Wie viele andere Südtiroler, die in ihrer Jugend zunächst den Wunsch in sich verspürten, einmal als Missionar zu wirken, sich später aber für einen anderen Beruf entschieden, erinnert sich auch Dr. Franz Berger aus St. Pankraz im Ulten gerne an seine Studienjahre bei den Comboni-Missionaren:
„Nach der Matura im Jahr 1962 habe ich damals davon geträumt, Missionar zu werden. Folgende Gründe dürften dabei eine Rolle gespielt haben: Ich spürte zum einen in mir so etwas wie ein angeborenes Fernweh. Zum anderen war es wohl auch die Ausstrahlung des Herz- Jesu-Missionshauses Milland und das Vorbild meines Landsmannes und Missionars Pater Karl Kuppelwieser, das mich angesprochen hat.

Ich halte das Wort „Abschiebung“ für das Unwort des Jahrhunderts.
Franz Berger

So begann ich im Herbst 1962 zusammen mit Sepp Profanter das Noviziat in Deutschland. Es war eine schöne Zeit. Wir waren einfach eine lustige Gemeinschaft. Wir machten die religiösen Übungen, arbeiteten bei der Heuarbeit mit, machten so manche Ausflüge und lachten viel. So kann ich mich erinnern, dass wir 15 Novizen in unseren Talaren in den Bänken der Kapelle stehend wie gewöhnlich meditierten, bis plötzlich einer zu lachen begann und daraufhin die ganze Gruppe minutenlang vor Lachen geschüttelt wurde.
Ich hatte immer meine Freude daran, Menschen zusammenzuführen und sie Gemeinschaft erleben zu lassen: auf Seminaren, Studien- und Kulturfahrten, Ausflügen und Treffen. Die bei den Comboni-Missionaren gewonnene Überzeugung, dass alle Menschen vor Gott gleich sind und gleiche Rechte haben, hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen, auch und gerade die Migrationsbewegungen unserer Zeit besser zu verstehen. Ich glaube, dass Menschen aus armen Ländern das Recht haben, für sich und ihre Familien in reicheren Ländern wie bei uns eine bessere Zukunft zu suchen. Ich halte daher das Wort ,Abschiebung‘ für das Unwort des Jahrhunderts. Man kann einen Tisch wegschieben oder einen Stuhl oder auch den Schnee, aber doch nicht Menschen! Das ist meines Erachtens mit dem, was Jesus verkündet hat, nicht vereinbar.“

Franz Berger