufen worden war. Es ist ihm aber nie die Möglichkeit geboten worden, nach Afrika oder Amerika zu gehen. Schon im Schulalter dachte er daran, Hilfspriester zu werden. Die Mitarbeit in der Seelsorge war seine Berufung. Sein Lebenslauf ist deshalb auch sehr einfach gewesen. Hier seine Einsatzorte: Bamberg: 16.07.1935-16.10.1935; Mellatz:17.10.1935-27.10.1947; Sanitäter im Krieg: 20.05.1940-29.07.1945; Josefstal: 27.10.1947-02.06.1949; Mellatz: 02.06.1949-16.02.1951; Milland: 17.02.1951-06.09.1951; Messendorf: 23.09.1953-17.02.1954; Josefstal: 18.02.1954-01.05.1959; Neumarkt: 01.05.1959-31.12.1990; Ellwangen: 01.01.1991-24.05.1996.

Das Schlüsselwort, das sein Leben umschreiben kann, ist Einfachheit – eine natürliche, echte, anspruchslose, ehrliche, aufrichtige, fromme, herzliche Einfachheit. Bis zu seinem Tode erzählte er gerne Geschichten von Zuhause, vom Onkel, seinem Vater, von Verwandten und Freunden. Er verfolgte mit Interesse, mit seinem Gebet und seinem tiefen Glauben die Ereignisse der Provinzen der Kongregation und die Fortschritte in der Mission und in der Kirche. Er verschied am 24. Mai 1996 und wurde im Friedhof von Ellwangen neben den verstorbenen Mitbrüdern beigesetzt.

R.I.P.

Pater Anton Maier