geboren am 24.02.1930 in Unterschneidheim/D
Zeitliche Gelübde: 20.07.1952
Ewige Gelübde: 15.05.1958
verstorben am 19.08.2003
beigesetzt in Ellwangen/D

Bruder Richard Nagler wurde am 24. Februar 1930 in Unterschneidheim, Baden Württemberg, geboren. Er stammte aus einer kinderreichen tiefgläubigen Familie. Er war der achte von neun Geschwistern. Aus Unterscheidheim kamen zu dieser Zeit mehrere junge Männer zu den Comboni-Missionaren, so auch sein drei Jahre älterer Bruder Andreas. Pater Andreas starb aber schon 1962 im Alter von 35 Jahren in Südafrika bei einem Verkehrsunfall.

1950 folgte er den Spuren seines Bruders, trat als Postulant bei den Comboni-Missionaren in Ellwangen ein, legte nach dem zweijährigen Noviziat am 20.07.1952 die ersten zeitlichen Gelübde ab. Wie ernst er seine Berufung genommen hat, geht schon aus einem Brief hervor, mit dem er seine Oberen um die Zulassung zu den ersten zeitlichen Gelübden bat. Darin heißt es: „Am 16.07.1952 geht meine zweijährige Noviziatszeit zu Ende. Ich bitte Sie um Zulassung zu den ersten zeitlichen Gelübden. Ich habe mir alles reichlich überlegt und freue mich, das Ziel, das ich während dieser Zeit nie aus dem Auge verlor, nun in Kürze verwirklicht zu sehen. Wohl bin ich mir der großen Verantwortung bewusst, die mir die Gelübde auferlegen, aber im Vertrauen auf den Beistand Gottes darf ich es wagen. Ich bin bereit, meine Pflicht treu zu erfüllen, wohin immer der heilige Gehorsam mich stellt“.

In Ellwangen machte er die Meisterprüfung als Schreiner. Im Jahre 1955 hatte die Generalleitung mit einer Eingabe um Einreise nach Südafrika keinen Erfolg. Am 15.05.1958 weihte Bruder Richard sein Leben Gott und der Mission durch die ewigen Gelübde.

Die ersten Jahre seiner Tätigkeit in der Kongregation waren geprägt durch die Mitarbeit am Aufbau und an der Renovierung verschiedener Niederlassungen in Deutschland. Als tüchtiger Schreinermeister hat er der Gemeinschaft sehr wertvolle Dienste geleistet in Josefstal (1950-52), in Brixen (1953-56), in Josefstal (1956-62). 1962 ging er nach Palencia in Spanien (1962-75) und 1975 nach Ecuador (1975-80), wo er in der Bubenstadt von Esmeraldas die Schreinerei leitete, in der er Jugendliche im Schreinerhandwerk ausbildete. In der Bubenstadt (Ciudad de Muchachos) wurde normaler Schulunterricht gehalten, aber es bestand auch die Möglichkeit, ein Handwerk zu erlernen. Die Buben kamen für gewöhnlich aus zerrütteten Familien.

Seine Freude über einen Missionseinsatz nach seinen dreizehn Jahren in Spanien kommt in einem Brief an seinen Generalobern am 9.03.1973 klar zum Ausdruck. Er schreibt unter anderem: „Ganz besonders freut mich, dass die Generalleitung für mich einem Missionseinsatz zugestimmt hat. Gerne stelle ich mich zur Verfügung, habe ja lange meinen Wunsch danach immer wieder zum Ausdruck gebracht. Bin mir voll und ganz bewusst, dass es nicht leicht sein wird, aber mit der Hilfe Gottes wird es schon gehen.“ Bruder Richard war während seines ganzen Lebens immer von einem starken Gottvertrauen erfüllt.

Dass man sich auf Bruder Richard verlassen konnte, geht aus einem Brief des damaligen Provinzobern Pater Klose hervor, in dem es heißt: „Zunächst einmal möchte ich Dir für Deine treue Arbeit und Deinen zuverlässigen Einsatz danken. Deine Zusammenarbeit mit Bruder Hans Peter war ebenfalls lobenswert. Deine Bereitschaft immer loyal mitzuarbeiten, ist vorbildlich“.

Bruder Richard hatte nach seiner Rückkehr aus Ecuador in Ellwangen die Schreinerei vorübergehend geleitet, bis Bruder Michael Dietrich kam und sie übernahm. Bruder Richard war bei der Personalplanung immer flexibel, was ja nicht selbstverständlich ist. Er hat nie auf stur geschaltet. Er war auch sehr dankbar für jede finanzielle Hilfe, die ihm aus der Heimat bei seinem Missionseinsatz in Ecuador gewährt wurde.

Nach seiner Rückkehr aus Ecuador war er dann erneut in Josefstal von 1981-1992 tätig. Seit 1993 leistete er im Missionshaus Mellatz als Hausmeister wertvolle Dienste. Damals schrieb ihm der Provinzial Pater Gerner folgendes: „Bruder Richard, Du hast uns schon auf eine erste vorsichtige Anfrage hin unmissverständlich wissen lassen, dass Du zu einer Versetzung nach Mellatz bereit seiest. Jetzt ist es so weit.“ Im selben Brief heißt es auch noch: „Lieber Bruder Richard, im Namen der Kongregation und der Provinz danke ich Dir für die vielen Jahre Deines engagierten Dienstes und Deiner harten Arbeit, vor allem in Josefstal, in Milland, in Spanien, in Ecuador und wieder in Josefstal. Vergelt’s Gott.“

Durch einen Sturz auf einer Eisplatte zog er sich eine Gehirnblutung zu, von der er sich nie mehr richtig erholte. Im Mai 2000 trat er aus gesundheitlichen Gründen in seinen verdienten Ruhestand, den er in der Hausgemeinschaft Ellwangen verbrachte.

Wir haben Bruder Richard in Erinnerung als einen liebenswürdigen, bescheidenen und fachlich sehr tüchtigen Handwerker und Mitbruder, den jeder schätzte und gern hatte. Bruder Richard hat seine missionarische Berufung zielstrebig und konsequent gelebt und seine Fähigkeiten wie Daniel Comboni gern und opferbereit in den Dienst der Menschen in Heimat und Mission gestellt. Er lebte aus dem Bewusstsein: Keiner hat eine größere Liebe, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde. Gott, der Herr schenke ihm Anteil an seinem göttlichen Leben.

R.I.P.

Pater Georg Klose