13. Juli 2026

Wie viele andere Südtiroler, die in ihrer Jugend zunächst den Wunsch in sich verspürten, einmal als Missionar zu wirken, sich später aber für einen anderen Beruf entschieden, erinnert sich auch Dr. Franz Berger aus St. Pankraz im Ulten gerne an seine Studienjahre bei den Comboni-Missionaren.

Nach der Matura im Jahr 1962 habe ich damals davon geträumt, Missionar zu werden. Folgende Gründe dürften dabei eine Rolle gespielt haben: Ich spürte zum einen in mir so etwas wie ein angeborenes Fernweh. Zum anderen war es wohl auch die Ausstrahlung des Herz Jesu-Missionshauses Milland und das Vorbild meines Landsmannes und Missionars P. Karl Kuppelwieser, das mich angesprochen hat.

So begann ich im Herbst 1962 zusammen mit Sepp Profanter, der mein Mitschüler im Johanneum war und der später viele Jahre als Weltpriester in der Diözese Brixen wirkte, das Noviziat in Deutschland. Der Novizenmeister P. Anton Baumgart war sehr streng, vor allem mit sich selbst. Aber ich habe ihn andererseits auch als sehr menschlich erlebt. Es war eine schöne Zeit. Wir waren einfach eine lustige Gemeinschaft. Wir machten die religiösen Übungen, arbeiteten bei der Heuarbeit mit, machten so manche Ausflüge und lachten viel. So kann ich mich erinnern, dass wir 15 Novizen in unseren Talaren in den Bänken der Kapelle stehend wie gewöhnlich meditierten, bis plötzlich einer zu lachen begann und daraufhin die ganze Gruppe minutenlang vor Lachen geschüttelt wurde.

Nach dem Noviziat war ich ab Herbst 1964 drei Jahre im Missionshaus Milland. Wir Theologiestudenten besuchten die Vorlesungen im Priesterseminar Brixen und lebten in Gemeinschaft mit älteren Patres und Brüdern im ehemaligen Ansitz Vintler-Platsch. Auch diese Zeit ist mir besonders durch schöne Gemeinschaftserlebnisse in Erinnerung geblieben.

Nach einem Freisemester in Würzburg lebte ich einige Zeit im Scholastikat der Comboni-Missionare in Bamberg und besuchte dort die theologische Hochschule. Der Leiter des Missionshauses P. Dr. Josef Heer war zugleich Hochschulseelsorger in Bamberg und nahm uns zu Veranstaltungen und Ausflügen mit Studierenden der Pädagogischen Hochschule und der Pharmazie mit. Ich gebe gerne zu, dass der Kontakt mit den Studentinnen, die ich näher kennenlernen durfte, wohl dazu beigetragen hat, dass ich schließlich verstand, nicht für ein eheloses Leben geschaffen zu sein. Um Weihnachten 1968 trat ich deshalb aus dem Orden aus, schloss aber noch das Theologiestudium in Bamberg ab.

Ich begann dann ein zweites Studium in Innsbruck, das ich 1975 mit dem Doktor der Philosophie abschloss. In diesen Jahren arbeitete ich nebenbei als Heimleiter an der Landwirtschaftsschule Fürstenburg in Burgeis. 1972 heiratete ich die Hauswirtschaftslehrerin Inge Huber aus Weissenbach im Tiroler Lechtal. Im Frühjahr 1975 zogen wir nach Südtirol. Ich erhielt eine Anstellung beim Land und hatte dabei großes Glück. Zusammen mit guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konnte ich bis Ende 1998 das Netz der Öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken in Südtirol ausbauen und weiterentwickeln. Es war eine vielseitige Tätigkeit, die ich vor allem als Gemeinschaftsarbeit in Erinnerung behalte. Von 1999 bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2007 durfte ich schließlich noch den Aufbau der Bibliothek an der Freien Universität Bozen begleiten.

Wenn ich jetzt so auf mein Leben zurückschaue und mich an die Orte erinnere, die meine Kindheit und Jugend geprägt haben, dann ergreift mich eine leise Wehmut: Mein Heimathof wurde abgerissen und existiert nicht mehr. Das Dorf Kuppelwies, wo ich zur Volksschule ging, hat sich total verändert. Und das ehemalige bischöfliche Knabenseminar Johanneum wurde vor 25 Jahren aufgelassen, im Jahr 2008 verkauft und steht seither als bedrückender Leerstand in der Landschaft. Einzig das Missionshaus Milland, das ich vor kurzem besucht habe, ist für mich bei aller Veränderung ein lebendiger Ort geblieben. Von diesem Haus und der Zeit bei den Comboni-Missionaren habe ich vor allem den Sinn für Gemeinschaft mitgenommen. Diese Erfahrung konnte ich im Beruf und privat immer wieder machen.

Ich hatte immer meine Freude daran, Menschen zusammenzuführen und sie Gemeinschaft erleben zu lassen: auf Seminaren, Studien- und Kulturfahrten, Ausflügen und Treffen. Die bei den Comboni-Missionaren gewonnene Überzeugung, dass alle Menschen vor Gott gleich sind und gleiche Rechte haben, hat mir in den letzten Jahren sehr geholfen, auch und gerade die Migrationsbewegungen unserer Zeit besser zu verstehen. Ich glaube, dass Menschen aus armen Ländern das Recht haben, für sich und ihre Familien in reicheren Ländern wie bei uns eine bessere Zukunft zu suchen. Ich halte daher das Wort „Abschiebung“ für das Unwort des Jahrhunderts. Man kann einen Tisch wegschieben oder einen Stuhl oder auch den Schnee, aber doch nicht Menschen! Das ist meines Erachtens mit dem, was Jesus verkündet hat, nicht vereinbar.

Dr. Franz Berger