Millionen Menschen hungern im Sudan, vor allem Frauen und Kinder leiden unter den Folgen des Bürgerkriegs dort.

„Die Welt brennt! Einer von den vielen Brandherden ist der Sudan. Im Sudan erleben wir derzeit die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit. 33 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Rund zwölf Millionen sind auf der Flucht. Zahlen, die ein Gesicht haben. Ein Kind. Eine Mutter. Ein alter Mann. Und wir? … Brandherde löscht man nicht durch Zuschauen! Wir können Afrika, wir dürfen die Menschen in Afrika nicht vergessen.“ (Bischof Dr. Heiner Wilmer, Predigt beim Abschlussgottesdienst des Katholikentages in Würzburg am 17. Mai 2026)

Eine in den Nuba-Bergen kocht auf dem offenen Feuer. Foto: SMC

Größte humanitäre Krise unserer Zeit
Die humanitäre Krise im Sudan hat alarmierende Ausmaße erreicht. Auf wirtschaftlicher Ebene ist das Land in eine echte „Kriegswirtschaft“ eingetreten. Lieferketten wurden unterbrochen, landwirtschaftliche Produktion nahezu aufgegeben und Importe stark eingeschränkt. Rohstoffe sind knapp und, wenn verfügbar, nur zu unerschwinglichen Preisen zu haben. Lebensmittel sind immer schwerer zu beschaffen, Treibstoff reicht nicht aus, um Transport und minimale Dienstleistungen zu gewährleisten. Medikamente sind für die meisten Menschen meist nicht verfügbar. Schätzungsweise 3,6 Millionen Kinder leiden unter akuter Mangelernährung, eine Erkrankung, die Wachstum und Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen kann.
In diesem dramatischen Szenario erscheint der Sudan als fragmentiertes Land, das zwischen Notstand und Zusammenbruch schwebt. Jeder Tag gleicht einem Überlebenskampf. Die Zahlen, so beeindruckend sie auch sind, vermitteln nicht vollständig die menschliche Tragweite der Krise: der Anblick menschenleerer Städte, die Stille geschlossener Schulen, die endlosen Warteschlangen für ein Stück Brot oder ein wenig Wasser, die Nächte, in denen man nicht weiß, ob der nächste Tag Sicherheit bringen wird. Es ist eine Krise ohne Ausweg, die nicht nur militärisch, sondern zutiefst menschlich, sozial und existenziell ist. Tag für Tag raubt sie Millionen von Menschen ihre Energie und Lebenskraft.

Das zerrissene Land ist der Verlierer im Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit.
Markus Körber

Psychische Abstumpfung
Aufgrund dieser Fakten ist es nicht übertrieben, den Sudan als Brandherd zu bezeichnen. Aber nehmen wir das noch wahr? Wer täglich von Krisen hört, entwickelt Schutzmechanismen und schaltet emotional ab. Man spricht von „psychischer Abstumpfung“. Genau das erleben wir im Bezug auf den Sudan. Ein einzelnes leidendes Kind erregt unser Mitgefühl, Millionen hungernde Menschen hingegen sind für unsere Psyche eine Überforderung. Der Krieg ist zu groß geworden, um noch emotional verarbeitet zu werden. Das zerrissene Land ist der Verlierer im Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit.

Die Comboni-Missionare öffnen, wie hier in Kosti, wieder ihre Schulen – zur Freude der Kinder. Foto: MCCJ

Rückkehr nach Khartum inmitten von Angst und Hoffnung
Der nordostafrikanische Staat ist derzeit zwischen der Armee und den Rapid Support Forces (RSF) geteilt. Die reguläre Armee, die auch die Regierung repräsentiert, kontrolliert den Norden und Osten des Landes, einschließlich der Hauptstadt Khartum. Der Westen und Teile des Südens bleiben Schauplatz heftiger Kämpfe. Hier sind insbesondere die Rapid Support Forces weiterhin aktiv. Der Provinzial der Comboni-Missionare, Pater Diego Dalle Carbonare, berichtet: „Die Bevölkerung kehrt langsam nach Khartum zurück. Im Moment sind wir elf Mitbrüder im Land. Wir sammeln Gelder, eröffnen wieder unsere Schulen und Pfarreien. Viele Menschen haben Zuflucht in unseren Einrichtungen gesucht. Die Gebäude sind nicht zerstört, sondern ‚nur‘ beschädigt und daher reparierbar.“

Menschenhandel mit Kindern
In den Nuba-Bergen haben die Comboni-Schwestern eine Gemeinschaft mit drei Mitgliedern. Die aus Spanien stammernde Regionaloberin Sr. Eulàlia besucht regelmäßig die Niederlassung. Bei ihrer letzten Fahrt über die Grenze vom Südsudan in die Nuba-Berge im Sudan (Frühjahr 2026) schreibt sie : „Ich habe Gruppen von 50 bis 100 Waisenkindern gesehen, darunter auch Babys, die mit zwei oder drei Frauen unterwegs sind. Kinder werden buchstäblich verkauft. Es ist ein richtiges Geschäft.“

Comboni-Schwester Eulàlia auf Besuch in den Nuba-Bergen, wo die Schwestern in der St. Peter-und-Paul-Gemeinde in Gidel und Umgebung tätig sind. Foto: SMC

Bakhita – „die Glückliche“
Es gibt auch hoffnungsvolle Geschichten wie die der dreijährigen Bakhita, die 2025 mit einer Gruppe von Menschen aus der Stadt Dilling (Region Kordofan) geflohen ist und ihre Eltern bei einem Drohnenangriff verloren hat. Die Frau, die sie mitnahm, hatte ihre eigenen Kinder zu ernähren. Sie erreichten das Lager „Amushegen“, aber es gab nicht genug zu essen für alle Kinder, die nach wochenlangem Marsch nur noch Haut und Knochen waren.
Die Comboni-Schwester Anita besuchte die Menschen im Lager. Als sie eine Decke hob, sah sie das kleine Mädchen darunter, das im Sterben lag. Sie brachte es ins Krankenhaus und versorgte es monatelang mit Hilfe von Krankenschwestern. „Als ich sie dieses Jahr im März in Gidel (Nuba-Berge) sah, lächelte sie, konnte laufen und ihre Haare wuchsen wieder“, so Regionaloberin Sr. Eulàlia. Da das Mädchen aufgrund der traumatischen Erlebnisse seinen Namen vergessen hatte, nannte man es Bakhita (die Glückliche). Sie wurde von der Familie von Doktor Tom Catena, einem amerikanischen Arzt im Krankenhaus in Gidel, adoptiert. Bakhita hat wirklich „Glück“ gehabt.

Markus Körber

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